Assuan (, Eswan; Swān) ist eine ägyptische Stadt (106 Meter über NHN) am östlichen Ufer des Nils unterhalb des ersten Katarakts. Sie ist die Hauptstadt des nach ihr benannten Gouvernements Assuan und mit über 281.000 Einwohnern (Berechnung: 2010) World Gazetteer nach Luxor, Asyut und Fayyum die viertgrößte Stadt Oberägyptens. Assuan ist die südlichste Stadt Ägyptens, das Verwaltungsgebiet des Gouvernements reicht bis hinter Abu Simbel an die Grenze des Sudan.
Der Name der Stadt geht auf das altägyptische Swnw (Sunu; Swenu) zurück,Rainer Hannig: Großes Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch: (2800–950 v. Chr.). von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-1771-9, S. 1181. was „Handel“ bedeutet.Giovanna Magi: Assuan. Philae, Abu Simbel. Übersetzt von Christine Hock. Casa Editrice Bonechi, Florenz 1992, ISBN 88-7009-240-2, S. 4. In der ptolemäischen Epoche wurde daraus der altgriechische Name Συήνη (Syène), unter der römischen Herrschaft das lateinische Syene oder Siene. Über das abgeleitete koptische Swān hat sich der Stadtname in Form des arabischen Aswān bis heute erhalten.
Geografie Geografische Lage
Assuan liegt an der Südostseite einer Flussbiegung des Nils, etwa 13 Kilometer nördlich des 5250 km² großen Nassersees. Der See entstand infolge des Anstauens des Nilwassers durch den nach der Stadt benannten Assuan-Hochdamm. Zwischen dem Hochdamm und dem Stadtgebiet befindet sich sechs Kilometer südwestlich des Stadtzentrums die alte Assuan-Staumauer. Von dieser bis Assuan umfließt der Nil einige Inseln, deren nördlichste, Elephantine und die Kitchener-Insel, heute zur Stadt gehören. Das Stadtgebiet östlich des Nils erstreckt sich bei einer Ost-West-Ausdehnung von 2,5 Kilometern auf einer Länge von 5 Kilometern entlang des Flusses von Nord nach Süd. Im Osten schließt sich die Arabische Wüste, westlich des Nils die Libysche Wüste an. Landwirtschaftlich nutzbare Flächen befinden sich nahe Assuan ausschließlich nördlich der Stadt auf schmalen Streifen beiderseits des Flusses.
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Die Stadt Assuan verdankt ihre Bedeutung der Lage unterhalb des ersten Katarakts des Nils. Von hier aus war der Fluss in Richtung Unterägypten schiffbar. Die Katarakte, durch Blöcke und Felsriegel gegliederte Stromschnellen, behinderten die Weiterfahrt nach Süden, so dass Assuan als Anlaufpunkt der Handelskarawanen aus Nubien zu einem wichtigen Umschlag- und Handelsplatz wurde. Durch den Bau der Staudämme sind die Stromschnellen heute nicht mehr in ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild vorhanden. Mittlerweile wandelte sich Assuan zu einer Stadt der Verwaltung und des Tourismus, auch wenn der Handel noch eine Rolle spielt und der Granit- und Erzabbau, die Chemische Industrie mit überwiegender Verarbeitung von Stickstoffsalzen (Düngemittel) und der Hochdamm Arbeitsplätze bieten. Das Verwaltungsgebiet des Gouvernements Assuan reicht entlang des Nils 120 Kilometer nach Norden bis hinter Edfu und etwa 270 Kilometer nach Südwesten beiderseits des Nassersees bis zur sudanesischen Grenze.
Assuan ist Endpunkt der Bahnlinie von Qina, die über Luxor, Esna, Edfu und Kom Ombo verläuft. Der Assuan-Hochdamm ist dabei an das Schienennetz mit angeschlossen.Egyptian National Railways: Fahrplan. Auf: enr.gov.eg. Der Hauptbahnhof befindet sich etwa 400 Meter vom Nil entfernt im nördlichen Stadtbereich nahe dem Markt (Souk). Neben den Straßen am Nil entlang nach Norden bestehen weitere, zum Teil unbefestigte Straßenverbindungen auf beiden Seiten des Nassersees und in Richtung des 225 Kilometer entfernten Roten Meeres. Der Flughafen der Stadt, Assuan International, liegt sechs Kilometer westlich des Assuan-Hochdamms in der Libyschen Wüste. Eine wichtige Verkehrsader für Assuan bleibt jedoch der Nil, auf dem die für den Tourismus wichtigen Flussreiseschiffe von Luxor verkehren und der Frachtverkehr nach Unterägypten abgewickelt wird. Die Anlegestellen der auf dem Nil verkehrenden Kreuzfahrtschiffe liegen innerhalb der Stadt entlang des gesamten östlichen Nilufers.
