mini|Labrador Retriever mit apportierter Tafelente

Ein Jagdhund hilft dem Jäger bei der Jagd. Unter dem Begriff „Jagdhund“ wird eine Gruppe von Hunderassen zusammengefasst, die in den unterschiedlichen jagdlichen Einsatzgebieten Verwendung finden. Die modernen Jagdhunde werden in Stöberhunde, Vorstehhunde, Apportierhunde, Schweißhunde, Erdhunde und jagende Hunde eingeteilt, wobei einige Rassen auf vielfältige Fähigkeiten hin gezüchtet wurden und für den vielseitigen Jagdbetrieb (Feld-, Wald- und Wasserarbeit) eingesetzt werden.Wild und Hund: Prüfungen für Jagdhunde – Leistungsprüfungen Historisch gesehen bezog sich die Bezeichnung Jagdhund ausschließlich auf die jagenden Hunde (Bracken).

Jagdlich geführte Hunde bezeichnet man auch als Jagdgebrauchshunde. Bei der Arbeit „nach dem Schuss“ ist der Hund für den Jäger manchmal unverzichtbar. Das Führen eines Jagdhundes gilt daher als Voraussetzung für die waidgerechte Jagd. In den Jagdgesetzen der deutschen Länder wird der Einsatz von Jagdhunden verschiedentlich vorgeschrieben. So muss in Niedersachsen der Jagdausübungsberechtigte einen für den Jagdbezirk brauchbaren, geprüften Jagdhund zur Verfügung haben.Niedersächsisches Jagdgesetz (NJagdG) vom 16. März 2001 - § 4 Jagdhunde

Der moderne Jagdgebrauchshund Systematik der Jagdhundrassen

Die im heutigen Jagdwesen übliche Einteilung der Jagdhunde ist historisch bedingt und erfolgt funktional nach deren ursprünglichen Einsatzgebieten. Demzufolge werden die Jagdgebrauchshunde in Stöberhunde, Vorstehhunde, Schweißhunde, Erdhunde, Jagende Hunde (Bracken und Meutehunde) sowie Apportierhunde unterschieden.

Alte Bezeichnungen lassen ebenfalls eine jagdliche Spezialisierung erkennen, die nicht zwangsläufig rassebedingt ist. Beispiele dafür sind die Wildboden-, Wasser- und Vogelhunde. Bei einigen Rassen kann bereits aus dem Namen auf ihre ursprüngliche Zielwildart geschlossen werden, beispielsweise beim Dachshund, Foxhound und dem Harrier (engl. hare „Feldhase“). Neben dem jagdlichen Verwendungszweck stellen Ursprungsland und Haarvarietät (rauhaarig, langhaarig, kurzhaarig) weitere Einteilungskriterien dar.

Der Jagdgebrauchshund in Deutschland Im Bewusstsein der heutigen Jägerschaft nimmt der ethische Grundgedanke des waid- und tierschutzgerechten Jagens einen hohen Stellenwert ein. Der Hund gilt als unentbehrlicher Helfer bei der Suche nach angeschossenem oder verunfalltem Wild („Nachsuche“). Von vielen Jägern vertreten, spiegelt sich das Motto „Jagd ohne Hund ist Schund“ in folgenden Zeilen von Alexander Schmook wider: Wer will zu den Jägern zählen, läßt kein Wild zu Tod sich quälen, jagt allein nicht durch die Weite, führt den guten Hund zur Seite!

Die immer selbstverständlicher werdende Einstellung der Jäger, sich zur Führung eines guten Jagdhundes zu verpflichten, fand schließlich eine gesetzliche Verankerung. Jagdformen wie die Treib-, Such- und Drückjagd sowie Nachsuchen dürfen nur noch mit „brauchbaren“, geprüften Hunden durchgeführt werden.Hegendorf, Heinrich Uhde: Der Gebrauchshund. Kosmos, Stuttgart 2002. S. 12 Als Dachvereinigung für das deutsche Jagdgebrauchshundwesen trägt dabei der Jagdgebrauchshundverband (JGHV) durch die Organisation von Prüfung, Zucht und Ausbildungstätigkeit maßgeblich zur Versorgung der Jägerschaft mit brauchbaren Jagdhunden bei. Die Regelungen zur Brauchbarkeitsprüfung von Jagdhunden unterscheiden sich in den einzelnen Bundesländern voneinander, auch welche Hunde zu Prüfungen zugelassen werden und wer die Prüfungen abnehmen darf, ist nicht einheitlich geregelt. Zum Schutz der Jagdhunde werden Hundeschutzwesten eingesetzt.Gerhard Albert: Richtlinien für die Feststellung der Brauchbarkeit von Jagdhunden – Ein Ländervergleich. ()

Zu den Prüfungen der Zuchtvereine werden nur reinrassige Hunde mit Ahnentafel zugelassen. In den Anlagenprüfungen – der Jugendsuche (VJP) und der Herbstzuchtprüfung (HZP) – werden die natürlichen Anlagen des Hundes sowie der Zuchtwert der Elterntiere ermittelt. Die jagdlichen Grundeigenschaften des Junghundes sollen aufgrund behutsamer „Einarbeitung“ bereits entwickelt, durch den Einfluss des Hundeführers jedoch noch nicht überdeckt sein. Neben der Verband-Gebrauchsprüfung (VGP) als „Meisterprüfung“ existiert eine Reihe von Sonderprüfungen für Spezialrassen oder besondere jagdliche Einsatzbereiche (z. B. die Verbandsschweißprüfung).

Bei der Anerkennung einer Jagdhundrasse werden durch den JGHV strenge Maßstäbe an die jagdliche Verwendbarkeit und Vielseitigkeit angelegt.

Jagdliche Einsatzbereiche Wald mini|Bracken und Windhunde im Wald, französischer Gobelin (15. Jahrhundert) Während der Jäger auf dem Hochsitz ist, soll der Jagdhund unten abgelegt werden können und sich dauerhaft ruhig verhalten, um für eine eventuell erforderliche Nachsuche zur Verfügung zu stehen. Die klassische Ansitzjagd und Pirsch des Einzeljägers wird durch Bewegungsjagden ergänzt (Gesellschaftsjagd). Dazu gehören die Treibjagd und die Beunruhigungsjagd (Stöberjagd, Drückjagd). Auf der Treibjagd wird das Wild durch die Treiber und Hunde hochflüchtig gemacht. Bei den Beunruhigungsjagden wird das Wild durch Hunde und eventuelle Treiber „bewegt“, d. h. dazu gebracht, seine Ruhe- und Rückzugsräume (Einstände) und Dickungen zu verlassen. Für diese Jagdarten verwendet man stöbernde Hunde.

Das Stöbern gehört zur Arbeit des Jagdhundes vor dem Schuss. Er sucht selbständig nach dem Wild und verfolgt es dann spur- bzw. fährtenlaut. In Entsprechung zum kooperativen Jagdverhalten der Wölfe, die wenn sie als Rudel jagen, einander ein ausgewähltes Beutetier zutreiben, treibt der Hund ein beim Stöbern aufgespürtes Stück Wild häufig so, dass es vor den Jäger gerät. Beim Stöbern werden zwei Varianten unterschieden. Der Hundeführer schickt den „Stöberhund“ von einem festen Standort aus los, der Hund durchsucht selbständig die Einstände und das Unterholz. Alternativ bewegt sich der Führer erst mit dem angeleinten Hund auf der zu bejagenden Fläche, lässt dann den Hund von der Leine („schnallt“ ihn), nimmt ihm die Halsung ab und schickt ihn in bestimmte Einstände. Die Eignung der Rassen für das Stöbern im Wald variiert abhängig von der Zielwildart. Für Rehwild werden kleine und langsam jagende, dafür sicher fährtenlaute und an der Spur „klebende“ Rassen bevorzugt, während für Schwarzwild laut jagende, wildscharfe und mutige Hunde eingesetzt werden (Deutscher Jagdterrier, Wachtel, Teckel, Bracken). Die schnellen und nur über kurze Entfernung jagenden kontinentalen Vorstehhunde eignen sich eher nicht für die Drückjagd.

Beim Brackieren handelt es sich um die traditionelle Art, Hasen und Füchse mit Hilfe von Bracken zu jagen. Diese finden das Wild frei suchend auf seiner Spur, scheuchen es auf („stechen“) und jagen es so lange, bis das standorttreue Wild wieder zu Sasse oder Bau zurückkehrt, wo es vom ortskundigen Jäger bereits erwartet wird. Obwohl die in Nordrhein-Westfalen noch lange beliebte „Brackade“ einigen Brackenrassen das Überleben sicherte, wird sie heute nur noch in Skandinavien und Südtirol ausgeübt.

Beim Buschieren durchsucht der Jagdhund Büsche und Unterholz auf der Jagd nach Federwild und Hasen. Er arbeitet dabei „unter der Flinte“ und folglich im direkten Wirkungsbereich des Jägers. Im Gegensatz zum Stöbern finden hier Rassen Verwendung, die nur „kurz“ und nicht spurlaut jagen (z. B. die Vorstehhunde).

