Radeberg ist eine Große Kreisstadt im Südwesten des sächsischen Landkreises Bautzen am Rande der Dresdner Heide. Radeberg ist die Stadt mit der höchsten Bevölkerungsdichte des Landkreises.
Geografie Geografische Lage Durch Radeberg fließen die Große Röder und die Schwarze Röder, die an der Mittelmühle (in der Nähe der Pestalozzischule) in erstere mündet. Am westlichen Stadtrand beginnt die Dresdner Heide, ein flachwelliges, nahezu geschlossenes Waldgebiet von mehr als 50 km² Fläche. Nördlich und östlich von Radeberg zeigen sich die westlichen Ausläufer des Lausitzer Berglandes. Die Stadt liegt im Naturraum des Westlausitzer Hügel- und Berglandes. Die Stadt gibt auch der Region rundum den Namen „Radeberger Land“.
Stadtgliederung Die Ortsteile Liegau-Augustusbad (1995 eingemeindet), Großerkmannsdorf und Ullersdorf (beide 1999 eingemeindet) begrenzen die Stadt im Nordwesten und Süden. Weitere benannte Stadtteile bzw. Ortslagen in Radeberg, wenn auch ohne Ortsteilstatus, sind die Siedlung Rossendorf (nördlich der Bundesstraße 6) und Kleinerkmannsdorf, beide zum Ortsteil Großerkmannsdorf gehörend, sowie Heinrichsthal, Friedrichstal, die Heidehäuser, die Stadtrandsiedlung und Lotzdorf.
Nachbarorte
Geschichte mini|Stadtansicht Radeberg um 1765 mit der Hospitalbrücke und dem alten Hospital (rechts)
Mittelalter bis Neuzeit In einer undatierten Urkunde über die Weihe einer in Schweta gestifteten Kapelle, die zwischen 1219 und 1229 ausgestellt worden sein soll und die von Ludwig August Schultes 1825 in den zweiten Band seiner chronologisch geordneten Auszüge von sämtlichen über die Geschichte Obersachsens vorhandenen Urkunden aufgenommen wurde, wird im Umfeld des Bischofs Bruno II. von Meißen ein Domherr [?] „Werner von Radebergk“ als Zeuge genannt.Ludwig August Schultes: Directorium diplomaticum, Bd. 2, Verlag der Hofbuchhandlung, Rudolstadt 1825, Nr. 193, S. 539 f. Jedoch lässt sich diese Urkunde nicht ermitteln. Bereits als Schultes 1825 sein Werk veröffentlichte, war dieser urkundliche Eintrag nirgends nachweisbar und wurde auch in keinerlei anderen bedeutenden Chroniken des 19. Jahrhunderts erwähnt.
Der Name des Ortes leitet sich vermutlich vom Fluss Größe Röder (alte Namen: Räderfluss, Reder) ab. In nicht einmal 150 Jahren entstanden ein Marktplatz, eine Burg und eigene Maßeinheiten wie zum Beispiel der Radeberger Scheffel. Am 16. März 1412 wurde dem Marktflecken das Stadt- und Weichbildrecht von Landgraf Friedrich IV. (Meißen und Thüringen), genannt der Friedfertige oder Einfältige, auch der Jüngere, verliehen.
Da Herzog Heinrich der Fromme die Reformation in dem von ihm regierten albertinischen Teil Sachsens in Verbindung mit zwei Kirchenvisitationen erst 1539 einführte,Dresden und Sachsen - Landeskunde; Landesgeschichte: Reformation ist auch für Radeberg, das zur Superintendentur Dresden gehörte, das Reformations-Einführungsjahr 1539 gültig. Die Visitatoren waren Caspar von Schönberg, Rudolf von Rechenberg, Justus Jonas, Georg Spalatin und Melchior von Creutzen. Die zweite Visitation erfolgte in der Zeit vom 20. Dezember 1539 bis 7. Juli 1540.
Im 16. Jahrhundert wurde nördlich der Stadt Silber gefunden, der Fundort wurde daraufhin Silberberg genannt. Die am Nordhang des Silberberges in einem östlichen Seitental der Großen Röder, dem Tannengrund, gelegene Mine war jedoch schnell erschöpft. Der Dreißigjährige Krieg und der Große Nordische Krieg setzten der Stadt schwer zu. 1645 wurde in Radeberg die Salpetersiederei eingeführt. 1713 versuchten der Rittmeister Bruckmeyer und der Arzneilaborant Hausen, eine große Salpeterfabrik auf dem Freudenberg, der damals noch am Rande des Stadtkernes lag, zu bauen, was jedoch wegen der hohen Brandgefahr durch einen Bürgeraufstand am 20. September 1714 vereitelt wurde.
Im gleichen Jahr, am 13. Juli 1714, brannte infolge Blitzeinschlages fast die ganze Stadt ab. Die Suche nach Kalk zum Wiederaufbau erfolgte auch in den Stollen des ehemaligen Bergbaugebietes am Silberberg, war aber erfolglos. Stattdessen führte diese Suche zur Entdeckung der Heilquellen im Tannengrund durch den Radeberger Bürgermeister Christoph Seydel.
