Marienmünster ist eine 1970 im Zuge der Gemeindegebietsreform neu gebildete ostwestfälische Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland, und gehört zum Kreis Höxter. Namensgeber der Stadt ist das ehemalige Benediktinerkloster Marienmünster, das im 12. Jahrhundert errichtet wurde. In Marienmünster, das sich auf einer Fläche von rund 64 km² erstreckt, leben Einwohner. Die städtischen Behörden und weitere zentrale öffentliche Einrichtungen haben ihren Sitz im Ortsteil Vörden, das zwar kleiner ist als das benachbarte Bredenborn, aber den Vorteil der zentraleren Lage bietet.
Geografie Geografische Lage Marienmünster liegt im Nordosten von Nordrhein-Westfalen im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge. Die Stadt liegt im Kreis Höxter, dem östlichsten Kreis des Landes, im Weserbergland.
Wichtige Gewässer im Stadtgebiet sind die Niese und die Brucht.
Das Relief des Stadtgebiets ist stark gewellt, Kuppen und Senken wechseln sich kleinräumig ab. Der höchste Punkt liegt südöstlich von Bremerberg auf etwa , der niedrigste Punkt am Abfluss der Niese aus dem Stadtgebiet bei rund .
Geologie mini|Geothermische Karte von Marienmünster Der Festgesteinsuntergrund im Stadtgebiet wird wesentlich aus Ton-, Mergel- und Sandsteinen des Erdmittelalters bestimmt, im südlichen Randbereich auch aus Kalksteinen. Diese Sedimentgesteine sind hier zwischen einem und 1,5 km stark und stammen aus Trias und Jura. Sie wurden im Lauf der Erdgeschichte zu einem Bruchfaltengebirge gefaltet, zerbrochen und herausgehoben.
Tiefer liegt ein Festgesteinssockel, der aus Gesteinen des Erdaltertums (Devon, Karbon und Perm) besteht. Im flachwelligen westlichen Teil des Stadtgebiets, der zur Steinheimer Börde gehört, ist der Festgesteinsuntergrund von Lockergesteinen des Eiszeitalters (Kies, Sand und Löss) bedeckt.
Kalksteine, Sandsteine und Tonmergelsteine der Trias sind die wichtigsten Grundwasserleiter. Zum Teil sind die Grundwässer jedoch durch Lösung von Gips und Steinsalz im tieferen Untergrund versalzen, so dass sie nicht als Trinkwasser verwendet werden können.
Die Böden im Gebiet von Marienmünster sind sehr vielfältig und wechseln kleinräumig. Im Süden, Westen und Nordwesten treten vorrangig schluffig-lehmige Parabraunerden auf, zum Teil wegen Staunässe auch als Pseudogley; sie werden ackerbaulich genutzt. Im Norden finden sich über Ton- und Mergelsteinen der Trias nährstoffreiche schluffig-tonige bis tonige Braunerden und Pseudogley-Braunerden, auch sie werden ackerbaulich genutzt, in einzelnen Fällen bieten sie Laub- oder Mischwäldern Raum.
Im Osten kommen neben den bereits oben beschriebenen Böden auf größeren zusammenhängenden Flächen Pseudogleye vor, die ausschließlich Ackerbaustandorte sind.
Im Süden und Südosten finden sich in einem Rahmen aus tonigem Lehm und lehmigem Tonwerden Braunerden Kalkstein-Verwitterungsböden. Auch hier herrscht landwirtschaftliche Nutzung vor, lediglich in Fällen großer kleinflächiger Höhenunterschiede findet sich Buchenwald. In Bachtälern haben sich Gleye entwickelt, die eine Grünlandnutzung erfahren.
Marienmünster eignet sich durchweg gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB).
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die als „Kleine Landgemeinde“ klassifizierte Stadt umfasst eine Fläche von 64,35 km². Die größte Ausdehnung in Nordsüdrichtung beträgt etwa 9,8 km und in Ostwestrichtung etwa 9,2 km. Zentralort der Stadt Marienmünster ist der Stadtteil Vörden, wo sich auch die Stadtverwaltung und alle wichtigen öffentlichen Einrichtungen befinden.
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 45,63 11,71 2,77 3,16 0,49 0,32 0,27 Anteil an Gesamtfläche 70,91 % 18,20 % 4,30 % 4,91 % 0,76 % 0,50 % 0,42 %
Nachbargemeinden
Beginnend im Norden grenzen im Uhrzeigersinn an Marienmünster die Städte Schieder-Schwalenberg und Lügde im Kreis Lippe sowie Höxter, Brakel und Nieheim im Kreis Höxter.
