Beverungen [] ist eine Stadt im Kreis Höxter im Osten von Nordrhein-Westfalen, Deutschland, und liegt am Dreiländereck Nordrhein-Westfalen/Niedersachsen/Hessen. In Beverungen, das sich auf etwa 98 km² Fläche erstreckt, leben Einwohner.

Geografie Geografische Lage Beverungen liegt am östlichen Rand von Ostwestfalen im Südteil des Weserberglandes auf der dem Solling gegenüberliegenden Seite der Weser, die dort als Grenzfluss von Nordrhein-Westfalen und Südniedersachsen verläuft und in die am südlichen Ortsrand die von Südwesten kommende Bever einmündet. Nach Teillandschaften hat die Stadt mit ihren östlichen, in Flussnähe befindlichen Ortschaften Anteil an der Holzmindener Wesertalung mit dem höhergelegenen Oberwälder Land im Westen.

Knapp 5 km (Luftlinie) ostsüdöstlich von Beverungen befindet sich am nördlichen Rand der nordhessischen Stadt Bad Karlshafen bzw. am Südrand des Sollings das Dreiländereck Nordrhein-Westfalen/Niedersachsen/Hessen.

Geologie Im Stadtgebiet findet sich oberflächennah im Wesentlichen Kalkstein, zum Teil auch Ton-, Schluff- und Sandstein aus dem Trias. Diese Festgesteine wurden vor 245 bis 230 Millionen Jahren vorwiegend aus Sedimenten eines hier befindlichen Meeres gebildet, daher sind im Kalkstein oft Versteinerungen von Meerestieren zu finden. Westlich einer Linie von Langenthal nach Amelunxen besteht der Untergrund größtenteils aus Kalkstein, seltener auch Mergelstein. Eine Ausnahme bilden eng begrenzte Gebiete südwestlich von Haarbrück und auf einigen Hochlagen zwischen Tietelsen und Dalhausen. Dort findet man auch Sand- und Dolomitsteine aus der Keuper-Zeit. Die Weseraue und einige Talränder von Nethe, Spring und Bever werden von Ton-, Schluff- und Sandsteinen der Buntsandstein-Zeit begrenzt.

mini|hochkant=0.9|Geothermische Karte von Beverungen Auf Hochflächen überwiegt Ackerland aus Löss. An anderen Standorten finden sich recht unterschiedliche Bodenaufbauten, allen gemein ist jedoch die mittlere bis hohe Ertragsfähigkeit.

Beverungen eignet sich gut bis sehr gut, in Hochlagen hervorragend, zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte) (PDF; 369 kB).

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die Fläche der als „Kleine Mittelstadt“ klassifizierten Stadt von 97,84 km² besitzt eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 14 km und eine West-Ost-Ausdehnung von rund 14,5 km.

Flächenach Nutzungsart Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 50,02 33,96 5,78 5,10 1,98 0,73 0,28 Anteil an Gesamtfläche 51,12 % 34,71 % 5,91 % 5,21 % 2,02 % 0,75 % 0,29 %

Nachbargemeinden Höxter Brakel Datei:Windrose klein.svg Samtgemeinde BoffzenSolling Borgentreich Trendelburg Bad Karlshafen Beverungen grenzt im Südwesten an die Stadt Borgentreich, im Westen an die Stadt Brakel, im Norden an die Stadt Höxter (alle Kreis Höxter, Nordrhein-Westfalen), im Osten an die Samtgemeinde Boffzen mit ihren Mitgliedsgemeinden Boffzen und Fürstenberg und dem Flecken Lauenförde (alle Landkreis Holzminden, Niedersachsen) und das gemeindefreie Gebiet Solling (Landkreis Northeim, Niedersachsen) sowie im Südosten an die Stadt Bad Karlshafen und im Süden an die Stadt Trendelburg (beide Landkreis Kassel, Hessen).

