mini|Brakel von oben Brakel ist eine Stadt im Kreis Höxter im Osten von Nordrhein-Westfalen. Sie erstreckt sich auf etwa 174 km² Fläche und zählt Einwohner. Für den heutigen Ortsnamen gibt es die historischen Bezeichnungen Brakele, Bracle und Brabecke.
Geographie Geographische Lage Brakel liegt im Mittelpunkt des Kreises Höxter zwischen Eggegebirge und Weser im Oberwälder Land (Nethegau), 30 km östlich von Paderborn und 15 km südwestlich von Höxter. Die Stadt liegt im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge.
Das Stadtgebiet weist große Höhenunterschiede auf; der niedrigste Punkt liegt auf 110 m Höhe, die höchste Erhebung auf 361 m.
Geologie mini|Geothermische Karte von Brakel Der Festgesteinsuntergrund im Stadtgebiet wird wesentlich von Ton-, Mergel-, Kalk- und Sandsteinen des Erdmittelalters bestimmt, die vornehmlich aus der Trias stammen. Diese Sedimentgesteine sind hier bis zu einem Kilometer stark. Sie wurden im Lauf der Erdgeschichte herausgehoben und in zahlreiche Sättel, Mulden, Gräben, Horste und kleinere Schollen zerlegt.
Tiefer liegt ein Festgesteinssockel, der aus Gesteinen des Erdaltertums (Devon, Karbon und Perm) besteht. In der Talebene der Nethe, ihrer Zuflüsse und in der Brakeler Mulde ist der Festgesteinsuntergrund von Lockergesteinen des Eiszeitalters (Kies, Sand und Löss) bedeckt.
Die großteils verkarsteten Kalksteine des unteren und oberen Muschelkalks, auch die Sande und Kiese im Nethetal und in der Brakeler Mulde sind gute Grundwasserleiter. In den verkarsteten Kalksteinen kann der Calciumsulfatanteil durch Zuflüsse aus gipsführenden Schichten erhöht sein, sodass eine Verwendung als Trinkwasser nicht immer möglich ist.
Im Brakeler Stadtgebiet herrschen auf Kuppen und Bergrücken meist nährstoffreiche, steinige, flachgründige lehmig-tonige Rendzinen und Rendzina-Braunerden vor. Auf aus der Eiszeit stammendem Löss, vorrangig an Hängen und in Mulden zu finden, entwickelten sich sehr tiefgründige, schluffig-lehmige Parabraunerden, die bevorzugt ackerbaulich genutzt werden. In den Bachtälern haben sich (Gleye und Gley-Braunerden) durch Bachsedimentation entwickelt, die Grünlandnutzung herrscht dort vor.
Brakel eignet sich gut zur Nutzung geothermischer Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die als „Kleinstadt“ klassifizierte Stadt Brakel erstreckt sich über eine Fläche von 173,74 km². Das Stadtgebiet hat eine maximale Ausdehnung in Ost-West-Richtung von rund 14,7 km und in Nord-Süd-Richtung von 18,9 km.
Flächenach NutzungsartLandesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen: Kommunalprofil Brakel Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 97,96 60,24 6,67 7,09 1,00 0,62 0,16 Anteil an Gesamtfläche 56,38 % 34,67 % 3,84 % 4,08 % 0,58 % 0,36 % 0,09 %
Nachbargemeinden Brakel grenzt an die Städte Bad Driburg im Westen, Nieheim im Nordwesten, Marienmünster im Norden, Höxter im Nordosten, Beverungen im Osten, Borgentreich im Südosten und Willebadessen im Süden, die alle dem Kreis Höxter angehören.
