zentriert|350px|Reichsgründung im Spiegelsaal von Schloss Versailles Im Spiegelsaal von Versailles erfolgt die Proklamation des Deutschen Kaiserreiches, Wilhelm I. nimmt symbolisch die Kaiserwürde an. zentriert|184px|Otto von Bismarck 1873 Otto von Bismarck erhält durch eine neue Verfassung den Titel Reichskanzler statt Bundeskanzler. zentriert|156px|Plakat der Pariser Kommune 1871 Nach der Niederlage der Franzosen im Deutsch-Französischen Krieg entsteht die Pariser Kommune. zentriert|350px|Der Große Brand von Chicago, künstlerische Darstellung von John R. Chapin Nach dem Großbrand von Chicagosind 100.000 Menschen obdachlos. 1871 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1319/20 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1863/64 (11./12. September) Baha'i-Kalender 27/28 (20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1276/77 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2414/15 (südlicher Buddhismus); 2413/14 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus Jahr des Metall-Schafes 辛未 (am Beginn des Jahres Metall-Pferd 庚午) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1233/34 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4204/05 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1249/50 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1287/88 (22./23. März) Japanischer Kalender Meiji 4 () (ab 19. Februar) Jüdischer Kalender 5631/32 (15./16. September) Koptischer Kalender 1587/88 (11./12. September) Malayalam-Kalender 1046/47 Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1286/87 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2181/82 (Jahreswechsel April) Syrien: 2182/83 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1927/28 (April)
1871 entsteht mit dem Sieg Preußens im Deutsch-Französischen Krieg und der Reichsgründung eine neue Großmacht in Europa. Gleichzeitig eskaliert auch der Kulturkampf in Preußen und im Deutschen Reich. In Frankreich entsteht als Reaktion auf den Krieg die Pariser Kommune. Im geeinigten Italien wird Rom zur Hauptstadt erklärt.
Gleichzeitig wird in Japan mit der Auflösung der Han und des Samurai-Standes ein entscheidender Schritt der Meiji-Restauration und damit Japans Weg in die Moderne vollzogen.
Wirtschaftsgeschichtlich beginnt im neu gegründeten Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn die kurze Aufschwungzeit der Gründerzeit, der kulturell die von Frankreich ausgehende Belle Époque gegenübersteht.
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Deutsch-Französischer Krieg
3. Januar: Die Schlacht bei Bapaume endet unentschieden. Die französische Armée du Nord zieht sich am Abend zurück. 9. Januar: Nach der Schlacht bei Bapaume einige Tage zuvor kapitulieren die Verteidiger der von den Deutschen belagerten Festung Péronne, dem letzten französischen Stützpunkt an der Somme. 10. Januar bis 12. Januar: Schlacht bei Le Mans. Die Schlacht endet mit einem strategischen Sieg des preußischen Heeres. Die französische Loirearmee stellt nach schweren Verlusten keine Bedrohung mehr dar.
mini|links|Schlacht an der Lisaine 15. bis 17. Januar: Schlacht an der Lisaine in der Nähe des belagerten Belfort. Minustemperaturen, unzureichende Verpflegung, Widerstand des Gegners und vorsichtiges Vorgehen erschöpfen die starke französische Armee; die von General Charles Denis Bourbaki befehligten Truppen ziehen sich zurück. Danach gibt es keine Hoffnung mehr auf einen Entsatz der belagerten Festung von Belfort; sie kapituliert am 16. Februar. 19. Januar: In der Schlacht bei Buzenval versuchen die in Paris belagerten französischen Einheiten einen Ausfall in Richtung Versailles. Dieser Versuch scheitert an den preußischen Truppen. Der heranrückenden französischen Nordarmee ergeht es in der Schlacht bei Saint-Quentin am selben Tag nicht besser. Louis Jules Trochu muss als Folge den Oberbefehl über Paris an Joseph Vinoy übergeben. 23. Januar: Jules Favre richtet ein Ersuchen um Waffenstillstand an Otto von Bismarck. Am nächsten Tag beginnen die Verhandlungen in Versailles. 26. Januar: Vorfrieden von Versailles. Das Bombardement auf Paris wird eingestellt. 26. Januar: Charles Denis Bourbaki wird als Befehlshaber der Armée de l’Est abgesetzt und unternimmt einen Suizidversuch. Sein Nachfolger wird Justin Clinchant, der zwei Tage später in der Schweiz um Internierung seiner Truppen bittet. 28. Januar: Nach mehrtägigen Verhandlungen kapituliert das belagerte Paris. Drohende Lebensmittelknappheit in Paris nach mehrmonatiger Belagerung zwingt die französische Regierung (Kabinett Trochu) zum Einlenken. In Versailles wird ein zwischen Otto von Bismarck und Jules Favre ausgehandelter Waffenstillstand vereinbart, der ausdrücklich nicht für die Départements Doubs, Côte-d’Or und Jura gilt. Faktisch beginnt damit die französische Niederlage.
