Bad Lippspringe (bis 1913 Lippspringe) ist eine kreisangehörige Stadt im Nordosten des deutschen Landes Nordrhein-Westfalen. Der heilklimatische Kurort liegt am Rande des Teutoburger Waldes im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge. Das Einwohner zählende ostwestfälische Heilbad gehört dem Kreis Paderborn an und liegt etwa acht Kilometer nordöstlich von Paderborn. Die für die Namensgebung ausschlaggebende Lippequelle wurde im Jahre 780 erstmals erwähnt.

Geografie Geografische Lage Bad Lippspringe liegt am Rande des Teutoburger Waldes im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge und ist Heilbad sowie heilklimatischer Kurort. In Bad Lippspringe befinden sich die Karstquellen von Lippe und Jordan, der aber noch im Stadtgebiet in die Lippe mündet. Außerdem gibt es vier Heilquellen (Martinus-Quelle, Alte Arminiusquelle, Neue Arminiusquelle und Liborius-Quelle), die öffentlich zugänglich sind. Große Teile des nördlich von Bad Lippspringe gelegenen Naturschutzgebietes und Truppenübungsplatzes Senne gehören zum Stadtgebiet.Sennesperrzeiten

Die Stadt liegt auf Höhen zwischen 120 und 429 m ü. NN.

Geologie mini|Geothermische Ergiebigkeit im Stadtgebiet mini|Die Arminiusquelle am Rande des Arminiusparks mini|Die Jordanquelle Der oberflächennahe Untergrund besteht im Bereich von Bad Lippspringe vorwiegend aus tektonisch wenig gestörten Mergelkalksteinen der Oberkreide. Diese sind leicht zum Inneren des Münsterländer Beckens geneigt, an dessen Ostrand sich das Stadtgebiet befindet. Mit zunehmender Tiefe werden diese Gesteine von geringfügig jüngeren Tonmergelsteinen des sogenannten Emscher-Mergels überdeckt. Beide Gesteine liegen über einem Sockel aus gefalteten Gesteinen aus Devon und Karbon.

Im zum Truppenübungsplatz Senne gehörenden nordwestlichen Flachlandsbereich besteht die Decke zumeist aus hauptsächlich sandigem Lockergestein des Eiszeitalters. Es stammt aus Sedimenten der Lippe, Beke und Strothe und auch Grundmoräne und Schmelzwassersanden.

Die Grundwasserstruktur im Stadtgebiet ist reich diversifiziert. Das oberste Stockwerk, genutzt für Einzelversorgungen, wird aus Schmelzwassersanden des Eiszeitalters und Flusssanden und -kiesen der Lippe und Strothe gebildet. Die nächsttiefere Schicht ist ein gut durchlässiger Karstgrundwasserleiter. Das von Südosten anfließende Karstgrundwasser tritt in der Lippe, Jordan-, Beispring- und Thunequelle wieder an die Oberfläche. Es ist jedoch infolge Speisung aus Oberflächenwasser und hoher unterirdischer Fließgeschwindigkeiten verschmutzungsgefährdet. So förderte das städtische Wasserwerk bis 1978 auf dem Marktplatz Trinkwasser aus dem offenen Karst, danach erfolgte wegen hygienischer Probleme ein Anschluss an das Paderborner Wasserwerk.

Das tiefste Grundwasserstockwerk besteht aus Mergel- und Sandsteinen der Unterkreide und enthält stark mineralisiertes Sulfatwasser. Es tritt in mehreren Quellen (Arminiusquelle, Liborius-Quelle, Martinus-Quelle, letztere mit 27,8 °C die wärmste der Bad Lippspringer Heilquellen) zutage und wird im Rahmen von Kuranwendungen balneologisch als Heilwasser genutzt, im Fall der ca. 20 °C warmen Arminiusquelle bereits seit 1832.

Im Stadtgebiet werden Sand und vereinzelt auch Kies des Quartärs zur Nutzung als Schüttgut und Bausand und auch zur Herstellung von Kalksandsteinen abgebaut. Ebenfalls aus dem Quartär stammender Ton und Schluff wurden früher als Rohstoff für die Ziegelherstellung genutzt.

Im westlichen Flachlandgebiet hat sich großflächig saurer, nährstoffarmer Podsol gebildet, der im Untergrund zum Teil mit Ortstein durchsetzt ist. Auf den wenige hundert Jahre alten Dünensanden beginnt die Bodenentwicklung erst, es treten daher dürreempfindliche und nährstoffarme Regosole auf. In den Tälern herrschen Gley vor, die natürliche Grünlandstandorte sind. Pseudogleye haben sich auf dem Geschiebelehm der Grundmoräne entwickelt. Im Osten des Stadtgebiets, also auf der Egge und der Paderborner Hochfläche, sind die Mergelkalksteine der Oberkreide zu Braunerde verwittert. Mittelalterliche Rodungen führten dazu, dass der hier ehemals weitverbreitete Löss in die Täler abgespült wurde und sich dort zu Kolluvien formte.

Bad Lippspringe eignet sich in den besiedelten Gebieten eingeschränkt zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonden und zur Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen. Vereinzelte Standorte eignen sich nicht (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)

Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets Die als „große Landgemeinde“ klassifizierte Gemeinde bedeckt eine Fläche von 50,99 km². Den größten Flächenanteil nehmen Wald- und Landwirtschaftsflächen mit zusammen ca. 72,6 % ein, Siedlungs- und Verkehrsfläche bedecken weitere rund 15,6 %. Bad Lippspringe hat einen namhaften Anteil an Heideland (etwa 10,77 %). Die größte Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung ist ca. 10,6 km, in Ost-West-Richtung ca. 14,2 km. Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Gebäude-, Frei-und Betriebsfläche Verkehrs-fläche Fläche in km² 17,31 19,72 3,60 2,88 Anteil an Gesamtfläche 33,95 % 38,68 % 7,06 % 5,65 % Flächenach Nutzungsart Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 0,50 1,45 5,51 Anteil an Gesamtfläche 0,98 % 2,84 % 10,81 %

Nachbargemeinden Im Norden grenzt Bad Lippspringe an die Gemeinde Schlangen, die dem Kreis Lippe angehört. Östlich liegt die Gemeinde Altenbeken, im Südwesten die Kreisstadt Paderborn sowie westlich die Gemeinde Hövelhof. Die drei Orte gehören zum Kreis Paderborn.Geographische Kommission für Westfalen (Hrsg.): Geographisch-Landeskundlicher Atlas von Westfalen, Themenbereich X Administration und Verwaltung, Doppelblatt staatliche und kommunale Verwaltungsgliederung. Münster 1990. Vgl. Gerhard Henkel: Geschichte und Geographie des Kreises Büren. Paderborn 1974, S. 101 f. und Kartenbeilage.

Stadtgliederung Weder die Hauptsatzung noch die Bevölkerung von Bad Lippspringe unterscheidet Ortsteile oder Ortschaften.

Klima Bad Lippspringe gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an und liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig warm. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei ca. 8,5–9 °C.

Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Insgesamt fallen an der Messstation Schieder im langjährigen Mittel 867 mm Niederschlag jährlich. mini|Niederschlagsdiagramm Bad Lippspringe

Zum Klima in der Region Ostwestfalen-Lippe, zu der die Stadt gehört, siehe auch den Artikel Klima in Ostwestfalen-Lippe.

Geschichte

mini|Lippequelle und Trinkhalle 1910 (Ansichtskarte) Bad Lippspringe gehörte seit der Gründung zur weltlichen Herrschaft des deutschen Bistums Paderborn, ursprünglich im Herzogtum Sachsen. Ab dem 14. Jahrhundert bildete sich das Territorium Hochstift Paderborn (Hochstift) im Heiligen Römischen Reich, ab dem 16. Jahrhundert dem niederrheinisch-westfälischen Reichskreis zugehörig. 1802/03 wurde das Hochstift vom Königreich Preußen besetzt. In napoleonischer Zeit lag der Ort auf dem Gebiet des Königreiches Westphalen. Seit 1815 gehörte Bad Lippspringe zum Königreich Preußen. 1945 bis 1949 war es Teil der britischen Besatzungszone, seit 1946 des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.

Im Jahre 780 wurde der Ort erstmals erwähnt. Karl der Große bezeichnet ihn als „Lippiogyspringiae“ und hielt hier während des sächsisch-fränkischen Krieges (772 bis 804) drei Reichsversammlungen in den Jahren 776, 780 und 782 ab. Auf der Reichsversammlung von 782 wurde unter anderem die fränkische Grafschaftsverfassung in Sachsen eingeführt.