Offenes Feld mini|Irischer Setter beim Vorstehen Als Suche wird der Einsatz von Vorstehhunden auf dem Feld bezeichnet. Diese suchen vor dem Schützen weiträumig und systematisch Feldflächen (Rübenäcker, Stoppelfelder) mit hoher Nase nach Niederwild ab. Der Hund soll dabei nicht auf Sicht suchen, sondern ausschließlich seinem Geruchssinn folgen. Nach erfolgreicher Suche steht der Hund so vor, dass der Jäger sich nach dem sog. Ansprechen entscheiden kann, ob er das aufgespürte Stück Wild schießen möchte. Der Hund verhält sich durch das Vorstehen so, dass das Wild nicht flüchtig wird. Da es als nicht waidgerecht gilt, auf sitzendes Wild zu schießen, kann der Jäger nun, indem er sich vorsichtig nähert, das Wild selbst „hochmachen“ und sodann einen Schuss abgeben. Dabei muss der Hund sich weiterhin ruhig verhalten. Er darf erst auf das Kommando des Jägers hin zu dem erlegten Stück Wild hinlaufen, um es zu apportieren.

Beim Vorstehen handelt es sich um eine Art Beutegreifhemmung bei Annäherung an das Wild. Diese ist genetisch verankert und wird auch bei Wildcaniden und Feliden beobachtet. Der Hund „erstarrt in der Bewegung“ und verharrt angespannt, sobald er mit der Nase die Witterung des Niederwilds in der Deckung erfasst hat. Das Vorstehen kann durch Anheben eines Vorderlaufes, angespannte Körperhaltung oder durch Zeigen mit der Nase in Richtung des Wildes (daher die Bezeichnung „Pointer“ von engl. to point „zeigen“) ausgedrückt werden. Eine besondere Variante des Vorstehens ist das „Vorliegen“ der Setter-Rassen (engl. ursprünglich setting dogs „sitzende Hunde“). Der Vorstehhund darf dem Wild auf ein Handzeichen des Jägers hin vorsichtig näher kommen, bleibt dann aber wieder stehen bzw. legt sich wieder hin. Bewegt sich das Beutetier vom vorstehenden Hund weg, folgt er ihm langsam und vorsichtig in angespannter Körperhaltung („zieht nach“), ohne es hoch zu machen. Diese Form der Kooperation mit dem Jäger ist das Ergebnis des Zusammenwirkens des durch Zuchtauslese hochgradig verstärkten Instinktverhaltens vor dem Beutesprung und sorgsam anerzogener Disziplin.

Als Allrounder für die Feldarbeit gelten die kontinentalen Vorstehrassen Deutsch Lang-, Kurz-, Draht- und Stichelhaar, Kleiner und Großer Münsterländer, Weimaraner, Pudelpointer, Griffon, Magyar Vizsla und Epagneul Breton. Sie verkörpern das Ideal des „Vollgebrauchshundes“, das die beiden Jagdkynologen Sigismund Freiherr von Zedlitz und Neukirch und Carl Rehfus Ende des 19. Jahrhunderts propagierten. Spezialisten für Suche und Vorstehen sind die Pointer sowie die englischen Setter-Rassen, sie weisen jedoch Schwächen in der Nachsuche auf.

Wasser Einsatzgebiete für die Wasserjagd sind Gewässer mit ausgeprägten Schilfgürteln, wie Teiche, Altarme von Flüssen und Binnenseen. In Abhängigkeit von der Tradition und geographischen Gegebenheiten unterscheiden sich die Jagdformen auf Wasserwild. Die Aufgaben des Jagdhundes gliedern sich in die Arbeit vor und nach dem Schuss. Zu Ersterer gehört das selbständige Abstöbern deckungsreicher Gewässer sowie das Finden und Aufscheuchen der Vögel. Dazu müssen zum Teil große Entfernungen schwimmend zurückgelegt werden. Nach dem Schuss wird das Wild aus tiefem Wasser oder gegebenenfalls aus der Uferregion apportiert und „angelandet“. Bei flugunfähig geschossenen Enten muss zuvor die Schwimmspur der Tiere im Wasser verfolgt werden, um das Wild wieder aufzustöbern. Auch für die Wasserarbeit muss vorher die Halsung abgenommen werden.

Außer den in der Feldarbeit eingesetzten kontinentalen Vorstehhunden eignen sich die alten Stöberrassen Cocker Spaniel, Springer Spaniel und der Wachtelhund für diese Aufgabe. Zu den wasserfreudigen Apportierspezialisten gehören die Retriever.

Kurzhaarige Hunde sind nach der Wasserarbeit schneller wieder trocken.

Apportieren