1. Februar: Der Schweizer General Hans Herzog unterzeichnet den Vertrag von Les Verrières. Nach der Unterzeichnung retten sich über 87.000 französische Soldaten der Armée de l’Est, die im Raum Pontarlier von überlegenen deutschen Kräften eingeschlossen sind, beim Grenzort Les Verrières, aber auch über den Col des Étroits bei Sainte-Croix, den Col de Jougne sowie den Risoux im Vallée de Joux, in die neutrale Schweiz. Sie müssen Waffen, Munition und Material abgeben und werden für sechs Wochen interniert. 8. Februar: In Frankreich finden Wahlen zur Nationalversammlung statt. Die Wähler begünstigen Friedensbefürworter und sichern vor allem den Monarchisten Sitzplätze im Parlament. Die Nationalversammlung nimmt am 12. Februar in Bordeaux ihre Arbeit auf. 16. Februar: Nach 108 Tagen Belagerung wird die ostfranzösische Stadt Belfort den deutschen Truppen übergeben. 17. Februar: die Nationalversammlung wählt Adolphe Thiers zum „Chef der Exekutive“. Sie beauftragt Thiers und Jules Favre, Friedensverhandlungen mit Otto von Bismarck zu führen. 19. Februar: Jules Dufaure bildet das Kabinett Dufaure I.
mini|links|hochkant|Friedensverhandlungen im Hotel zum Schwan, zeitgenössischer Holzschnitt 26. Februar: Der Vorfrieden von Versailles wird zwischen Otto von Bismarck für das Deutsche Reich und Adolphe Thiers für Frankreich geschlossen. Der Deutsch-Französische Krieg wird endgültig einige Wochen später im Frieden von Frankfurt beendet.
10. Mai: Die Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland in Frankfurt am Main enden mit dem Frieden von Frankfurt. Der Friedensschluss bestätigt den Verzicht Frankreichs auf die überwiegend deutschsprachigen größeren Gebiete des Elsass und Lothringens. Sie werden am 9. Juni als Reichsland Elsaß-Lothringen Teil des Deutschen Reiches. Das zum ansonsten abgetretenen Département Haut-Rhin gehörende überwiegend französischsprachige Belfort verbleibt mit seiner Umgebung als Territoire de Belfort bei Frankreich. Außerdem muss Frankreich hohe Reparationen zahlen. Der nationalistische Topos der Deutsch-französischen Erbfeindschaft erhält damit in Frankreich wieder neue Nahrung (revanchisme). 16. Juni: In zahlreichen deutschen Städten finden feierliche Truppeneinzüge statt. Kaiser Wilhelm I. zieht mit seinen Truppen im Rahmen einer pompös ausgeführten Siegesparade in Berlin ein. Der Einzug endet am Lustgarten mit der feierlichen Niederlegung eroberter französischer Fahnen vor dem Denkmal für Preußens König Friedrich Wilhelm III., einen der Sieger in der Völkerschlacht im Oktober 1813. Über 500.000 angereiste Besucher sollen den Truppeneinzug als Augenzeugen erlebt haben.faz online: Feier des Reiches aus Eisen und Blut
Deutsche Reichsgründung
1. Januar: Die im Vorjahr abgeschlossenen Novemberverträge über einen Beitritt der Königreiche Bayern und Württemberg, der Großherzogtümer Baden und Hessen zum Norddeutschen Bund treten im Rahmen der neuen Verfassung des Deutschen Bundes in Kraft. Darin wird bereits der Name Deutsches Reich verwendet und dem Bundespräsidium der Titel Deutscher Kaiser verliehen. 18. Januar: Im Spiegelsaal von Versailles wird König Wilhelm von Preußen als Wilhelm I. zum Kaiser ausgerufen. Später wird dies als Gründungstag des Deutschen Kaiserreichs angesehen.
