mini|hochkant=1.6|Ortsteil Rödinghausen am Wiehengebirge

Rödinghausen () ist eine Gemeinde im Nordosten des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, rund 30 Kilometer nördlich von Bielefeld. Mit Einwohnern ist Rödinghausen die kleinste Gemeinde im ostwestfälischen Kreis Herford (Regierungsbezirk Detmold). In ihren heutigen Grenzen entstand sie 1969 durch die Zusammenlegung von fünf zuvor selbständigen Gemeinden des Amtes Rödinghausen.§ 1 Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Herford und der kreisfreien Stadt Herford vom 12. Dezember 1968. recht.nrw.de Die Besiedlung im fruchtbaren Ravensberger Land lässt sich bereits ab 851 schriftlich belegen.

Geografie mini|Physische Karte von Rödinghausen

Geografische Lage mini|links|Hügelland mit Blick auf Wiehengebirge und Nonnenstein

Rödinghausen liegt am Südrand des Wiehengebirges im Ravensberger Hügelland. Die nächstgelegenen Großstädte sind das 30 km südlich gelegene Bielefeld und Osnabrück 32 km im Westen. Der Kamm des Wiehengebirges bildet überwiegend die Nordgrenze der Gemeinde; ein sehr kleiner Teil des Eggetals (Gehle) gehört noch zu Rödinghausen, liegt aber streng genommen nördlich des Wiehengebirgskamms. Der Nonnenstein im Nordwesten der Gemeinde ist mit die höchste Erhebung, im äußersten Nordosten erreichen die Donoer Berge im Gemeindegebiet eine Höhe von . Etwas nordöstlich der Gemeindegrenze steigt das Gebirge weiter an, um eine Gipfelhöhe von zu erreichen. Von Norden nach Süden läuft das Wiehengebirge langsam aus. Das Tal der Else stellt mit die tiefste Niederung der Gemeinde dar. Die Kirche im Ortsteil Rödinghausen liegt auf Höhe.

Gewässer mini|links|Die Else im Ortsteil Bruchmühlen

Zahlreiche kleinere Bäche durchziehen das Gemeindegebiet und fließen überwiegend der Else zu, die teilweise die südwestliche Gemeindegrenze bildet und die Gemeinde von West nach Ost wenige hundert Meter durchfließt. Größter Zufluss der Else im Gemeindegebiet ist der Kilverbach oder Kollbach, der teilweise die Westgrenze Rödinghausens bildet. Ein Teil der Bäche in Bieren und Schwenningdorf entwässert nördlich einer kaum wahrnehmbaren Wasserscheide in die Große Aue, die in Bieren entspringt und in Rödinghausen noch Neuer Mühlenbach genannt wird. Im Gegensatz zur Else fließt die Große Aue nicht südlich des Wiehengebirges der Weser zu, sondern nördlich. Die Große Aue verlässt durch ein von ihr selbst geschaffenes Durchbruchstal des Wiehengebirges im Ortsteil Neue Mühle das Gemeindegebiet Richtung Holzhausen. Vor dem Durchbruch floss auch die Große Aue nach Süden. Im Osten entwässert der Gewinghauser Bach Teile Donos und fließt der Else zu. Das südliche Bieren, Schwenningdorf und Ostkilver werden durch den nach Süden fließenden Darmühlenbach, der auch den Burggraben von Gut Böckel speist, entwässert. Im äußersten Nordwesten entwässert ein geringer Teil der Bäche im Wiehengebirge über den Grünen See in die Hunte.

Geologie

mini|Blick auf Donoer Berge, typische Sieklandschaft in Schwenningdorf mini|Siek mit deutlich zu erkennender Plaggenabstichkante in Bieren-Dono mini|Geothermische Karte von Rödinghausen

Unterschieden werden muss zwischen den Höhenlagen des Wiehengebirges und den flacheren Gebieten im Süden der Gemeinde, die naturräumlich zur Ravensberger Mulde gehören und das Elsetal einschließen.

Das kammartige Wiehengebirge ist ein langgestrecktes, bewaldetes Gebirge, das aus schmalen, bewaldeten Eggen besteht, die durch Pässe und Durchbruchstäler (Dören) voneinander getrennt werden, beispielsweise das Tal der Großen Aue. In Rödinghausen bestehen die Kammlagen aus dem harten und hellen Wiehengebirgssandstein aus der Zeit des Oberen Jura oder Malm. Nach Süden hin reihen sich daran die Heersumer Schichten (Sandstein aus dem Jura), Ornatentone und der Cornbrash-Sandstein, ein kalkgebundener Sandstein, aus dem Mittleren Jura oder Dogger. In Bieren-Dono wurde der Sandstein in einem mittlerweile aufgelassenen Steinbruch abgebaut. An den steilen und steinreichen Hängen ist die Vegetation auf Buchen und anspruchslose Gräser, Halbgräser und Moose beschränkt. Die zahlreichen Bäche entspringen in feuchten Quellmulden, fließen zunächst in V-Tälern (Siepen) die Hänge hinab, um dann durch die breiteren Sohlentäler wie beispielsweise das Wehmerhorster Wiesental in Schwenningdorf zu mäandern.

Der überwiegende Teil der Gemeinde gehört zur Ravensberger Mulde. Die Ravensberger Mulde ist ein leichtwelliges, zwischen 50 und liegendes Hügelland. Charakteristisch sind vor allem die von Menschenhand geformten Kastentäler (sogenannte Sieke), die oft unvermittelt und tief in das sonst nur schwach kuppierte Land einschneiden. Die vor der Anlegung der Sieke charakteristischen V-Täler sind nur noch in den Waldgebieten (z. B. im Vossholz) erhalten. Der Untergrund besteht aus wasserundurchlässigen Liasplatten (Tonschiefer), die vor rund 180 Millionen Jahren am Meeresgrund abgelagert wurden und Versteinerungen wie Ammoniten, Schnecken und Muscheln aufweisen. Der Ton tritt selten zu Tage und wird in Westkilver für eine Ziegelei abgebaut. In der Weichsel-Kaltzeit hat sich darüber eine in Rödinghausen bis zu fünf Meter starke Lößschicht abgelagert. Der Löß ist eine poröse, Feuchtigkeit speichernde, leichte und leicht zu bearbeitende Braunerde, die zwar durch Auswaschung recht kalkarm ist und viele Findlinge aus der Eiszeit aufweist, aber insgesamt doch zu den fruchtbarsten Ackerböden überhaupt gehört. Das Elsetal bildet das Urstromtal der Else-Werre-Niederung (Osnabrücker Tal), das sich von Osnabrück bis zur Porta Westfalica erstreckt. Von der Niederterrasse beiderseits der Else wurde der fruchtbare Löß abgeschwemmt und dafür Sand, Lehm und Geröll (Terrassenschotter) angeschwemmt. Teilweise tritt aber auch direkt der alte Talboden, die Grundmoräne oder Lias-Tonstein zutage. Entlang der Else erstreckt sich eine Aue, die vor Begradigung und Eindeichung von dem davor mäandernden Fluss regelmäßig überschwemmt wurde und daher von einer bis zu zwei Meter starken Lehmschicht bedeckt ist.Schüttler, A. (o. J.), S. 8–24

Rödinghausen eignet sich weitgehend mittelmäßig, nach Norden hin in höherer Lage zunehmend besser bis hin zu sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). Geologischer Dienst NRW.

Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets mini|Flächennutzung in Rödinghausen mini|Ortsteile der Gemeinde mini|Bevölkerungsdichte der Ortsteile

Die Gemeindefläche beträgt 36,27 Quadratkilometer. Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 7,9 km (von Bruchmühlen bis Rödinghausen-Gehle), die maximale West-Ost-Ausdehnung etwa 7 km (von Rödinghausen-Kilverbachtal bis Bieren-Dono).

Größere Waldgebiete befinden sich im Norden an den Hängen des Wiehengebirges in den Ortsteilen Rödinghausen, Schwenningdorf und Bieren; es herrscht eine natürliche Waldgesellschaft eines Eichen-Hainbuchenwaldes vor. Jedoch ist die Gemeindefläche insgesamt nur wenig bewaldet, denn die flacheren Gemeindeteile werden vor allem landwirtschaftlich genutzt. Einziger nennenswerter Wald ist das Vossholz um Gut Böckel. Die Böden sind aufgrund des Lößbodens fruchtbar. Auf den kleinflächigen Feldern wird hauptsächlich Getreide und Mais, aber auch zunehmend Raps kultiviert. Die feuchten Sieke werden als Weideland genutzt. Die folgende Tabelle zeigt die genaue Flächennutzung.

Fläche nach Nutzungsart Siedlungs- und Verkehrsfläche Landwirt- schaftsfläche Wald- fläche sonstige Freiflächen Fläche in Hektar 797 2298 501 29 Anteil an Gesamtfläche 22,0 % 63,4 % 13,8 % 0,8 %

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind das Mittelzentrum Bünde im Südosten, das niedersächsische Melle im Westen und Südwesten und das zum Kreis Minden-Lübbecke gehörende Preußisch Oldendorf im Norden auf der anderen Seite des Wiehengebirges. Im Süden trennt die Else den Meller Stadtteil Bruchmühlen in Niedersachsen vom Rödinghauser Ortsteil Bruchmühlen in Nordrhein-Westfalen. Eine sehr kurze Grenze existiert auch mit der Gemeinde Hüllhorst im Kreis Minden-Lübbecke. Diese Grenze verläuft im Bereich Bieren-Dono im äußersten Nordosten der Gemeinde Rödinghausen.Ratsmappe (PDF) PDF, Anlage 1: Auszug aus der Kreiskarte, Gemeinde Rödinghausen, Stand: 3. Juli 2006

Gemeindegliederung Rödinghausen besteht aus fünf Ortschaften, die bis zur kommunalen Gebietsreform, die am 1. Januar 1969 in Kraft trat, selbständige Gemeinden bildeten. Nach Einwohnern größter Ortsteil ist das im Südwesten gelegene Bruchmühlen (bis 1969 Westkilver). Im Nordwesten liegt der Verwaltungssitz Rödinghausen, im Norden der Ortsteil Schwenningdorf und im Nordosten der flächenmäßig größte Ortsteil Bieren. Im Südosten der Gemeinde liegt der Ortsteil Ostkilver. Einen Überblick über die Bevölkerungszahlen und die Fläche gibt die folgende Tabelle:

Ortsteil Einwohner Fläche Rödinghausen 1.644 4,554 km² Bruchmühlen (mit Westkilver) 3.378 6,798 km² Bieren 1.299 9,544 km² Ostkilver 1.876 7,926 km² Schwenningdorf (mit Neue Mühle) 2.356 7,449 km² Gesamt 10.553 36,27 km²

Klima mini|Klimadiagramm für Rödinghausen, Ortsteil Rödinghausen

Rödinghausen liegt in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas. Das Klima wird durch die Westwinddrift, die Lage Rödinghausens im ozeanisch-kontinentalen Übergangsbereich Mitteleuropas und seine relative Höhenlage auf 150 m am Wiehengebirge bestimmt. Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Rödinghausen beträgt 8,5 °C. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit durchschnittlich 16,7 beziehungsweise 16,3 °C und die kältesten Januar und Februar mit 0,3 beziehungsweise 0,8 °C im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt im August mit durchschnittlich 82 Millimetern, der geringste im Februar und April mit durchschnittlich 52 Millimetern. Die monatliche Niederschlagsmenge schwankt also nur wenig und trotz der 201 Tage mit mehr als 0,1 Millimeter Niederschlag liegt die Gesamtmenge mit 751 Millimetern unter dem bundesdeutschen Schnitt. Im langjährigen Mittel (1961–1990) hatte die Region durchschnittlich 1473 Sonnenstunden pro Jahr (Beobachtungsstation: Herford).

Das Klima Rödinghausens ist insgesamt als reizmildes Mittelgebirgsklima zu bezeichnen. Aufgrund der relativen Höhenlage Rödinghausens ist es im Jahresmittel bis zu 1 °C kälter als im nahen Herford oder bis zu 0,5 °C kälter als in der Elseniederung. Es kann vorkommen, dass es im Norden der Gemeinde schneit, im Süden jedoch regnet. Insgesamt sind die Winter jedoch mild und die Sommer mäßig-warm. Die vorherrschenden Winde kommen aus Westen oder Südwesten und bringen über das Jahr regelmäßig verteilten Niederschlag vom Atlantik. Im Sommer ist die Regenmenge jedoch etwas größer als im Winter. Jedoch kommt es aufgrund dieser Winde nicht zu extrem ausgeprägtem Steigungsregen, wie z. B. an der Luvseite des Teutoburger Waldes. Vielmehr führt die großräumliche Einfassung durch Wiehengebirge (Nord), Osning (Süd) und Meller Berge (Ost) zu einem im Vergleich zu Herford niederschlagsärmeren Klima. Der Unterschied ist etwa 50 Millimeter pro Jahr.Schüttler, A. (o. J.), Seite 25–28 Es herrscht also ganzjährig ein humides Klima vor. Eine Übersicht über die Klimadaten im langjährigen Mittel zeigt die nachstehende Tabelle.

Geschichte mini|Die Ravensberger Mulde von Rödinghausen aus gesehen, im Hintergrund der Teutoburger Wald

Die Geschichte des Gebietes, das heute die Gemeinde Rödinghausen umfasst, wurde weniger durch bedeutende Einzelereignisse bestimmt als vielmehr durch lange Entwicklungslinien, die häufig mit der Veränderung der Erwerbsgrundlage der Bewohner einhergingen. Daher wird im Weiteren die Geschichte vor allem anhand dieser Entwicklungslinien vorgestellt. Die Geschichte der heutigen Gemeinde Rödinghausen beginnt erst mit der kommunalen Gebietsreform im Jahr 1969, als Rödinghausen aus bis dahin fünf selbständigen Gemeinden des ehemaligen Amtes Rödinghausen geschaffen wurde, das seinerseits ab 1888 als selbständige Einheit bestand. Die einzelnen Ortsteile sind jedoch sehr viel älter.