mini|296px|Boppard mini|296px|Die Rheinpromenade von Boppard mini|296px|Boppard, 1886 mini|296px|Lage von Boppard (am rechten Bildrand) am Bopparder Hamm Die ehemalige Reichsstadt Boppard () ist eine verbandsfreie Stadt im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal im Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz. Die Stadt ist ein staatlich anerkannter Luftkurort und geprägt vom Weinbau. Sie wurde am 31. Dezember 1975 neu gebildet, Angaben von vor 1976 beziehen sich in diesem Artikel nur auf den heutigen Ortsbezirk Boppard, der der größte der zehn Ortsbezirke der Stadt Boppard ist.
Geographie Räumliche Lage Boppard liegt am oberen Mittelrhein, dem sogenannten Mittelrheintal. Diese charakteristische, enge Talform entstand durch Tiefenerosion des Rheins. Das Obere Mittelrheintal gehört seit 2002 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Der Rhein bildet auf einer Länge von siebzehn Kilometern die östliche Grenze der Stadt. An ihm liegen die Ortsbezirke Hirzenach, Bad Salzig und Boppard.
Direkt nördlich von Boppard macht der Rhein seine größte Schleife. Diese trägt den Namen Bopparder Hamm. Jedoch bezeichnet man meist mit diesem Begriff das dort befindliche Weinanbaugebiet.
Boppard liegt laut Angabe des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie auf .Bundesamt für Kartographie und Geodäsie zur Ortslage Boppard: Höhe 74 m ü. NHN
Die Fleckertshöhe ist mit 531 m ü. NN die höchste Erhebung im Stadtgebiet.
Die Stadt Boppard gehört seit 1969 zum Rhein-Hunsrück-Kreis und ist dessen nördlichster Bezirk. Boppard ist ein Mittelzentrum, das nächstgelegene Oberzentrum ist das etwa zweiundzwanzig Kilometer entfernte Koblenz.
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die Stadt erstreckt sich über eine Fläche von 75,27 km². Das Stadtgebiet hat eine maximale Ausdehnung in Ost-West-Richtung von rund 14,5 km und in Nord-Süd-Richtung von etwa 11,8 km.
Während die Siedlungs- und Verkehrsflächen rund 15,3 % des Stadtgebietes ausmachen, entfällt mit 62,1 % der überwiegende Teil des Bodens auf Waldflächen und 18,8 % auf Landwirtschaftsflächen.
Stadtgliederung Das Gebiet der Stadt Boppard gliedert sich in zehn Ortsbezirke, die teilweise noch eigene Ortsteile haben. Am Rhein liegen die drei Ortsbezirke Boppard, Bad Salzig und Hirzenach. Zum Ortsbezirk Boppard gehört noch der Ortsteil Buchenau, der nicht direkt am Rhein liegt. In den Rheinhöhen liegen die Ortsbezirke Holzfeld, Rheinbay und Weiler mit dem Ortsteil Fleckertshöhe und im Vorderhunsrück liegen die Ortsbezirke Buchholz, Herschwiesen mit dem Ortsteil Windhausen, Oppenhausen mit dem Ortsteil Hübingen und schließlich Udenhausen. Siehe auch die Liste der Orte im Rhein-Hunsrück-Kreis#Verbandsfreie Stadt Boppard.
Ortsbezirk Einwohner(2025)Einwohner von Boppard (Erst- und Zweitwohnsitze), Stand 31. Dezember 2025 Boppard 7.523 davon: Buchenau 1.892 Bad Salzig 2.544 Buchholz 2.754 Herschwiesen 355 Hirzenach 259 Holzfeld 450 Oppenhausen 846 Rheinbay 192 Udenhausen 560 Weiler 731 Stadt Boppard 16.214
Klima Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 10,1 °C. Der wärmste Monat ist der Juli mit einer Temperatur von 18,6 °C, der kälteste der Januar mit 1,3 °C. Der Jahresniederschlag beträgt 598 mm. Der trockenste Monat ist der Februar bzw. April, die meisten Niederschläge fallen im August.
Flora und Fauna Der Bopparder Stadtwald ist mit einer Fläche von 43,6 km² der zweitgrößte in Rheinland-Pfalz nach Neustadt an der Weinstraßeboppard.de: , abgerufen am 15. März 2011. und die Stadt liegt damit deutschlandweit auf Rang 15 der größten kommunalen Waldbesitzer.Liste der größten deutschen Stadtwälder: wald-prinz.de Abgerufen am 15. März 2018. Aufgrund der Bewirtschaftung nach ökologischen Maßstäben verfügt der Stadtwald über eine Naturland- sowie FSC-Zertifizierung, dies beinhaltet auch, dass rund 300 Hektar Waldfläche gar nicht bewirtschaftet werden und naturbelassen bleiben.Boppard wird immer natürlicher, abgerufen am 15. März 2018.
Im Bopparder Hamm befindet sich das weltweit einzige Vorkommen der Iberis boppardensis, der Bopparder Schleifenblume, außerdem eines der nördlichsten Vorkommen der Westlichen Smaragdeidechse in Mitteleuropa.
Im Stadtgebiet existiert ein Naturschutzgebiet im Ortsteil Buchenau (Hintere Dick-Eisenbolz) mit einer Fläche von 54,63 Hektar, außerdem liegt Boppard im FFH-Gebiet Mittelrhein sowie dem europäischen Vogelschutzgebiet Mittelrheintal.
Die 1871 gepflanzte Kaiserlinde auf dem Marktplatz stürzte 1965 um und wurde nach einer illegalen Pflanzung in der Hexennacht 1978 dann 1979 offiziell durch eine Neupflanzung ersetzt.
Geschichte Altsteinzeit Während der Begehung einer Baugrube, unweit des Hauptbahnhofs, gelang dem Verein ARRATA e. V. im Jahr 2001 eine im Welterbe Oberes Mittelrheintal sensationelle Entdeckung: Am Boden der Baugrube erkannte der Archäologe Wolfgang Welker typische Steingeräte der sogenannten Federmesser-Kultur. Bei späteren Grabungen der Landesarchäologie wurden eine Feuerstelle, Knochen vom Rothirsch und Steingeräte, darunter typische Pfeilspitzen („Federmesser“) entdeckt. Der Lagerplatz, der unterhalb einer Bimsschicht des Laacher-See-Ausbruchs liegt, ist ungefähr 13000 Jahre alt und datiert an das Ende der Altsteinzeit (Spätpaläolithikum).Wolfgang Welker: Archäologische Fundmeldungen von ARRATA e. V. – Die Entdeckung des spätpaläolithischen Fundplatzes Boppard/Rhein. In: Abenteuer Archäologie. Heft 4, 2002, , S. 49–51. Als besonderer Fund gilt ein verziertes Knochengerät, das vielleicht als Glätter für die Bearbeitung von Leder diente, siehe Spätpaläolithischer Glätter von Boppard.Stefan Wenzel: Ein verziertes Knochengerät spätaltsteinzeitlicher Hirschjäger aus Boppard, Rhein-Hunsrück-Kreis. In: Archäologie in Rheinland-Pfalz. Mainz 2003, S. 13–15.
Römerzeit mini|links|Spätrömisches Kastell mini|links|Darstellung in der Peutingerschen Tafel (Pfeil auf Mainz).
Im Zuge der Eroberung Galliens durch Cäsar und der anschließenden römischen Besiedlung des linksrheinischen Gebiets folgte die Gründung des „Vicus Baudobriga“ (Bodobriga, Bontobrica) unmittelbar am Rhein im Eingangsbereich zum Mühltal. Durch das Mühltal wurde die Rheintalstraße mit der Ausoniusstraße verbunden. Seine Blütezeit hat das Fischer- und Händlerdorf zwischen dem 1. und dem 3. Jahrhundert.
Der Name der Siedlung ist keltischen Ursprungs, weshalb anzunehmen ist, dass es vorher oder auch gleichzeitig keltische Besiedlung gab. Die keltische Namensform Boudobriga kann nicht nur rekonstruiert werden, sondern ist in dieser Lautung in zwei lateinischen Inschriften belegt. Der Name bedeutet „Ruhm-Burg“ oder „Sieg-Burg“, wobei unklar ist, ob sich dieser Name auf ein konkretes historisches Ereignis bezieht. Möglich ist aber auch die Bedeutung ‚befestigte Anhöhe des (A)boudios‘ (Boudios + briga).
Durch den Ausbau des Limes um das Jahr 160 n. Chr. verlor der Mittelrhein vorübergehend an strategischer Bedeutung, die römisch-germanische Grenze verlief nun etwa 20 Kilometer nordöstlich von Boppard auf der Linie von Bad Ems nach Hunzel. Jedoch wurde der Rhein für den Nachschub und den Fernhandel immer wichtiger. In der um 222/235 entstandenen Peutingerschen Tafel wurde das heutige Boppard unter dem Namen Bontobrice und in dem spätrömischen Staatshandbuch Notitia dignitatum als Bodobrica erwähnt. Im Jahre 260 mussten die rechtsrheinischen Gebiete aufgegeben und den Germanen überlassen werden. Dadurch wurde der Rhein wieder zur Grenze des römischen Reiches. Kaiser Julian stoppte 355 eine neuerliche germanische Invasion und begann mit der Sicherung des Mittelrheins, die sein Nachfolger Kaiser Valentinian I. zu Ende führte. In dieser Zeit wurde auch das spätrömische Kastell Baudobriga an der römischen Rheintalstraße errichtet, es lag etwa einen Kilometer südöstlich der damaligen zivilen Siedlung. Gegen Ende des Jahres 405 wurden die römischen Truppen zum Schutze Italiens abgezogen. Vermutlich noch in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts wurde auch das Kastell Boppard, wie auch die anderen römischen Kastelle am Mittelrhein, von den Germanen erobert, endgültig endete die römische Herrschaft hier im Jahre 454 n. Chr.
Frühes Mittelalter Nach dem Abzug der römischen Truppen bewohnte die Zivilbevölkerung das frühere, nach wie vor intakte, römische Kastell weiter. Um 406 wurde das ehemalige Militärbad durch einen Brand zerstört, an dieser Stelle an der Innenseite der nördlichen Kastellmauer wurde aus den Überresten des aufgegebenen Bades im 6. Jahrhundert dann der erste Vorgängerbau der heutigen St.-Severus-Kirche errichtet. Im 5. Jahrhundert wurde aus dem früheren römischen Kastell Boppard ein merowingischer Königssitz, zu dem nicht nur der Fiskalbezirk, sondern auch die weitere Umgebung gehörte, insbesondere die riesigen Hunsrückwaldungen.
Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt stammt aus dem frühen Mittelalter im Jahr 643 als Bodo fricense.www.regionalgeschichte.net: Historisches Ortslexikon Nach Angaben der um 700 entstandenen Kosmographie von Ravenna war Boppard damals unter dem Namen Bodorecas immer noch eine befestigte Siedlung. Im Jahr 803 wurde Boppard bereits als Reichsstadt bezeichnet. Eine weitere Urkunde datiert aus dem Jahr 814, in welcher u. a. eine Kapelle und ein Fiskalgut in Bodobrio (Boppard) genannt werden. Aus diesem Fiskalgut entwickelte sich ein fränkischer Königshof und das Verwaltungszentrum des Bopparder Reiches.www.regionalgeschichte.net: Zur Geschichte von Boppard. Abgerufen am 9. Januar 2014.
Im Laufe des Mittelalters wurde Boppard oft von den deutschen Königen aufgesucht, die dann im Königshof residierten,Heinrich Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 255–261. welcher am Ende des Mühltals unmittelbar am Rhein lag. Belegt sind unter anderem ein erster Besuch von römisch-deutschen Kaiser Otto II. im Jahr 975 sowie im März 992 und im Januar 995 zwei Aufenthalte von römisch-deutschen König Otto III., der ab 996 den Kaisertitel trug. Für das Frühjahr 1180 ist ein Besuch von Kaiser Friedrich I. Barbarossa in Boppard belegt.
Boppard als freie Reichsstadt Im Laufe des Mittelalters entwickelte sich Boppard zu einer freien Reichsstadt, bereits unter Kaiser Heinrich III. erhielt die Stadt im Jahr 1050 Marktrechte, unter Heinrich IV. auch einen Zoll, Münzstätte war sie schon unter den Merowingern gewesen. Verwaltet wurden Stadt und umliegendes Reichsgut von Reichsministerialen, oberster Beamter vor Ort war der Schultheiß. Eine Reihe der Ministerialen lebte in der Stadt (siehe Adelshöfe). Nachzuweisen sind (unter anderem) die Beyer von Boppard, die Familie „unter den Juden“, von Schöneck und von Bickenbach (benannt nach dem Ort Bickenbach im Hunsrück). Aus dieser Glanzzeit Boppards stammt auch das große Stadtsiegel von 1236, das Boppard „freie Stadt des Reiches“ nennt. Die Selbstverwaltung der Reichsstadt erfolgte durch zwei Senate: der erste Senat bestand aus den in Boppard ansässigen Adligen, der zweite Senat bestand aus gewählten, nicht-adligen Bürgern der Stadt.
Unmittelbar nach der Absetzung Kaiser Friedrichs II. durch den Papst 1245 entbrannten Auseinandersetzungen um das Erbe der Staufer. Davon wurde auch der Mittelrhein in Mitleidenschaft gezogen. Als Wilhelm von Holland, der 1247 gewählte Gegenkönig, die Staufer am Mittelrhein angriff, stellte sich Boppard auf die Seite der Staufer. Dreimal, 1247, 1249 und 1250, scheiterte Wilhelm mit seinen Versuchen, die Stadt einzunehmen. Erst nach einer Belagerung im Herbst 1251 gelang ihm schließlich ihre Besetzung, in der Folge zahlte die Stadt für einige Jahre Tribut an Brabant.Paul Dolan: Boppards geheimnisvolles Templerhaus in Rund um Boppard Nr. 51/52 vom 21. Dezember 2018 1250 unterstützte der Trierer Erzbischof den König militärisch vor Boppard, was unter Umständen bereits auf das Interesse des einflussreichen Trierer Territorialherrn an der Entwicklung der Reichsstadt Boppard hindeutet.