Delbrück [] ist eine mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Paderborn in Nordrhein-Westfalen. Sie ist Namensgeber des Delbrücker Landes.
Geografie Geografische Lage Die Stadt Delbrück liegt im Nordosten Nordrhein-Westfalens und im Westen des ostwestfälischen Kreises Paderborn. Mit über 32.000 Einwohnern ist sie die zweitgrößte Stadt im Kreis. Weiterhin liegt sie im Osten der Westfälischen Bucht in der Emssandebene.
Wichtigster Fluss ist die Lippe, die die drei südlichen Stadtteile Anreppen, Bentfeld und Boke durchfließt. Die Ems durchfließt das nördliche Stadtgebiet. Weiterhin verläuft die Grenze zwischen den Einzugsgebieten des Rheins und der Ems durch das Stadtgebiet (Rhein-Ems-Wasserscheide). Der höchste Punkt ist mit (an der Lipplinger Straße in Delbrück-Mitte), der niedrigste mit (am Köttmers Kamp im Ortsteil Westenholz).
Die nächstgelegenen größeren Städte sind Paderborn (15 Kilometer östlich), Lippstadt (20 Kilometer südwestlich), Gütersloh (27 Kilometer nordwestlich) und Bielefeld (35 Kilometer nördlich).
Geologie mini|Geothermische Karte von Delbrück Der sogenannte „Delbrücker Rücken“ setzt sich aus Schmelzwasser-Ablagerungen und Geschiebemergel der Saale-Kaltzeit zusammen. In tieferen Geländeabschnitten gehen diese teilweise in Fluss- und Seeablagerungen der ausgehenden Holstein-Warmzeit über. Die breiten Niederungen von Lippe und Ems bestehen im Untergrund aus Sedimenten von Kies, Sand und Schluff, an der Oberfläche selbst finden sich häufig Uferwälle, Flugsande und Dünen der ausgehenden Weichseleiszeit und der Nacheiszeit. Der Festgesteinsuntergrund unterhalb dieser Schichten setzt sich aus Tonmergel-Gestein (sogenannter „Emscher-Mergel“), Kalkmergel-, Mergelkalk- und Kalksteinen des Erdmittelalters (Oberkreide), darunter liegt ein Sockel aus gefalteten Gesteinen des Erdaltertums (Devon und Karbon).
Grundwasser kommt in den Lockergesteinen des Eiszeitalters im Delbrücker Höhenzug mäßig vor. Lediglich in den eiszeitlichen Lockergesteinen des Lippetals sind größere Grundwassermengen vorhanden, wobei diese durch eine geringdurchlässige Zwischenschicht zum Teil in zwei Stockwerke unterteilt sind. Weitere darunterliegende Grundwasserstockwerke führen versalztes Grundwasser und Sole.
Früher wurde im Delbrücker Stadtgebiet in zahlreichen Gruben Geschiebemergel zur Ziegelherstellung abgebaut, diese Nutzung erfolgt jedoch nicht mehr, genauso wenig wie der Abbau von Schmelzwassersanden als Putz- und Mauersand. Jedoch wird entlang der Lippe zwischen den Stadtteilen Sande (Paderborn) und Mantinghausen (Salzkotten) weiterhin Sand, Kies und Schotter als Baustoff gewonnen.
Auf dem Delbrücker Rücken haben sich Stauwasserböden (Pseudogleye) gebildet, die nur eingeschränkt landwirtschaftlich nutzbar sind. Zwischen den Pseudogleyen und grundwasserbeeinflussten Böden in Niederungen liegen lehmig-sandige Braunerden. Im Osten des Delbrücker Rückens herrschen auf Flugsanden gebildete tiefgründige, stark versauerte reine Sandböden (Podsole) vor. Sie sind durch Plaggenauftrag landwirtschaftlich nutzbar gemacht worden und besitzen einen tiefreichenden humosen Oberboden (Plaggenesch). In Niederungen finden sich lehmig-sandige bis schluffig-lehmige Auenablagerungen aus der Nacheiszeit. Wegen des hohen Grundwasserstands haben sich hier Gleye, Naßgleye oder Anmoorgleye gebildet. Dort, wo der Untergrund verdichtet und abflusslos ist, treten Niedermoore auf. Bei durchschnittlichen Grundwasserständen zwischen 60 und 100 cm unter der Oberfläche haben sich im Oberboden Podsol-Gleye mit Raseneisenstein oder Ortstein gebildet.
Delbrück eignet sich überwiegend mittelmäßig bis gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte) (PDF; 369 kB).
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die Stadt Delbrück wird als Mittelstadt klassifiziert und umfasst eine Fläche von 157,28 km². Den größten Anteil nimmt mit etwa 83 % die landwirtschaftlich genutzte Fläche ein. Weitere rund 17 % sind Gebäude- und Freiflächen sowie Verkehrsflächen. Die größte Ausdehnung in Nordsüdrichtung ist ca. 15,5 km, in Ostwestrichtung ca. 20,8 km.
