mini|Borgentreich von oben Borgentreich (plattdeutsch Bentreike) ist eine ostwestfälische Kleinstadt im Kreis Höxter im Osten von Nordrhein-Westfalen, Deutschland. In Borgentreich, das sich auf einer Fläche von rund 139 km² erstreckt, leben Einwohner. Für den heutigen Ortsnamen Borgentreich gibt es folgende historische Bezeichnungen: Berentreiche, Bogentrike, Borgentrike, Borgetrik.lwl.org Im Niederdeutschen wird der Ort auch als Borgentrike bezeichnet. Seit dem 24. Juli 2012 trägt Borgentreich offiziell den Titel „Orgelstadt“.Statistisches Bundesamt – Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2012
Geographie Geographische Lage Borgentreich liegt in der Warburger Börde an der Grenze des Landes Nordrhein-Westfalen zu Hessen zwischen Eggegebirge und Weser. Die nächstgelegenen Oberzentren sind das rund 35 km nordwestlich gelegene Paderborn und das rund 35 km südöstlich gelegene Kassel.
Die Kernstadt von Borgentreich wird in Ost-West-Richtung vom Mühlenbach (ein Eggel-Zufluss) durchflossen, durch den südlichen Stadtteil Körbecke fließt in Nord-Süd-Richtung der Vombach (ein Diemel-Zufluss) und vorbei am südwestlichen Stadtteil Lütgeneder verläuft in gleicher Richtung die Eggel.
Das Stadtgebiet weist große Höhenunterschiede auf, die niedrigste Höhe liegt mit am Abfluss der Eggel aus dem Stadtgebiet südlich von Rösebeck, die höchste Erhebung, der „Hohe Berg“ liegt auf südlich von Manrode in direkter Nähe zur Landesgrenze zu Hessen.
Geologie mini|Geothermische Karte von Borgentreich
Die Festgesteine wurden vor 240 bis 220 Millionen Jahren vorwiegend aus Sedimenten eines hier befindlichen Meeres bzw. aus Flüssen gebildet. Davon ausgenommen sind vulkanische Durchbrüche am Tannenkopf, im Weißholz, am Hohen Berg, Spiegelsberg und westlich Elendburg, die erst rund 19 Millionen Jahre alt sind. In den Taleinschnitten und in weiten Bereichen der Warburger Börde bedecken Lockergesteine des Eiszeitalters, vor allem vom Wind abgelagerter Löss, Sand und Kies, den Untergrund aus Festgestein, das vorrangig aus Ton- und Mergelsteinen, zum Teil auch aus Sand- und Dolomitsteinen des Keupers besteht. Im darunter liegenden Festgesteinssockel sind auch Gesteine des Buntsandsteins und des Erdaltertums zu finden.
Trinkwasser wird aus dem Grundwasser aus verschiedenen Gesteinen im Untergrund entnommen. Dabei sind die verkarsteten Kalksteine der oberen Muschelkalkzeit die wichtigsten Grundwasserleiter. Wegen Gipsführung in Tonsteinen sind die Grundwässer jedoch oft reich an Calciumsulfat, so dass sie nicht als Trinkwasser verwendet werden können. Aus diesem Grund besteht zur Sicherung der Trinkwasserversorgung eine Fernwasserleitung zur benachbarten Stadt Trendelburg.
Borgentreich eignet sich gut, in Kammlagen sehr gut, zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die Fläche der als „Große Landgemeinde“ klassifizierten Stadt von 138,76 km² besitzt eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 17,3 km und eine West-Ost-Ausdehnung von rund 16,6 km.
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km²111,7915,384,765,430,870,320,20 Anteil an Gesamtfläche80,56 %11,08 %3,43 %3,91 %0,63 %0,23 %0,14 %
Nachbargemeinden Borgentreich grenzt im Norden an die Stadt Beverungen (Kreis Höxter, Nordrhein-Westfalen), im Nordosten an die Stadt Bad Karlshafen, im Osten an die Stadt Trendelburg, im Südosten an die Stadt Liebenau (alle im Landkreis Kassel, Hessen), im Süden an die Stadt Warburg, sowie im Westen an die Stadt Willebadessen und im Nordwesten an die Stadt Brakel (beide im Kreis Höxter, Nordrhein-Westfalen).
