Der Landkreis Altena war ein Landkreis in Nordrhein-Westfalen, der 1968 aufgelöst wurde. Bis 1953 trug er die Bezeichnung Kreis Altena. Das Kreisgebiet gehört heute zum Märkischen Kreis.
Nachbarkreise Der Landkreis Altena grenzte 1968 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Iserlohn, Arnsberg, Meschede, Olpe, Oberbergischer Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis, Rhein-Wupper-Kreis und an den Ennepe-Ruhr-Kreis sowie an die als Enklave vom Landkreis Altena umgebene kreisfreie Stadt Lüdenscheid.
Geschichte Ein erster Kreis Altena wurde 1753 durch Preußen als einer von vier Landrätlichen Kreisen in der Grafschaft Mark eingerichtet. Infolge des Vierten Koalitionskriegs musste die Grafschaft Mark 1807 von Preußen an Frankreich abgetreten werden. Napoleon verband durch ein Dekret vom 1. März 1808 die Grafschaft Mark sowie weitere Gebiete mit dem Großherzogtum Berg. Das Großherzogtum Berg erhielt eine völlig neue Verwaltungsstruktur nach französischem Vorbild. Das Kreisgebiet gehörte nun zum Arrondissement Hagen im Département Ruhr und war in die beiden Kantone Lüdenscheid und Neuenrade gegliedert.
Im Kanton Lüdenscheid wurden die Mairien (Bürgermeistereien) Ebbe, Halver, Lüdenscheid und Meinerzhagen eingerichtet sowie im Kanton Neuenrade die Mairien Altena, Neuenrade und Plettenberg.
Nach der Franzosenzeit wurde 1817 im Regierungsbezirk Arnsberg der preußischen Provinz Westfalen ein neuer Kreis Altena gegründet, der einen sehr ähnlichen Umfang wird der Kreis von 1753 hatte. Aus den in der Franzosenzeit gegründeten Mairien wurden die preußischen Bürgermeistereien Altena, Ebbe, Halver, Lüdenscheid, Meinerzhagen, Neuenrade und Plettenberg.
1832 wurde die Bürgermeisterei Valbert aus dem benachbarten Kreis Olpe in den Kreis Altena umgegliedert. Für die Bürgermeisterei Ebbe setzte sich in den 1830er Jahren der Name Herscheid durch.Ortschafts- und Entfernungs-Tabelle des Regierungs-Bezirks Arnsberg, 1841
Drei Städte des Kreises erhielten die preußische „Revidierte Städteordnung von 1831“: Altena im Jahre 1836, Plettenberg 1837 und Lüdenscheid 1843. Die entsprechenden Bürgermeistereien wurden jeweils in eine Stadt- und eine Landbürgermeisterei aufgeteilt.
Im Rahmen der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westfalen wurden die Bürgermeistereien und Landbürgermeistereien 1843/44 in Ämter überführt.Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 31. Oktober 1841 (PDF; 1,6 MB) Die Städte Altena, Lüdenscheid und Plettenberg blieben amtsfrei.
Bereits 1846 wurden die Ämter im Kreis Altena neu geordnet: Das Amt Valbert wurde wieder aufgelöst und ins Amt Meinerzhagen eingegliedert. Die Gemeinde Hülscheid wechselte aus dem Amt Halver ins Amt Lüdenscheid. Die Gemeinden Kierspe und Rönsahl schieden aus dem Amt Meinerzhagen aus und bildeten das neue Amt Kierspe.