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Gebäude-, Frei-und Betriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 117,29 8,3 13,22 9,3 5,86 2,91 0,38 Anteil an Gesamtfläche 74,58 % 5,28 % 8,41 % 5,91 % 3,73 % 1,85 % 0,24 %
Nachbargemeinden Rietberg Verl Hövelhof Datei:Windrose klein.svg Paderborn Lippstadt Salzkotten Im Westen beginnend grenzen an Delbrück im Uhrzeigersinn die Städte Rietberg und Verl (beide Kreis Gütersloh), die Gemeinde Hövelhof sowie die Städte Paderborn und Salzkotten (Kreis Paderborn) und die Stadt Lippstadt (Kreis Soest, Regierungsbezirk Arnsberg).
Stadtgliederung Nach § 3 der Hauptsatzung der Stadt Delbrück gliedert sich die Stadt in die zehn Stadtteile:
Ortsteil EinwohnerStadtverwaltung Delbrück: , Stand: 03/2018 (30. Juni 2018) Fläche(in km²) Bevölkerungs-dichte (in E./km²) Stadtteile von Delbrück 300px|zentriert Anreppen (mit Lesterberg) 1.481 9,89 149,7 Bentfeld (mit Heddinghausen) 1.337 8,09 165,3 Boke (mit Ringboke und Heitwinkel) 2.656 16,12 164,8 Delbrück 12.247 20,40 600,3 Hagen (mit Nordhagen und Sudhagen) 2.478 18,56 133,5 Lippling 2.162 15,48 139,7 Ostenland (mit Wittendorf) 2.982 21,80 136,8 Schöning 1.513 7,08 213,7 Steinhorst 846 8,15 103,8 Westenholz 4.013 31,75 126,4 Insgesamt 31.715 157,32 201,6
Lippling, Schöning und Steinhorst, die drei Ortsteile, aus denen sich die vormalige Gemeinde Westerloh zusammensetzte, gelten also als gleichberechtigte Stadtteile neben den anderen.
Klima Delbrück liegt im Klimabezirk Münster und gehört damit zum Norddeutschen Flachland. Es herrscht maritimes Klima mit westlichen Winden. Die mittlere Temperatur beträgt im Juli 18–19 °C. Etwa 25 Sommertage weisen eine Temperatur von über 25 °C auf. Weniger als 140 Tage sind trüb. Es fallen im Durchschnitt 725 Millimeter Niederschlag im Jahr. In Delbrück gibt es mäßig warme Sommer und milde Winter.Stadt Delbrück
Geschichte mini|Ansicht von Delbrück im 17. Jahrhundert (Johann Georg Rudolphi) mini|Der Stadtkern von Delbrück (2008) Eine der ältesten Urkunden über Delbrück entstand zwischen 1219 und 1239. Ausgrabungen im Ortsteil Anreppen zeigten jedoch, dass dort bereits in den Jahren 4–5/6 n. Chr. ein im Rahmen des immensum bellum genutztes Legionslager der Römer bestand (siehe Hauptartikel: Römerlager Anreppen).
Zur Zeit der Überführung der Gebeine des Heiligen Liborius nach Paderborn sollen auch die Gebeine des Heiligen Landolinus von Frankreich in die Kirche im Ortsteil Boke übergeführt worden sein. Landolinus ist Patron der dortigen Pfarrkirche.
1292 bezeugt eine Urkunde eine Kirche sowie einen Kaplan in Delbrück. Auch von einem Gograf ist in dieser Urkunde die Rede.
Im Jahre 1354 entstand die Burg in Boke. Bauherr war Bernd von Hörde.
Wegen eines Streites zwischen Wilhelm vom Berg, Fürstbischof von Paderborn, dem Erzbischof Friedrich von Köln und dem Grafen von Kleve wurde Delbrück 1410 eingeäschert.
1496 überließ der Ritter Philipp von Hoerde der Stadt Delbrück Reliquien vom Heiligen Kreuz. Von da an wurde die Reliquie an jedem Karfreitag während einer Prozession durch die Gemeinde getragen.
1590 konnte das neue Delbrücker Rathaus vom Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg und dem Abdinghofer Abt eingeweiht werden. Im selben Jahr wurde das Delbrücker Land von niederländischen Truppen geplündert.
1604 plünderten spanische Söldner das Delbrücker Land und ermordeten einen großen Teil der Bevölkerung. Sechs Jahre später wurde Delbrück das Recht zugesprochen, zweimal jährlich einen Markt abzuhalten, den einen am Donnerstag vor Pfingsten, den zweiten auf Katharina (25. November).