Stadtgliederung Nach § 3 Abs. 1 ihrer Hauptsatzung gliedert sich die Stadt Beverungen in folgende zwölf Bezirke/Ortschaften,Hauptsatzung der Stadt Beverungen vom 9. November 2001 (PDF; 147 kB) die vor 1970 eigenständige Gemeinden im Amt Beverungen waren: mini|300px|Blick auf Beverungen in nördliche Richtung; im Vordergrund der Axelsee und die Weser

Ortsteil Einwohner Ortsteile der Stadt Beverungen 300px|zentriert Amelunxen 1.300 Beverungen 6.550 Blankenau 300 Dalhausen 2.000 Drenke 400 Haarbrück 550 Herstelle 1.000 Jakobsberg 300 Rothe 200 Tietelsen 250 Wehrden 950 Würgassen 1.000

Klima mini|Niederschlag und Temperatur

Siehe auch: Klima in Ostwestfalen-Lippe

Geschichte

mini|Straßenbild mini|Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof Mittelalter und frühe Neuzeit Beverungen gehörte seit der Gründung zur weltlichen Herrschaft des Bistums Paderborn, ursprünglich im Herzogtum Sachsen. Ab dem 14. Jahrhundert bildete sich das Territorium Hochstift Paderborn im Heiligen Römischen Reich, darin ab dem 16. Jahrhundert zum niederrheinisch-westfälischen Reichskreis. Beverungen gehörte zu den 23 paderbornischen Städten, die im Landtag vertreten waren.

Der Name des Ortes Beuerungun ist erstmals im 9. Jahrhundert in den Corveyer Traditionen, dem Schenkungsregiister der Reichsabtei Corvey, genannt. Die Kirche, ursprünglich zum Archidiakonat des Klosters Helmarshausen gehörend, wurde unter Corveyer Patronat gegründet und wird gegen Ende des 11. Jahrhunderts erstmals genannt.Wolfgang Leesch: Die Pfarrorganisation der Diözese Paderborn am Ausgang des Mittelalters. In: Heinz Stoob (Hrsg.): Ostwestfälisch-weserländische Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde. Aschendorff, Münster 1970, S. 325. Chorjoch und Apsis eines wohl gewölbten Vorgängerbauwerks aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurden 1971 ergraben.

Um 1330 hatte Bischof Bernhard V. von Paderborn zur Sicherung des Weserübergangs die Burg Beverungen gegründet, die sein Nachfolger Bischof Heinrich III. weiter befestigte, gleichzeitig Herzog Ernst von Braunschweig-Göttingen die Burg Lauenförde als Gegenfestung. 1417 erhoben der Corveyer Abt Dietrich III. von Runst und der Kölner Erzbischof Dietrich II. von Moers das bisherige Dorf Beverungen zur Stadt und erteilten ihr das Recht zur Befestigung.Friedrich Wilhelm Ebeling: Liste der deutschen Bischöfe bis zum Ende des sechzehnten Jahrhunderts. 1. Band, Leipzig 1858, S. 351–352.

Um 1550 hält die Reformation Einzug in Beverungen, wurde jedoch ab 1619 mit der durch Pfarrer Pagendarm eingeführten Gegenreformation zurückgedrängt. Im Dreißigjährigen Krieg wurden Burg und Stadt Beverungen 1632 durch hessische und schwedische Truppen fast vollständig niedergebrannt, wobei nur fünf Gebäude unzerstört geblieben seien. Der nachfolgende Wiederaufbau mit seinen charakteristischen Fachwerkhäusern prägt noch heute das Stadtbild. Schwere wirtschaftliche Verluste erlitt die Stadt im Siebenjährigen Krieg durch Truppeneinquartierungen.

19. Jahrhundert Bis zu den Napoleonischen Kriegen war Beverungen Sitz des Amtes Beverungen im Hochstift Paderborn. Die Stadt gehörte von 1802 bis 1807 vorübergehend zu Preußen und anschließend von 1807 bis 1813 zum Königreich Westphalen unter König Jérôme Bonaparte. Im Königreich Westphalen war die Stadt Sitz des Kantons Beverungen im Distrikt Höxter des Departements der Fulda. Seit 1813 gehörte Beverungen wieder zu Preußen. 1816 kam die Stadt zum neuen Kreis Höxter. 1836 erhielt Beverungen die revidierte Städteordnung und war seitdem eine amtsfreie Stadt im Kreis Höxter.Amtsblatt der Regierung Minden 1836, S. 206 Dem Amt Beverungen gehörte die Stadt nicht an, war aber dessen Sitz.