Im Kreis Altena bestanden seitdem drei amtsfreie Städte sowie acht Ämter mit 16 Gemeinden: Amt Gemeinden amtsfrei Altena, Lüdenscheid und Plettenberg Altena Kelleramt und Wiblingwerde Halver Halver Herscheid Herscheid Kierspe Kierspe und Rönsahl Lüdenscheid Hülscheid und Landgemeinde Lüdenscheid Meinerzhagen Meinerzhagen, Märkisch Valbert und Westfälisch Valbert Neuenrade Dahle, Neuenrade, Ohle und Werdohl Plettenberg Plettenberg-Land Im Jahr 1858 wurden die beiden Gemeinden Märkisch Valbert und Westfälisch Valbert zur Gemeinde Valbert zusammengeschlossen. 1890 wurde die Gemeinde Ohle in das Amt Plettenberg umgegliedert. Ein Jahr später, im Jahre 1891, schied die Gemeinde Werdohl aus dem Amt Neuenrade aus und bildete fortan ein eigenes Amt.
Die Stadt Lüdenscheid schied am 1. April 1907 aus dem Kreis aus und wurde kreisfrei. Gleichzeitig wurden Kelleramt und Wiblingwerde zur Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde zusammengeschlossen sowie durch Ausgliederung aus der Gemeinde Halver die Gemeinde Schalksmühle neu gebildet. 1922 wurde das Amt Altena in Amt Nachrodt umbenannt. Im Jahre 1934 wurde es zusammen mit den Ämtern Herscheid und Werdohl aufgehoben. Am 1. April 1941 wurden die Gemeinde Ohle und die Landgemeinde Plettenberg in die Stadt Plettenberg eingemeindet; gleichzeitig wurde das Amt Plettenberg aufgehoben.
Der Kreis Altena war 1968 der erste Landkreis, der im Rahmen der Kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Altena und der kreisfreien Stadt Lüdenscheid aufgelöst wurde. Dabei erfolgte der Zusammenschluss mit dem Stadtkreis Lüdenscheid sowie den Gemeinden Evingsen aus dem Amt Hemer im Landkreis Iserlohn und Küntrop aus dem Amt Balve im Landkreis Arnsberg zum neuen Kreis Lüdenscheid.Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Altena und der kreisfreien Stadt Lüdenscheid Sämtliche Ämter wurden aufgelöst und zu den Kommunen des Amtssitzes zusammengeschlossen (Ausnahme: Schalksmühle mit Hülscheid). 1975 wurde der Kreis Lüdenscheid mit dem Kreis Iserlohn (ohne Hohenlimburg und Schwerte) und der kreisfreien Stadt Iserlohn sowie dem Amt Balve (Kreis Arnsberg) zum Märkischen Kreis vereinigt.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1819 27.274 1832 33.438 1871 54.984 Gemeindelexikon Westfalen 1887 S. 131 1880 66.129 1890 81.857 1900 96.432 1910 84.449 1925 94.460 1939 104.359 1950 141.297 1960 161.100 1968 184.250
Politik
Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946
In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene. Die Angaben von 1969 beziehen sich auf den Kreis Lüdenscheid.
Stimmenanteile der Parteien in Prozent
Jahr SPD CDU FDP BHE KPD 1946 44,2 46,0 6,8 19481 44,2 41,7 2,1 5,6 19522 40,6 25,7 20,5 6,6 2,6 1956 47,9 28,4 18,0 2,4 1961 45,3 33,8 20,9 1964 49,0 34,0 15,7 19693 47,7 34,2 12,5
Fußnoten
1 1948: zusätzlich: RSF: 3,8 %, DZP: 2,9 % 2 1952: zusätzlich: DZP: 2,0 % 3 1969: zusätzlich: NPD: 5,6 %