Industrielle Revolution bis Nationalsozialismus mini|Radeberger Marktplatz um 1900
Radeberg entwickelte sich frühzeitig zum Industriestandort vor den Toren der Landeshauptstadt Dresden. Ausgelöst wurde das durch den frühen Anschluss Radebergs an die Eisenbahnlinie Dresden – Görlitz ab dem Jahr 1845 und die dadurch forcierte Ansiedlung der Glasindustrie. Die erste Glasfabrik wurde 1858 erbaut. Nach 1871 kam es in Radeberg zu einem raschen Anwachsen der Industrieansiedlungen.
Aufgrund des akuten Munitionsmangels an den Kampfschauplätzen des Ersten Weltkrieges wurde 1915 in Radeberg ein staatliches Rüstungsunternehmen zur Fertigung von Zündern und Sprengkapseln, das Königliche Feuerwerkslaboratorium Radeberg, gegründet. Zeitweilig waren über 5.000 Menschen in der Fabrik beschäftigt.
Von der Weltwirtschaftskrise 1929 waren viele Radeberger Unternehmen betroffen. Die daraus resultierende hohe Arbeitslosenquote führte zu einer drastischen Verschlechterung der Wohn- und Versorgungssituation der Bevölkerung. Um die Wohnungsnot zu verringern, errichtete die Stadt Radeberg von 1926 bis 1932 nahezu 200 Wohnungen. Östlich der Stadt entstand auf der Basis des neu geschaffenen Reichsheimstättengesetzes vom 10. Mai 1920 ab 1932 die Stadtrandsiedlung Am Taubenberg, im Volksmund Kalte Hand genannt. Am westlichen Stadtrand entstand ab 1913 die von der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Radeberg getragene Ernst-Braune-Siedlung, in der Südvorstadt als genossenschaftliches Bauprojekt die sogenannte Kohlrabi-Insel.
mini|Amtliche Bekanntmachung über die Vereinigung Radeberg und Lotzdorf 1920 Zum Stichtag 1. Januar 1920 haben sich die beiden politischen Gemeinden Radeberg und Lotzdorf vereinigtOrtsgesetz über die Vereinigung der Landgemeinde Lotzdorf mit der Stadt Radeberg. Akte 2.3.000.085 Stadtarchiv Radeberg, es erfolgte keine Eingemeindung. Jegliche gebietskörperschaftliche, öffentlich- und privatrechtliche, gemeindliche und politische Funktionen und Stellungen Lotzdorfs sind zu diesem Zeitpunkt erloschen, die bisherigen gemeindlichen Vertretungen Lotzdorfs wurden ersatzlos aufgelöst. Alle diesbezüglichen Rechte und Verbindlichkeiten sowie das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen der Landgemeinde Lotzdorf sind zum Stichtag auf die Stadtgemeinde Radeberg übergegangen. Der Flurbezirk Lotzdorf ist unter Beibehaltung seiner bisherigen Flurstück-Nummern in den Gemeinde- und Flurbezirk Radeberg eingeordnet worden, so dass nach der Vereinigung 1920 in der neuen, vergrößerten Stadtgemeinde Radeberg zwei Flurbezirke bzw. Gemarkungen (Flur Radeberg und Flur Lotzdorf) mit ihren jeweils eigenen Flurstück-Nummern existieren.
Die Volkszählung am 17. Mai 1939 ergab 15.993 Einwohner, davon 7.474 Männer und 8.519 Frauen.Die Bevölkerung des Reichs nach der Volkszählung 1939. Heft 2; Berlin 1941. mini|Gedenkstein am ehemaligen Standort des Arbeitserziehungslager in Radeberg (2012) Von Juli 1944 bis Mai 1945 befand sich das Arbeitserziehungslager Radeberg am Robert-Blum-Weg / Ecke Adolph-Kolping-Straße. Dort wurden hunderte Insassen aus zahlreichen Ländern unter grausamen Bedingungen, durch Genickschuss, Gift oder Unterernährung getötet. Zivile Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Angehörige der Sowjetarmee mussten für die Sachsenwerk, Licht- und Kraft-AG Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion verrichten.
Deutsche Demokratische Republik mini|hochkant=0.8|Clivia II FER858A (VEB Rafena-Werke Radeberg) aus dem Jahr 1956 Die 1872 gegründete Exportbierbrauerei sowie die Entwicklung und Produktion von Fernsehgeräten ab 1950 im Sachsenwerk Radeberg (im November 1956 in VEB Rafena-Werke umfirmiert) und später von Tisch- und Großrechnern im 1969 aus dem VEB Rafena-Werke hervorgegangenen Stammbetrieb des VEB Kombinat Robotron prägten über Jahrzehnte die städtische Wirtschaft.
