+ New BrunswickNouveau-BrunswickNeubraunschweig Wappen Flagge 90px|Wappen von New Brunswick(Details) 140px|Flagge von New Brunswick(Details) Wahlspruch: Spem reduxit„Er hat die Hoffnung wiederhergestellt“ Lage Basisdaten Amtssprache Englisch und Französisch Hauptstadt Fredericton Größte Stadt Moncton Fläche 71.248,50 km² (11.) Einwohner (2021) 775.610 (8.) Bevölkerungsdichte 10,9 Ew./km² BIP in CAD (2006) Gesamt: 25,221 Mia. (8.)Pro Kopf: 33.664 (12.) Zeitzone UTC −4 ISO 3166-2 CA-NB Postalische Abkürzung NB Website www.gnb.ca Politik Beitritt Konföderation 1. Juli 1867 Vizegouverneur Louise Imbeault Premierminister Susan Holt (LPC) Sitze im Unterhaus 10 Sitze im Senat 10 mini|hochkant=1.6|Kanada und seine Provinzen 1867 New Brunswick ([]; []; deutsch auch Neubraunschweig) ist eine kanadische Provinz. Sie ist die einzige offiziell zweisprachige Provinz. Die knapp 73.000 km² große Provinz hat mehr als 750.000 Einwohner. Die Hauptstadt ist Fredericton.
Geographie Die Landfläche liegt im Osten Kanadas am Atlantik und beträgt rund 70.000 km². Etwa 80 % der Fläche sind Wald, die restlichen 20 % Ackerland und Stadtgebiet. New Brunswick liegt am Nordende der Appalachen. Im Nordosten ragt die Akadische Halbinsel in den Sankt-Lorenz-Golf hinein. Die Landschaftstypen sind Berge (höchster Berg ist der Mount Carleton mit 820 m), Hügel und Flusstäler.
New Brunswick grenzt im Norden an Québec und die Chaleur-Bucht, im Osten an die Northumberlandstraße, die New Brunswick von der Prince Edward Island trennt, sowie an die Nova-Scotia-Halbinsel, den Festlandanteil der Nachbarprovinz Nova Scotia. Im Süden liegt die Bay of Fundy, im Westen grenzt die Provinz an den amerikanischen Bundesstaat Maine.
Innerhalb Kanadas wird New Brunswick zu den drei Seeprovinzen und somit auch zu den atlantischen Provinzen gerechnet.
Zum Schutz der Landschaft, der Flora und Fauna gibt es in der Provinz 32 Provincial Parks.
Geschichte
Frühgeschichte Vor etwa 13.000 Jahren, gegen Ende der letzten Kaltzeit, lag die Provinz noch unter einem Eispanzer. Die ältesten menschlichen Spuren in den östlichen Provinzen fanden sich am Fundplatz Debert in Neuschottland.Christopher Ellis: Understanding “Clovis” Fluted Point Variability in the Northeast: A Perspective from the Debert Site, Nova Scotia, in: Canadian Journal of Archaeology / Journal Canadien d’Archéologie 28 (2004) 205–253. Sie reichen bis etwa 9000 v. Chr. zurück. Diese Jäger, die Mastodonten und Wollhaarmammute antrafen, bewegten sich in einer Tundrenlandschaft zwischen Gletscherresten. Mit dem Abschmelzen des Eises stieg der Meeresspiegel nach und nach um mehr als 100 m, so dass selbst das Tal des Saint John zeitweise unter Wasser stand.
Die Mi’kmaq lebten schon lange vor Ankunft der ersten Europäer im Gebiet zwischen der Gaspé-Halbinsel und Neuschottland, und damit auch auf Neubraunschweiger Gebiet. Dabei lebten die Maliseet am Saint John und die Passamaquoddy siedelten von der Passamaquoddy-Bucht über den Einzugsbereich des Saint Croix bis zum Schoodic-See. Die Bedingungen waren so günstig, dass in der Sprache der Mi’kmaq kein Wort für ‚Mangel‘ existiert.
Um 1500 v. Chr. lässt sich Fernhandel bis weit in den Westen fassen, umgekehrt dehnte die Adena-Kultur um 400 v. Chr. ihren Einfluss vom Ohio bis an die Ostküste aus. Unter ihrem Einfluss entstand auf North West Miramichi der ca. 2500 Jahre alte Augustine Mound.Die Augustine Mound National Historic Site of Canada ist seit 1975 in der Liste der nationalen historischen Stätten verzeichnet. Er ist nach Joseph Augustine benannt, einem ehemaligen Mi’kmaq-Häuptling, der dort aufgrund mündlicher Überlieferungen Artefakte vermutete, was durch Grabungen bestätigt wurde.Vgl. An der nur 700 m entfernten Oxbow site im Red Bank reserve am Little South West Miramichi River ließen sich Siedlungen von großer Kontinuität nachweisen, deren älteste bis etwa 800 v. Chr. zurückreichen. Um 200 v. Chr. wurden erstmals Tonwaren hergestellt, eine Technik, die wohl von den Großen Seen oder aus dem Süden Neuenglands nach Neubraunschweig gekommen war.
Mitte des 16. Jahrhunderts entstand in Maine und in den kanadischen Seeprovinzen die Abenaki-(Wabanaki-)Konföderation infolge eines Friedensabkommens mit den irokesischen Mohawk. Neben den Mohawk gehörten die Ottawa dazu, ebenso wie Mi’kmaq, Maliseet, Passamaquoddy, Penobscot und zeitweise die westlichen Abenaki von Neuengland und Québec. Erst 1862, als die Penobscot sich aus der Konföderation zurückzogen, endete der Zusammenschluss. Im Laufe der 1870er Jahre endete auch die besondere Beziehung der anderen Stämme zu den Mohawk. Zahlreiche Ortsnamen, wie Mactaquac, Nashwaak, Quispamsis, Kouchibouguac, Restigouche, Abegweit (für Prince Edward Island), Pictou, Kejimkujik verweisen auf ihre Anwesenheit.Place Names in the Maritimes.
Französische Kolonisierung, Akadier Im Jahre 1524 erreichte Giovanni da Verrazzano die „Acadie“, die er nach Arkadien in Griechenland benannte. 1535 segelte Jacques Cartier in die Chaleur-Bucht. Im Jahre 1604 entstand am St Croix in der Passamaquoddy-Bucht (Peskutumaquadik) die erste europäische Siedlung im heutigen Kanada. 1606 erreichte Marc Lescarbot (um 1570–1642), der als erster Historiker Nordamerikas gilt, die Region.
Als Isaac de Razilly 1635 starb, der die wiederbelebte Siedlung Port-Royal geführt hatte, stritten sich von 1640 bis 1645 der Hugenotte Charles de Saint-Étienne de la Tour, der Gouverneur von Akadien zwischen 1631 und 1642 sowie von 1653 bis 1657 war, und der Katholik Charles de Menou d’Aulnay. Während La Tour seit 1610 im Pelzhandel tätig war, unter den Mi’kmaq gelebt, eine Abenaki-Frau geheiratet hatte und von den Händlern unterstützt wurde, verfügte d’Aulnay über gute Kontakte nach Paris. Dieser Konflikt, in dem protestantische Engländer eine wichtige Rolle spielten, überließ das zerstörte Land freier Nutzung – trotz des Grundsatzes „nulle terre sans seigneur“ (kein Land ohne Feudalherrn). Nach d’Aulnays Tod im Jahr 1650 gewann La Tour die Kontrolle über den Saint John zurück und gründete Handelsposten in Miscou Harbour und in Nepisiguit (Bathurst).
Aus dem Tal des Saint John eröffneten die Franzosen immer wieder Angriffe auf Neuengland, woraus sich dauerhafte Feindseligkeiten entwickelten. 1694 entstand im heutigen Fredericton ein erstes Fort namens Fort Saint-Joseph.
Britische Kolonialzeit mini|hochkant|Als Maliseet Tablet bezeichnete Tafel aus Meductic von 1717. Sie wurde 1890 unter dem Grundstein der dortigen Kirche, im Südwesten der Provinz gelegen, entdeckt und gilt als ältestes religiöses Artefakt der Provinz (fotografiert um 1897). 1713, nach dem Spanischen Erbfolgekrieg, kam Neuschottland durch den Vertrag von Utrecht an Großbritannien. Das spätere New Brunswick war dadurch zum Restgebiet des ehemaligen Akadiens geworden, das auf zwei Seiten von britischen Kolonien umgeben war, von Neuschottland im Osten und Neuengland im Süden. Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) eroberten die Briten das Gebiet von Neubraunschweig. Durch den Vertrag von Paris wurde Neufrankreich Teil des britischen Kolonialreichs; das Neubraunschweiger Gebiet wurde zusammen mit einem Teil Maines der britischen Kolonie Neuschottland angeschlossen.
Als die Briten 1713 Akadien besetzten und etwa 10.000 Franzosen unterwarfen, verlor sich deren Kontakt zum französischen Feudalsystem. Die seit 1755 vertriebenen Akadier – abgesehen von denen, die auf Prince Edward Island und am oberen Saint John blieben – kehrten ab 1765 zurück und erhielten Land auf der Basis des britischen Feudalsystems. Viele von ihnen zogen in die Gegend von Memramcook, einige wurden Landbesetzer (Squatter) am Saint John, viele arbeiteten für die Robin Brothers von der Kanalinsel Jersey. Sie hatten 1764 begonnen, Fischfangstationen zwischen Gaspé und Cape Breton Island zu errichten.
1713 schlossen die regionalen Stämme einen eigenen Vertrag mit Großbritannien, in dem sie die Siedlungsrechte der Briten anerkannten, doch 1714 protestierten sie dagegen, dass die Siedler die zugestandenen Grenzen überschritten hatten. 1721 protestierten die Indianer der Region gegen die Übergabe an Großbritannien mit der Begründung, der König von Frankreich könne sein Land vergeben, an wen er wolle, sie jedoch würden dies nicht tun.Der Text des Schreibens findet sich hier. Als Indianer in Massachusetts Vieh auf einer Weide töteten, ließ Gouverneur William Dummer schlafende Kennebec ermorden, woraufhin dieser Stamm ihm den Krieg erklärte. Dummer reagierte, indem er seinerseits allen Stämmen im Norden den Krieg erklärte, einschließlich derjenigen in Neubraunschweig. Dieser Krieg erhielt den Namen „Dummer’s War“ (Dummers Krieg). Erst 1725 kam es zu Dummers Friedens- und Freundschaftsvertrag, der in Boston unterzeichnet wurde, und in dem die Briten den Wabanaki freie Jagd, Fischfang und Anbau zugestanden.
Loyalisten, britische Zuwanderung, Rohstoffindustrie Nach der Unabhängigkeit der USA kamen rund 14.000 Loyalisten, Familien, die der Kolonialmacht Großbritannien treu geblieben waren, zur Bay of Fundy, gründeten die Stadt Saint John und besiedelten das Tal des gleichnamigen Flusses und das des St Croix River. Sie stellten schlagartig eine für die Indianer überwältigende Bevölkerungsmehrheit. 1784 erhielten sie in Abgrenzung von Halifax einen eigenen Kolonialstatus. Die Kolonie wurde nach dem welfischen Fürstenhaus Braunschweig benannt, dem auch König Georg III. entstammte. Die Hauptstadt Fredericton hat ihren Namen von Prinz Friedrich August.
Nach Neubraunschweig kamen Schotten, die vor der Aufteilung ihres Landes unter englische Viehgroßgrundbesitzer geflohen waren, dann Flüchtlinge vor dem Hunger aus Irland. Um 1850 lebten 277.000 Menschen in Neuschottland, 194.000 in Neubraunschweig und 72.000 auf der Prinz-Edward-Insel. Damit hatte sich die Bevölkerung seit etwa 1800 verfünffacht. Der Anteil der Iren lag zeitweise bei zwei Dritteln der Bevölkerung.
1807 versuchte London zur Finanzierung der Kolonie auf das sogenannte Quit-Rent-System zurückzugreifen, doch die Bauern waren nicht in der Lage diese Abgabe zu zahlen. Die Provinzregierung gründete 1820 die Bank of New Brunswick. Zwar stellten sich 1832 Erfolge ein, doch hatte die Holzindustrie, die seit Napoleons Kontinentalsperre ab 1807 von großer Bedeutung für die Deckung des britischen Holzbedarfs war, kein Interesse an kleinteiligen Landvergaben. 1835 drängte London die Kolonie zum Kauf der Quit-Rents für 1000 Pfund. So kam Großbritannien ab 1848 nur noch für die Verteidigungskosten auf, ähnlich wie in Neuschottland. Das nunmehr britische New Brunswick finanzierte sich fortan durch Siedlungsabgaben und Zölle.
Doch die überaus starke Abhängigkeit von Holzausfuhren, die bereits 1774 eingesetzt hatten, und vom Schiffbau machte jeden Preisverfall zu einer schweren Wirtschaftskrise. Dazu trug vor allem der ungeregelte Zugang zu Holz bei, so dass die zahlreichen Holzunternehmen die Wälder einfach nur ausplünderten. Zwar kamen einige Jahre lang Vorschläge auf, die Wirtschaft durch Zölle zu schützen, doch der Freihandel setzte sich auch für New Brunswick ab 1853 durch. Den Preisverfall glich zunächst der Krimkrieg 1852–1856 aus, dann der Bürgerkrieg in den USA von 1861–1865. Als sich die Reserven an großen Urwäldern erschöpften und die Segelschiffe zunehmend durch Dampfschiffe ersetzt wurden, brach der Holzmarkt zusammen. Tausende von Siedlern verließen die Kolonie.
Andere Rohstoffe sorgten nur für einen begrenzten Ersatz, wie etwa Kohle. Die erste Eisenbahnlinie war eine Kohlebahn bei Pictou, die 1838 entstand. In den 1850er Jahren kamen Verbindungen von Halifax nach Truro und Windsor, von St. John’s nach Shediac, weiter nach Truro und von St. Andrews nach Woodstock hinzu. Als die Anschlussverhandlungen an das entstehende Kanada 1864 aufgenommen wurden, erhoffte man sich eine Anbindung an ein kontinentales Eisenbahnnetz.
Provinz New Brunswick, Eisenbahnanschluss, Industrialisierungsversuche