Schloß Holte-Stukenbrock ist eine kreisangehörige Stadt im Nordosten Nordrhein-Westfalens und liegt rund 20 Kilometer südöstlich von Bielefeld in der Emssandebene. Am zählte die dem ostwestfälischen Kreis Gütersloh im Regierungsbezirk Detmold angehörende Stadt Einwohner.

Die Stadt in ihren heutigen Grenzen entstand erst 1970 durch Zusammenlegung der beiden bis dahin amtsangehörigen Gemeinden Schloß Holte im Amt Verl und Stukenbrock im Amt Schloß Neuhaus. Die Besiedlung des heutigen Stadtgebietes in der Westfälischen Bucht lässt sich bereits um das Jahr 1153 schriftlich belegen.

Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt in der Emssandebene in der östlichen Westfälischen Bucht, am östlichen Ausläufer des Münsterlandes, das durch den Teutoburger Wald abgegrenzt wird. Große Teile des Stadtgebiets gehören zum Naturraum Senne. Entwässert wird der Raum von Zuflüssen der Ems, den Sennebächen, darunter der Menkebach, der östlich von Gütersloh in die Dalke mündet, dem Ölbach, der südwestlich von Gütersloh in den Wapelbach mündet sowie von der Ems selbst, die im Stadtgebiet entspringt. Ein kleiner Teil des östlichen Stadtgebietes (Stadtteile Stukenbrock und vor allem Stukenbrock-Senne) gehört zum Truppenübungsplatz Senne und ist damit für die Öffentlichkeit nur beschränkt zugänglich.

Die nächsten größeren Städte sind im Nordwesten Bielefeld in 20 km Entfernung, im Osten Detmold in 20 km Entfernung, im Westen Gütersloh in 26 km Entfernung und im Südosten Paderborn in 27 km Entfernung.

Geologie mini|Geothermische Karte von Schloß Holte-Stukenbrock

Das Münsterländer Becken, zu dem Schloß Holte-Stukenbrock geologisch gehört, hat ungefähr die Gestalt einer Schüssel. Der tiefe Untergrund des Stadtgebiets besteht aus einem Sockel aus gefalteten Gesteinen des Erdaltertums (Devon und Karbon). Richtung Oberfläche schließt sich Festgesteinsuntergrund an, der vollständig aus mächtigen, tektonisch nur wenig gestörten Tonmergelsteinen des Erdmittelalters (Oberkreide) und älteren Kreide-Kalksteinschichten besteht. Sie sind schwach Richtung Münster geneigt. Die Oberschicht des Gebiets schließlich besteht aus einer meist sandig-schluffig-tonigen Lockergesteinsschicht des Eiszeitalters (Quartär). Es finden sich junge, manchmal torfige Sedimente der Ems und ihrer Zuflüsse und ältere eiszeitliche Ablagerungen wie Grundmoräne oder Schmelzwassersande. Der oberflächennahe Bereich führt zum Teil reichlich Grundwasser. Das Grundwasser des tieferen Untergrundes ist versalzt.

Schloß Holte-Stukenbrock eignet sich gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB).

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die als große Landgemeinde klassifizierte Gemeinde umfasst eine Fläche von 67,42 km². Der überwiegende Teil besteht aus landwirtschaftlich genutzter Fläche und Waldfläche, zusammen etwa 65 %, gefolgt von bebauter Fläche und Verkehrsfläche, zusammen etwa 19 %. Der Anteil sonstiger Flächen ist mit etwa 15 % außergewöhnlich hoch. Dies ist wesentlich dem Truppenübungsgelände auf dem Stadtgebiet geschuldet. Die größte Ausdehnung in Nordsüdrichtung ist rund 8,5 km, in Ostwestrichtung etwa 14,9 km.

Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Gebäude-, Frei-und Betriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 24,01 19,68 8,92 3,92 0,00 0,85 10,04 Anteil an Gesamtfläche 35,61 % 29,19 % 13,23 % 5,81 % 0,00 % 1,26 % 14,89 %

Nachbargemeinden Schloß Holte-Stukenbrock grenzt im Nordwesten an die kreisfreie Stadt Bielefeld, im Norden an die Stadt Oerlinghausen und im Nordosten an die Gemeinde Augustdorf, sowie im Osten auf kurzem Stück an die Gemeinde Schlangen (alle Kreis Lippe), im Süden an die Gemeinde Hövelhof (Kreis Paderborn) und im Westen an die Stadt Verl (Kreis Gütersloh). Schloß Holte-Stukenbrock liegt zwischen den Oberzentren Bielefeld und Paderborn sowie den Städten Gütersloh und Detmold.

mini|Gliederung der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock Stadtgliederung Nach § 1 der Hauptsatzung der StadtWebsite der Stadt – Hauptsatzung gliedert sich Schloß Holte-Stukenbrock in die drei Stadtteile Schloß Holte, Sende und Stukenbrock *. In der Bevölkerung werden zusätzlich Liemke und Stukenbrock-Senne unterschieden.

