mini|Hauptsitz in Aurich Die UEE Holding SE & Co. KG ist die Konzernobergesellschaft der Enercon-Gruppe (Eigenschreibweise: ENERCON), einem deutschen Hersteller von Windkraftanlagen mit Sitz in Aurich. Im Außenauftritt wird nur die Marke ENERCON verwendet.

Enercon hat Vertriebsstandorte in 25 Ländern und betreibt fünf eigene Produktionsstätten.

Das Unternehmen wurde 1984 von Aloys Wobben in Aurich gegründet und war 2024 der drittgrößte Hersteller von Windenergieanlagen in Deutschland nach Marktanteil.

Unternehmensprofil mini|Enercon-Geschäftshaus in Magdeburg

Enercon im Weltmaßstab Weltweit beschäftigt die Enercon-Unternehmensgruppe mit zahlreichen Tochterunternehmen über 14.000 Beschäftigte. Das Unternehmen besitzt über 45 % der Patente im Bereich der Windenergietechnologie weltweit. Enercon ist unter den sieben führenden WEA-Herstellern (die einen kumulierten Marktanteil von über 90 % haben) die einzige nicht-börsennotierte Kapitalgesellschaft.

Im Jahr 2013 war Enercon der weltweit drittgrößte Hersteller mit einem Marktanteil von 9,8 % nach neu installierter Windenergieleistung,Vestas returns to number one in BTM survey. In: Windpower Monthly. 28. März 2014, abgerufen am 5. April 2014. 2015 mit ca. 3 GW der sechstgrößte, 2017 mit 3,1 GW nach Vestas, Siemens Gamesa, Goldwind und GE Wind Energy fünftgrößter für On-shore-Anlagen. Bis September 2023 installierte das Unternehmen in über 50 Ländern mehr als 32.000 Windkraftanlagen mit einer kumulierten Leistung von mehr als 60 GW. Enercon ist seit mehreren Jahren Marktführer in Deutschland, allerdings mit rückläufigen Marktanteilen. 2013 betrug dieser 49 %, sowie 43 % im Jahr 2014 und 37,3 % im Jahr 2015.

Firmenstruktur Unter dem Dach der UEE Holding SE & Co. KG („Unendlich Erneuerbare Energien“) gruppieren sich – neben der nach außen auftretenden ENERCON GmbH – etwa 450 nationale und internationale Firmen. Hierunter fallen ausgegliederte Dienstleistungsbereiche wie IT, Logistik und Service, diverse Kraftwerks- und Windparkbeteiligungen sowie ganze Produktionswerke und exklusive Zulieferbetriebe. Nach Recherchen von Panorama 3 gibt es in Deutschland mehr als 30 Tochtergesellschaften und Firmen, die nur für Enercon arbeiten. Im Zuge dieser Recherchen und der so genannten Panama Papers wurde der Vorwurf laut, dass das undurchsichtige Firmennetzwerk Enercons mit verschiedenen Mutterkonzernen in Steueroasen der bewussten Verschleierung der Eigentümer-Strukturen dienen könne.

Produktionsstätten mini|Gussfabrik in Georgsheil mini|Enercon-Produktionsstätte im Emder Hafen; vorn die Turmbau-Fabrik mini|Produktionshallen in Aurich mini|Vertriebsstandort in Soest

Der Unternehmenssitz ist seit der Gründung 1984 im Auricher Stadtteil Extum; die Produktionsstätten sind inzwischen im Stadtteil Sandhorst. Zudem hat Enercon Produktionsstandorte in Magdeburg, Polen, Portugal und der Türkei. Generatoren, Gondeln, Beton- und Stahlrohrtürme, Rotorblätter, Steuerungen, Leistungselektronik und ein Teil der Gusskomponenten werden in Enercon-Fabriken gefertigt. Eine Gießerei wurde zwischen April und November 2010 in Georgsheil zwischen Emden und Aurich errichtet.

In Ostfriesland ist Enercon nach dem Volkswagenwerk Emden der zweitgrößte Industriebetrieb. Auch in Magdeburg ist Enercon eines der größten privaten Unternehmen. In Zurndorf im Burgenland erfolgte am 9. März 2012 der erste Spatenstich für ein Turmwerk, das pro Jahr etwa 200 Türme für Windenergieanlagen in Österreich und Osteuropa produzieren soll. Mit bis zu 200 Beschäftigten wird die WKF Austria GmbH zu den größten Auslandswerken des Unternehmens im Bereich der Betonturmfertigung gehören.Fabrik für Windräder in Zurndorf auf ORF-Burgenland am 11. März 2012, abgerufen am 11. März 2012. Nach einer Testphase ging das Werk im Januar 2013 zur Serienfertigung über. Im März 2018 wurde bekannt, dass die Produktion in Zurndorf mit 27. April 2018 eingestellt werden soll.orf.at: Enercon-Werk schließt – 96 Mitarbeiter betroffen. Artikel vom 26. März 2018, abgerufen am 26. März 2018.

Um im globalen Wettbewerb zu bestehen und die Produktionskosten zu senken, verfolgt Enercon seit 2019 eine Neuausrichtung und die Internationalisierung der Einkaufsorganisation und des Produktionsnetzwerks.

2022 kaufte ELA Container die ehemalige Produktionshalle eines Zulieferers von Enercon (AERO Ems GmbH) am Eurohafen Emsland.

Forschung und Entwicklung Die Forschung und Produktentwicklung wird bei Enercon von der Abteilung Wobben Research & Development betrieben. Seit 2013 wird die Tätigkeit dieser Abteilung in dem Enercon-Innovationszentrum Industriegebiet Aurich Nord gebündelt. Zu dem Gebäudekomplex mit einer Gesamtfläche von etwa 30.000 m² gehört ein Bürogebäude mit Platz für 700 Ingenieure sowie eine daran angeschlossene Versuchshalle mit einer Grundfläche von 13.000 m².Enercon-Innovationszentrum wächst. In: Ostfriesen-Zeitung. 3. Juli 2013, abgerufen am 6. Juli 2013.

Geschichte Gründung (1984 bis 1993) mini|Aloys Wobben 1984 gründete Aloys Wobben in Aurich. Anfangs bestand die Firma lediglich aus wenigen Ingenieuren. Erste Produktentwicklung der Firma war die Windenergieanlage E-15/16, vier Jahre später gefolgt von der E-17 und E-32. Es dauerte sieben Jahre, bis das Kleinunternehmen eine eigene Fertigungshalle im Auricher Stadtteil Extum aufziehen konnte.

Expansion (1993 bis 2017)

Erste getriebelose Windenergieanlage 1993 stellte Enercon die Windenergieanlage E-40 vor. Sie war die erste getriebelose Windenergieanlage und gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Windenergieanlagen. Die Produktion hatte das Unternehmen inzwischen in ein Gewerbegebiet nach Sandhorst ausgelagert, wo für die weitere Expansion des Unternehmens ausreichende Flächen zur Verfügung standen. Als nachteilig erwies sich jedoch, dass die Produkte auf dem Weg zu ihrem Aufstellort per Lkw das Auricher Stadtgebiet queren mussten, weshalb Enercon später die Reaktivierung der Bahnstrecke Abelitz-Aurich zum Abtransport der stets größeren Rotoren vorantrieb.

Industriespionage (1994 bis 2004) Ende der 1990er kam in Medienberichten der Vorwurf auf, dass die National Security Agency Enercon 1994 mit Hilfe von Echelon abgehört habe. Die so gewonnenen Daten seien dem amerikanischen Mitbewerber Kenetech Windpower übermittelt worden. Dieser hätte die Daten genutzt, um sich Zugang zu Enercons Kerntechnologien zu verschaffen und diese in den USA zu patentieren.

Tatsächlich verhängte die Handelskommission der USA im August 1996 ein Importverbot für Enercon bis zum Februar 2010. Grund war, dass Enercon mit dem beabsichtigten Export von 280 Windenergieanlagen in die USA den Anspruch 131 des US-Patentes 5,083,039 verletzen würde. Das Patent wurde im Februar 1991 von der kalifornischen Firma U.S. Windpower Inc. angemeldet. 1993 wurde U.S. Windpower in Kenetech Windpower Inc. umbenannt. Kenetech hat ein Importverbotsverfahren gegen Enercon beantragt. Im Verfahren legte Kenetech auch Fotos von Bauteilen einer E-40-Windenergieanlage vor. Dieses Material wurde im März 1994 beim Besichtigen einer E-40 gewonnen, also drei Jahre nach Erteilung des Patents. Die Gültigkeit des Patentes selbst wurde von Enercon in dem Verfahren vor der Kommission nicht angezweifelt. Das Patent wurde (nach der Insolvenz von Kenetech im Jahr 1996) GE Wind Energy übernommen. Die Enercon und die GE Wind Energy haben 2004 ihre Patentrechtsstreitigkeiten beigelegt. (PDF; 7,6 MB)

Rechtsstreit mit Enercon India Im Februar 2011 wurde in einigen Medien von einem Rechtsstreit berichtet, den die Enercon GmbH mit ihrem eigenen, seit 1994 bestehenden indischen Tochterunternehmen Enercon India Ltd. (EIL) führte und der vor einem indischen Gericht zuungunsten der Muttergesellschaft entschieden wurde. Enercon hatte sich daraufhin völlig vom indischen Markt zurückgezogen.

Es stehen Vorwürfe im Raum, der Geschäftsführer der indischen Tochter, der ehemalige Textilunternehmer Yogesh Mehra aus Mumbai, habe die Kontrolle über seine Geschäftstätigkeit unterbunden, seit 2005 keine Dividenden mehr an das deutsche Mutterhaus abgeführt, seit 2006 keine testierten Abschlüsse mehr vorgelegt und schließlich mit ungesetzlichen Mitteln die alleinige Verfügungsgewalt über die Tochtergesellschaft an sich gerissen. EIL habe die über Enercon verfügbaren Patente sowie den Markennamen zur eigenen Verwertung geraubt. Zudem wurde ein ehemaliger Enercon-Beschäftigter im Magdeburger Werk der Industriespionage für EIL überführt und rechtskräftig verurteilt. Vor dem indischen Patentgericht IPAB in Chennai hat EIL auf Freigabe der ansonsten weltweit anerkannten Patente auf zahlreiche Enercon-Kerntechnologien geklagt. Die indischen Richter erklärten zwölf wichtige Enercon-Patente in Indien für unwirksam, mit der Begründung, die Patente würden nicht die notwendige Schöpfungshöhe erreichen.ENERCON INDIA LTD. (EIL) VS. ENERCON GMBH (EG) Diese Technologien stehen nun in Indien jedem zur freien Nutzung zur Verfügung.

Am 28. Januar 2011 waren die Geschehnisse Anlass für eine Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Garrelt Duin (SPD, Wahlkreis Aurich – Emden) an die Bundesregierung zu dem Thema, was diese zum Schutz deutscher Firmen in Indien zu tun gedenke. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler, führte daraufhin aus, dass man den Streit beim indischen Handelsministerium vorgebracht habe und dass ähnliche Fälle dem Ministerium bislang nicht bekannt seien. Entscheidungen indischer Gerichte wolle man nicht kommentieren, die Bundesregierung rate jedoch deutschen Unternehmen, „dem Schutz ihrer geistigen Eigentumsrechte auf Auslandsmärkten ein besonderes Maß an Aufmerksamkeit zu widmen“. Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 31. Januar 2011 eingegangenen Antworten der Bundesregierung, S. 58 f.

Bis Ende 2012 verwendete EIL auf seiner Homepage den Namen und das Logo Enercons, bewarb Enercon-Windenergieanlagen aus indischer Produktion und berichtete über laufende Projekte, ohne dabei die Beziehung zur Enercon GmbH in Deutschland zu erklären. Später wurde EIL in Wind World India Ltd. umbenannt („Enercon India is now Wind World India.“). Es werden ferner Windenergieanlagen aus eigener, indischer Produktion beworben.Homepage der Wind World India Ltd. Am 20. Februar 2018 wurde gegen die Wind World India Ltd. ein Insolvenzverfahren eingeleitet.

Nach einem Urteil des Internationalen Schiedsgerichtshofes bereitete Enercon seit 2017 seinen Wiedereinstieg in den indischen Markt vor. 2022 hat der erste Generator das Werk des Zulieferers Coral Manufacturing Works in Injampalli, Tamil Nadu verlassen.

Aloys Wobben Stiftung Aus gesundheitlichen Gründen zog sich Firmengründer Aloys Wobben 2012 aus dem operativen Geschäft zurück und übertrug mit Wirkung zum 1. Oktober 2012 seine Firmenanteile auf die neu gegründete Aloys Wobben Stiftung. Die Stiftung wurde damit zur Alleingesellschafterin der Enercon-Gruppe. Mit diesem Schritt wollte Wobben die langfristige Unabhängigkeit des Unternehmens sicherstellen.

Wirtschaftliche Probleme (seit 2017) Mit dem Ziel die Stromgestehungskosten zu senken, führen viele Länder eine wettbewerbliche Ermittlung der Einspeisevergütung ein. Investitionen in Windkraftanlagen erhalten immer weniger Förderung und müssen sich am Strommarkt orientieren. Mit Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes hat auch der für Enercon wichtige deutsche Markt ab 2017 Ausschreibungen verpflichtend gemacht. Dieser Wettbewerbsdruck und der resultierende schwache Zubau in Deutschland wirkt sich auch auf die Profitabilität der Hersteller von Windkraftanlagen aus.