mini|hochkant=1.8|Andernach im Jahre 1646 von Osten her, Stich Matthäus Merian mini|Andernach um 1900 von Westen mit Rundem Turm und „Mariendom“ mini|Andernach 2016 von Westen (Luftaufnahme), am anderen Rheinufer links Feldkirchen, rechts davon Irlich, rechts oben die Raiffeisenbrücke bzw. ihr Pylon, gut sichtbar in der Bildmitte rechts die Gleise des Bahnhofs

Andernach ([], mundartlich: Annenach, auch Annernach) ist eine große kreisangehörige Stadt mit rund 30.000 Einwohnern im Landkreis Mayen-Koblenz im nördlichen Rheinland-Pfalz. Als römische Gründung und eine der ältesten Städte Deutschlands feierte es 1988 sein 2000-jähriges Bestehen.

Die Stadt ist seit der Neuzeit industriell geprägt (heute: Weißblech, Pharmazie, Chemie), durch ihre Lage am Rhein und ihren historischen Rang aber zugleich auch touristisch bedeutend. Sie ist in die Stadtteile Kernstadt, Eich, Kell mit Bad Tönisstein, Miesenheim und Namedy untergliedert.

Name Der ursprüngliche lateinische Name Antunnacum stammt wahrscheinlich aus dem Keltischen: (Antunnacos). Das keltische Suffix -acos (latinisiert -acum) zusammen mit dem – nicht nachweisbaren – Namen Antunnus bedeutet in der Kombination „Dorf des Antunnus“. Erstmals erscheint der Name am Ende des 3. Jahrhunderts auf einem römischen Meilenstein im heute belgischen Tongern, dem römischen Aduatuca Tongrorum. In einem römischen Straßenverzeichnis taucht dann später die Bezeichnung Antonnaco auf.

Geographische Lage mini|Landschaftskarte

Die Stadt liegt am linken Ufer des Rheins im Neuwieder Becken zwischen Brohl-Lützing im Nordwesten und der Mündung der Nette im Südosten. Unmittelbar an der Stadt steigen im Nordwesten die Hänge der Berge ebenso steil an wie am gegenüberliegenden Rheinufer. An dieser Stelle verjüngt sich das Rheintal und bildet den nördlichen Teil des romantischen Mittelrheins. Der schmale Durchlass zwischen dem Andernacher Geiersberg, der seit etwa 1650 nach dem damals 100 Jahre alten Krahnen an seinem Fuße Krahnenberg heißt, und dem gegenüberliegenden Berg Engwetter östlich von Leutesdorf trägt schon seit der Römerzeit den Namen Andernacher Pforte (lat. Porta Antunnacensis). Im Nordwesten beginnt die Voreifel, im Südwesten die Pellenz. Andernach liegt damit am östlichen Rand der Vulkaneifel, die sich bis zur Wittlicher Senke erstreckt und naturräumlich in die Teilregionen Vulkanische Osteifel, Vulkanische Hocheifel und Vulkanische Westeifel gliedert.

Nächstgelegene größere Städte sind Neuwied als Nachbarstadt auf der gegenüberliegenden Rheinseite, Koblenz etwa 15 Kilometer südöstlich und Bonn etwa 40 Kilometer nordwestlich.

Andernach wurde auf einer schon in der Antike großteils versandeten Bucht errichtet, in die der Felsterbach mündete, sowie einer darin liegenden ehemaligen Rheininsel. Beides ist im Profil der Stadt erkennbar, die Flurbezeichnung „In der Laach“ („Im See/Teich“) und die Straße „In der Felster“ bezeugen dies. Durch die Kernstadt fließen heute noch die Antel oder Antelbach, Deubach und, aber größtenteils unterirdisch kanalisiert, Kennelbach, der an der früheren Schafpforte am Ochsentor Schafbach hieß. Nach ihnen benannte man Orte und Straßen wie „Deubachsiedlung“, „Kennelstraße“, „Schafbachstraße“ oder „Antel“. Im Stadtteil Miesenheim ist die Nette Namensgeber für „Bachstraße“ und „Nettestraße“. Diese Straßennamen gab es bis zur Eingemeindung auch in der Kernstadt (nun Stadion- und Ubierstraße).

Bis teilweise ins 20. Jahrhundert hinein wurden am Kennelbach vier Wassermühlen betrieben, die „Hacks-“ oder „Hackenbornmühle“, „Kleesmühle“, „Mohrsmühle“ (am Rennweg) und „Bauchmühle“ (nahe Breite Straße). Als weitere Mühle am Kennelbach stand bis ins 17. Jahrhundert vor der Schafpforte die „Wickmühle“ (Pulvermühle). Davon zeugen die Straßen „Am Hackenborn“, „An der Mohrsmühle“, „Mohrsmühlenweg“ und „Auf der Wick“. 1816 bis 1900 gab es zudem die Loh- und Schneidemühle „Sankt-Thomas-Mühle“ im nordöstlichen Wehrturm der früheren Abtei St. Thomas, mit 26 Metern eine der damals höchsten deutschen Turmwindmühlen.