Stadtgliederung mini|300px|Stadtgliederung Auenhausen (118 Einwohner), Frohnhausen (329 Einwohner) und Hampenhausen (42 Einwohner) sind die höchstgelegenen Ortschaften Brakels. Diese drei Ortschaften werden auch als Heggedörfer bezeichnet. Zwischen 1142 und 1147 wurden die Dörfer erstmals erwähnt. Im 12. und 13. Jahrhundert hatte das Kloster Gehrden Besitz in diesen Ortschaften. Beller: 205 Einwohner Bellersen (665 Einwohner) liegt am Rande ausgedehnter Waldungen im Bruchtal. Bellersen gilt als „'Tourismus-Musterdorf' des Landes NRW“. Bellersen hat als „Dorf B.“ in Die Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff internationale Bekanntheit erlangt. Bökendorf (769 Einwohner) feierte 1965 sein 1000-jähriges Bestehen. Das Schloss Bökerhof war Mittelpunkt des „Romantikerkreises“ mit Annette von Droste-Hülshoff, den Brüdern Grimm, Clemens Brentano und Joseph Görres und beherbergt heute ein Literaturmuseum. Die Freilichtbühne Bökendorf gehört zu den besucherstärksten Bühnen Deutschlands.Kulturmusterdorf Bökendorf Der Vorläufer des Dorfes Erkeln (554 Einwohner), eine Höfegruppe, wurde erstmals im 9. Jahrhundert erwähnt. Die Titularstadt Gehrden (939 Einwohner) wurde erstmals 868 erwähnt. Sie liegt im Oesetal am Osthang des Eggegebirges und gilt als Tourismusort. Die 1141 gegründete Benediktinerinnen-Abtei hatte großen Einfluss und mehrere Besitzungen im Warburger Land. Die romanische Klosterkirche besitzt das größte historische Glockengeläut Westfalens. Hembsen (959 Einwohner) wurde bereits im Jahr 800 zum ersten Mal erwähnt und liegt inmitten der waldreichen Höhenzüge des Nethegaus. Istrup (647 Einwohner) liegt westlich von Brakel im Tal des kleinen Flusses Aa. Rheder (282 Einwohner) ist bekannt für das Schloss (1750), die Schloßbrauerei Rheder (seit 1686) und die Kirche, die 1716 von Johann Conrad Schlaun erbaut wurde. Riesel: 577 Einwohner. Schmechten: 215 Einwohner Siddessen: 444 Einwohner Brakel: 16.713 Einwohner, davon in der Kernstadt: 9874 Einwohner
(Stand der Einwohnerzahlen: 31. Dezember 2015)OrtschaftenDaten, Zahlen, Fakten
Klima Siehe: Klima in Ostwestfalen-Lippe
Geschichte
Brakel wurde erstmals um 836 von Benediktinern als „Villa brechal“ erwähnt. Es liegt im Nethegau. Laut einer Urkunde aus dem Jahr 1213 übertrug Hermann von Brakel seine Zehnteinkünfte „ad ecclesiam Bracle“. Brakel entwickelte sich zu einer nicht unbedeutenden Handelsstadt.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 266–270. (books.google.de) Im 14. Jahrhundert stand die Hansestadt im Mittelpunkt ihrer Blüte und war im Hochstift Paderborn als sogenannte Hauptstadt gleichrangig mit Paderborn, Borgentreich und Warburg, erkennbar am eigenen Gerichts- und Marktrecht.
Brakels hansische Beziehungen gehen bereits auf seine frühe Geschichte bis hin zum Mittelalter zurück. Bereits die erste nachweisliche Ansiedlung „villa brechal“ (erste schriftliche Erwähnung im Jahr 836 im Zusammenhang mit der Überführung der Gebeine des heiligen Vitus von der Basilika Saint-Denis bei Paris nach Corvey), später im 12. Jahrhundert Sitz der Herren von Brakel, liegt aufgrund zweier sich dort kreuzender alter Handelswege einerseits in zentraler Verkehrslage, andererseits bot die Topografie eine Ausdehnungsmöglichkeit im Frühmittelalter. So hatten die Fernhändler an der Entwicklung Brakels von Anfang an den entscheidenden Anteil, wie sie als Führungsschicht in vielen Plananlagen westfälischer Städte nachweisbar sind. Die durch Brakel verlaufende Hellweglinie war somit die tradierte Wirtschaftsbasis für den Fernhandel.
Als Prinzipalstadt der Hansestadt Paderborn wurde Brakel Mitglied der Hanse und war frühzeitig am hansischen Handel beteiligt. Insbesondere im 13. und 14. Jahrhundert hatte er sich bis in die Hansestädte des Ostseeraumes entwickelt. Auf diese Beziehungen verweisen zu der Zeit (15. Jahrhundert) im Ostseeraum nachweisbare Brakeler Münzen (Auszüge aus dem Beitrag Brakel als Hansestadt von Ulrich Ernst als Bestandteil der hansischen Stadtgeschichten des Westfälischen Hansebundes).
Die allgemeine Lage verschlechterte sich im 15. Jahrhundert. In den Außenbezirken erfolgte die Gründung des Klosters Brede. Der Dreißigjährige Krieg hinterließ auch in Brakel Spuren. Im Hochstift Paderborn war Brakel bis zu den Napoleonischen Kriegen Sitz der Gografschaft Brakel, zu der auch die umliegenden Orte gehörten.
1803 nahm Preußen die Stadt erstmals in Besitz und machte Brakel zur Kreisstadt des Oberwaldischen Kreises. Von 1807 bis 1813 gehörte die Stadt zum Königreich Westphalen und war dort Sitz des Kantons Brakel im Distrikt Höxter des Departements der Fulda. Nachdem die Stadt 1813 wieder an Preußen gefallen war, wurde sie 1816 Kreisstadt des neuen Kreises Brakel, der 1832 in den Kreis Höxter eingegliedert wurde. 1836 erhielt Brakel die preußische revidierte Städteordnung und war seitdem eine amtsfreie Stadt im Kreis Höxter.Amtsblatt der Regierung Minden 1836, S. 171 Dem Amt Brakel gehörte die Stadt bis 1938 nicht an, war aber dessen Sitz. Am 1. April 1938 wurde die Stadt Brakel in das Amt Brakel eingegliedert.Amtsblatt der Regierung Minden 1938, S. 61
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Brakel am 5. April 1945 von US-Soldaten des 16. US-Infanterieregiment der 1. US-Infanteriedivision kampflos eingenommen. mini|327x327px|Gebietsänderungsvertrag der beiden Kreise Warburg und Höxter vom 24. Juli 1974 mit Brakel als neuem Kreissitz. Am 1. Januar 1970 wurde die alte Stadt Brakel mit den übrigen Gemeinden des Amtes Brakel durch das Gesetz zur Neugliederung des Kreises Höxter zur neuen Stadt Brakel zusammengeschlossen.
Eine Neugründung eines Kreises Brakel mit der Kreisstadt Brakel zum 1. Januar 1975 stand im Rahmen der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen Anfang der 1970er Jahre zur Diskussion. In einem Gebietsänderungsvertrag der beiden Kreise Warburg und Höxter wurde vereinbart, den gemeinsamen neuen Kreis als Kreis Brakel zu benennen mit Sitz in Brakel. Dieser Vertrag wurde vom Kreistag Höxter am 23. Juli 1974 angenommen. Trotz der Zustimmung des Kreistages Warburg zu diesem Gebietsänderungsvertrag stimmte der nordrhein-westfälische Landtag bei der Entscheidung zum Sauerland/Paderborn-Gesetz mit knapper Mehrheit für den Kreisnamen Kreis Höxter und für die Stadt Höxter als Kreissitz. Auch eine Benennung des neuen Kreises als Kreis Höxter-Warburg fand keine Zustimmung im Landtag.Gebietsänderungsvertrag, verabschiedet vom Kreistag Höxter am 24. Juli 1974
In der zweiten Phase der nordrhein-westfälischen Gebietsreform wurden die Gemeinden Auenhausen, Frohnhausen, Hampenhausen, Siddessen und die Stadt Gehrden aus dem Amt Dringenberg-Gehrden des Kreises Warburg am 1. Januar 1975 in die Stadt Brakel eingegliedert. Gleichzeitig wurde der Kreis Warburg in den neuen Kreis Höxter eingegliedert.
Religionen mini|Katholische Pfarrkirche St. Michael|239x239px mini|Der Stadtkern von oben|238x238px Aufgrund seiner Zugehörigkeit zum ehemaligen Hochstift Paderborn ist die Bevölkerung Brakels traditionell mehrheitlich katholisch. Als Indiz für die Verteilung der Religionen kann die konfessionelle Zugehörigkeit der Brakeler Schüler herhalten. Im Schuljahr 2006/2007 gaben auf die Frage nach der Konfession 18,3 % der Schüler evangelisch, 63,6 % katholisch und 5,5 % islamisch an; 7,9 % gaben eine andere und 4,6 % gar keine an.Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik: Schüler an allgemein bildenden Schulen in NRW nach der Religionszugehörigkeit Derzeit sind von den zirka 16.000 Einwohnern 55 % (zirka 9.000) katholisch.Zahl der Kirchenaustritte in Brakel hat sich verdreifacht, abgerufen am 24. März 2023
Im Stadtgebiet existieren 13 katholische Kirchengemeinden, die seit dem 1. März 2015 zum Pastoralen Raum Brakeler Land zusammengeschlossen sind. Sie gehören zum Dekanat Höxter des Erzbistums Paderborn.
Die Kirchengemeinden sind St. Michael in Brakel, St. Meinolf in Bellersen, St. Johannes Nepomuk in Bökendorf, St. Katharina in Rheder und St. Marien in Riesel, St. Bartholomäus in Istrup, St. Bartholomäus in Frohnhausen (mit den Orten Auenhausen und Hampenhausen), St. Peter und Paul in Gehrden, St. Agatha in Siddessen, St. Philippus und Jakobus in Schmechten, St. Petri in Erkeln und St. Johannes in Hembsen, St. Josef in Beller.
hochkant|mini|Evangelische Auferstehungskirche