The Wall ist ein Konzeptalbum der britischen Rockband Pink Floyd. Es wurde im November 1979 veröffentlicht. The Wall stellte nach den Vorgängern Wish You Were Here und Animals eine neue musikalische Ausrichtung der Band dar. Zugleich ist es das letzte Studioalbum in der „klassischen“ – seit 1968 bestehenden – Besetzung, da Richard Wright nach Ende der Aufnahmen veranlasst wurde, die Gruppe zu verlassen.

The Wall belegte in zahlreichen Ländern Platz eins der Charts. Es zählt mit über 33 Millionen verkauften Exemplaren zu den weltweit erfolgreichsten Alben und ist das meistverkaufte Doppelalbum der Musikgeschichte.

Inhalt The Wall erzählt die Geschichte von Pink, einem jungen, erfolgreichen Musiker, der durch die Überbehütung seiner Mutter (Mother), die Abwesenheit seines im Krieg gefallenen Vaters (Another Brick in the Wall Part I und das nur im späteren Film enthaltene When the Tigers Broke Free), das Trauma des Bombenkriegs (Goodbye Blue Sky), die Grausamkeit seiner Lehrer (The Happiest Days of Our Lives, Another Brick in the Wall Part II), frühe Liebesaffären (Young Lust) und den Umstand, von seiner Frau betrogen und verlassen worden zu sein (Don’t Leave Me Now), eine imaginäre Mauer um sich errichtet, die ihn vor äußeren emotionalen Einflüssen und weiteren Verletzungen schützen soll. Nachdem er die Mauer aufgebaut hat, verzweifelt der junge Mann, weil er weitgehend von sozialen Kontakten abgeschirmt ist (Hey You).

Unfähig, die Mauer einzureißen, verabschiedet sich der Protagonist von der für ihn grausamen Welt (Goodbye Cruel World). Anstatt sich jedoch umzubringen, versucht er, die letzten verbleibenden Gefühle zu unterdrücken und zieht sich in sich selbst zurück. Pink ist nun drogenabhängig, apathisch und verbringt die meiste Zeit einsam vor dem Fernseher (Nobody Home). Als er für einen Auftritt von einem Arzt mit Beruhigungsmitteln behandelt wird (Comfortably Numb), nehmen seine Drogenfantasien überhand: Zunächst entwickelt er Verfolgungswahn (Run Like Hell), und in seinen Vorstellungen wird er sodann zu einem faschistischen Agitator, der in seiner Wut auf die Welt gegen Minderheiten hetzt (Waiting for the Worms, In the Flesh).

Am Ende seines Wahns ist Pink nicht mehr in der Lage, alle Emotionen zu unterdrücken, er bricht zusammen und klagt sich selbst des Vergehens, Gefühle gezeigt zu haben, vor einem imaginären Gericht an (Stop). Das Gericht nimmt die Zeugenaussagen von Lehrer, Ex-Frau und Mutter entgegen und verurteilt den Angeklagten: Als Strafe soll er vor seinesgleichen zur Schau gestellt werden – die Mauer wird niedergerissen (The Trial). Der verletzliche Pink ist nun für alle sichtbar, und ein neues Leben scheint möglich (Outside the Wall) – allerdings bricht die letzte Melodie an genau der Stelle ab, mit der das Album begonnen hat: Vielleicht beginnt sein Leidensweg also auch einfach wieder von vorn.

Hintergrund Bei dem letzten Konzert der Promotion-Tour für das Album Animals echauffierte sich Waters so sehr über das Benehmen eines Fans in der ersten Reihe, dass er ihm ins Gesicht spuckte.Andy Mabbett: Pink Floyd - Story und Songs kompakt. Bosworth Music GmbH, Berlin 2004, S. 68. Es handelte sich um das Konzert am 6. Juli 1977 im Olympiastadion von Montreal vor 78.000 Zuschauern. Nach Darstellung der Zeitschrift Classic Rock hatte der Fan versucht, die Bühne zu stürmen, und lautstark Careful with That Axe, Eugene gefordert. Waters habe ihn angespuckt, „oder zumindest in seine Richtung“.James McNair: Der letzte Ziegelstein. In: Classic Rock, Nr. 153, Oktober 2026, S. 39. Entsetzt über seine eigenen Emotionen begann Waters mit der Arbeit an einem Konzept-Album über sein Gefühl der Isolation von seinem Publikum und die potentiellen Barrieren zwischen den Menschen. Das Ergebnis ist The Wall. Von Beginn an plante er außerdem nicht nur ein Album, sondern auch ein theatralisches Konzert sowie einen Film.

