Das Bistum Regensburg () ist eine römisch-katholische Diözese im Osten von Bayern und umfasst große Teile der Regierungsbezirke Oberpfalz und Niederbayern, sowie kleinere Teile von Oberfranken und Oberbayern. Regensburg ist das flächenmäßig größte Bistum Bayerns. Mit Stand 2024 war Bistum Regensburg eines von noch zwei deutschen Bistümer, in denen mehr als die Hälfte der Bevölkerung katholisch ist.Leere Bänke: Die Bedeutung der katholischen Kirche schwindet auch in Regensburg, abgerufen am 25. August 2025
Geschichte
Antike und Mittelalter Erste Spuren christlichen Lebens sind in Regensburg für die zweite Hälfte des vierten Jahrhunderts belegt. Das Christentum breitete sich in den folgenden Jahrhunderten weiter aus. Die Missionare Emmeram (gestorben um 700), Erhard (gestorben um 715) und Rupert (gestorben um 718) fanden christliches Leben vor. An der Wende vom siebten zum achten Jahrhundert verkündete Bischof Emmeram den Glauben, bevor er in Kleinhelfendorf als Märtyrer starb. Auf ihn folgte der Missionar Erhard als Verkünder des christlichen Glaubens in Regensburg. 739 wurde das Bistum Regensburg offiziell von Bischof Bonifatius errichtet, der Gaubald als ersten Bischof von Regensburg einsetzte; dieser war zugleich Abt von St. Emmeram. Die Personalunion zwischen Bischofsstuhl und Abtswürde wurde erst 975 durch Bischof Wolfgang gelöst. In der Folgezeit zeichnete sich in Regensburg ein „Klosterfrühling“ ab, der zu zahlreichen Klostergründungen im Bistum führte. Von Regensburg aus wurde zudem Böhmen missioniert; Zeuge dafür ist etwa die Taufe von 14 böhmischen Fürsten in Regensburg 854. Eine bedeutende Rolle für das Bistum Regensburg spielte im frühen Mittelalter Wolfgang. Nach Stationen als Leiter der Domschule in Trier, Mitarbeiter der kaiserlichen Kanzlei in Köln und Mönch in Einsiedeln wurde Wolfgang 972 zum Bischof von Regensburg ernannt. Wolfgang willigte in die Abtrennung des Bistums Prag ein, löste die Personalunion von Bischof und Abt von St. Emmeram und trieb Klosterreformen voran.
Im Hochmittelalter nahm Regensburg als Hauptstadt des bayerischen Herzogtums politisch eine bedeutende Rolle ein. Zahlreiche Reichsversammlungen fanden in Regensburg statt. Im Hochstift Regensburg übte der Regensburger Bischof weltliche Rechte als Landesherr aus. Das Herrschaftsgebiet des Bischofs war allerdings relativ klein und damit auch die wirtschaftliche Macht begrenzt.
Von 1260 bis 1262 war Albertus Magnus Bischof von Regensburg. Albertus Magnus beschäftigte sich als Wissenschaftler mit Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften. Als Bischof von Regensburg konsolidierte er die Finanzlage im Bistum und bereiste seine Pfarreien. Nach nur zwei Jahren gab er die Leitung des Bistums wieder ab; Grund dafür könnte sein Wunsch gewesen sein, wieder in der Wissenschaft zu arbeiten.
Reformation und Neuzeit Im Zuge der Reformation wurden Teile des Bistums Regensburg protestantisch, ab 1542 auch die Stadt Regensburg selbst. Nach Zeiten der konfessionellen Auseinandersetzungen etablierte sich ab 1635 ein friedliches Zusammenleben zwischen Katholiken und Protestanten. Ab dem 16. Jahrhundert nahm in Regensburg der Einfluss der bayerischen Herrscher auf das Bistum zu. Eine lange Kette Regensburger Bischöfe gehörte dem Haus Wittelsbach an. So versuchte der Herzog, politischen Einfluss auf die Kirche zu nehmen. Während der Barockzeit wurde das Frömmigkeitsleben durch Volksmissionen, geistliche Spiele und Prozessionen, Feste und Andachten geprägt.
19. Jahrhundert Schwer getroffen wurde das Bistum Regensburg 1803 von der Säkularisation: Als Ausgleich für verlorengegangene linksrheinische Gebiete sollten die weltlichen Herrscher durch die Auflösung von Kirchengut und ihren Übergang in deren eigene Hand entschädigt werden. Mit zahlreichen aufgelösten Klöstern gingen nicht nur Stätten der Religion, sondern auch Zentren von Kunst und Gelehrsamkeit sowie Bildungsorte unter. Dies betraf etwa die Bibliotheken in Mallersdorf oder Waldsassen. Ebenfalls im Zuge der Umwälzungen der Säkularisation wurde Karl Theodor von Dalberg Bischof von Regensburg. Sein ursprüngliches Bistum Konstanz war aufgelöst worden, Dalberg aber als Bischof von Regensburg eingesetzt. Zudem war er Metropolit für alle deutschen Diözesen außerhalb des preußischen und österreichischen Herrschaftsgebiets. 1810 endete die Herrschaft Dalbergs, der mit dem Großherzogtum Frankfurt entschädigt wurde; nach der Völkerschlacht von Leipzig kehrte Dalberg nach Regensburg zurück, um dort ausschließlich als Bischof weiter tätig zu sein. In Regensburg sanierte Dalberg die finanzielle Situation der Stadt, reformierte das Bürgerrecht, förderte das Schulwesen und ordnete das Armen- und Fürsorgewesen neu.
Von 1829 bis 1832 war Johann Michael von Sailer Bischof von Regensburg. Als Theologe griff er die Impulse der Aufklärung positiv auf und prägte als Erzieher eine ganze Generation angehender Priester. In seine Theologie band er Anregungen aus Philosophie, Psychologie und Pädagogik ein. Als Bischof kämpfte er für die Wiederherstellung der durch die Säkularisation aufgelösten Klöster und führte zahlreiche Pastoralreisen durch. 1830 konnte das Kloster Metten wieder hergestellt werden.
Von 1858 bis 1906 war Ignatius von Senestréy Bischof von Regensburg. Er setzte sich auf dem Ersten Vatikanischen Konzil mit Nachdruck für die Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit ein. In Regensburg ließ er die nicht vollendeten Türme des Regensburger Domes vollenden und ließ in dem durch seine Initiative aufgelösten Schottenkloster das noch heute bestehende Priesterseminar einrichten. In seine Regierungszeit fällt auch die als „Kulturkampf“ bekannte Auseinandersetzung zwischen Kirche und Staat, die sich etwa im „Kanzelparaghraphen“ im Strafgesetzbuch zeigte oder in weiteren Repressalien gegenüber der Kirche.
20. Jahrhundert Zum Beginn des 20. Jahrhunderts blühte das religiöse Leben in Regensburg auf. So errichtete etwa Bischof Antonius von Henle 50 neue Pfarreien und zahlreiche religiöse Vereine wurden gegründet. Ab 1927 bis 1961 war Michael Buchberger Bischof von Regensburg. In diese Zeit fielen auch die Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus. Buchberger hatte früh erkannt, dass Kirche und Nationalsozialismus miteinander nicht vereinbart werden konnten. Zugleich hatte dessen Gefahr zunächst dennoch unterschätzt und sah seine Aufgabe darin, die Kirche nicht zu gefährden.
Die Nationalsozialisten übten Druck auf kirchlich geführte Schulen und kirchliche Jugendverbände aus. Auch Priester, Ordensleute und Laien wurden verfolgt. Insgesamt wurden zwei Geistliche hingerichtet, ein Geistlicher ermordet. Sechs Geistliche wurden mit „Zuchthaus“ bestraft, 20 mit Gefängnis, acht mit Haft im Konzentrationslager. Daneben wurden weitere Maßnahmen gegen den Klerus ergriffen: siebzehnmal wurde Untersuchungshaft angeordnet, siebenundzwanzigmal Polizeihaft, fünfundvierzigmal Schutzhaft; es fanden fünfundfünfzig Hausdurchsuchungen statt, zehn Ausweisungen wurden ausgesprochen, vierundsiebzig Schulverbote, 122 Androhungen, Verwarnungen und Vorladungen durch Parteistellen, 346 Verhöre, Vorladungen und Verwarnungen durch Staatsstellen durchgeführt, 53 Beschlagnahmungen, 79 Geldstrafen, 14 Strafen mit Sicherungsgeld. Die Verfolgung durch die Nationalsozialisten traf auch Ordenschristen: Hier gab es einen Todesfall in einem Konzentrationslager, einmal Haft im Konzentrationslager, zweimal Gefängnisstrafen, dreimal Schutzhaft. Unter den Opfern sticht besonders der Domprediger Johann Maier hervor.
Nach dem Ende des Krieges engagierte sich die Kirche bei der Linderung der materiellen Not: Die Caritas kümmerte sich um die Integration der Heimatvertriebenen, um Familienzusammenführungen, um Verpflegung und Unterkunft. Bischof Buchberger gründete das Diözesan-Wohnungs- und Siedlungswerk. Buchberger ließ zudem von 1946 bis 1961 beinahe 100 Kirchen neu bauen, erweitern oder restaurieren. 60 neue Pfarreien und Kuratien wurden errichtet.
Ab 1962 war Bischof Rudolf Graber Bischof von Regensburg. In seine Regierungszeit fällt die Gründung der Universität Regensburg mit einer katholischen Fakultät. Zudem sorgte Rudolf Graber sich um die Verständigung mit der Ostkirche und gründete daher das „Ostkirchliche Institut.“ 1966 gründete er das Institutum Marianum. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil stand er der Ausrichtung der Deutschen Bischofskonferenz kritisch gegenüber.
21. Jahrhundert Am 24. November 2002 wurde der Theologieprofessor Gerhard Ludwig Müller im Regensburger Dom zum Bischof geweiht. In seine Amtszeit fällt der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Bayern, der ihn vom 11. bis 14. September 2006 nach Regensburg führte. 2003 gründete Gerhard Ludwig Müller die Schulstiftung der Diözese Regensburg, die Träger von 14 kirchlichen Schulen im Bistum ist.
Seit dem 26. Januar 2013 leitet Rudolf Voderholzer als Bischof das Bistum Regensburg. In seine Amtszeit fiel insbesondere der 99. Deutsche Katholikentag, der 2014 in Regensburg stattfand und an dem knapp 50.000 Besucher teilnahmen.
Den seit 2010 bekannt werdenden Fällen von Körperverletzungen und sexuellem Missbrauch durch kirchliche Angestellte begegnete das Bistum Regensburg mit einer Studie aus dem Bereich der Regensburger Domspatzen, der Gründung eines Beratungsgremiums, das unter anderem mit Betroffenen besetzt ist, sowie der Zahlung von 10.406.550 Euro als Entschädigungsleistungen an Betroffene von Körperverletzungen und sexuellem Missbrauch (Stand 2020).
Bistumsgliederung
Das Bistum Regensburg ist ein Suffraganbistum des Erzbistums München und Freising. Es gliedert sich in acht Regionen, denen insgesamt 33 Dekanate zugeordnet waren. Jeder Region ist ein Regionaldekan zugeordnet, der vom Bischof auf zehn Jahre ernannt wird.
+ Regionen und Dekanate des Bistums Regensburg bis Februar 2022 Region Dekanate Region I – Regensburg Alteglofsheim-Schierling, Donaustauf, Laaber, Regensburg und Regenstauf Region II – Landshut Dingolfing, Eggenfelden, Frontenhausen-Pilsting, Landshut-Altheim, Rottenburg und Vilsbiburg Region III – Straubing – Deggendorf Bogenberg-Pondorf, Deggendorf-Plattling, Geiselhöring, Straubing und Viechtach Region IV – Kelheim Abensberg-Mainburg, Geisenfeld, Kelheim und Pförring Region V – Cham Cham, Kötzting, Neunburg-Oberviechtach und Roding Region VI – Amberg – Schwandorf Amberg-Ensdorf, Schwandorf und Sulzbach-Hirschau Region VII – Weiden Leuchtenberg, Nabburg, Neustadt/WN und Weiden Region VIII – Tirschenreuth – Wunsiedel Kemnath-Wunsiedel und Tirschenreuth
Zum 1. März 2022 wurden mehrere Dekanate zusammengelegt, so dass die Anzahl der Dekanate von 33 auf 15 schrumpfte:Dekanate und Dekane bei bistum-regensburg.de. Abgerufen am 14. Dezember 2022.
+ Regionen und Dekanate des Bistums Regensburg ab 1. März 2022 Region Dekanate Region I – Regensburg Dekanat Regensburg-Stadt, Dekanat Laaber-Regenstauf, Dekanat Donaustauf-Schierling Region II – Landshut Dekanat Landshut, Dekanat Dingolfing-Eggenfelden Region III – Straubing–Deggendorf Dekanat Straubing-Bogen, Dekanat Deggendorf-Viechtach Region IV – Kelheim Dekanat Kelheim, Dekanat Geisenfeld-Pförring Region V – Cham Dekanat Cham, Dekanat Nabburg-Neunburg Region VI – Amberg–Schwandorf Dekanat Amberg–Sulzbach, Dekanat Schwandorf Region VII – Weiden Dekanat Neustadt–Weiden Region VIII – Tirschenreuth–Wunsiedel Dekanat Tirschenreuth–Wunsiedel
Domkapitel Die Hauptaufgabe des Domkapitels sind die liturgischen Feiern im Dom St. Peter. Das Gremium zählt aktuell (Stand 1. Oktober 2023) zehn Mitglieder: Dompropst: Franz Frühmorgen Domdekan: Generalvikar Roland Batz Acht Domkapitulare: die beiden Weihbischöfe Reinhard Pappenberger und Josef Graf, Michael Fuchs, Domcustos Johann Ammer, Josef Kreiml, Michael Dreßel, Martin Priller und Offizial Peter Stier.Informationen über das Domkapitel der Diözese, Bistum Regensburg, abgerufen am 14. Januar 2025