Bad Wünnenberg (bis 2000 Wünnenberg) ist eine Kleinstadt, Luftkurort und Kneippkurort in Nordrhein-Westfalen, die im Süden von Ostwestfalen-Lippe (OWL) liegt und zum Kreis Paderborn gehört. Teile des Stadtgebiets gehören naturräumlich bereits zum Sauerland.
Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt im Süden des Kreises Paderborn und wird von den Städten Büren, Lichtenau, Salzkotten (alle im Kreis Paderborn) sowie Brilon und Marsberg (beide Hochsauerlandkreis) umschlossen. Landschaftlich gehört der größte Teil des Stadtgebietes zur Paderborner Hochfläche und damit zur Westfälischen Bucht, der Südrand dagegen zum Alme-Afte-Bergland und damit zum Sauerland. Das Stadtgebiet steigt Richtung Süden in Schichtstufen an. Der Stadtteil Bleiwäsche ist mit der höchstgelegene Ort des Kreises Paderborn und des Regierungsbezirks Detmold. Im Stadtgebiet liegt zudem der höchste Punkt des Regierungsbezirks Detmold. Es handelt sich um den Nordhang des Totenkopfs südöstlich der Aabachtalsperre mit einer Höhe von . Auf dem Sintfeld, an dem Bad Wünnenberg im nördlichen Stadtgebiet Anteil hat, schlug Karl der Große eine seiner Schlachten. Große Bereiche des südwestlichen Stadtgebiets gehören seit 2023 zum Vogelschutzgebiet Diemel- und Hoppecketal mit angrenzenden Wäldern.
Geologie mini|Geothermische Ergiebigkeit des Stadtgebiets mini|Panorama der Aabach-Talsperre von der Sperrmauer aus mini|Geologischer Schnitt durch das Sintfeld
Im Stadtgebiet kommen Schichten des Erdaltertums, speziell aus Devon und Karbon, aus der Kreidezeit und in geringerem Umfang aus dem Quartär an der Erdoberfläche vor. Dabei liegen die ältesten Gesteine, vor rund 370 Millionen Jahren von riffbildenden Organismen gebildete Massenkalke aus dem Devon, südwestlich von Bleiwäsche. In den Tälern von Afte, Aa und Karpe besteht der Untergrund aus Ton-, Schluff- und Sandstein des Oberkarbons. Im Norden des Stadtgebiets sind die Schichten des Karbon von Kreidegestein überdeckt. Die Grenze zwischen Kreide- und Karbongestein bildet auch den Übergang von der Paderborner Hochfläche zum Sauerland, wodurch das südliche Stadtgebiet naturräumlich zum Sauerland gehört. Nur selten finden sich Ablagerungen des Eiszeitalters.
Während die Kalk- und Mergelsteine des Erdmittelalters gute Grundwasserleiter sind, leiten die darunter liegenden Gesteine des Karbons das Grundwasser nur sehr gering. Das Niederschlagswasser versinkt schnell in den verkarsteten Kalksteinen des Sintfeldes, also des südlichen Teils der Paderborner Hochfläche. Sobald das Wasser die Schichten des Karbons erreicht, staut es sich und fließt Karstquellen in Salzkotten-Upsprunge und Borchen zu.
Wo die Grenzfläche zwischen den Karbon- und Kreide-Gesteinen unterschnitten wird, tritt an den Hängen eine Vielzahl von Quellen aus, die früher zur Trinkwasserversorgung genutzt wurden. Da durch die Verkarstung das Oberflächenwasser vom Erdreich aber nur gering gefiltert wird, haben sich insbesondere Probleme mit der durch Landwirtschaft verursachten Nitratbelastung ergeben. Zudem sind die Quellen nicht jederzeit ergiebig. Das Trinkwasser der Stadt wird daher seit 1983 zum überwiegenden Teil der Aabach-Talsperre entnommen. Eine Ausnahme bildet Bleiwäsche, das hydrogeologisch zum Briloner Massenkalk gehört und mit Karstgrundwasser aus dem Wasserwerk Weiße Frau in Brilon-Alme versorgt wird.
Die Rohstoffvorkommen im Stadtgebiete haben so gut wie keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Früher wurden vor allem die Sandsteine der Unterkreide und die Bruchsteine der Oberkreide zum Bau von Häusern und Scheunen verwendet. In einem Großsteinbruch südlich von Bleiwäsche wird qualitativ hochwertiger Massenkalk aus dem Devon für die Schotterherstellung gewonnen. Ebenfalls im Raum Bleiwäsche werden Buntmetallerz und Schwerspat abgebaut.
Da im Stadtgebiet der Übergang zwischen Paderborner Hochfläche und Sauerland stattfindet, gibt es zwei unterschiedliche Bodengesellschaften. Im Nordteil etwa bis zu einer Linie von Wünnenberg nach Marsberg-Essentho, der vorwiegend landwirtschaftlich genutzt wird, kommen wesentlich mittelgründige Braunerden vor. Insbesondere an Steilhängen und auf Hochlagen kommen flachgründige, steinige Rendzinen vor, die in noch höherem Maß als die benachbarten Braunerden dürregefährdet sind. In geschützten Bereichen haben sich mächtige Lössdecken gebildet, aus denen sich Parabraunerden entwickelt haben, die sehr viel Wasser speichern können. In den Trockentälern ist eine Vielzahl von Kolluvien aus erodiertem humosem Bodenmaterial entstanden. Der Nordteil des Stadtgebiets wird vorwiegend ackerbaulich genutzt.
Im Südteil des Stadtgebietes haben sich ebenfalls Braunerden entwickelt, die hier aber mittel- bis tiefgründig und basenarm sind. Sie neigen zu Staunässe und gehen in Senken und Quellbereichen von Bächen in Pseudogleye über. Die Flusstäler von Alme und Afte sind von Gleyböden aus Lehm bedeckt. Örtlich finden sich kleine Niedermoore. Der südliche Teil ist vorwiegend bewaldet.
Bad Wünnenberg eignet sich im Mittelteil des Stadtgebiets mittelmäßig, sonst gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonden und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen. Vereinzelte Standorte eignen sich nicht (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets Die als „große Landgemeinde“ klassifizierte Gemeinde bedeckt eine Fläche von 161,04 km². Den größten Flächenanteil nehmen Wald- und Landwirtschaftsfläche mit zusammen ca. 89,9 % ein, Siedlungs- und Verkehrsfläche bedecken weitere rund 8,2 %. Die größte Ausdehnung in Nordsüdrichtung ist ca. 19 km, in Ostwestrichtung ca. 16,6 km. Für die Stadt ist der Zweckverband Erholungsgebiet Bad Wünnenberg/Büren aktiv.
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Gebäude-, Frei-und Betriebsfläche Verkehrs-fläche Fläche in km² 76,69 68,14 5,32 7,94 Anteil an Gesamtfläche 47,60 % 42,29 % 3,30 % 4,93 % Flächenach Nutzungsart Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 1,78 0,80 0,45 Anteil an Gesamtfläche 1,10 % 0,50 % 0,28 %
Nachbargemeinden An die Stadt Bad Wünnenberg grenzen im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden, die Stadt Salzkotten, die Gemeinde Borchen, die Stadt Lichtenau (alle Kreis Paderborn), die Städte Marsberg und Brilon (Hochsauerlandkreis) sowie die Stadt Büren (Kreis Paderborn).
Stadtgliederung 250px|mini|Ortsteile von Wünnenberg
Nach § 3 Absatz 1 ihrer Hauptsatzung gliedert sich die Stadt Bad Wünnenberg in folgende sieben Ortschaften:Hauptsatzung der Stadt Bad Wünnenberg (PDF; 22 kB) vom 26. November 1997
Ortschaft Einwohner Fläche in km² Bleiwäsche 837 9,20 Elisenhof 106 4,25 Fürstenberg 2.671 58,90 Haaren 2.553 32,96 Helmern 878 12,49 Leiberg 1.589 16,02 Bad Wünnenberg 3.803 27,18 Gesamt 12.437 161,00
Klima Bad Wünnenberg gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an und liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig warm. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei ca. 7–8 °C.
Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Insgesamt fallen an der Messstation Eilern im langjährigen Mittel ca. 795 mm Niederschlag jährlich. mini|Niederschlagsdiagramm Bad Wünnenberg-Eilern
1Temperaturdaten für das etwa 19 km entfernte Brilon sind nur bedingt vergleichbar, da Brilon deutlich höher liegt. Die Angabe erfolgt mangels eigener Werte für Bad Wünnenberg.
Zum Klima in der Region Ostwestfalen-Lippe, zu der die Stadt gehört, siehe auch den Artikel Klima in Ostwestfalen-Lippe.
Geschichte
Seit dem frühen Mittelalter existierten im späteren Stadtgebiet zahlreiche Siedlungen, von denen einige bereits im Kontext der Stadtgründung, andere erst während des 14./5. Jahrhunderts verlassen wurden.G. Henkel: Die Siedlungsentwicklung im Stadtraum Wünnenberg vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit. In: Heimatbuch der Stadt Wünnenberg. Paderborn 1987, S. 53–66.
Stadtgründung und spätes Mittelalter Die Stadt Wünnenberg wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts gegründet, nachdem die Edelherren von Büren auf dem Wünnenberg, das vermutlich Weideberg bedeutet, eine Burg errichtet hatten. Diese Burg entstand inmitten mehrerer bestehender eng beieinander liegender Dörfer, die Eddinghausen, Oberbliksen, Niederbliksen, Immighausen und Zinsdorf hießen. Manche Bewohner zogen sogar näher zur Burg, um in deren Schutz zu leben, obwohl der Weg zu ihren Äckern nun weiter war. Es war die Zeit der Fehden, erbitterter Kleinkriege zwischen verfeindeten Parteien, denen viele Unschuldige zum Opfer fielen. Binnen kurzem entstand ein ungewöhnlich großes Dorf, das 1306 vom Edelherrn Walrave von Büren zur Stadt erhoben wurde. Die neue Stadt bekam das von Büren übertragene neue Stadtrecht und die Bewohner wurden zu freien Bürgern. Sie befestigten die Stadt und umgaben sie mit einer Mauer und einem Graben. Das einzige Stadttor wurde Pote genannt. Um 1313 zog die Pfarrei Eddinghausen nach Wünnenberg um, damit wurde die Stadt auch Pfarrort. Der damalige Landesherr Bischof Bernhard V. von Paderborn errichtete 1325 auf einer Bergnase in der Nähe die Burg Vorstenborg, um die sich der spätere Ort Fürstenberg bildete.Horst-Dieter Krus; Heimatverein Wünnenberg (Hrsg.): Heimatbuch der Stadt Wünnenberg. Wünnenberg 1987, S. 281ff.
Im Sommer 1348 wurde Wünnenberg von einer bis dahin unbekannten, aus Italien kommenden Seuche heimgesucht, der Pest. Ein Viertel der Einwohner starb innerhalb kurzer Zeit und Papst Clemens V. beklagte 42 Millionen Opfer in Europa. Wie viele Tote es in Wünnenberg gab, ist unbekannt. Die Krankheit wurde durch Rattenflöhe übertragen, so dass es bei den damaligen hygienischen Verhältnissen immer wieder zu Pestepidemien kam, wie in den Jahren 1356, 1360–1363, 1371–1374 und 1420. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts kamen die Edelherren von Büren in Schwierigkeiten und verkauften die Stadt Wünnenberg mit allen Rechten an Bischof Balduin von Paderborn. Dieser verpfändete sein neues Besitztum an verschiedene Adelsgeschlechter, bis es schließlich 1379 von den Herren von Westphalen übernommen wurde. Sie gehörten zu den mächtigsten Geschlechtern im Lande und behielten das Pfand 277 Jahre lang in ihrem Besitz.
1365 wurde Friedrich Deys in Wünnenberg geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Prag galt er als hervorragender Jurist, war später für die katholische Kirche in Corvey, Paderborn, Bremen, Pisa und Konstanz tätig und wurde schließlich Bischof von Lavant in Österreich und Chiemsee. Er starb im Jahr 1429.
Kriege und andere Katastrophen mini|hochkant|links|Friedrich III. vom Alten Haus Padberg, einer der Führer der Bengler (Rekonstruktion 2007)
1391 begann die Bengler Fehde zwischen dem Paderborner Bischof und einzelnen Vertretern des Landadels, die sich zum Bengler Ritterbund unter Führung von Friedrich vom Alten Haus Padberg zusammengeschlossen hatten. Wünnenberg wurde daraufhin an den bischöflichen Knappen Wilhelm Crevet übertragen, dem die Verteidigung der Burg oblag.Michael Lagers: Der Paderborner Stiftsadel zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Untersuchungen zum Auf- und Ausbau niederadliger Machtstrukturen, Paderborn 2013, ISBN 978-3-89710-551-5, S. 319. Viele Orte und Kirchen wurden geplündert und niedergebrannt. Am Ende des Krieges 1394 war nur Wünnenberg halbwegs unversehrt und konnte zahlreiche Flüchtlinge aufnehmen, während das umliegende Land verwüstet worden war.