+ Newfoundland and LabradorTerre-Neuve-et-LabradorNeufundland und Labrador Wappen Flagge 70px|Wappen von Neufundland und Labrador(Details) 140px|rand|Flagge von Neufundland und Labrador(Details) Wahlspruch: Quaerite Primum Regnum Dei„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes“ Lage Basisdaten Amtssprache Englisch Hauptstadt St. John’s Größte Stadt St. John’s Fläche 358.170,37 km² (10.) Einwohner (2021) 510.550 (9.) Bevölkerungsdichte 1,4 Ew./km² BIP in CAD (2020) Gesamt: 30,127 Mio. (9.)Pro Kopf: 57.825 (4.) Zeitzone UTC −3.30 (Neufundland)UTC −4 (Labrador) ISO 3166-2 CA-NL Postalische Abkürzung NL Website www.gov.nl.ca Politik Beitritt Konföderation 31. März 1949 Vizegouverneurin Joan Marie Aylward Premierminister Tony Wakeham (PC) Sitze im Unterhaus 7 Sitze im Senat 6

Neufundland und Labrador ( [], []) ist eine Provinz im Osten Kanadas. Sie hieß von 1949 bis 2001 lediglich Neufundland. Das eigenständige Dominion Neufundland wurde erst 1949 Kanada angeschlossen.

Geographie und Lage Geologie

mini|links|L’Anse aux Meadows, die archäologische Fundstätte an der Nordspitze von Neufundland und einzige, sicher nachgewiesene Siedlung isländischer Wikinger in Nordamerika.

Die Halbinsel Avalon ist Namensgeber für den Mikrokontinent Avalonia, der sich vom Urkontinent Gondwana abspaltete und vor 435 Millionen Jahren mit Baltica verband. Vor Entstehung des Atlantiks war Neufundland somit Schottland, Skandinavien und Marokko nahegelegen, die eine ähnliche Orogenese und Topologie aufweisen. Die Long Range Mountains sind die nördlichste Verlängerung des Gebirgszuges der Appalachen.

Lage

Neufundland und Labrador grenzt im Westen an die Provinz Québec und im Osten an den Atlantik. Die Provinz besteht aus der fjorden- und seenreichen Insel Neufundland mit ihren vielen kleineren, vorgelagerten Inseln, zum Beispiel Bell Island und Twillingate Islands. Darüber hinaus aus Labrador, das auf dem nordamerikanischen Festland liegt und das einen Teil der größeren Labrador-Halbinsel einnimmt. Innerhalb des politischen Systems von Kanada wird Neufundland und Labrador den atlantischen Provinzen zugerechnet. Neufundland ist der östlichste, Europa am nächsten gelegene Teil Nordamerikas und reich an historischen und geographischen Besonderheiten.

Klima

mini|Köppen-Geiger-Klimaklassifikation von Neufundland und Labrador

Das Klima ist wegen der Lage der Provinz am Zusammenfluss von Golfstrom und Labradorstrom unbeständig, mit in Buchten sich verfangenden Eisbergen im Sommer (siehe auch Titanic-Untergang 1912 vor Neufundland). Hurrikane verlassen den amerikanischen Kontinent oft über der Provinz, um als extratropische Orkane in Europa anzukommen.

Auf dem Festland ist das Klima vom kalten Labradorstrom geprägt, wogegen vor allem der Südosten der Insel Neufundland von Ausläufern des Golfstroms profitiert und ein wesentlich wärmeres Klima aufweist.

Städte

mini|Blick über St. John’s vom Signal Hill aus

+ Größte Städte nach Einwohnerzahl Gemeinde 2001 2006 2011 2016 2021 St. John’s 99.182 100.646 106.172 108.860 110.525 Conception Bay South 19.772 21.966 24.848 26.199 27.168 Paradise 9.598 12.584 17.695 21.389 22.957 Mount Pearl 24.964 24.671 24.284 23.120 22.477 Corner Brook 20.103 20.083 19.886 19.806 19.333 Grand Falls-Windsor 13.340 13.558 13.725 14.171 13.853 Gander 9.651 9.951 11.054 11.688 11.880 Portugal Cove-St. Philip’s 5.866 6.575 7.366 8.147 8.415 Happy Valley-Goose Bay 7.969 7.572 7.552 8.109 8.040 Torbay 5.474 6.281 7.397 7.899 7.852 Labrador City 7.744 7.240 7.367 7.220 7.412Stephenville 7.109 6.588 6.719 6.623 6.540 Quelle: Statistics Canada (2006 und 2011, 2016 und 2021)

Weitere bedeutende Orte sind: Ferryland, Placentia, Deer Lake, Channel-Port aux Basques, St. Anthony und L’Anse-au-Clair.

Geschichte Europäische Entdeckung Neufundland wurde von dem Wikinger Leif Eriksson als erstem Europäer entdeckt und beim heutigen L’Anse aux Meadows (heute UNESCO-Welterbestätte) bestand auch für einen kurzen Zeitraum eine Wikingersiedlung. Vereinzelt wurde in der Fachliteratur spekuliert, ob baskische Walfänger, die etwa ab den 1530er Jahren in den Gewässern vor Neufundland auftauchten, schon vor Kolumbus und John Cabot in Neufundland oder Labrador an Land gegangen sein könnten. Hierfür gibt es bisher keine überzeugenden Belege. Nach einer Legende aus dem 9./10. Jahrhundert Navigatio Sancti Brendani („Die Seefahrt des heiligen Brendan“) soll dieser irische Abt bereits im 5. Jahrhundert mit mehreren anderen Mönchen eine Atlantikreise nach Westen unternommen und auf der Sankt-Brendan-Insel an Land gegangen sein. Auch hiermit wurden Neufundland und Labrador in Verbindung gebracht, jedoch fehlt auch hierfür jede archäologische Evidenz. mini|Gedenktafel in St. John’s an die formelle Inbesitznahme Neufundlands durch Humphrey Gilbert für England am 5. August 1583 Als erster frühneuzeitlicher europäischer Entdecker Neufundlands und Labradors gilt Giovanni Caboto (John Cabot), der im Auftrag des englischen Königs Heinrichs VII. auf Entdeckerfahrt ging und am 24. Juni 1497 möglicherweise bei Cape Bonavista an der Ostküste Neufundlands an Land ging. Allerdings werden auch andere Orte in Neufundland, Labrador und Nova Scotia für möglich gehalten. Schon kurze Zeit später, in den Jahren 1499 und 1500, folgten die portugiesischen Seefahrer João Fernandes Lavrador und Pêro de Barcelos, die die Küste erkundeten und kartierten. Ersterer wurde zum Namensgeber Labradors. Portugal erhob mit Berufung auf den Vertrag von Tordesillas 1494 Anspruch auf Labrador, da man dieses östlich der Teilungslinie und damit im portugiesischen Interessenraum vermutete.

In den Jahren 1500 und 1501 kam es zu portugiesischen Expeditionen der beiden Brüder Miguel und Gaspar Corte-Real nach Terra Verde (vermutlich Neufundland). Weitere Seefahrer anderer Länder folgten. Im Jahr 1524 erkundete Giovanni da Verrazzano, ein italienischer Seefahrer in Diensten König Franz I. von Frankreich, das Gebiet um Neufundland, und 1524–25 befuhren der portugiesische Seefahrer in spanischen Diensten, Estevão Gomes und John Rut, im Auftrag von König Heinrich VIII. von England die Seegebiete um Neufundland. Von weitreichender, historischer Bedeutung wurden drei Expeditionen, die der Franzose Jacques Cartier 1534 und 1535–1536 ebenfalls im Auftrag Königs Franz I. von Frankreich machte. Er entdeckte den Sankt-Lorenz-Golf und befuhr als erster den Sankt-Lorenz-Strom. Bei seiner dritten Reise von 1541 bis 1542 hatte er den Auftrag, sogar eine erste Siedlung in der Nähe des heutigen Stadt Québec zu gründen und nicht auf Neufundland, sozusagen am „Eingangstor“ von Kanada wie die Wikinger, rund 500 Jahre zuvor.

Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und in den folgenden Jahrhunderten konzentrierten sich viele Entdeckerfahrten auf die Entdeckung einer „Nordwestpassage“ nach Asien. Von besonderem Interesse wurden die Gewässer um Neufundland wegen ihrer reichen Fisch- und Walbestände. Anfänglich dominierten hier baskische, spanische, portugiesische und französische Fischer. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begannen englische Fischereischiffe eine zunehmend größere Rolle zu spielen, und die spanische und baskische Fischerei wurde insbesondere durch englische Freibeuter wie Bernard Drake dezimiert und zunehmend verdrängt.

Englische bzw. britische Kolonie mini|James Cooks Karte von Neufundland (1775)

1583 wurde Neufundland formal zu englischem Besitz erklärt. Erste dauerhafte englische Siedlungen gab es in den folgenden Jahrzehnten, darunter die heutige Hauptstadt St. John’s. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde die englisch-spanische von der englisch-französischen Rivalität abgelöst. Der englische Besitz in Neufundland wurde von der nahen französischen Kolonie Kanada bedroht und war mehrfach Ort von Kriegshandlungen. Während King William’s War (1689–1697), der sich als nordamerikanischer Nebenkriegsschauplatz parallel zum Pfälzischen Erbfolgekrieg in Europa abspielte, wurden die englischen Siedlungen auf Neufundland vom französischen Befehlshaber Pierre Le Moyne d’Iberville fast vollständig verwüstet. Diese Bedrohung fand erst ihr Ende, als Frankreich im Siebenjährigen Krieg 1756–1763 alle seine Besitzungen in Kanada an Großbritannien verlor.