Stadtgliederung mini|Blick über den Ortsteil Borgholz
Nach § 1 ihrer Hauptsatzung gliedert sich die Stadt Borgentreich in folgende zwölf Stadtbezirke, die vor 1975 eigenständige Gemeinden im Amt Borgentreich waren:
Ortsteil EinwohnerGliederung von Borgentreich 350px|zentriert Borgentreich 2566 Borgholz 1055 Bühne 1189 Drankhausen 61 Großeneder 823 Körbecke 668 Lütgeneder 423 Manrode 492 Muddenhagen 204 Natingen 335 Natzungen 800 Rösebeck 492 Gesamt 9040
Klima mini|Niederschlagsdiagramm Borgentreich
Borgentreich gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an. Es liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig-warm. Es herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Im langjährigen Mittel fallen mit 677,8 mm Niederschlag pro Jahr etwas weniger Niederschläge als im deutschen Mittel (700 mm). Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei etwa 8–9 °C.
→ siehe auch: Klima in Ostwestfalen-Lippe
Geschichte mini|Der historische Balkenturm Bei Ausgrabungen im Jahr 2011 wurde in der Nähe des Ortsteiles Großeneder ein Gräberfeld aus der Zeit um 4900 vor Christus innerhalb einer 14 Fußballfelder großen Siedlung entdeckt.Archäologen entdecken 7.000 Jahre altes Gräberfeld in Borgentreich. In: Neue Westfälische. 20. Dezember 2011().nw-news.de
Zum ersten Mal wurde Borgentreich im Jahr 1280 als Borguntriche erwähnt, als der Paderborner Bischof Otto von Rietberg vom Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg die Erlaubnis zur Stadtbefestigung erhielt. Die genaue Lage der bischöflichen Burg ist nicht überliefert, von der 1833 zum großen Teil abgebrochenen Stadtmauer ist noch der Balkenturm erhalten.
Borgentreich gehörte seit seiner Gründung zur weltlichen Herrschaft des deutschen Bistums Paderborn, ursprünglich im Herzogtum Sachsen. Ab dem 14. Jahrhundert bildete sich das Territorium Hochstift Paderborn im Heiligen Römischen Reich, darin ab dem 16. Jahrhundert zum niederrheinisch-westfälischen Reichskreis. Die Stadt gehörte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert zum Kreis der der Stadt Warburg zugeordneten Hansestädte. Neben Paderborn, Warburg und Brakel gehörte Borgentreich zu den vier sog. Hauptstädten des Hochstifts. Die Stadt war außerdem Sitz der Richterei Borgentreich, einer Untergliederung des Hochstifts, zu der auch die umliegenden Orte Bühne, Daseburg, Körbecke, Manrode, Muddenhagen und Rösebeck gehörten.
1802/03 wurde das Hochstift erstmals vom Königreich Preußen in Besitz genommen. Von 1807 bis 1813 gehörte Borgentreich zum Königreich Westphalen und war dort Hauptort des Kantons Borgentreich im Distrikt Höxter des Departements der Fulda. Seit 1815 gehörte Borgentreich endgültig zum Königreich Preußen und 1816 kam die Stadt zum Kreis Warburg in der Provinz Westfalen. 1836 erhielt die Stadt die preußische revidierte Städteordnung und wurde dadurch zu einer amtsfreien Stadt im Kreis Warburg. Am 1. April 1937 wurde Borgentreich in das Amt Borgholz eingegliedert und verlor damit seine Amtsfreiheit. Das Amt Borgholz wurde daraufhin in Amt Borgentreich umbenannt.Amtsblatt der Regierung Minden 1937, S. 71
Seit dem 12. Mai 2012 ist die Stadt Borgentreich offiziell dem Westfälischen Hansebund angeschlossen.
Religionen Aufgrund seiner Zugehörigkeit zum ehemaligen Hochstift Paderborn ist die Bevölkerung Borgentreichs traditionell mehrheitlich katholisch. Die zehn katholischen Pfarrgemeinden in den Ortsteilen gehören zum Pfarrverbund Borgentreich im Dekanat Höxter des Erzbistums Paderborn.
Die evangelisch-lutherisch Gläubigen im Gemeindegebiet gehören zur Evangelischen Kirche in Borgentreich. Diese gehört zum Kirchenkreis Paderborn der Evangelischen Kirche von Westfalen.
mini|hochkant|Synagoge in Borgentreich-Borgholz In Borgentreich erinnern die jüdischen Friedhöfe in den Ortsteilen Borgentreich, Borgholz, Bühne und Großeneder und die alte Synagoge im Ortsteil Borgholz an die jüdische Vergangenheit des Ortes.
Ein Indiz für die aktuelle Verteilung der Religionen kann die konfessionelle Zugehörigkeit der Borgentreicher Schüler sein. Demnach gaben im Schuljahr 2006/2007 14,7 % der Schüler evangelisch und 80,4 % katholisch als Religionszugehörigkeit an. 0,4 % gaben eine andere Religionszugehörigkeit und 4,4 % keine Konfession an.Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik: Schüler an allgemein bildenden Schulen in NRW nach der Religionszugehörigkeit.