Die Person des als Soldat verstorbenen Vaters trägt autobiografische Züge, da Roger Waters’ Vater Eric Fletcher Waters im Zweiten Weltkrieg fiel. Besonders im Stück When the Tigers Broke Free verarbeitet Waters den Verlust seines eigenen Vaters, der als Soldat der „Royal Fusiliers Company C“ am 16. Februar 1944 bei der Verteidigung eines Brückenkopfes in Anzio (Italien) getötet wurde, als deutsche Kampfpanzer vom Typ Tiger die alliierten Stellungen durchbrachen. Dieser Titel ist allerdings nicht auf dem Album enthalten. Waters schrieb ihn extra für eine entsprechende Szene im später entstandenen Film.

Das Stück Vera ist eine Anspielung auf Vera Lynn, eine im Zweiten Weltkrieg für ihre vor allem bei britischen Soldaten beliebten Lieder bekannte Sängerin. Pink Floyd nimmt in diesem Stück Bezug auf Lynns Song We’ll Meet Again aus dem Jahr 1942.

Während der Arbeit an The Wall verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Waters und Richard Wright. Als im August 1979 der Abgabetermin der US-Plattenfirma Columbia näher rückte, an den ein zusätzlicher Tantiemenpunkt geknüpft war, verlangte Waters, Wright solle seinen Urlaub abbrechen und eine Woche früher in die Cherokee Studios in Los Angeles zurückkehren, um seine Keyboardparts fertigzustellen. Wright, der sich gerade scheiden ließ und die Zeit mit seinen Kindern verbrachte, lehnte ab. Nach Waters’ Darstellung stellte er ihm daraufhin ein Ultimatum: Entweder stelle Wright das Album fertig, behalte seinen vollen Anteil und gehe danach still, oder man sehe sich vor Gericht. Wright habe die erste Möglichkeit gewählt.James McNair: Der letzte Ziegelstein. In: Classic Rock, Nr. 153, Oktober 2026, S. 40. Auf der anschließenden Tournee wirkte er nur noch als bezahlter Musiker mit und erhielt 5.000 Dollar pro Konzert. An den Verlusten der Tournee, laut Waters rund 600.000 Dollar, musste er sich deshalb nicht beteiligen.James McNair: Der letzte Ziegelstein. In: Classic Rock, Nr. 153, Oktober 2026, S. 44.

Konzert Die Uraufführung der Konzerttournee fand am 7. Februar 1980 in Los Angeles statt. Wegen der aufwändigen Bühnenkonstruktion wurde The Wall in den Jahren 1980 und 1981 lediglich an vier Orten jeweils mehrere Abende in Folge aufgeführt: 7-mal in Los Angeles, 5-mal in Uniondale (New York), 11-mal in London und 8-mal in Dortmund.

Während der ersten Konzerthälfte wurde schrittweise quer über die Bühne eine Mauer, bestehend aus quaderförmigen Papp-Bausteinen, errichtet. Entworfen hatten sie der Designer Jonathan Park und der Architekt Mark Fisher.James McNair: Der letzte Ziegelstein. In: Classic Rock, Nr. 153, Oktober 2026, S. 38. Mit jedem weiteren Lied kamen neue hinzu, sodass sie mit dem letzten Ton des letzten Liedes (Goodbye Cruel World) geschlossen wurde. Anschließend folgte eine rund dreißigminütige Pause.

In der zweiten Konzerthälfte spielten Pink Floyd hinter der Bühne, während vorne eine maskierte „Ersatzband“ agierte (Andy Bown, Snowy White, Willie Wilson und Peter Wood).James McNair: Der letzte Ziegelstein. In: Classic Rock, Nr. 153, Oktober 2026, S. 42. Bereits beim Eröffnungsstück In the Flesh? trug diese Ersatzband Latexmasken mit den Gesichtern von Waters, Gilmour, Wright und Mason. Am Ende des Stücks stürzte das Modell eines Stuka-Bombers auf die Bühne, die Ersatzband erstarrte, und die eigentliche Band wurde sichtbar.James McNair: Der letzte Ziegelstein. In: Classic Rock, Nr. 153, Oktober 2026, S. 43. Im Stück In The Flesh propagiert der Protagonist dieser Ersatzband in einer Rede seine faschistische Entschlossenheit. Bei der Uraufführung wurden willkürlich Zuschauer zu bestimmten Textpassagen ausgewählt und mit einem Spotlicht angeleuchtet, so zum Beispiel bei „Are there any queers in the theatre tonight?“ („Sind heute Abend Schwule in diesem Saal anwesend?“) oder „This one looks Jewish, and this one’s a coon!“ („Der hier sieht jüdisch aus, und der hier ist ein Neger!“), schließlich kommentiert mit „If I had my way, I’d have all of you shot!“ („Wenn es nach mir ginge – ich würde euch alle erschießen lassen!“). Zum Finale seiner Rede fielen an den Wänden Banner mit den gekreuzten Hämmern herunter, in den Farben schwarz, weiß und rot. Vor allem vor Run like Hell pflegte Waters alias Pink zudem das Publikum zu beschimpfen: „Are there any paranoids in the audience tonight? Is there anyone who worries about things? Pathetic! This is for all you weak people in the audience!“ („Sind heute Paranoiker im Publikum? Sind hier Leute, die sich Sorgen machen? Wie jämmerlich! Dies hier ist für euch ganzen Haufen Schwächlinge im Publikum!“)