Stadtteile Im Zuge der Kommunalreform wurden die heutigen Stadtteile Namedy (7. Juni 1969), Eich, Kell mit Bad Tönisstein und Miesenheim (jeweils am 7. November 1970) eingemeindet. Sie sind zugleich auch Ortsbezirke: Stadtteil Einwohner+ EinwohnerzahlenStand: 23. Januar 2020 Kernstadt 23.677 Eich 2.018 Kell mit Bad Tönisstein 1.014 Miesenheim 3.201 Namedy 1.306Summe 31.216

Klima Andernach liegt in der gemäßigten Zone mit gemäßigt kühlem Klima und vorherrschenden Westwinden. Innerhalb dieses Klimaraumes sind milde Winter und mäßig warme Sommer typisch. Bedingt durch die Lage im Neuwieder Becken liegen die durchschnittlichen Temperaturen etwa 1–1,5 Grad Celsius über denen des mittelrheinischen Raumes insgesamt.

Der Jahresniederschlag beträgt 619 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD

Geschichte

mini|hochkant|links|Ältestes Siegel der Stadt, wohl 12. Jh. mini|Mittelalterliche Befestigungsanlagen in Andernach (2023)

Spätestens seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. befand sich eine keltische Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Andernach. Nachdem Gaius Iulius Caesar in den Jahren 55 und 53 v. Chr. zwei Rheinbrücken in dem Gebiet zwischen Andernach und Neuwied bauen ließ, wurde das römische Militärlager Antunnacum gegründet. Dieses bestand bis ins 5. Jahrhundert, als Antunnacum und die Umgebung an die Franken fiel.

Im Reich der Merowinger war Andernach Königssitz; 876 fiel es nach einer Schlacht zwischen dem westfränkischen König Karl dem Kahlen und dem ostfränkischen Herrscher Ludwig III. an Letztgenannten. In den folgenden Jahrhunderten stritten die Erzstifte Köln und Trier um Andernach, letztlich übertrug Kaiser Friedrich I. Barbarossa dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel 1167 die Herrschaft über die Stadt. Um 1171 wurde Theoderich II. von Wied von Erzbischof zu Köln Philipp I. von Heinsberg die Vogtei des Königsgutes zu Andernach zum erblichen Vogt übertragen. 1198 wurde Andernach in der Auseinandersetzung zwischen den deutsch-römischen Herrschern Otto IV. und Philipp von Schwaben von jenem erobert und zerstört. Nach dem Wiederaufbau wuchs die Stadt im 13. Jahrhundert über die alten römischen Mauern hinaus.

1349 wurden die Andernacher Juden infolge der durch die Große Pestepidemie ausgelösten Pogrome aus der Stadt vertrieben. Erst über 30 Jahre später war wieder jüdisches Leben in Andernach nachgewiesen. 1407, als Andernach in Konflikte mit dem Erzstift Köln verwickelt war, wurde erstmals ein Stadtrat erwähnt, aber das erste Stadtsiegel wurde von Toni Diederich auf das 12. Jahrhundert datiert.

Nach Reformation und Dreißigjährigem Krieg, in dessen Verlauf Andernach 1632 ausgeplündert wurde, geriet die Stadt ab 1688 in die Wirren des Pfälzischen Erbfolgekriegs. Der französische König Ludwig XIV. ließ die Stadt am 30. April 1689 zerstören, indem er alle Befestigungen schleifen und schließlich die Häuser Andernachs in Brand setzen ließ. Weitere Besatzungen in den folgenden Jahrzehnten führten schließlich zu völliger Verarmung der Stadt, die nach der Französischen Revolution zu Frankreich gehörte. In dieser Zeit wurde die mittelalterliche Gesellschaftsordnung beseitigt, kirchliche Besitztümer wurden säkularisiert.

Am 13. Juni 1856, als Andernach zu Preußen gehörte, erhielt es wieder Stadtrecht. Zwei Jahre später erhielt die Stadt Anschluss an die Eisenbahn, woraufhin sich industrielle Betriebe ansiedelten. Das Wachstum wurde 1914 durch den Ersten Weltkrieg und dann durch die Weltwirtschaftskrise ab Ende 1929 gebremst. Nachdem noch am 30. Mai 1933 eine neue Synagoge eingeweiht wurde, übernahmen die Nationalsozialisten auch in Andernach die Macht und ließen vor allem die jüdische Bevölkerung sowie die Patienten der heutigen Rhein-Mosel-Fachklinik ermorden.

Nach 1949 wuchsen Stadt und Wirtschaft wieder, wie in der gesamten Bundesrepublik Deutschland (siehe Wirtschaftswunder). 1969 und 1970 wurden mehrere umliegende Ortschaften eingemeindet, wodurch Andernach um über 6000 Einwohner wuchs. Am 1. Januar 1970 wurde Andernach zur großen kreisangehörigen Stadt erklärt.