Eingemeindungen Im Jahr 1890 erfolgte die Eingemeindung eines Teils des Gutsbezirks Dinkelburg. Im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform (§ 35 Sauerland/Paderborn-Gesetz) wurden die beiden Städte Borgentreich und Borgholz sowie die zehn Gemeinden Bühne, Drankhausen, Großeneder, Körbecke, Lütgeneder, Manrode, Muddenhagen, Natingen, Natzungen und Rösebeck aus dem Amt Borgentreich am 1. Januar 1975 zur neuen Stadt Borgentreich zusammengeschlossen, die gleichzeitig zum Kreis Höxter kam.§ 35 Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Sauerland/Paderborn (Sauerland/Paderborn-Gesetz) vom 5. November 1974
Einwohnerentwicklung Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der Stadt Borgentreich nach dem jeweiligen Gebietsstand. Änderungen des Gebietsstandes ergaben sich durch die Eingemeindung eines Teils des Gutsbezirks Dinkelburg im Jahr 1890 und den Zusammenschluss der Stadt mit elf umliegenden Städten und Gemeinden zum 1. Januar 1975.
Bei den Zahlen handelt es sich bis 1970 und für 1987 um VolkszählungsergebnisseGemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1816–1871. Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 1966, S. 207.Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1871–1961. Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 1964, S. 422–423Die Wohnbevölkerung in den Gemeinden Nordrhein-Westfalens 1970. Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 1972, S. 39–46 und ab 1975 um amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Zahlen für 1975, 1980 und 1985 sind geschätzte Werte und die Zahlen ab 1990 Fortschreibungen auf Basis der Ergebnisse der Volkszählung von 1987, ab 2012 Fortschreibungen auf Basis des Zensus 2011.landesdatenbank.nrw.de Die Angaben beziehen sich ab 1867 sowie für 1946 auf die Ortsanwesende Bevölkerung, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und ab 1987 auf die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.
300px|mini|Bevölkerungsentwicklung in Borgentreich von 1818 bis 2006 (jeweiliger Gebietsstand; 1975 Diskontinuität aufgrund Eingemeindungen)
Borgentreich nach dem damaligen Gebietsstand
Jahr Einwohner 1818 (31. Dez.) 1.583 1831 (3. Dez.) 1.684 1837 (3. Dez.) 1.685 1843 (3. Dez.) 1.812 1849 (3. Dez.) 1.918 1852 (3. Dez.) 1.850 1858 (3. Dez.) 1.718 1861 (3. Dez.) 1.729 1867 (3. Dez.) 1.601 1871 (1. Dez.) 1.546 1885 (1. Dez.) 1.539 Jahr Einwohner 1895 (1. Dez.) 1.597 1905 (1. Dez.) 1.603 1925 (16. Juni) 1.685 1933 (16. Juni) 1.679 1939 (17. Mai) 1.646 1946 (29. Okt.) 2.046 1950 (13. Sep.) 2.058 1961 (6. Juni) 2.094 1970 (27. Mai) 2.396 1974 (30. Juni) 2.291
Borgentreich nach dem heutigen Gebietsstand
Jahr Einwohner 1961 (6. Juni) 9.079 1970 (27. Mai) 9.582 1974 (30. Juni) 9.319 1975 (31. Dez.) 9.127 1980 (31. Dez.) 8.908 1985 (31. Dez.) 8.807 1987 (25. Mai) 9.161 Jahr Einwohner 1990 (31. Dez.) 9.376 1995 (31. Dez.) 9.743 2000 (31. Dez.) 9.894 2005 (31. Dez.) 9610 2010 (31. Dez.) 9.092 2012 (31. Dez.) 9.040 2013 (31. Dez.) 9.035 Jahr Einwohner 2014 (31. Dez.) 9.503 2015 (31. Dez.) 9.836 2016 (31. Dez.) 9.182 2017 (31. Dez.) 9.179 2021 (31. Dez.) 8.638 2022 (31. Dez.) 8.761
Politik Borgentreich gehört zum Landtagswahlkreis Höxter (102), in dem bei der Landtagswahl 2005 Hubertus Fehring (CDU) als Direktkandidat gewählt wurde. Auf Bundesebene gehört Borgentreich zum Bundestagswahlkreis Höxter – Lippe II (137), in dem 2009 Jürgen Herrmann (CDU) erneut als Direktkandidat gewählt wurde.
Stadtrat Die Kommunalwahl am 13. September 2020 führte zu folgendem Ergebnis: