Halle (Westfalen) , amtlich Halle (Westf.), ist eine Mittelstadt in Nordrhein-Westfalen und liegt etwa 15 km westlich von Bielefeld im Norden des Kreises Gütersloh in Ostwestfalen-Lippe. Das Stadtgebiet erstreckt sich im Nordosten in den Teutoburger Wald und im Südwesten bis in die Emssandebene. Am zählte die Stadt  Einwohner.

1246 erstmals genannt, gehörte der 1719 zur Stadt erhobene Ort mehrere Jahrhunderte zur Grafschaft Ravensberg und war von 1816 bis 1972 Kreisstadt des Kreises Halle (Westf.). Neben einer Vielzahl von mittelständischen Unternehmen ist in Halle mit August Storck ein international bekanntes Großunternehmen ansässig. Halle ist aufgrund der zahlreichen Linden im Stadtgebiet auch als „Lindenstadt“ bekannt.

Geographie Geographische Lage Halle liegt etwa 15 km westlich von Bielefeld und 38 km südöstlich von Osnabrück im Norden des Kreises Gütersloh in Ostwestfalen-Lippe. Es wird zum Nordostrand der Westfälischen Bucht gerechnet und liegt größtenteils in der Emssandebene am Südhang des Teutoburger Walds, der das Stadtgebiet von Nordwesten nach Südosten durchzieht. Kleinere Teile des Stadtgebiets liegen in diesem Höhenzug, der gleichzeitig das östliche Münsterland und die Westfälische Bucht begrenzt und an dieser Stelle Teil der Weser-Ems-Wasserscheide ist. Höchste Erhebungen sind der Hengeberg mit und die Große Egge mit . Mit liegt der südwestliche Stadtrand am tiefsten. Dort fließen die Hessel und der Rhedaer Bach aus dem Stadtgebiet heraus, während der Ruthebach an der dortigen Stadtgrenze in den Loddenbach mündet. Der im nördlichen Stadtgebiet am Hengeberg entspringende Künsebecker Bach und der Laibach bilden bei Kölkebeck den Rhedaer Bach. Alle Bäche entspringen im Teutoburger Wald und fließen letztendlich der Ems zu. Das Stadtgebiet ist wesentlich geprägt von landwirtschaftlicher Nutzung, hat aber auch bedeutende Anteile Waldfläche, namentlich den Teutoburger Wald und den Tatenhauser Wald, sowie 40 ha Stadtwald. Der 52. Breitengrad schneidet das Stadtgebiet im südlichen Bereich.

Geologie mini|Geothermische Karte von HalleAngaben in kWh/(m·a)

Die Gesteine des oberflächennahen Untergrunds sind im Osning steil aufgerichtet. Sie bestehen aus Tonmergel-, Kalkmergel-, Kalk- und Mergelsteinen, aber auch aus Sandsteinen und Sandmergeln des Erdmittelalters, vornehmlich Unter- und Oberkreide. Diese Gesteine liegen über einem Sockel aus gefalteten Gesteinen des Erdaltertums, insbesondere Devon und Karbon. Im Übergangsbereich zum Münsterland werden die Kreideschichten zunehmend von einer geringmächtigen, meist sandigen Lockergesteinsschicht aus dem Eiszeitalter (Quartär) überdeckt, die aus Flusssedimenten der Ems und aus eiszeitlichen Ablagerungen wie Grundmoräne oder Schmelzwassersanden besteht.

In Bezug auf Böden lässt sich das Stadtgebiet morphologisch in drei Abschnitte gliedern. Die Böden der Rinnen, Täler und Niederungen im Südwesten sind bis dicht an die Oberfläche mit Grundwasser erfüllt. Diese Gleye sind natürliche Grünlandstandorte. Aus den Niederungen erheben sich Kuppen und Rücken aus Flugsand und Schmelzwassersand, Sedimente des Quartärs. Diese Sande sind zu nährstoffarmen, sauren Heideböden, zum Teil mit Ortstein im Unterboden, verwittert. Am Südwesthang des Teutoburger Waldes, zum Beispiel bei Künsebeck, nehmen sie große Flächen ein. Als Folge historischer Landbautechniken und langjähriger Ackernutzung bestehen diese Böden zum Teil tiefreichend aus Humus, vereinzelt mit Plaggenauftrag. Südwestlich des Hauptkamms des Teutoburger Waldes liegen einige isolierte Kuppen, zum Beispiel die Hesselner Berge. Hier sind aus Kalk- und Mergelsteinen der Oberkreide flachgründige, tonig-lehmige Rendzinen entstanden. Diese basenreichen Böden sind typische Edellaubholzstandorte. Der Hauptkamm besteht aus Sandsteinen der Unterkreide. Auf ihm haben sich mächtige, saure, steinige Heideböden gebildet.

Halle eignet sich mittelmäßig bis gut, in Kammlagen sehr gut, zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 360 kB)

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets mini|Flächennutzung in Halle

Das Kommunalprofil des nordrhein-westfälischen Landesbetriebs für Information und Technik weist Halle seit 2009 als Typ „Kleinstadt“ aus. Bis 2008 wurde Halle zum Typ „Kleine Mittelstadt“ gezählt.

Die Stadt umfasst eine Fläche von 69,21 km². Der überwiegende Teil besteht aus landwirtschaftlich genutzter Fläche und Waldfläche, zusammen etwa 83 %, gefolgt von bebauter Fläche und Verkehrsfläche, zusammen etwa 15 %. Im Vergleich mit anderen Städten vom Typ Kleinstadt hat Halle nur etwa halb so viel Waldfläche, aber doppelt so viel Gebäude, Frei- und Betriebsfläche und rund 10 Prozentpunkte mehr Landwirtschaftsfläche.

Die größte Ausdehnung sowohl in Nordsüdrichtung als auch in Ostwestrichtung beträgt jeweils etwa 10 km. Der nördlichste Punkt liegt bei Eggeberg, der südlichste Punkt bei Kölkebeck. Flächenach Nutzungsart Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-und Freifläche Verkehrs-fläche Betriebs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 45,5 11,68 6,73 3,86 0,85 0,30 0,23 0,13 Anteil an Gesamtfläche 65,68 % 16,86 % 9,71 % 5,57 % 1,23 % 0,43 % 0,33 % 0,19 %

Nachbargemeinden Halle grenzt im Nordwesten an die Stadt Borgholzhausen, im Nordosten an die Stadt Werther, im Südosten und Süden an die Gemeinde Steinhagen, im Südwesten an die Stadt Harsewinkel und im Westen an die Stadt Versmold, die alle dem Kreis Gütersloh angehören. Größere Städte in der Nachbarschaft sind Bielefeld und Gütersloh, die beide rund 15 km von Halle entfernt liegen.

Stadtgliederung Halle gliedert sich in zehn Ortsteile, von denen neben der Kernstadt Halle nur das industriell-vorstädtisch geprägte Künsebeck, sowie die dörflich-ländlichen Stadtteile Bokel, Hesseln, Hörste und Kölkebeck geschlossene Ortsgebiete sind. Während die dörflichen-ländlichen Ortsteile als eigenständige Gliederungsbestandteile des Stadtgebietes klar erkennbar sind, ist der Übergang zwischen Halle und Künsebeck fließend. Oldendorf und Gartnisch sind im Ortsgebiet von Halle vollständig aufgegangen. Oldendorf wird im Gegensatz zu Gartnisch von der Bevölkerung nicht mehr als Ortsteil wahrgenommen. Eggeberg und Ascheloh sind gering besiedelte Gemarkungen. Die vorgenannte Gliederung wird nicht von der Hauptsatzung der Stadt geregelt, die keine einzelnen Ortsteile nennt, geht aber auf die Grenzen der ehemals selbstständigen Gemeinden im Stadtgebiet zurück und wird von der Stadt beispielsweise bei der Angabe der Einwohnerzahlen in den Ortsteilen verwendet.

Einen Überblick über die Größe und Bevölkerungszahlen der Ortsteile gibt die folgende Tabelle.Zahlen, Daten, Fakten PDF DownloadUwe Heckert: Halle in Westfalen: Geschichte(n) einer Stadt am Teutoburger Wald. Verlag für Regionalgeschichte, 2005, ISBN 3-89534-560-1. Zur Orientierung sind in der Karte die ehemaligen Ortsteile im Stadtgebiet dargestellt. Ortsteil Fläche (in km²)Stand: 31. Dezember 1972 EinwohnerStand: 1. Januar 2022 Ortsteile der Stadt Halle (Westf.) 400px|zentriert|Administrative Gebietsgliederung von Halle (Westf.) Bokel 8,50 789 Halle    davon:    Halle (Ort) inkl.    Oldendorf    Ascheloh    Eggeberg    Gartnisch 18,428,734,132,972,59 13.922n/vn/vn/vn/v Hesseln 5,37 1.312 Hörste 15,24 1.638 Kölkebeck 9,06 546 Künsebeck 8,56 3.470 Gesamt 65,151 21.677 1Abweichung zur heutigen Fläche wegen Angliederung von Gebietsteilen von Werther (zu Eggeberg) und Borgholzhausen (zu Hesseln) zum 1. Januar 1973

mini|Niederschlagsdiagramm Steinhagen-Brockhagen

Klima Halle gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an und liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig warm. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 8–8,5 °C, (PDF; 375 kB) wobei nach Norden hin in höher oder leeseitig gelegenen Mesoklimata diese Temperatur zum Teil deutlich unterschritten werden kann. Hier kann die Blüte zwischen zwei und vier Wochen später als weiter südlich eintreten. Zum Klima in der Region Ostwestfalen-Lippe, zu der Halle gehört, siehe auch den Artikel Klima in Ostwestfalen-Lippe.

Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Insgesamt fallen an der südlich von Halle gelegenen Messstation Brockhagen der unmittelbar benachbarten Gemeinde Steinhagen im langjährigen Mittel 775 mm Niederschlag pro Jahr. Somit fällt im südlichen Stadtgebiet mehr Niederschlag als im deutschen Mittel (700 mm). Mit zunehmender Nähe zum Teutoburger Wald steigt die Niederschlagsmenge durch die Regenfängerwirkung aufgrund von Steigungsregen auf bis zu 1200 mm Niederschlag pro Jahr.

Geschichte Mittelalter mini|Replikat der Tauschurkunde mini|Katharinenstollen der ehemaligen „Vereinigten Zeche Arminius“

Halle liegt im Ravensberger Land und gehörte über Jahrhunderte zum Amt Ravensberg in der gleichnamigen Grafschaft, deren Name von der im benachbarten Borgholzhausen gelegenen Burg Ravensberg abgeleitet ist.

Im Jahre 1246 tauschte Bischof Engelbert von Osnabrück mit dem Kloster Iburg die am Südrand seines Bistums gelegene Kirche „tor Halle“ mit allen Rechten und Zubehör gegen die Kirche in Rheda mit allen damit verbundenen Rechten und Einkünften. In diesem Schriftstück vom 9. Mai 1246, das den Kirchentausch besiegelt, wird Halle erstmals erwähnt. Älter als das „tor Halle“ sind die beiden Dörfer Oldendorf und Gartnisch, die heute mit Halle zusammen einen zusammenhängenden Siedlungskern bilden. Sie werden bereits Ende des 11. Jahrhunderts urkundlich erwähnt.

Frühe Neuzeit

In der Grafschaft Ravensberg war Halle Sitz einer Vogtei des Amtes Ravensberg. Das Ravensberger Urbar, vollendet 1556, verzeichnet für die Jahre zwischen 1491 und 1541 für Halle 49 Namen, davon 26 freie Bürger und 23 Eigenhörige des Landesherren bzw. der adeligen Gutsherren in Steinhausen und Tatenhausen.Franz Herberhold: Das Urbar der Grafschaft Ravensberg von 1556. Band 1, Verlag Aschendorff, 1960. Für das 16. Jahrhundert wird die Einwohnerschaft auf 350 Menschen geschätzt. In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts setzte sich die Reformation in Ravensberg und in Halle nach und nach durch. Lediglich einige Adelsgeschlechter blieben beim bisherigen katholischen Glauben, darunter die Herren des Schlosses Tatenhausen, in deren Herrschaftsbereich weiterhin die katholische Gemeinde Stockkämpen existierte und noch bis heute besteht. Ende des 16. Jahrhunderts erhielt Halle eine Leinenlegge, diese bestand bis ins 19. Jahrhundert.Provinzial-Verband der Provinz Westfalen (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Band 28. Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Halle. 1996, ISBN 3-922032-68-0.