Im Hochstift Paderborn war Delbrück Sitz des sogenannten Küchenamts Delbrück.
Delbrück wurde 1802 am Ende der Herrschaft des Fürstbischofs von Paderborn erstmals preußisch. 1807 wurde das Delbrücker Land unter der Herrschaft von Jérôme Bonaparte als Bestandteil des Königreichs Westphalen in sechs Kommunen aufgeteilt, die den Kanton Delbrück im Distrikt Paderborn bildeten. Nach den Befreiungskriegen wurde Delbrück wieder preußisch und kam 1816 zum neuen Kreis Paderborn. Langsam erfolgten Ausbauten von Straßen, Eisenbahnlinien (z. B. Verbindung Wiedenbrück-Sennelager) und der Anschluss an das Elektrizitätswerk bis 1912.
Am 26. September 1975 stürzte eine Sikorsky CH-53 der US-Streitkräfte zwischen Delbrück und Westenholz ab. 16 Soldaten starben.
Religion mini|hochkant|St. Johannes in Delbrück Die katholischen Pfarreien in Delbrück gehören alle zum Erzbistum Paderborn. Mit der neuen Struktur des Erzbistums, die am 1. Juli 2006 in Kraft trat, sind die zehn Delbrücker Gemeinden in drei Pastoralverbunde im Dekanat Büren-Delbrück aufgeteilt.
Bereits 1575 war im Visitationsbericht der katholischen Pfarrkirche zu lesen, dass in Delbrück die ersten Protestanten lebten. Doch erst infolge des Zweiten Weltkrieges und der Flüchtlings- und Vertriebenenströme aus dem Osten Deutschlands stieg die Zahl der Evangelischen in Delbrück und den umliegenden Ortschaften auf über 1500 an. Am 18. Dezember 1949, dem 3. Advent, konnte die mit Hilfe des Lutherischen Weltbundes gebaute Segenskirche am Laumeskamp eingeweiht werden. Die Kirchengemeinde wurde mit dem 1. Januar 1951 von ihrer Paderborner Muttergemeinde unabhängig. Aus Gründen der Infrastruktur wurde der Mittelpunkt der Gemeinde zwischen 1965 und 1973 an den Driftweg verlegt, wo 1973 die neue Segenskirche mit angebautem Gemeindezentrum eingeweiht wurde. Heute zählt die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Delbrück ungefähr 3750 Gemeindemitglieder und gehört innerhalb der Evangelischen Kirche von Westfalen dem Kirchenkreis Paderborn an.Vgl. Jens Murken: Die evangelischen Gemeinden in Westfalen. Bd. 1, Ahaus bis Hüsten. Bielefeld 2008, S. 424f.
Seit den 1970er Jahren leben die ersten Aramäer in Delbrück. Anfangs wurde in den Räumen der Volksschule Nordhagen gebetet. 1989 konnten eigene syrisch-orthodoxe Gemeinden in Delbrück und Paderborn gegründet werden. Nach nur zweijähriger Bauzeit wurde 1993 die neu erbaute syrisch-orthodoxe Kirche Mor Malke in Delbrück eingeweiht.
Als Indiz für die Verteilung der Konfessionen in Delbrück können die Schülerzahlen an allgemeinbildenden Schulen in Delbrück gelten. Hiernach rechnen sich 70,0 % der katholischen und 14,0 % der evangelischen Konfession zu. 2,5 % der Schüler sind Moslems. 9,2 % rechnen sich einer anderen und 4,4 % keiner Konfession zu.Schüler an allgemeinbildenden Schulen in NRW nach der Religionszugehörigkeit, 2006/07
Eingemeindungen Am 1. August 1964 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Dorfbauerschaft eingegliedert. Am 1. Januar 1975 wurden nach § 23 des Sauerland/Paderborn-Gesetzes die Gemeinden Delbrück, Hagen, Ostenland, Westenholz und Westerloh des Amtes Delbrück sowie die Gemeinden Anreppen, Bentfeld und Boke des Amtes Salzkotten-Boke (Kreis Büren) zur neuen Stadt Delbrück zusammengeschlossen.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1975 19.735 1980 21.416 1985 22.583 1987 ¹ 22.645 1990 24.247 1995 27.700 2000 29.212 2001 29.429 2002 29.846 2003 29.851 Jahr Einwohner 2004 29.952 2005 30.050 2010Stadtverwaltung Delbrück: Bürgerbroschüre Stadt Delbrück Stand: 2014-11 30.047 2011 30.014 2012 30.090 2012 30.542 2013 30.279 2014 30.709 2017 33.129 2022 32.774 Jahr Einwohner 2025 32.223 ¹ Volkszählungsergebnis
Politik Stadtrat Der Rat der Stadt hat gegenwärtig 44 Mitglieder. Hinzu kommt der Bürgermeister als Ratsvorsitzender. Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 1975: