Cartagena, amtlich Cartagena de Indias, ist eine Gemeinde (municipio) an der Karibikküste Kolumbiens und die Hauptstadt des Departamentos Bolívar in der Región Caribe. Sie hat 1.012.000 Einwohner (Stand: 2025) und ist damit die fünftgrößte Stadt des Landes. Der Name der Stadt stammt von der spanischen Stadt Cartagena, zur Unterscheidung dient der Zusatz de Indias in Bezug auf Westindien.
Geographie Cartagena liegt an der Karibikküste im Norden des Landes mit Zugang sowohl zum offenen Meer als auch zur Bahía de Cartagena de Indias. Zum Landesinneren wird sie von einer Bergkette geschützt. Die Gemeinde grenzt im Westen und Norden an die Karibik, im Osten an Santa Catalina, Clemencia, Santa Rosa, Turbaco und Turbaná und im Süden an San Onofre im Departamento de Sucre. Zum Gemeindegebiet gehören auch die Isla de Tierra Bomba, die die Bahía de Cartagena de Indias zum Meer hin abschließt, die Halbinsel Barú, der Archipel Islas del Rosario südlich der Stadt, der San-Bernardo-Archipel, Santa Cruz del Islote vor der Küste von Sucre sowie Isla Fuerte vor der Küste von Córdoba.
Metropolregion mini|links|Metropolregion Cartagena Zur inoffiziellen Metropolregion Cartagena gehören neben Cartagena die Gemeinden Arjona, Clemencia, Mahates, María La Baja, San Estanislao, Santa Catalina, Santa Rosa, Turbaco, Turbaná und Villanueva.
Klima
Durchschnittswerte 1961–1990
Geschichte mini|Kathedrale Santa Catalina de Alejandría mini|Historische Altstadt mini|Uhrturm mini|Festung San Felipe mini|Stadtteil Bocagrande
Die Stadt wurde im Zuge der Kolonialisierung Südamerikas am 1. Juni 1533 von Pedro de Heredia gegründet. Bei der Eroberung und Stadtgründung erhielt der spanische Konquistador Unterstützung von der India Catalina. Cartagena ist eine der ersten spanischen Stadtgründungen im Norden Südamerikas und war die erste Hauptstadt der spanischen Kolonie Neugranada. Sie erlebte ein schnelles Wachstum als wichtiger Hafen für die Schifffahrt des Kontinents und wurde als die Perle von Las Indias bezeichnet. Cartagena war eine wichtige Zwischenstation der spanischen Silberflotte, die zweimal jährlich von Sevilla (später Cádiz) hierher kam, um spanische Waren wie Waffen, Rüstungen, Werkzeug, Textilien und Pferde zu vermarkten und Gold, Silber, Perlen und Edelsteine zu laden, bevor sie nach Puerto Bello, Santo Domingo und Havanna weitersegelte. Etwa ab der Mitte des 16. Jahrhunderts bestand ein regelmäßiges Geleitzugsystem zwischen den spanischen Kolonien in der Neuen Welt und dem spanischen Mutterland.Pemsel, Helmut: Seeherrschaft. Eine maritime Weltgeschichte von den Anfängen bis 1850. 1. Band. Weltbild-Verlag, Augsburg 1995, S. 179.
Die von Cartagena, Puerto Bello und Havanna (als Sammelpunkt für die Geleitzüge) aus nach Europa aufbrechenden und reich beladenen Silberflotten wurden im Verlauf der Jahrhunderte – und im Rahmen der sukzessiven Konflikte der europäischen Staaten untereinander – häufig durch Kaperschiffe, Piraten sowie auch teilweise von regulären Flottenstreitkräften angegriffen. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist ein Seegefecht südlich von Cartagena im Jahr 1708, das den Untergang der spanischen Galeone San José mitsamt eines vermutlich milliardenschweren Schatzes an Bord zur Folge hatte.
Auch der Handel mit Sklaven aus Westafrika lief über Cartagena. Die dort gelagerten Schätze, die nach Spanien transportiert werden sollten, und die stetig ankommenden und abfahrenden Schiffe machten die Hafenstadt oft zum Ziel von Piraten, beispielsweise 1585 Sir Francis Drake, 1697 Franzosen unter Jean-Bernard Louis de Saint-Jean, Baron de Pointis und Jean Baptiste du Casse. Nach dem Einfall Drakes wurden – durch Sklavenarbeit – ein elf Kilometer langer Schutzwall, die riesige Wehranlage San Felipe und insgesamt 29 Forts errichtet. Die Einfahrt in die Bucht säumten die beiden Forts San José und San Fernando.
Auch die Kirchen in der Stadt gleichen Wehrbauten. Von 1575 bis 1585 wurde die Kathedrale des römisch-katholischen Erzbistums Cartagena erbaut, zwischen 1570 und 1612 wurde das Kloster Santo Domingo errichtet. Im 17. Jahrhundert kam das Jesuitenkloster La Compania hinzu. Schon 1610 wurde die spanische Inquisition auch in Cartagena eingeführt, die 1770 einen eigenen Palast bezog und hier eine mächtige Rolle spielte. Mit der Unabhängigkeit Kolumbiens von Spanien wurde die Inquisition abgeschafft.
Nach der Kriegserklärung Englands an Spanien im War of Jenkins’ Ear wurde Admiral Edward Vernon mit einer Streitmacht von 186 Schiffen und 18.000 Mann entsandt, um Cartagena unter Don Blas de Lezo einzunehmen. Die am 13. März 1741 begonnene Schlacht von Cartagena de Indias musste nach zwei Monaten abgebrochen werden, da keine Aussichten mehr auf einen Sieg der Engländer bestanden und die Flotte Vernons von Gelbfieber und Malaria zermürbt war. Nach einem Überfall englischer Piraten 1741, gegen den sich Cartagena ebenfalls behaupten konnte, galt die Stadt zeitweilig als uneinnehmbar und als das Beispiel spanischer Militärarchitektur.
Der Jesuit Pedro Claver beschränkte im 17. Jahrhundert seine Hilfe für die zahllosen schwarzen Sklaven, die hier versteigert wurden, nicht auf Massentaufen, sondern bemühte sich als Arzt um die Verbesserung der menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen die Sklaven zu leiden hatten. Er wurde dafür von der katholischen Kirche heiliggesprochen.
Im Jahr 1810 erklärte der Befreier Südamerikas, Simón Bolívar, unter dem Eindruck der französischen Revolution und der napoleonischen Besatzung des Mutterlandes Spanien, erstmals die Unabhängigkeit der Kolonie Neugranada mit Cartagena. Doch die Spanier wollten ihre Kolonien nicht widerspruchslos ziehen lassen: Ab Dezember 1815, nach dem Abzug der napoleonischen Truppen aus Spanien und der Wiederherstellung der spanischen Monarchie, eroberte Spanien unter Pablo Morillo die Kolonie zurück. Erst nach längerem Kampf erlangte Kolumbien Ende 1819 die endgültige Unabhängigkeit von Spanien.
Sehenswürdigkeiten und Kultur Der Ort hat sich als eine der schönsten Kolonialstädte Südamerikas behauptet. Cartagena ist die Stadt mit den meisten Touristen und nicht zuletzt wegen der geografischen Lage die bestbewachte und sicherste Stadt in Kolumbien. Wie in allen Großstädten ist wegen der Kleinkriminalität trotzdem Vorsicht geboten. Vom bewaffneten Konflikt zwischen Militär, Paramilitärs (AUC) und Guerilla (FARC, ELN) ist Cartagena kaum betroffen. Die kolumbianische Marine hat in Cartagena ihren Hauptstützpunkt.
Das komplett ummauerte alte Stadtzentrum mit Festungsring und den Stadtteilen Centro mit der Kathedrale und zahllosen Palästen im andalusischen Stil, San Diego, dem Viertel der Händler und dem zahlenmäßig kleinen Bürgertum, sowie Getsemaní, dem Viertel der kleinen Leute und Handwerker, das aus dieser Zeit stammt, wurde 1959 zum nationalen Kulturerbe erklärt und ist seit 1984 UNESCO-Weltkulturerbe. Auf einer Landzunge neben der Altstadt liegt die riesige Hotelzone Bocagrande.
Cartagena hat eine Universität, die Universidad de Cartagena, und ist Sitz eines Erzbischofs.
Das karibische Nachtleben in Cartagena ist legendär. Eine Touristenattraktion ist rumba en chiva, eine Party im Bus. Die meisten Diskotheken befinden sich in der Calle Arsenal, Getsemaní. Kleinere Clubs und Restaurants liegen im historischen Zentrum der Stadt. In Cartagena entstand die afrokaribische Musikrichtung Champeta, die vor allem in den Armenvierteln der Stadt gehört und gefeiert wird.
Jedes Jahr findet hier das internationale Cartagena Film Festival FICCI (Festival Internacional de Cine de Cartagena de Indias) statt.
Wirtschaft und Infrastruktur Zu den wichtigsten Einkommensquellen in der Stadt zählen Fischerei, der Hafen, Ölindustrie und Tourismus. Im Jahr 2019 besuchten 350.000 Touristen mit Kreuzfahrtschiffen und 4,5 Millionen Touristen auf dem Luftweg die Stadt.Andy Robinson: Una bomba de neutrones sobre Cartagena de Indias. 10. Oktober 2021 Exportiert werden hauptsächlich Öl, Kaffee und Platin. Erdölraffinerien, chemische und petrochemische Industrie sind hier angesiedelt.
Der internationale Flughafen Cartagena (IATA: CTG, ICAO: SKCG) befindet sich im Nordosten der Stadt.
Hafenanlagen
Im Südwesten befinden sich über 40 Hafenanlagen für die Handels- und Sportschifffahrt. Der Hafen ist der wichtigste Erdöl- und Containerhafen Kolumbiens. Die Betreiber der drei größten Containerhafenanlagen sind Sociedad Portuaria de Cartagena de Indias, Muelles El Bosque und Terminal de Contenedores de Cartagena de Indias. Daneben gibt es u. a. Anlagen von Reficar (Raffinerie), SABMiller, Argos, Dow Chemical, BASF Colombia, DuPont, Cemex, Dole Food Company und Colombian Navy Steelworks.
Cartagena ist über den Canal del Dique, der in Pasacaballos in die Bucht von Cartagena mündet, mit dem Río Magdalena verbunden. Daher ist Cartagena auch für Flussschiffe erreichbar.
Städtepartnerschaften Coral Gables, Vereinigte Staaten St. Augustine, Vereinigte Staaten San Juan, Puerto Rico Matera, Italien Angra do Heroísmo, Portugal
Persönlichkeiten Ehrenbürger 2001: Elfride Jagersberger (1919–2017), Missionsschwester 2013: Maria Bernarda Bütler (1848–1924), Missionsschwester
Söhne und Töchter der Stadt Mateo José González Rubio (1778–1845), römisch-katholischer Geistlicher und Weihbischof in Popayán Rafael Núñez (1825–1894), Politiker Griselda Blanco (1943–2012), Schwarze Witwe, Königin des Medellin-Kartells, erste Milliardärin durch Kokainschmuggel Edgardo Carmona Vergara (* 1950), Bildhauer Joe Arroyo (1955–2011), Sänger und Komponist Fernando Araújo Perdomo (* 1955), Politiker Alicia Arango, (* 1958), ehemalige Ministerin Kolumbiens und Diplomatin Erick Morillo (1971–2020), Musikproduzent und DJ Angie Cepeda (* 1974), Filmschauspielerin
darunter Sportler
Rodrigo Valdez (1946–2017), Profiboxer und Weltmeister im Mittelgewicht Jaime Morón (1950–2005), Fußballspieler Wílmer Cabrera (* 1967), Fußballspieler und -trainer Ener Julio (* 1973), Boxer Agustín Julio (* 1974), Fußballspieler Herly Alcázar (* 1976), Fußballspieler Alejandro Berrio (* 1976), Boxer Elson Becerra (1978–2006), Fußballspieler Cecilia Brækhus (* 1981), Boxerin Cecilia Baena (* 1986), Speedskaterin Juan Pablo Pino (* 1987), Fußballspieler Jesús Geles (* 1988), Boxer Orlando Berrío (* 1991), Fußballspieler Jorge Carrascal (* 1998), Fußballspieler Geiner Moreno (* 2000), Dreispringer
Sonstiges Der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez setzte Cartagena in seinen Romanen, zum Beispiel Die Liebe in den Zeiten der Cholera (1985) und Von der Liebe und anderen Dämonen (1994), ein Denkmal. Auch der Roman Cartagena von Claudia Amengual (2015) spielt hauptsächlich in Cartagena.
In Cartagena fand 1990 ein Treffen der Präsidenten Kolumbiens, Perus, Boliviens und der USA statt, auf dem Maßnahmen gegen den Anbau von Cocasträuchern und die Gewinnung von Kokain besprochen wurden.
Im Jahre 2003 fand hier eine Konferenz über den grenzüberschreitenden Transport, die Handhabung und den Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen statt. Deren Ergebnis war ein völkerrechtlich bindendes Abkommen über die biologische Sicherheit, kurz Cartagena-Protokoll genannt, das am 11. September 2003 verabschiedet wurde.
Das 2005 begonnene Hochhausprojekt Torre de la Escollera wurde nach Sturmschäden 2007 zurückgebaut.
Der Bud-Spencer-Film Banana Joe wurde größtenteils in Cartagena und Umgebung gedreht.
Alljährlich findet hier der nationale Schönheitswettbewerb Miss Colombia statt.
Weblinks
Einzelnachweise
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