mini|Luftbildaufnahme in Richtung Norden der Verler Kernstadt, 2026 Verl () ist eine Stadt im Nordosten Nordrhein-Westfalens. Die zum ostwestfälischen Kreis Gütersloh im Regierungsbezirk Detmold gehörende mittlere kreisangehörigende Stadt zählt Einwohner und liegt 15 Kilometer südlich von Bielefeld.

Die Stadt Verl entstand 1970 durch Zusammenlegung mehrerer Teile der fünf Gemeinden des Amtes Verl. Die Besiedlung des heutigen Stadtgebietes in der Westfälischen Bucht wurde im Jahr 1088 erstmals schriftlich belegt. Verl wurde am 1. Januar 2010 zur mittleren kreisangehörigen Stadt erhoben.

Aufgrund der Lage direkt am Ölbach wird Verl häufig als Ölbachstadt (vor der Ernennung zur Stadt als Ölbachgemeinde) bezeichnet. Über die Region hinaus bekannt ist sie vor allem durch den in der 3. Fußball-Liga spielenden SC Verl sowie durch die Ostwestfalenhalle im Stadtteil Kaunitz. Dort findet seit 1966 monatlich der Hobbymarkt statt, der 2016 als größter Tier- und Trödelmarkt in NRW galt.

Geografie Geografische Lage Verl liegt im Nordosten des Landes Nordrhein-Westfalen in der Region Ostwestfalen-Lippe südlich des Teutoburger Waldes im Süden des Kreises Gütersloh in einem Dreieck, dessen Ecken die Städte Gütersloh (9,2 km entfernt), Bielefeld (15,4 km) und Paderborn (25,1 km) bilden. Die Stadt gehört dem Regierungsbezirk Detmold an.

Das Stadtgebiet befindet sich in der Großlandschaft des norddeutschen Tieflandes im Teilbereich Ostmünsterländer Sande (Ostmünsterland) innerhalb der Westfälischen Bucht.

Verl wird von den Bächen Dalke, Menke-, Öl-, Wapel- und Sennebach durchzogen (Auflistung von nord nach süd). Zusammen mit den jeweiligen Zuflüssen sorgen sie für die Entwässerung der Stadt. Die Dalke hat als Zuflüsse den Hassel- und den Strothbach. Dem Ölbach fließt der Landerbach und der Wapel der Rodenbach zu. Der Sennebach entwässert direkt in die Ems, der letztendlich alle Verler Bäche bzw. Bachsysteme nahezu parallel in nordost-südwestlicher Richtung aus dem Teutoburger Wald zufließen.

Bekanntester und größter See auf dem Gebiet der Stadt ist der Verler See im Stadtteil Sürenheide. Im Nordwesten liegt der A2-See, ein Baggersee, der bei dem Bau der Bundesautobahn 33 entstanden ist und in unmittelbarer Nähe der namensgebenen Bundesautobahn 2 liegt. Etwa 1 Kilometer südlich vom A2-See befindet sich der deutlich kleinere Tellersee. Beide Seen befinden sich im Stadtteil Sende.

Zum Hochwasserschutz der am Wapelbach flussabwärts liegenden Städte wurde im Jahr 2011 das Wapelbecken I in Betrieb genommen. 2023 folgte die Inbetriebnahme des Wapelbecken II.

Im Osten der Stadt liegt der Holter Wald, dessen größter Teil jedoch zur Stadt Schloß Holte-Stukenbrock gehört. Der höchste Punkt im Stadtgebiet befindet sich auf (St.-Heinrich-Straße), der niedrigste auf (Wiedenbrücker Straße).

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die größte Ausdehnung der Stadtfläche in Nord-Süd-Richtung beträgt etwa 11 km und in Ost-West-Richtung etwa 10 km.

Die Gesamtfläche der Stadt Verl umfasst eine Fläche von 71,37 km². Mit 65 % besteht der überwiegende Teil aus landwirtschaftlich genutzten Flächen, gefolgt von Wohnbau-, Industrie- und Gewerbefläche mit 10,5 %. Mit einem Wald- bzw. Gehölzanteil von 8,9 % ist das Gebiet im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen, welches einen Waldanteil von 27 % hat, eher waldarm.

