zentriert|350px|Schlacht am Little Bighorn In der Schlacht am Little Bighorn wird George Armstrong Custer von verbündeten Indianervölkern unter Sitting Bull und Crazy Horse vernichtend geschlagen. zentriert|104px|Königin Victoria Königin Victoriaerhält den TitelKaiserin von Indien. 104px|Bells Patent für das Telefon 129px|Elisha GrayAlexander Graham Bell reichtzwei Stunden vor Elisha Grayeinen Patenteintrag für das Telefon ein. zentriert|350px|Der Ring des Nibelungen, Bühnenbild für Götterdämmerung Richard Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen wird im Bayreuther Festspielhaus uraufgeführt. 1876 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1324/25 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1868/69 (10./11. September) Baha'i-Kalender 32/33 (20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1281/82 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2419/20 (südlicher Buddhismus); 2418/19 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus Jahr der Feuer-Ratte 丙子 (am Beginn des Jahres Holz-Schwein 乙亥) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1238/39 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4209/10 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1254/55 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1292/93 (27./28. Januar) Japanischer Kalender Meiji 9 ();Kōki 2536 Jüdischer Kalender 5636/37 (18./19. September) Koptischer Kalender 1592/93 (10./11. September) Malayalam-Kalender 1051/52 Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1291/92 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2186/87 (Jahreswechsel April) Syrien: 2187/88 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1932/33 (April)
Das Jahr 1876 bringt mit der Schlacht am Little Bighorn den Höhepunkt der Indianerkriege in den Vereinigten Staaten.
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Vereinigte Staaten von Amerika
Nachdem die Regierung der Vereinigten Staaten Ende des Vorjahres vergeblich versucht hat, die Black Hills von den Ureinwohnern zu erwerben, um das dort gefundene Gold ausbeuten zu können, werden die Lakota aufgefordert, sich bis zum 31. Januar in die neu eingerichteten Indianerreservate zu begeben. Vor allem Häuptling Red Cloud versucht sein Volk von dieser Lösung zu überzeugen.
Im März begeben sich die Häuptlinge Old Bear und He Dog mit zahlreichen Menschen, vor allem Frauen und Kindern, auf den Weg in die Reservation. Unterwegs werden sie jedoch am 16. März von einer militärischen Einheit unter General George Crook angegriffen. Sie können entkommen und begeben sich zurück zu den anderen Häuptlingen, die zum Kampf bereit sind. Da die Streitmacht der Indianer mehrere Tausend Krieger umfasst, stößt die „Befriedungskampagne“, die die United States Army ab dem Sommer startet, auf unerwartet starken Widerstand. In einem groß angelegten Feldzug planen die US-Truppen die noch frei lebenden Indianerstämmen der Lakota, Cheyenne und Arapaho durch drei Angriffsverbände entweder zur Kapitulation zwingen oder in einer entscheidenden Schlacht vernichtend zu schlagen. General John Gibbon startet den Feldzug von Nordwesten, von Osten stößt General Alfred Terry von Fort Abraham Lincoln vor, und General George Crook näherte sich von Süden aus Fort Laramie.
mini|links|Schlacht am Rosebud (Zeitgenössische Darstellung) Die über 1000 Mann starke Abteilung Crooks, bestehend aus Kavalleristen, Infanteristen und zahlreichen Shoshone- und Crowscouts unter Häuptling Washakie werden während einer Marschpause am 17. Juni von den freien Indianern unter der Führung von Crazy Horse überrascht. Die Schlacht am Rosebud Creek ist ein strategischer Erfolg der Indianer, da Crook am weiteren Vordringen nach Norden gehindert wird. 25. Juni: In der Schlacht am Little Bighorn im Montana-Territorium wird das siebte US-amerikanische Kavallerieregiment unter George Armstrong Custer von Indianern der Dakota, Lakota-Sioux, Arapaho und Cheyenne unter ihren Anführern Sitting Bull und Crazy Horse vernichtend geschlagen.
1. August: Das bisherige Colorado-Territorium wird unter dem Namen Colorado mit der Hauptstadt Denver als 38. Bundesstaat in die Vereinigten Staaten aufgenommen.
mini|links|Die politische Farce: Poster als Ausdruck des Protestes gegen die Art der Wahlentscheidung 7. November: Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 1876 ist eine der knappsten und umstrittensten in der Geschichte der USA. Der Kandidat der Republikaner Rutherford B. Hayes gewinnt mit einer Wahlmännerstimme Mehrheit vor dem Demokraten Samuel J. Tilden, obwohl Tilden insgesamt mehr Stimmen erhält. Die letztlich durch einen politischen Handel entschiedene Wahl wird als Endpunkt der Reconstruction betrachtet.
Deutsches Kaiserreich
1. Januar: Das deutsche Reichsgesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung tritt während des Kulturkampfes gegen den Einfluss der katholischen Kirche in Kraft. Die Beurkundung von Geburten, Heiraten und Sterbefällen wird damit von den Kirchenbüchern auf die neu eingeführten Standesämter übertragen. Das Alter der Volljährigkeit wird mit Inkrafttreten des Reichsgesetzes vom 17. Februar 1875 auf 21 Jahre festgelegt. 7. Juni: Die Deutschkonservative Partei wird als Nachfolgepartei der Konservativen Partei gegründet. Erster Vorsitzender wird Otto von Helldorff. Die Partei setzt sich zunächst deutlich von Bismarck und der ihn unterstützenden Freikonservativen Partei ab. 1. Juli: Das Herzogtum Sachsen-Lauenburg wird unter dem Namen Kreis Herzogtum Lauenburg in die preußische Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert.
1. November: Der Freundschaftsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Tonga, formal ein Vertrag zwischen dem Deutschen Kaiser Wilhelm I. im Namen des Deutschen Reichs und dem König von Tonga, George Tupou I., wird unterzeichnet. Unterzeichnungsort ist das deutsche Kriegsschiff Hertha im Hafen von Nukuʻalofa auf Tongatapu. Für Deutschland unterzeichnen Kapitän zur See Eduard von Knorr und Theodor Weber, Konsul für Tonga und die Samoa-Inseln. Tongaischerseits wird der Vertrag von Uiliami Tugi, dem Präsidenten der Legislativen Versammlung sowie dem späteren Premierminister Shirley Waldemar Baker unterzeichnet.
Frankreich
20. Februar/5. März: Die französische Parlamentswahl wird in zwei Wahlgängen abgehalten, bei denen die Republikaner, bestehend aus Gauche républicaine, Centre gauche, Union républicaine und Extrême gauche, eine Parlamentsmehrheit erreichen. 23. Februar: Das aus monarchistischen Orléanisten, Républicains modérés und Centre gauche gebildete Kabinett Dufaure III löst das Kabinett Buffet unter Louis-Joseph Buffet ab, der noch im selben Jahr zum Sénateur inamovible gewählt wird. 9. März: Nach dem zweiten Wahlgang bildet Premierminister Jules Dufaure das Kabinett Dufaure IV. Am 5. August wird in Frankreich faktisch der Goldstandard für das Münzwesen eingeführt, indem die Beimischung von Silber untersagt wird. 12. September: Jules Simon bildet das Kabinett Simon, nachdem Jules Dufaure von seinem Amt zurückgetreten ist. Die politische Lage der Dritten Französischen Republik bleibt instabil.
Österreich-Ungarn/Kaiserreich Russland
30. Mai: Der russische Zar Alexander II. unterzeichnet den Emser Erlass im Vier-Türme-Haus in Bad Ems. Dieser verbietet den öffentlichen Gebrauch der ukrainischen Sprache im Russischen Kaiserreich. 8. Juli: Mit der mündlich vereinbarten Konvention von Reichstadt werden sich die Großmächte Österreich-Ungarn und das Russische Reich in der Orientalischen Frage einig. Unter anderem wird auf dem Balkan die Einflusssphäre der beiden Mächte mit fast völligem Einvernehmen abgegrenzt.
Osmanisches Reich
: Der Bulgarische Aprilaufstand bricht mit einigen Tagen Verzögerung los. Die Bevölkerung Bulgariens will sich aus der osmanischen Herrschaft befreien. 6. Mai: In Thessaloniki werden der deutsche und der französische Konsul von fanatischen Muslimen bei einem Tumult getötet. Mai: Osmanische Truppen begehen das Massaker von Batak an bulgarischen Aufständischen. 29./30. Mai: Staatsratspräsident Midhat Pascha und Kriegsminister Hüseyin Avni Pascha sowie Großwesir Mütercim Mehmed Rüşdi Pascha zwingen Sultan Abdülaziz zur Abdankung. Sein Neffe wird als Murad V. zum Sultan ausgerufen. Zunächst wohnt Abdülaziz vier Tage im Topkapı-Palast und zieht dann in den Feriye-Palast um, wo er am 4. Juni mit aufgeschnittenen Pulsadern tot aufgefunden wird. Nach einer oberflächlichen Untersuchung des Leichnams bestätigen 19 Ärzte, darunter auch europäische, dass Abdülaziz Selbstmord verübte habe. 30. Juni: Der Serbisch-Osmanische Krieg zwischen dem Fürstentum Serbien und dem Osmanischen Reich beginnt. Serbien erleidet eine schwere Niederlage und bittet am 26. August um einen Waffenstillstand. 12. Dezember: Die Konferenz von Konstantinopel zur Lösung der Balkankrise beginnt.
mini|hochkant|Titelblatt des Ḳānūn-ı Esāsī mit abgebildetem Staatswappen (mit der Tughra Abdülhamids II. oberhalb des liegenden Halbmonds), Istanbul 1876/1877 23. Dezember: Die erste schriftlich fixierte Verfassung des Osmanischen Reiches, wesentlich vom Reformer Midhat Pascha ausgearbeitet, tritt in Kraft.
Weitere Ereignisse in Europa
1. Januar: Emil Welti wird zum dritten Mal Schweizer Bundespräsident. 3. April: In Portugal wird die erste Republikanische Partei gegründet. 30. Juni: Spanische Verfassung von 1876 7. September: Im Königreich Portugal entsteht aus der Vereinigung der Historischen Partei mit der Reformistischen Partei der Partido Progressista. 12. bis 14. September: Der belgische König Leopold II. gründet auf der internationalen Geographischen Konferenz in Brüssel die Internationale Afrika-Gesellschaft als Scheinorganisation für seine kolonialen Pläne. 5./12. November: Bei der Parlamentswahl in Italien 1876 siegt die Historische Linke. Agostino Depretis wird erstmals Ministerpräsident.
Indien
29. Februar: Der Muria-Aufstand gegen die britische Kolonialherrschaft beginnt. 29. April: Queen Victoria wird durch einen britischen Parlamentsbeschluss der Titel Kaiserin von Indien zuerkannt.
Weitere Ereignisse in Asien
26. Februar: Japan zwingt Korea in einen Freundschaftsvertrag und öffnet drei Häfen des Landes für den Welthandel. Die usbekische Stadt Kokand im Fergana-Tal wird vom russischen General Konstantin Petrowitsch von Kaufmann erobert und das Khanat Kokand aufgelöst.
Afrika
10. März: Der Ägyptisch-Äthiopische Krieg endet nach der Schlacht von Gura mit einem Sieg Äthiopiens.
Wirtschaft Weltausstellung
mini|Ballonsicht der Centennial International Exhibition 1876 10. Mai bis 10. September: Im Fairmount Park in Philadelphia entlang des Schuylkill Rivers findet die zweite in den USA veranstaltete Weltausstellung mit dem offiziellen Namen International Exhibition of Arts, Manufactures and Products of the Soil and Mine statt, die zur Feier des einhundertjährigen Bestehens der US-Verfassung den Namen Centennial Exhibition trägt. Die Ausstellungsfläche beträgt 115 Hektar. Insgesamt nehmen 30.864 Aussteller teil. Als Neuheiten werden u. a. der Thonet-Stuhl, die Nähmaschine, die Schreibmaschine und das Telefon vorgestellt. Rund 10 Millionen Menschen sehen sich die Ausstellung an, was zu diesem Zeitpunkt 20 % der Bevölkerung der Vereinigten Staaten repräsentieren würde, wenn nicht auch viele Mehrfachbesucher darunter wären.
Geld- und Postwesen
1. Januar: Im Deutschen Reich wird die Reichsbank gegründet, gleichzeitig wird die Mark als Einheitswährung in allen deutschen Bundesstaaten eingeführt. 13. April: Das Osmanische Reich erklärt seinen Staatsbankrott. Der finanzielle Ruin hat sich bereits ein halbes Jahr zuvor abgezeichnet, als am 6. Oktober 1875 die Zinszahlungen für seine Auslandsschulden auf die Hälfte herabgesetzt wurden. 1. Dezember: Berlin verfügt über das erste städtische Rohrpostnetz, das auch der Öffentlichkeit zugänglich ist.
Patente