Landräte mini|Siegelmarke des königlichen Landrats des Kreises Altena 1753–1760 Heinrich Wilhelm von Vaerst 1760–1790 Heinrich Wilhelm Lent von Holtzbrinck 1790–1808 Heinrich Wilhelm von Holtzbrinck sen. 1817–1841 Heinrich Wilhelm von Holtzbrinck sen. 1842–1853 Heinrich Wilhelm von Holtzbrinck jun. 1854–1878 Arnold Ludwig von Holtzbrinck 1878–1883 Wilhelm Schmieding 1883–1891 Francis Kruse 1891–1901 Hermann Heydweiller 1901–1927 Fritz Thomée 1927–1932 Paul Graubner 1932–1933 Herbert Fuchs 1933 Konrad Delius (vertretungsweise) 1933–1945 Karl Bubner 1945 Rudolf Prein 1946–1963 Fritz Hesse 1963–1964 Wilhelm Brüggenwirth 1964–1968 Heinz Chmill (dann bis 1974 Landrat des Kreises Lüdenscheid)
Oberkreisdirektoren 1946–1949 Hermann Sponier 1949–1950 Schäfer (kommissarisch) 1951–1967 Adolf Feuring (1950–1951 kommissarisch) 1967–1968 Wilfried Droste (dann bis 1974 Oberkreisdirektor des Kreises Lüdenscheid)
Wappen
Oft wird der Löwe als „bergisch“ bezeichnet, doch die Grafen von Altena spalteten sich bereits 1160 von den Grafen von Berg ab, welche 1225 im Mannesstamm ausstarben und von den Limburgern beerbt wurden. Erst Heinrich IV. von Limburg brachte den limburgischen Löwen in das bergische Wappen ein. Zuvor hatte das bergische Wappen nur drei rote Zinnenreihen auf silbernem Grund. Die Altenaer Grafen Friedrich von Berg-Altena und Adolf I. von der Mark und Altena, sowie dessen Nachkomme Otto von Altena führten jedoch schon den Löwen. Somit ist seine Herkunft aus Berg bzw. dem verfeindeten Limburg ausgeschlossen. Stirnberg vermutet eine Stiftung des Wappens durch Friedrich von Berg-Altena, den Begründer der altena-märkischen Linie, also zwischen 1170 und 1199. Vermutlich zeitgleich mit der Stiftung des Wappens der Linie Altena-Isenberg durch Graf Arnold von Altena.
Bei dem Löwen Altena-Marks wird vermutet, dass dieser wie in diesem Wappen schwarz mit roten Waffen – Zunge und Krallen – sowie einer goldenen Krone ist. Eine Abbildung, die dieser Vermutung entspricht, findet sich unter den Glasfenstern auf Burg Altena. Die erhaltenen Reitersiegel des Grafen Adolf geben jedoch über die Richtigkeit der Vermutung keinen Aufschluss. Wingolf Lehnemann schreibt den roten Lünener Löwen, dessen Farben seit 1509 bekannt sind, dem märkischen, also altenaischen Löwen zu, so dass auch eine eventuelle rote Färbung möglich bleibt.Wingolf Lehnemann: Geschichte der Stadt Lünen bis 1806, 1993.
Städte, Ämter und Gemeinden (Stand 1968) Städte und amtsfreie Gemeinden Stadt Altena Gemeinde Herscheid Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde Stadt Plettenberg Stadt Werdohl
Ämter und deren Städte und Gemeinden Amt Halver Gemeinde Halver Gemeinde Schalksmühle Amt Kierspe Stadt Kierspe Gemeinde Rönsahl Amt Lüdenscheid (Der Sitz des Amtes Lüdenscheid und der Gemeinde Lüdenscheid-Land lag in der Stadt Lüdenscheid außerhalb des Kreises) Gemeinde Hülscheid Gemeinde Lüdenscheid-Land
Amt Meinerzhagen Stadt Meinerzhagen Gemeinde Valbert Amt Neuenrade Gemeinde Dahle Stadt Neuenrade
Kfz-Kennzeichen
Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen AL zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1968 ausgegeben.
Literatur Adolf Feuring: Die Stadt Altena und ihre Verbundenheit mit dem Kreis. 1988
Weblinks
Einzelnachweise
Altena Altena Altena Kategorie:Aufgelöst 1808 Altena Kategorie:Aufgelöst 1969 Kategorie:Geographie (Märkischer Kreis) Kategorie:Geschichte (Märkischer Kreis) Kategorie:Grafschaft Mark