In den Jahren 1763 bis 1767 unternahm James Cook eine detaillierte Aufnahme der Küsten Neufundlands und Labradors.

Dominion Neufundland 1907–1934 und die Jahre bis 1949

Von 1907 bis 1934 war Neufundland zusammen mit Labrador ein eigenständiges Dominion im Britischen Empire. Aufgrund von Turbulenzen infolge der Weltwirtschaftskrise von 1929 und politischer Instabilität stimmte die Regierung 1934 ihrer Selbstauflösung zu. Das Mutterland Großbritannien übernahm wieder die Kontrolle und das Gebiet wurde auf den Status einer britischen Kronkolonie zurückgestuft. Nach dem Zweiten Weltkrieg ergaben sich verschiedene Optionen: der Verbleib als britische Kolonie, die Wiedererlangung des Dominions-Status, de facto damit die Unabhängigkeit im Rahmen des Commonwealth of Nations, der Anschluss an das benachbarte Kanada und eine wirtschaftliche oder sogar politische Union mit den Vereinigten Staaten.

In einem Referendum am 22. Juli 1948 entschieden sich die Wähler mit knapper Mehrheit von 52,3 % gegen die Unabhängigkeit und für den Anschluss an Kanada. Am 31. März 1949 wurde die Vereinigung vollzogen.

Deutsche Missionare der Herrnhuter Brüdergemeine spielten lange in Labrador eine Rolle bei den Inuit. Erste Transatlantik-Flüge und Transatlantik-Telekommunikation (Marconi) sind mit der Geschichte Neufundlands ebenso verbunden wie die einzigen Feindberührungen mit Deutschland im Zweiten Weltkrieg und dem verheerendsten Seebeben und Tsunami der kanadischen Geschichte (1929 Burin-Halbinsel).

Bevölkerung Demografie Laut dem Zensus 2021 beträgt die Gesamtbevölkerung 510.550 Einwohner, wovon im Jahr 2011 rund 59 % in Städten und 41 % in ländlichen Gebieten lebten.

+ Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1951 361.416 1956 415.074 1961 457.853 1966 493.396 1971 522.100 1976 557.720 1981 567.681 1986 568.350 1991 568.475 1996 551.790 2001 512.930 2006 505.469 2011 514.536 2016 519.716 2021 510.550 Quelle: Statistics Canada

Sprache + Sprache (2021) Sprache Anzahl % Englisch 486.560 96,36 Französisch 2.215 0,44 nicht offizielle Sprache 12.655 2,51 davon Algonkin 1.580 0,31 bzw. Cree 1.580 0,31 bzw. Innu 1.575 0,31 Hinweis: Unvollständige Auswahl der Sprachen

Religion + Religionszugehörigkeit (2021) Religion Anzahl % Katholiken 159.875 31,84 Anglikaner 108.030 21,52 United Church of Canada 60.670 12,08 Muslime 3.995 0,80 Hindu 1.200 0,24 Religionslose 80.330 16,00 Hinweis: Unvollständige Auswahl der Religionen

Politik mini|Das Confederation Building, Sitz der Abgeordneten

Das politische System von Neufundland und Labrador basiert auf dem Westminster-System mit einem Einkammernparlament. Das Abgeordnetenhaus besteht aus 48 Mitgliedern, die in ebenso vielen Wahlkreisen nach dem Mehrheitswahlsystem gewählt werden. Der Vizegouverneur, der das Staatsoberhaupt vertritt, kann in Absprache mit dem Premierminister innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens das Parlament vorzeitig auflösen und Neuwahlen ansetzen, der britischen Parlamentstradition entsprechend. Premierminister ist stets der Vorsitzende jener Partei, die die meisten Sitze errungen hat. Dieses Amt hat zurzeit John Hogan inne, Vizegouverneurin ist Joan Marie Aylward.

Im kanadischen Unterhaus wird Neufundland und Labrador von sieben Abgeordneten vertreten. Gemäß der kanadischen Verfassung stehen der Provinz sechs Sitze im Senat zu.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft mini|Eine Offshore-Ölplattform vor der Küste der Provinz im Terra-Nova-Ölfeld