Im Juli 1948 wurde mit dem Kulturhaus „Maxim Gorki“ das erste Kulturhaus der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) eröffnet. In diesem Objekt befand sich von 1948 bis 1953 auch einer der ersten Kindergärten in der SBZ. Träger des Kulturhauses und des Kindergartens war das Sachsenwerk Radeberg bzw. dessen Rechtsnachfolger. Das Kulturhaus war der kulturelle Mittelpunkt und das Veranstaltungszentrum der Stadt und wurde bis weit in die 1990er Jahre für verschiedenste Veranstaltungen genutzt. 2009 wurden die Gebäude abgerissen und auf der Immobilie eine öffentliche Grünanlage geschaffen.
Von 1955 bis 1976 hat der Rat der Stadt die monatlich erschienene Zeitschrift „Radeberger Kulturleben“ als „Heimatschrift für Radeberg und Umgebung“ herausgegeben.
Seit der Wiedervereinigung Am 1. April 1995 wurde Liegau-Augustusbad eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1995 Am 1. Januar 1999 kamen Großerkmannsdorf und Ullersdorf hinzu.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999 Die Einwohnerzahl der Stadt ist seitdem relativ stabil zwischen 18.000 und 19.000
Zum 1. Januar 2009 erfolgte die Erhebung zur Großen Kreisstadt.
Die Historie der Stadt Radeberg wird seit 2004 in einer alle Epochen einbeziehenden und thematisch strukturierten Form von der im Auftrag der Großen Kreisstadt Radeberg ehrenamtlich tätigen „Arbeitsgruppe Stadtgeschichte“ aufgearbeitet und in der einmal jährlich von der Großen Kreisstadt Radeberg herausgegebenen Broschüre Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte veröffentlicht.
Einwohnerentwicklung
JahrEinwohnerJahrEinwohner1551227 besessene Bürger, davon im Burglehn 51 besessene Mann, 78 Inwohner194616.6221764103 besessene Mann, 60 Häusler, 18¾ Hufen195016.44018342.256196417.42018714.388199014.67118908.740200018.731Davon etwa 3.500 Einwohner Zugang infolge der Eingemeindungen von Liegau-Augustusbad 1995 sowie von Großerkmannsdorf und Ullersdorf nach Radeberg 1999.189510.295201518.389190012.918, davon 6.770 (52,4 %) männlich, 6.148 (47,6 %) weiblich, in 2.789 HaushaltungenVolkszählung vom 2. Dezember 1900. In: Radeberger Chronik 1840–1904. Handschriftliches Manuskript. Archiv-Nr. 00003477. Museum Schloss Klippenstein Radeberg. Seite 574.201718.451191013.413201818.463192515.651Davon etwa 1.600 Einwohner Zugang infolge der Eingliederung von Lotzdorf nach Radeberg am 1. Januar 1920.201918.798193916.183202319.160 Gemäß Zensus 2022 hatte Radeberg am 15. Mai 2022 18.724 Einwohner, davon 17.963 Deutsche und 761 Ausländer. Der Ausländeranteil betrug somit 4,1 % und lag unter dem sächsischen Durchschnitt von 6,3 %.
Ortsnamenformen 1233: Thimo miles de Radeberch 1235: Radeberc 1350: Aldenradeberg 1378: Radeberg (RDMM 266) 1435: Radwerck 1445/47: Radeberg 1485: Radberg 1488: Radenberg 1537: Rodenperg 1551: Radebergk
Politik
Stadtrat und Oberbürgermeister
Nach der Stadtratswahl vom 9. Juni 2024 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen: +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU727,0725,91035,7AfD726,1421,1––Wir für Radeberg520,3––––Freie Wähler Radeberg27,1520,0620,6Grüne15,828,415,6SPD14,0416,1620,2Wir für Liegau13,9––––Linke13,528,6313,1Freie Sachsen12,2––––Piraten–––––3,2FDP–––––1,6Wahlbeteiligung67,1 %62,5 %52,4 %
Zum ersten Bürgermeister nach der politischen Wende wurde 1990 Frank Petzold (CDU) durch die damalige Stadtverordnetenversammlung gewählt. Bei der ersten Bürgermeisterdirektwahl in Radeberg (1994) wurde Gerhard Lemm (SPD) gewählt und 2001 mit 78 %, 2008 mit 81 % und 2015 mit 96 % jeweils wiedergewählt. Aus der Oberbürgermeisterwahl 2022 ging Frank Höhme (parteilos) im zweiten Wahlgang mit 58,64 % als Sieger hervor.Frank Höhme ist Radebergs neuer Oberbürgermeister, Sächsische Zeitung (Ausgabe Radeberg) vom 3. August 2022 Er hat sein Amt am 2. August 2022 angetreten.Datum Amtsantritt gem. Zustellung Wahlprüfungsbescheid In der ersten von ihm geleiteten Stadtratssitzung am 28. September 2022 hat Frank Höhme den Amtseid abgelegt.