Die folgende Tabelle zeigt die detaillierte Flächennutzung: +NutzungsartFläche in haProzentualer AnteilFläche insgesamt7137100 %Fläche für Siedlung und Verkehr160222,4 %Wohnbau-, Industrie- und Gewerbefläche75110,5 %Abbauland und Halde00Sport-, Freizeit- und Erholungsgebiete, Friedhofsfläche1021,4 %Flächen anderer Nutzung3785,3 %Verkehrsfläche3715,2 %Vegetations- und Gewässerfläche553477,5 %Landwirtschaftsfläche464065,0 %Waldfläche, Gehölz6358,9 %Moor, Heide, Sumpf, Unland1792,5 %Gewässer801,1 %

Stadtgliederung Das aktuelle Stadtgebiet besteht seit der kommunalen Neugliederung und gliedert sich in fünf Stadtteile. Die genannte Gliederung wird nicht von der Hauptsatzung Verls geregelt; sie unterscheidet keine einzelnen Stadtteile. Daher existieren auch durch die Satzung keine offiziellen Grenzen der einzelnen Stadtteile zueinander.

Die Stadt besteht aus den drei Altgemeinden Bornholte, Österwiehe und Verl mit genauen Grenzen sowie dem westlichen Teil der ehemaligen Gemeinde Sende, der ebenfalls klar zu definieren ist. Teile von Sürenheide und der heute als Verl-West oder Verl-Eiserstraße bezeichnete Teil gehörte vorher zu Varensell. Österwiehe wird inzwischen Kaunitz zugesprochen, sowie Verl-West der Kernstadt. Dadurch ergeben sich fünf Stadtteile.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Stadtteile, ihre für eine Wohnraumanalyse (im Auftrag der Stadt, 2022) angenommenen Grenzen sowie die Verteilung der Bevölkerung. Stadtteil Einwohnerstand Veränderung2011 bis 2020360x360px 2011 2020 absolut relativBornholte-Bahnhof 2.420 2.5281084,5 %Kaunitz 3.827 3.899721,9 %Sende 1.275 1.27940,3 %Sürenheide 4.765 4.746 −19 −0,4 %Verl (Kernstadt)12.99113.4524613,5 %Gesamt25.27825.9046262,5 %

Nachbargemeinden Im Norden grenzt Verl an die kreisfreie Stadt Bielefeld. Im Osten liegen die Stadt Schloß Holte-Stukenbrock und südöstlich die Gemeinde Hövelhof. Im Süden befinden sich die Stadt Delbrück, im Südwesten die Stadt Rietberg und im Westen die Kreisstadt Gütersloh.

Hövelhof und Delbrück gehören dem Kreis Paderborn an, Schloß Holte-Stukenbrock, Rietberg und Gütersloh dem Kreis Gütersloh.

Gemarkung Das Stadtegbiet besteht aus den Gemarkungen (oder Teilen davon) Bornholte, Liemke, Oesterwiehe, Sende und Verl. Diese Gemarkungen stimmen nicht immer mit den heutigen Stadtteilen überein. So hat Kaunitz bspw. kein eigene Gemarkung, sondern besteht aus Bornholte, Oesterwiehe und Liemke. Sürenheide besteht aus der Gemarkung Verl, während Verl-Kernstadt aus Bornholte und Verl besteht.

Geologie mini|Verler Weiden- und Wiesenlandschaft, 2008 mini|Geothermische Karte von Verl

Das Münsterländer Becken, zu dem Verl geologisch gehört, hat ungefähr die Gestalt einer Schüssel. Der tiefe Untergrund des Verler Gebiets besteht aus einem Sockel aus gefalteten Gesteinen des Erdaltertums (Devon und Karbon). Richtung Oberfläche schließt sich Festgesteinsuntergrund an, der vollständig aus mächtigen, tektonisch nur wenig gestörten Tonmergelsteinen des Erdmittelalters (Oberkreide) und älteren Kreide-Kalksteinschichten besteht. Sie sind schwach Richtung Osten geneigt.

Die Oberschicht des Gebiets besteht aus einer meist sandig-schluffig-tonigen Lockergesteinsschicht des Eiszeitalters (Quartär). Es finden sich junge, manchmal torfige Sedimente der Ems und ihrer Zuflüsse sowie ältere eiszeitliche Ablagerungen wie Grundmoränen oder Schmelzwassersande in der Oberschicht. Der oberflächennahe Bereich führt zum Teil reichlich Grundwasser. Das Grundwasser des tieferen Untergrundes ist versalzen.

Nährstoffarme und überwiegend sandige Böden mit geringer landwirtschaftlicher Ertragsleistung sowie geringer Wasserkapazität und Wasserdurchlässigkeit sind in Verl anzutreffen. Stellenweise haben sich Niedermoorböden gebildet.

Obwohl Verl in der Emssandebene (Ostmünsterland) liegt, wird sein Landschaftsbild durch eine für das Münsterland charakteristische Parklandschaft geprägt. Deutlich wird dies durch den Wechsel von kleineren Acker- und Grünlandflächen sowie gliedernden Hecken und baumumstandenen Einzelhöfen. Auf dem Gebiebt Verls finden sich durch einen Gletscher des Inlandeises geformte Drumlins. Der Lauf des an Gütersloh grenzenden Dalke-Bachs folgt streckenweise solchen Drumlins. Verl eignet sich gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte).