(* = Sitz der Stadtverwaltung)

Klima mini|hochkant=1.2|links|Durchschnittliche Regenmenge in Bielefeld-Senne 1961–1990 Schloß Holte-Stukenbrock gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an. Es liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig-warm.

Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Niederschlagsmesswerte existieren für die Stadt nicht. An der Station in der östlich angrenzenden Senne fallen im langjährigen Mittel insgesamt 997 mm Niederschlag je Jahr. Somit fällt dort deutlich mehr Niederschlag als im deutschen Mittel (700 mm). Diese Niederschlagsmenge ist durch Steigungsregen beeinflusst, da die Senne am Südhang des Teutoburger Waldes liegt. Im westlich angrenzenden Verl beträgt die Niederschlagssumme im langjährigen Mittel lediglich etwa 770 bis 830 mm. Die ebenfalls dort gemessenen Temperaturen ergeben langjähriges Jahresmittel der Lufttemperatur von 9 bis 9,5 °C.

Geschichte mini|Jagdschloss Holte (2014)

Mittelalter bis 19. Jahrhundert Die erste urkundliche Erwähnung der Stukenbrocker Urhöfe „Brechtme“ und „Gokersterteshusen“ (Brechmann und Gauksterdt) stammt aus dem Jahre 1153. Seit 1526 ist die Bezeichnung „Stükenbrüche“ für Stukenbrock überliefert.

Zu dieser Zeit stand bereits das Haus „Holte“, eine Wehrburg am Ölbach, die 1556 durch Bernhard VIII. (Lippe) zerstört wurde. Graf Johann III. und Gräfin Sabina Katharina von Rietberg und Ostfriesland ließen auf diesen Fundamenten in den Jahren 1608–1616 das Jagdschloss Holte bauen. Das im Laufe der Jahrhunderte mehrmals veränderte Bauwerk der Renaissance ist bis heute erhalten. Gegenüber dem Schloss und unweit des heutigen Ortsteils Schloß Holte befindet sich ein Zeugnis der frühen Industrialisierung: die um die Mitte des 19. Jahrhunderts gegründete Holter Eisenhütte, in der Raseneisenerz verhüttet wurde.

Zeit des Nationalsozialismus Auf dem heutigen Stadtgebiet befand sich vom Frühjahr 1941 bis zum 2. April 1945 das Stammlager „Stalag 326 (VI K) Senne“.Stalag 326 (VI K) Senne Es gehörte zum Wehrkreis Münster und diente der Wehrmacht zur Unterbringung von Kriegsgefangenen vornehmlich aus der damaligen Sowjetunion. In dem Westlager waren auch Gefangene aus Frankreich, Serbien, Polen und Italien untergebracht.

Etwa 180.000 Gefangene sind im Stalag 326 registriert worden. Weitere Gefangene durchliefen das Lager zu Arbeitseinsätzen im Ruhrgebiet. Wie viele Inhaftierte den schlechten Bedingungen zum Opfer fielen, ist nicht bekannt. Verschiedene Angaben schätzen die Zahl der Toten zwischen 15.000 und 65.000, die an Entkräftung und Tuberkulose starben.

Am 2. April 1945 wurde das Lager von vorrückenden US-amerikanischen Panzern befreit. Später, vom 1. Oktober 1946 bis zum 31. Dezember 1947, war auf dem Gelände des Stammlagers das britische Internierungslager Civil Internment Camp 7 unter der Bezeichnung Internierungslager Eselheide eingerichtet. Die Siegermächte hielten dort 8885 Männer fest, bis diese vor Gericht geführt werden konnten.

Eingemeindungen Schloß Holte-Stukenbrock besteht seit dem 1. Januar 1970 und wurde im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform mit dem „Gesetz zur Neugliederung des Kreises Wiedenbrück und von Teilen des Kreises Bielefeld“ vom 4. Dezember 1969 gebildet. Die beiden bis dahin amtsangehörigen Gemeinden Schloß Holte (Amt Verl, Kreis Wiedenbrück, vor dem 28. Oktober 1964 Gemeinde „Liemke“) und Stukenbrock (Amt Schloß Neuhaus, Kreis Paderborn) wurden zur neuen Gemeinde Schloß Holte-Stukenbrock zusammengeschlossen und zunächst in den Kreis Bielefeld eingegliedert. In die neue Gemeinde wurden Teile der Gemeinde Sende eingegliedert. Teile der früheren Gemeinde Schloß Holte wurden in die neu gebildete Gemeinde Verl umgegliedert. Mit dem „Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Bielefeld (Bielefeld-Gesetz)“ vom 24. Oktober 1972 wurde die Gemeinde Schloß Holte-Stukenbrock am 1. Januar 1973 in den neu gebildeten Kreis Gütersloh eingegliedert. Seit dem 1. Januar 2003 besitzt Schloß Holte-Stukenbrock Stadtrechte.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003

Einwohnerstatistik Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock bzw. für 1939, 1950 und 1961 die Einwohnerzahlen des heutigen Stadtgebietes. Bei den Zahlen handelt es sich bis 1970 und für 1987 um VolkszählungsergebnisseLandesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen: Sonderreihe zur Volkszählung 1987 in Nordrhein-Westfalen, Band 1.1: Bevölkerung, Privathaushalte und Erwerbstätige. Düsseldorf 1989, S. 110. und ab 1975 um amtliche Fortschreibungen des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik. Die Zahlen von 1975 bis 1985 sind geschätzte Werte, die Zahlen ab 1990 Fortschreibungen auf Basis der Ergebnisse der Volkszählung von 1987. Die Angaben beziehen sich auf die Wohnbevölkerung und ab 1985 auf die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Im Stadtteil Schloß Holte leben 12.356 Einwohner, im Stadtteil Sende 3564 Einwohner und im Stadtteil Stukenbrock 10.948 Einwohner (Stand: 1. Januar 2022). 300px|mini|Bevölkerungsentwicklung in Schloß Holte-Stukenbrock von 1939 bis 2007 Jahr Einwohner 1939 (17. Mai) 7.364 1950 (13. Sep.) 10.681 1961 (6. Juni) 14.292 1969 (31. Dez.) 15.107 1970 (27. Mai) 15.605 1974 (30. Juni) 18.338 Jahr Einwohner 1975 (31. Dez.) 18.749 1980 (31. Dez.) 20.422 1985 (31. Dez.) 20.982 1987 (25. Mai) 20.183 1990 (31. Dez.) 21.402 1995 (31. Dez.) 23.248 Jahr Einwohner 2000 (31. Dez.) 25.562 2005 (31. Dez.) 26.016 2007 (31. Dez.) 26.190 2012 (31. Dez.) 26.329 2022 (31. Dez.) 27.467

Bei den Angaben bis 1970 wurden die hinzugekommenen Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Sende nicht berücksichtigt. Hier lebten am 31. Dezember 1969 nach Angaben des Statistischen Landesamtes NW insgesamt 1984 Einwohner.

Konfessionsstatistik Gemäß der Zensus 2022 waren 36,0 % der Einwohner römisch-katholisch 22,2 % evangelisch und 41,9 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Schloß Holte-Stukenbrock Religion Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken.Weniger Katholiken aus der Kirche ausgetreten, auf nw.de, abgerufen am 30. Januar 2021 Mit Stand 1. Januar 2026 waren von den Einwohnern 31 % katholisch, 18 % evangelisch und 51 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Kreis Gütersloh Zahlen Daten Fakten Seite 5, abgerufen am 10. Juni 2026

Religion Die katholischen Christen gehören zu einer der katholischen Pfarrgemeinden, die seit dem 1. August 2007 zum Pastoralverbund zusammengeschlossen sind. Der Pastoralverbund besteht aus den Pfarrgemeinden Sankt Ursula (Schloß Holte), Sankt Joseph (Liemke), Sankt Heinrich (Sende), Sankt Johannes Baptist (Stukenbrock) und Sankt Achatius (Stukenbrock-Senne) und gehört zum Dekanat Rietberg-Wiedenbrück im Erzbistum Paderborn.

Die evangelischen Christen gehören der Evangelischen Kirchengemeinde Schloß Holte-Stukenbrock an. Diese gehört zum Kirchenkreis Gütersloh der Evangelischen Kirche von Westfalen.