Stadtgliederung Nach § 3 Abs. 1 ihrer Hauptsatzung gliedert sich die Stadt Marienmünster in folgende 13 Bezirke/Ortschaften, (PDF). die vor 1970 eigenständige Gemeinden im Amt Vörden waren: Ortsteil Einwohner 2020 Einwohner 2015 Einwohner 2012 Einwohner 2009 Einwohner 2006 Fläche in km² Gliederung von Marienmünster 350px|zentriert Altenbergen 450 473 486 497 508 8,15 Born 84 99 98 108 103 2,80 Bredenborn 1382 1456 1497 1651 1604 13,44 Bremerberg 93 100 109 120 123 3,36 Eilversen 70 80 78 86 83 1,54 Großenbreden 100 95 93 104 107 1,65 Hohehaus 149 166 190 195 206 2,17 Kleinenbreden 113 116 127 131 133 0,93 Kollerbeck 689 734 744 764 773 7,57 Löwendorf 227 241 249 253 259 5,41 Münsterbrock 102 98 110 117 124 6,07 Papenhöfen 220 216 224 230 229 2,49 Vörden * 1261 1273 1331 1375 1399 8,78 Gesamt 4940 5147 5336 5541 5651 64,36(* = Sitz der Stadtverwaltung)
Die angegebenen Einwohnerzahlen ergeben sich aus Fortschreibungen des Kreises Höxter auf dem Stand vom 31. Dezember 2020,https://www.kreis-hoexter.de/unser-kreis/m_8985 Januar 2009 und Dezember 2006. Flächen der Ortsteile laut Katasteramt Kreis Höxter.
Die Stadtverwaltung hat ihren Sitz in Vörden.
Klima Klimadaten für Marienmünster sind nicht verfügbar, daher werden zur Darstellung der Temperaturen Daten des etwa zehn Kilometer südwestlich gelegenen Bad Driburg und für Niederschläge die Daten des nur etwa acht Kilometer westlich angrenzenden Nieheim herangezogen. Bei der Beurteilung ist zu berücksichtigen, dass Bad Driburg etwa 50 Meter niedriger liegt, während Nieheim auf etwa gleicher Höhe gelegen ist.
Marienmünster gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an und liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig warm. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei etwa 8,5–9 °C.
Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Insgesamt fallen an der westlich gelegenen Messstation Nieheim im langjährigen Mittel 908,4 mm Niederschlag jährlich und damit deutlich mehr als im deutschen Mittel (700 mm).
Das Bioklima von Marienmünster-Vörden und Umgebung weist eine große Vielfalt von Reizfaktoren verschiedener Intensität und Schonfaktoren auf, so dass hier gute Voraussetzungen für eine erfolgversprechende Anwendung des Klimas in der Therapie bestehen. Das gilt für alle Jahreszeiten, ausgenommen die Wintermonate, es sei denn, dass Schnee auf den Höhen des Weserberglandes, Teutoburger Waldes und Eggegebirges liegt und kontinental beeinflusstes, trocken-kaltes Wetter herrscht.
mini|Niederschlagsdiagramm Nieheim
Zum Klima in der Region Ostwestfalen-Lippe, zu der die Stadt gehört, siehe auch den Artikel Klima in Ostwestfalen-Lippe.
Geschichte Marienmünster gehörte seit der Gründung zur weltlichen Herrschaft des Bistums Paderborn, ursprünglich im Herzogtum Sachsen. Ab dem 14. Jahrhundert bildete sich das Territorium Hochstift Paderborn im Heiligen Römischen Reich, darin ab dem 16. Jahrhundert zum niederrheinisch-westfälischen Reichskreis. 1802/03 wurde das Hochstift vom Königreich Preußen besetzt. In napoleonischer Zeit war der Ort Teil des Königreiches Westphalen. Seit 1815 gehörte Marienmünster endgültig zum Königreich Preußen, ab 1871 war es Teil des Deutschen Reiches. Von 1945 bis 1949 war Marienmünster Teil der britischen Besatzungszone, ab 1946 staatlich regiert vom Land Nordrhein-Westfalen bzw. ab 1949 auch durch die Bundesrepublik Deutschland.
Geschichte der Ortsteile Da die Stadt Marienmünster erst im Zuge der Gebietsreform 1970 entstanden ist, gibt es keine zentrale Geschichtsschreibung für das heutige Stadtgebiet. Die geschichtliche Entwicklung ist demzufolge den einzelnen Ortsteilen zugeordnet.
Altenbergen Altenbergen dürfte zur Zeit von Kaiser Karl dem Großen (748–814) gegründet worden sein. Sankt Martin war der Nationalheilige der Franken und die Kirche in Altenbergen wurde ihm geweiht. Altenbergen fand die erste urkundliche Erwähnung im Archidiakonatsverzeichnis, das den Pfarrort als zum Sitz Steinheim gehörend ausweist. Im Jahr 1324 wurde die Pfarrei Altenbergen von Bischof Bernhard V. von Paderborn an das Benediktinerkloster Marienmünster übergeben. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde Altenberg wiederholt von Räuberbanden überfallen, von durchziehenden Truppen geplündert und von der Bevölkerung verlassen. Am Ende des 15. Jahrhunderts stand in Altenbergen nur noch die alte Kirche. Erst im folgenden Jahrzehnt wurde der Ort neu besiedelt und entwickelte sich zum Dorf. Zur gleichen Zeit traten die Bewohner Altenbergens unter dem Einfluss der Herren von Haxthausen zum lutherischen Bekenntnis über, doch schon 1617 vertrieben sie den lutherischen Pastor und wurden wieder katholisch.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) hatte Altenbergen unter Einquartierungen, Plünderungen und Zerstörungen fremder Truppen stark gelitten. Pfarrer Liberius Maus ließ 1662 das im Krieg zerstörte Pfarrhaus neu errichten, musste sich jedoch beim Bau einer Schule gegen den Willen der Bewohner durchsetzen. Wie viele Orte in der Region wurde auch Altenbergen von Feuersbrünsten heimgesucht. Im Jahr 1617 brannten 33 Häuser ab und am Passionssonntag 1781 kam es zu einem Brand, dem das Pfarrhaus und sieben weitere Häuser zum Opfer fielen. Die aus dem 13. Jahrhundert stammende alte Kirche war so massiv gebaut, dass sie alle Feuersbrünste überstand. Man riss sie erst 1899 ab und baute eine neue Kirche, die allerdings schon 1961 wegen Baufälligkeit ebenfalls abgerissen werden musste. Ein neuerbautes Gotteshaus wurde noch im gleichen Jahr von Weihbischof Nordhus geweiht. Von 1908 bis 1911 entstand das historische Windrad östlich von Altenbergen und diente bis 1959 zur Versorgung der Bewohner mit Frischwasser. Es ist ein Wahrzeichen des Ortes und darüber hinaus ein bedeutendes technisches Denkmal..
Born Born hieß früher Elbrachtessen, Elbrechsen, Elbrexen und Elbexter und gehörte ehemals den Grafen von Schwalenberg, die im 13. Jahrhundert ihre dortigen Besitztümer dem Kloster Marienmünster verkauften oder schenkten. Es kam in der Folge zu diversen Streitigkeiten zwischen dem Kloster und den Herren von Oeynhausen, den Pfandherren der Oldenburg. Es ging dabei um die Schnatgrenze zwischen den Feldmarken der Oldenburg und Elbrachtessen. In einem Vergleich wurde 1554 festgelegt, dass die Bauern ihre Frondienste zur Hälfte auf der Oldenburg und zur anderen Hälfte auf dem Klostergut ableisten mussten. In alten Lehnsbriefen von 1565 erscheint die Ortsbezeichnung Borun mit dem Felde zu Elbrechtsen, woraus schließlich Born entstanden sein könnte.
Zu einem heftigen Konflikt kam es im 17. und 18. Jahrhundert zwischen den Bauern und dem Kloster Marienmünster. Der fast 100 Jahre andauernde Streit ging um Huderechte in der Bornschen Feldmark und wurde schließlich am 2. Juli 1774 durch das Hof- und Provinzialgericht zu Paderborn entschieden. Die Borner Bauern bekamen Recht und durften ihr Vieh ab Martini in der Feldmark weiden lassen und als Tränke den zum Kloster gehörenden Greventeich nutzen. Nach der Säkularisation des Klosters gelangte der Klosterhof in den Besitz der Gemeinde Born. Das 1817 errichtete Nebenzollamt an der Grenze zum Fürstentum Lippe wurde bereits 1818 wegen schlechter Wege wieder geschlossen..
Bredenborn mini|hochkant|Standbild Bischof Balduins im Paderborner Dom