Bereits im 16. Jahrhundert hatten sich unter dem Schutz des bischöflichen Landesherrn jüdische Familien in Beverungen niedergelassen, so dass sich in der Folgezeit eine größere jüdische Gemeinde herausbildete. Um 1720 wurde an der Dahlhauser Straße ein eigener jüdischer Friedhof angelegt. Die gleichzeitig an der Langen Straße errichtete Synagoge wurde 1850 durch einen im Rundbogenstil errichteten Neubau ersetzt, bei dessen Einweihung 1852 es die Gemeinde ablehnte, die Einweihungszeremonie vom orthodoxen Landesrabbiner Abraham Sutro, der zuvor selbst vier Jahre in Beverungen gelehrt hatte, vornehmen zu lassen.Eintrag „Beverungen“ auf der Website Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum

Unter preußischer Herrschaft erfolgte 1854 mit der Kreuzkirche die Gründung einer eigenen evangelischen Kirchengemeinde in Beverungen erfolgte 1854. Erster Pfarrer war der aus Beverungen gebürtige Eduard Berghauer, der 1866 den heutigen Kirchenbau errichtete. 1869 erhielt die Stadt auf dem Gelände des ehemaligen Burggartens ihr erstes Krankenhaus, das 1971 als St. Johannes Hospital in den Besitz der katholischen Kirchengemeinde überging. Hubertus Grimm: Die Beverunger Krankenhausgeschichte. Vom Krankenhaus zum Seniorenheim 1876 erhielt Beverungen Anschluss an die Bahnstrecke Holzminden–Scherfede, 1902 wurde die erste Weserbrücke errichtet.

20. Jahrhundert Mit dem Wahlsieg der Nationalsozialisten 1933 hielt der reichsweit übliche Antisemitismus auch in Beverungen Einzug, führte zu Schikane, Bedrohung, Entwürdigung, Flucht und schließlich zur Ermordung von 41 der 80 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die 1933 in der damaligen Kleinstadt lebten.

Am 1. April 1937 verliert Beverungen seine Amtsfreiheit und wird in das Amt Beverungen eingegliedert.Amtsblatt der Regierung Minden 1937, S. 69

Bei Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 hatten sich im heutigen Stadtteil Tietelsen noch etwa 60 Soldaten der Waffen-SS mit vier Kampfpanzern eingefunden. Am 6. April kam es zu schweren Gefechten mit den anrückenden amerikanischen Truppen, die die Aufgabe hatten, die Weserbrücke im Ort zu sichern. Schließlich rückten die deutschen Soldaten nach der Sprengung eines Panzers ab.Panzer mitten im Ort gesprengt. In: Neue Westfälische. 5. Mai 2015. Am 7. April wurde die Weserbrücke von der Wehrmacht gesprengt, um einen weiteren Vorstoß der Alliierten aufzuhalten. In: Täglicher Anzeiger Holzminden. 19. April 2003.

Von 1945 bis 1949 war Beverungen Teil der britischen Besatzungszone, ab 1946 staatlich regiert vom Land Nordrhein-Westfalen bzw. ab 1949 auch durch die Bundesrepublik Deutschland.

Während des Kalten Krieges unterhielt das 43. belgische Artilleriebataillon mit Stützpunkt in Brakel von 1963 bis 1993 eine mobile Flugabwehrraketenstellung vom Typ MIM-23 HAWK in Tietelsen.

Am 24. Juli 1978 stürzte ein britisches Kampfflugzeug vom Typ F-4 Phantom II im Tiefflug nahe dem Ortsteil Drenke ab. Zwei Piloten der Royal Air Force kamen dabei ums Leben. Neun Häuser wurden bei dem Absturz leicht beschädigt und neun Personen verletzt.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1970 wurden die zuvor selbständigen Gemeinden Amelunxen, Blankenau, Dalhausen, Drenke, Haarbrück, Herstelle, Jakobsberg, Rothe, Tietelsen, Wehrden und Würgassen sowie die Stadt Beverungen aufgrund der Festlegung im Gesetz zur Neugliederung des Kreises Höxter vom 2. Dezember 1969 zur Stadt Beverungen zusammengeschlossen.Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, Bürgerservice: Gesetz zur Neugliederung des Kreises Höxter Das vormalige Amt Beverungen wurde aufgelöst.

Einwohnerentwicklung Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der Stadt Beverungen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Eine Änderung des Gebietsstandes ergab sich durch den Zusammenschluss der Stadt mit elf umliegenden Gemeinden zum 1. Januar 1970.