Klima Verl gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an. Es liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig warm. Dieser Einfluss führt zu einer mittel bis relativ gedämpften Jahrestemperaturamplitude von etwa 16 °C. Die Niederschlagssumme beträgt im langjährigen Mittel etwa 770 bis 830 mm. Die minimalen Niederschlagssummen sind im März (40–50 mm) und die maximalen im Juli und August (80–90 mm) zu verzeichnen. Die Stadt liegt in einer Talnebelzone mit häufig auftretendem Strahlungsnebel an 70 bis 100 Tagen im Jahr.

Siehe auch: Klima in Ostwestfalen-Lippe

Die folgenden Tabellen zeigen die charakteristischen Klimadaten der Stadt Verl, gemessen in einem 30-jährigen Zeitraum: Lufttemperatur(langjähriges Mittel) Lufttemperatur Windgeschwindigkeit1,5 m/s(mittlere Häufigkeit) über das Jahr im Januar im Juli absolutes Max. absolutes Min. 9–9,5 °C 1–2 °C 17–18 °C 36,0 °C −22,8 °C 20–25 %

Heiße Tage(Max. > 30 °C) Sommertage(Max. > 25 °C) Frosttage(Min. < 0 °C) Eistage(Max. < 0 °C) Nebeltage Niederschlagssumme(jährliches Mittel) 5 Tage / Jahr 29 Tage / Jahr 57 Tage / Jahr 14 Tage / Jahr 70–100 / Jahr etwa 770–830 mm

Geschichte Erste Erwähnung und die Bedeutung des Namens Die erste urkundliche Erwähnung eines Hofes aus den Bauerschaften des Verler Landes liegt im Jahr 1088 als Hofstelle Krax („crackashardt = Krähenwald“) vor. Sie ist in der „Herzebrocker Heberolle“ erwähnt, die sich im Staatsarchiv Osnabrück befindet. In einer weiteren Urkunde im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen in Münster aus dem Jahr 1153 werden vom Paderborner Bischof Bernhard I. von Oesede die Höfe Ebbinghaus („ebbekenhusen“) und Liemke („lindbike“) bezeugt.

Bei archäologischen Ausgrabungen, an einer ehemalige Ziegelei (heute am Leinenweg), wurden in den Jahren 1939 und 1955 mittelalterliche Keramikscherben aus dem 9./10. Jahrhundert geborgen. Zudem wurden 2023 bei weiteren Ausgrabungen, zirka 200 Meter weiter nordöstlich, Pfostengruben und Überreste von Hochäckern, sogenannten Wölbäckern, entdeckt. Beides lässt darauf schließen, das Verl bereits vor 1088 besiedelt war.

Der Name Verl wurde erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt. In einer Urkunde im Staatsarchiv Münster aus dem Jahre 1264 erscheint er mit der Erwähnung eines „Henricus de Verlo“. Zu diesem Namen existieren zwei Deutungen. Zum einen die Deutung als „vier Wälder“ und zum anderen wird „der weit weg liegende (‚ver‘) Wald (‚lo‘)“ im Sinne von „abseits gelegen“ oder „abgelegen“ vorgeschlagen.

1350 wird ebenfalls in einer Urkunde im Staatsarchiv Münster der Meierhof von Verl belegt. In der Urkunde heißt es: „curia dicta Verlo in parochia Nygenkerken prope Rethberge“ – „ein Haupthof namens Verlo in der Pfarrei Neuenkirchen nahe bei Rietberg“. Im Jahre 1370 ist in einer weiteren Urkunde die Rede von der Mühle und den „vier Häusern“ zu Verl.

Eine neue Deutung geht von den vier Höfen „Bürmann“, „Hascheneik“, „Mühlenjost“ und „Müller zu Verl“ aus, die je ein Viertel zur Gründung des Pastorats hergeben mussten.

Neuzeit und Reformation Die Grafschaft Rietberg bildete sich 1237 als eigenständige Landesherrschaft heraus. Zu ihrem Gebiet gehörten Bornholte, Sende, Österwiehe, Liemke sowie die Bauerschaft Gütersloh, die spätere Bauerschaft Verl.

mini|Grafschaft Rietberg, Karte erstellt 1645 bis 1662 mini|hochkant|Fürst Wenzel Anton von Kaunitz-Rietberg war österreichischer Staatsmann und Diplomat

Im Jahr 1512 wurde in der Bauerschaft Verl eine Kapelle erbaut – die Annenkapelle. Diese wurde um 1577 zur Pfarrkirche erhoben und bildete seitdem den Mittelpunkt des aus den Bauerschaften Verl, Sende und Bornholte bestehenden Kirchspiels Verl.