Bei Run Like Hell traten Pink Floyd vor die Mauer und spielten mit der „Ersatzband“. Ansonsten waren in der zweiten Hälfte der Shows nur in einzelnen Szenen, wie beispielsweise der Hotelzimmerszene, in der Roger Waters als Pink vor dem Fernseher sitzt, einzelne Bandmitglieder zu sehen. Und David Gilmour wurde z. B. bei einem seiner Gitarrensoli (Comfortably Numb) mittels einer Hebebühne auf Mauerhöhe gehoben, so dass er von den Zuschauern zu sehen war. Auf die Mauer wurden im Laufe des Konzerts mehrfach Trickfilmszenen projiziert. Am Schluss fiel sie, unterlegt von Explosionsgeräuschen, in sich zusammen, sodass wieder die Pink-Floyd-Musiker sichtbar wurden. Es folgte das akustische Schlusslied, also ohne jegliche elektronisch unterstützte Musik. Zugaben schloss Waters aus. Gerald Scarfe erklärte das damit, dass Waters die Konzerte als eine Art Oper mit klarem Anfang und Ende gesehen habe, die durch Zugaben verwässert worden wäre.

Spektakulär waren auch die riesigen Figuren, die während der Show als Pinks Mutter, Lehrer und Freundin zu sehen waren, darunter eine aufblasbare Mutterfigur. Sie gingen auf Zeichnungen zurück, die Gerald Scarfe für das Albumcover angefertigt hatte, und wurden von einem Team unter seiner Leitung umgesetzt.

Film

1982 wurde das Album von Alan Parker und Gerald Scarfe mit dem Musiker Bob Geldof in der Hauptrolle verfilmt. Der Film enthält ein neues Lied (When the Tigers Broke Free) sowie Neueinspielungen von älteren Liedern wie Mother und Empty Spaces.

Der Film The Wall ist zusammengesetzt aus Realfilm- und Zeichentricksequenzen von Scarfe. In den Zeichentrickteilen wird insbesondere die Mauer visualisiert, sie dienen der Darstellung von Pinks Innenleben.

Aufführung in Berlin 1990 mini|Rund 300.000 Zuschauer versammelten sich auf dem ehemaligen Todesstreifen zwischen Brandenburger Tor und Leipziger Platz mini|Im Scheinwerferlicht auch Graffiti, wie sie für die Berliner Mauer typisch waren mini|Roger Waters (oben), The Wall, Live in Berlin am 21. Juli 1990 Nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahre 1989 wurde The Wall am 21. Juli 1990 am Potsdamer Platz nochmals aufgeführt. Das Konzert wurde von Roger Waters geleitet, der die Rechte an The Wall hat. Alle Mitwirkenden (u. a. Paul Carrack, Cyndi Lauper, Sinéad O’Connor, Joni Mitchell, Jerry Hall, Bryan Adams, The Hooters, Scorpions, Van Morrison, Ute Lemper) verzichteten auf die Gage. Der Erlös von sechs Millionen DM wurde an die Stiftung World War Memorial Fund for Disaster Relief gespendet.Jerry Sommer: Abrüstung: Raketen zu Kugelschreibern. In: Die Zeit. 16. März 1990.Pop Auch das noch! In: Der Spiegel. 9. Juli 1990.

Zu den Höhepunkten von Rolf M. Engels Arbeit, einem der Gründer des deutschen Designbüros Atelier Markgraph mit Sitz in Frankfurt am Main, in dem Bereich Inszenierung und Design für weltweite Auftritte gehört die Leitung der komplizierten Planung und Inszenierung, die es Roger Waters ermöglichte, The Wall kurz vor der deutschen Wiedervereinigung in Berlin aufzuführen. Dieses gigantische Spektakel erforderte eines der größten jemals aufgebauten Bühnenbilder, das über zweitausend Menschen auf die Bühne brachte und von über 300.000 Zuschauern live gesehen wurde.