1235 wurde die Familie „von Lippspringe“ erstmals erwähnt. Im Jahre 1312 errichtete das Paderborner Domkapitel die Burg Lippspringe an der Lippequelle. Im Umkreis der Burg siedelten sich Bauern und Handwerker aus der Umgebung an. Für die niederadligen Burgmannen der Familie Westphalen wurde Lippspringe in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zum wichtigsten Bezugsort. Sie waren bis zum Ende des Mittelalters die eigentlichen Burgherren.Michael Lagers: Der Paderborner Stiftsadel zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Untersuchungen zum Auf- und Ausbau niederadliger Machtstrukturen, Paderborn 2013, S. 373ff. Das Domkapitel erhob 1445 die inzwischen befestigte Siedlung Lippspringe zur Stadt. Nach zahlreichen Fehden und dadurch entstandenen Beschädigungen wurde die Burg 1482 renoviert und neu befestigt, ebenso 1665 nach schweren Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648). Durch den Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) wurde die Burg erneut schwer beschädigt, sodass 1785 das letzte noch bewohnte Gebäude der Burg aufgegeben werden musste. Heute ist sie nur noch eine Ruine.

1801 erhielt Frankreich im Frieden von Lunéville die linksrheinischen deutschen Gebiete. Preußen wurde für seine dortigen Besitzungen u. a. mit dem Hochstift Paderborn entschädigt. Das Domkapitel verlor auch seinen Besitz in Lippspringe, der zunächst unter die preußische Domänenverwaltung kam und später an Privatleute verkauft wurde.

Im Königreich Westphalen bildete Lippspringe von 1807 bis 1813 eine Gemeinde im Kanton Lippspringe des Distrikts Paderborn im Departement der Fulda. 1813 fiel Lippspringe wieder an Preußen und 1816 kam der Ort zum neuen Kreis Paderborn.

Im Jahre 1832 wurde durch Zufall die Arminius-Quelle als erste Heilquelle entdeckt. Sie galt bis dahin irrtümlich als Nebenquelle der Lippe.

Lippspringe verlor 1843, wie alle preußischen Orte mit weniger als 2500 Einwohnern, seine vollen Stadtrechte, blieb aber eine Titularstadt, die nach der Landgemeindeordnung verwaltet wurde und Sitz des Amtes Lippspringe war.

Im Jahre 1913 bekam der Ort die amtliche Bezeichnung „Bad Lippspringe“ verliehen. 1915 wurde der Schießstand der Stadt in ein Lazarett umgewandelt, um die Gefangenen aus dem neun Kilometer westlich gelegenen Sennelager zu versorgen.Kriegsdokumente 1914–1915, Berichte über Besuche in den Gefangenenlagern in England, Frankreich und Deutschland. März 1915. IKRK Genf, Librairie Georg & Cie. p68. Online abgerufen im Mai 2016.

1921 erhielt Lippspringe die Bürgermeisterverfassung im Sinne der westfälischen Städteordnung und schied damit aus dem Amt Lippspringe aus.Amtsblatt der Regierung Minden 1921, S. 155 1962 wurde im Kurwald die Martinus-Quelle erbohrt. Sie versorgt heute das Thermal-Freibad, die Westfalen-Therme, das Hallenbad, das Therapiezentrum Martinus-Quelle mit dem Bewegungsbad und die Trinkhalle im Kaiser-Karls-Park. Nach dem neuen Kurorte-Gesetz des Landes Nordrhein-Westfalen wurde Bad Lippspringe 1975 „Staatlich anerkanntes Heilbad“. Im Jahre 1980 erhielt der Ort die Anerkennung als „Heilklimatischer Kurort“.

Im Rahmen der Expo Initiative Ostwestfalen-Lippe wurden 2000 der Allergiepfad und der Kommunikationspark errichtet. Außerdem wurde die Nebelwiese am Jordan angelegt, um für Allergiepatienten ein Gebiet mit reduziertem Pollenflug zu schaffen.

Dezember 1923 wurde hier die Mechanische Weberei G.m.b.H. gegründet, die 1957 „Europas größte Spezialfabrik für Lichtbildwände“ war. Erstmals gelang hier die Beschichtung gewebter Leinwand mit Glasperlen (23 Mio./m²). Die Produktion wurde 1991/1992 nach Červený Kostelec, Böhmen, Tschechien verlagert, wo die Mechanische Weberei Bohemia s.r.o. wieder unter der Marke „MW“ produziert.Hans Tischert: Stätten deutscher Arbeit 13, 1957, S. 276 ff.Mechanische Weberei Bohemia, Firmenwebsite, abgerufen am 10. Mai 2016.

Christentum mini|Kath. Pfarrkirche St. Martin mini|hochkant|Katholische Sankt-Marien-Kirche in Bad Lippspringe Aufgrund seiner Zugehörigkeit zum ehemaligen Hochstift Paderborn ist die Bevölkerung in Bad Lippspringe traditionell überwiegend katholisch.