Konfessionsstatistik Laut Zensus 2022 waren 41,4 % der Einwohner römisch-katholisch, 15,5 % evangelisch und 43,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Andernach Zensus 2022 Religion Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Ende Juni 2026 hatten 35,6 % der Einwohner die katholische Konfession und 13,3 % die evangelische. 51,1 % gehörten anderen Konfessionen oder Glaubensgemeinschaften an, waren ohne Angabe oder gemeinschaftslos.Gemeindestatistik Stadt Andernach, abgerufen am 8. Juli 2026.

Einwohnerstatistik

Religion

In Andernach wirken zwei katholische Kirchengemeinden, die Pfarrei St. Marien, Andernach mit sieben Kirchorten in der Kernstadt und den Stadtteilen Eich, Kell und Namedy und die Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit, Plaidt mit einem Kirchort im Stadtteil Miesenheim sowie eine evangelische Kirchengemeinde.

Darüber hinaus sind verschiedene Freikirchen vertreten: Freie evangelische Gemeinde, evangelisch-freikirchliche Gemeinde, baptistische Gemeinden (Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) und Evangeliums-Christen-Baptisten Gemeinden) und freikirchliche Pfingstgemeinde. Darüber hinaus sind die Zeugen Jehovas vertreten.

Zudem gibt es eine türkisch-islamische Gemeinde mit Moschee in Andernach.

Politik Stadtrat

Der Stadtrat von Andernach besteht aus 40 ehrenamtlichen Ratsmitgliedern (vor 2019 36; die Erhöhung erfolgte nach Kommunalwahlrecht, da Andernach zum Stichtag 30. Juni 2018 mehr als 30.000 Einwohner hatte), die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem hauptamtlichen Oberbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:Wahlband Kommunalwahl 2009 auf wahlen.rlp.deWahlband Kommunalwahlen 2014 ‒ Ergebnisse der Wahlen auf wahlen.rlp.deWahlband Kommunalwahlen 2019 ‒ Verbandsgemeindeebene ‒ Endgültige Ergebnisse auf wahlen.rlp.de Wahl SPD CDU AfD FDP GRÜNE FWG LINKE FWM³ REP Gesamt 2024 9 12 – 1 4 14 – – – 40 Sitze 2019 13 14 2 1 4 6 0 0 – 40 Sitze 2014 12 14 – 1 3 4 1 – 1 36 Sitze 2009 13 14 – 1 2 5 1 – 0 36 Sitze 2004 12 17 – 0 2 5 – – 0 36 Sitze 1999 13 18 – – 1 4 – – – 36 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Andernach e. V. FWM³ = Freie Wähler Mutig-Modern-Menschlich

Aufgrund der Besonderheiten des rheinland-pfälzischen Wahlsystems bei den Kommunalwahlen (personalisierte Verhältniswahl) sind die in der Graphik dargestellten prozentualen Stimmanteile als „gewichtete Ergebnisse“ ausgewiesen, welche das Wahlverhalten nur rechnerisch wiedergeben können.

Wahlergebnisse 1946 bis 2024 + Stimmenanteile (in %) der in den jeweiligen Wahlperioden im Stadtrat vertretenen Parteien Partei 1946 1948 1952 1956 1960 1964 1969 1970 1974 1979 1984 1989 1994 1999 2004 2009 2014 2019 2024 CDU 51,0 33,9 37,1 42,0 39,8 41,2 45,0 44,8 47,9 40,3 40,9 39,5 41,3 47,5 45,3 37,9 39,7 31,3 30,5 SPD 39,3 40,9 40,5 46,0 39,1 43,8 46,8 45,5 42,6 47,8 41,0 44,9 39,3 36,2 31,3 35,2 34,9 29,4 21,5 FWG –,– 13,4 18,6 12,1 16,5 15,0 8,2 9,7 6,0 6,4 8,0 8,3 7,6 10,1 12,5 13,7 10,8 11,9 35,7 GRÜNE –,– –,– –,– –,– –,– –,– –,– –,– –,– –,– 6,4 7,3 6,0 3,9 6,1 5,5 7,0 13,4 8,7

Anmerkungen:

Die CDU hieß 1946 in Andernach noch CDP. Die KPD zog 1946 mit 9,7 % in den Stadtrat, 1948 gelang ihr der Wiedereinzug, 1952 scheiterte sie mit 4,01 % an der 5-%-Hürde. 1956 wurde sie dann verboten. Die FDP trat 1960 erstmals zur Wahl an, blieb mit 4,61 % aber unter der 5-%-Hürde. Vor Abschaffung der Klausel gelang ihr nur 1979 der Einzug in den Stadtrat. Nach über 25 Jahren gelang der FDP 2009 der Wiedereinzug in den Stadtrat; bei den Wahlen 2014, 2019 und 2024 wurde sie bestätigt.

Oberbürgermeister Bis 1969 wurde das Amt des Oberbürgermeisters als „Bürgermeister“ bezeichnet.