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Am östlichen Nilufer, gegenüber der Insel Elephantine, verläuft die Corniche el-Nil, eine Uferpromenade mit Touristenrestaurants und den Anlegestellen für die Kreuzfahrt- und Ausflugsschiffe. Am Südende der Uferstraße steht das 1902 erbaute Old Cataract Hotel, das Agatha Christie als Romanschauplatz diente. Das Geschäftszentrum und die touristische Fußgängerzone von Assuan befinden sich in den Parallelstraßen östlich der Corniche. Die Stadt erstreckt sich nach Süden durch neue Wohnblocks, die sich in den Wüstenhügeln im Südosten zu Trabantensiedlungen ausweiten.
Von der mittelalterlichen arabischen Altstadt im östlichen Teil der Innenstadt sind nur noch geringe Baureste in schlechtem Zustand auszumachen. Nach Osten erobert eine informelle Siedlung mit teilweise nicht befahrbaren, engen Verkehrswegen die Hügel. Auf der Insel Elephantine wird unter schattenspendenden Bäumen auf kleinen Parzellen traditioneller Bewässerungsfeldbau betrieben, die dort als „traditionelles nubisches Dorf“ bezeichnete Siedlung möchte ein Klischee bedienen und hat mit einem solchen nichts zu tun.
Klima Regen ist in Assuan sehr selten und kann über Jahrzehnte ausbleiben. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge beträgt nur etwa ein Millimeter und fällt hauptsächlich, wie schon im Alten Ägypten, im Mai.
Kurze Zeit später beginnt in Äthiopien die Regenzeit, die den Nil ab Anfang Juni anschwellen lässt; im August erreicht der Nil seinen Höchststand und der Assuan-Stausee wird wieder aufgefüllt. Mit den nachlassenden Niederschlägen, Mitte September in Äthiopien, erreicht der Nil ab Ende Oktober wieder sein normales Niveau. Der Wasserstand des Nil wurde in der Antike mit Nilometern gemessen, wie einer in der Nähe des Chnum-Tempels auf Elephantine zu sehen ist. Seit dem Staudammbau bleiben flussabwärts sowohl die Nilfluten als auch der früher mittransportierte und für die Landwirtschaft notwendige fruchtbare Nilschlamm aus.
Die durchschnittlichen Höchsttemperaturen um 41 Grad Celsius werden im Juli erzielt, doch können auch vereinzelt Temperaturen bis 50 Grad Celsius erreicht werden. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei ca. 26 Grad Celsius. Das Klima ist durch die trockene Hitze außerhalb der extrem heißen Sommermonate angenehm erträglich.
Geschichte Die Geschichte Assuans reicht bis in die vordynastische Naqada-Kultur, mit Siedlungsspuren um 3500 v. Chr., und frühdynastische Periode der altägyptischen Pharaonen zurück. Schon zur Zeit der 1. Dynastie bestand auf der östlichen Seite der Insel Abu oder Yebu, dem südöstlichen Teil der heutigen Insel Elephantine, eine Festung aus Lehmziegeln mit angeschlossener Siedlung für die Garnison. Ab bedeutete auf ägyptisch „Elefant“, die Siedlung hieß in altägyptischer Zeit Swnw (Sunu; Swenu). Sie stellte über einen langen Zeitraum die südliche Grenze Ägyptens und Tor nach Schwarzafrika dar, über die der Handel mit Nubien abgewickelt wurde. Nach Ägypten eingeführt wurden vor allem Gold, Elfenbein, Edelhölzer, Kräuter und Pfauenfedern, aber auch Menschen, die als Sklaven oder Soldaten zum Einsatz kamen.Giovanna Magi: Assuan. Philae, Abu Simbel. Übersetzt von Christine Hock. Casa Editrice Bonechi, Florenz 1992, ISBN 88-7009-240-2, S. 3.
mini|hochkant| Eine wichtige Bedeutung hatte Assuan im Altertum auch als Lieferant von Granit und Rosengranit, plutonischem Gestein, das man in den nahen Steinbrüchen abbaute und nach Norden verschiffte. Obelisken, Statuen und Monolithschreine wurden aus dem Fels geschlagen und bereits vorgefertigt ausgeliefert. Die Reste der Steinbrüche stehen heute als archäologische Stätten unter dem Schutz der Regierung Ägyptens, darunter auch das Freilichtmuseum mit dem unvollendeten Obelisken im südlichen Teil des Stadtgebiets von Assuan. Die Steinbrüche erstreckten sich südlich bis zur Insel Philae. Weiterhin stehen die Steinbrüche seit 1979 auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO.UNESCO World Heritage Centre: Nubian Monuments from Abu Simbel to Philae. Auf: whc.unesco.org
Aufgrund der strategischen Lage wurde Swenu die Hauptstadt des ersten oberägyptischen Gaues Ta-seti, dem „Gau des (nubischen) Bogenlandes“. Als Gaugötter wurden Chnum, Satet, Anuket, Isis, Nephthys, Horus, Osiris und Seth verehrt. Ihnen wurden viele der Tempel in Assuan und der näheren Umgebung geweiht, von denen noch heute einige zu besichtigen sind, wie die Tempel von Philae. Aber auch in Assuan selbst sind einige Bauten aus altägyptischer Zeit erhalten, unter anderem die Nilometer auf Elephantine. Erste Ansiedlungshinweise vom Ostufer des Nils stammen aus der Zeit der 20. Dynastie, eine Ausbreitung auf das heutige Stadtgebiet erfolgte während der 30. Dynastie. Unter den nachfolgenden Ptolemäern verlor die Insel Elephantine ihre Bedeutung als Siedlungsort.
Ab der Zeit der griechischen Ptolemäer wurde der Ort Syène genannt. Die ägyptische Grenze verlief nun weiter südlich hinter Philae. Bekannt ist Syène aus dieser Epoche als Messpunkt für die Bestimmung des Erdumfangs durch den Leiter der Bibliothek von Alexandria Eratosthenes. In der griechisch-römischen Zeit errichtete man auf Elephantine zwei neue Tempel. Ebenso stammen die meisten Tempel der Insel Philae südlich der Stadt aus diesem Zeitabschnitt. Der dort beheimatete Isis-Kult verwehrte sich bis 535/37 der von den byzantinischen Herrschern geforderten Christianisierung. Schon 200 Jahre zuvor, in den frühen 330er Jahren, wurde Syène zu einem Bischofssitz und widerstand als solcher in Ägypten mit am längsten der Islamisierung, die mit der muslimischen Eroberung der Stadt 642 durch ʿAbd Allāh ibn Saʿd begann.Michael Dumper, Bruce E. Stanley: Aswan. In: Cities of the Middle East and North Africa: A historical encyclopedia. ABC-CLIO 2007, ISBN 978-1-57607-919-5, S. 51 Eingeschränkte Buchvorschau auf books.google.de. Im Hochmittelalter kam es durch andauernde Kämpfe mit den Blemmyern (Bedscha) und einer Pestepidemie zu einem Niedergang der Stadt, der erst mit der osmanischen Eroberung Ägyptens ein Ende fand.
Im Jahr 1902 ging der alte, von den Engländern erbaute, zwei Kilometer lange Assuan-Staudamm sechs Kilometer südlich der Stadt im Bereich des 1. Katarakts in Betrieb. 13 Kilometer südlich der Stadt wurde 1971 der neue Assuanhochdamm mit 3,6 Kilometer Länge und 111 Meter Höhe eingeweiht; er staut den 400 Kilometer langen Nassersee. 1964 startete die UNESCO die größte Rettungskampagne in der Geschichte der Archäologie. Sowohl Tempel wie Abu Simbel als auch rund 35 Dörfer wurden versetzt. Fast 150.000 Menschen wurden umgesiedelt, die meisten auf ägyptischer Seite nach Kom Ombo etwa 60 Kilometer nördlich von Assuan, auf sudanesischer Seite nach New Halfa in der Butana-Region.
1977 war der jugoslawische Staatspräsident Josip Broz Tito als Gast von Anwar as-Sadat nach Assuan eingeladen. Weil aber kurz zuvor der Internationale Währungsfonds Kürzungen der Beamtenlöhne und Streichungen bei den Brotpreissubventionen durchgesetzt hatte, worauf Fino-Brot 50 % teurer wurde, brachen Unruhen aus. In Assuan brannten Demonstranten die für den Empfang Titos aufgestellten Blumen-Triumpfbögen nieder.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|
Nur wenige Monumente der antiken Stadt sind im modernen Stadtbild erhalten geblieben. Dazu zählen ein Isis geweihter Tempel aus der Zeit Ptolemaios III. Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. im südlichen Teil der Stadt, in der Nähe des Fatimidenfriedhofs und Reste eines Tempels aus der Zeit des Domitian. Seit 2001 führen das Schweizerische Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde Kairo und das Supreme Council of Antiquities Egypt in der modernen Stadt systematische Rettungsgrabungen durch.Schweizerisches Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde (Kairo): Assuan / Syene. Auf: swissinst.ch