3. März: Bei der Wahl zum ersten Deutschen Reichstag werden die Nationalliberalen stärkste Fraktion, die die Politik des Reichskanzlers Otto von Bismarck unterstützen. Wahlberechtigt sind 7,65 Millionen männliche Reichsbürger ab dem 25. Lebensalter, das entspricht etwa 19,4 % der Bevölkerung. Militärangehörige und andere Gruppen sind ausgeschlossen. Die stärkste politische Bewegung im Reichstag ist der Liberalismus, der sich allerdings auf verschiedene Fraktionen verteilt. 21. März: In Berlin wird der erste deutsche Reichstag eröffnet. Kaiser Wilhelm I. thront dabei auf dem aus Goslar besorgten Kaiserstuhl Heinrichs III. 21. März: Otto von Bismarck wird in den Fürstenstand erhoben.
mini|links|Europa 1871, nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870–1871 und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs. mini|Reichsverfassung von 1871 16. April: Die Bismarcksche Reichsverfassung wird als Gesetz verabschiedet. Diese dritte Verfassung des gemeinsamen Staates bleibt bis zum Ende des Deutschen Kaiserreichs 1918/1919 in Kraft. 15. Mai: Das Strafgesetzbuch wird im deutschen Kaiserreich verabschiedet. 11. November: Kaiser Wilhelm I. erlässt das Gesetz über das Bilden eines Reichskriegsschatzes aus den französischen Kontributionen, die der Friede von Frankfurt dem Verlierer des Deutsch-Französischen Kriegs abverlangt.
Pariser Kommune
18. März bis 28. Mai: Erste sozialistische Revolution in Frankreich April: Nach einem Aufruf in drei Pariser Zeitungen entsteht die feministische Frauengruppe Union des femmes pour la défense de Paris et les soins aux blessés. 21. Mai: Regierungstruppen dringen in die Pariser Innenstadt vor und brechen in der anschließenden „Blutwoche“ die Herrschaft der Pariser Kommune. 28. Mai: Der 72 Tage anhaltende Aufstand des „Nationalkomitee der Nationalgarde“ und der mit ihr verbündeten Pariser Bevölkerung – der Pariser Kommune – der unter anderem durch die Ablehnung der Waffenstillstandsbedingungen nach dem Deutsch-Französischen Krieg begonnen hat, endet nach sechswöchigem Beschuss von Paris in der „Blutwoche“ vom 21. bis 28. Mai, in der bei Kämpfen und den darauf folgenden Massenexekutionen 20–30.000 Menschen ihr Leben verlieren. 147 führende Aktivisten des Aufstands werden an der südlichen Mauer des Friedhofs Père-Lachaise erschossen.
Spanien
mini|hochkant|König Amadeus I. von Spanien 2. Januar: Der von der Cortes gewählte Herrscher Amadeus I. aus dem Haus Savoyen wird nach seinem Eintreffen in Madrid zum König von Spanien proklamiert. Doch die Lage in Spanien bleibt instabil, weil am 30. Dezember des Vorjahres mit Juan Prim einer der wichtigsten Unterstützer des neuen Königs ermordet worden ist. 4. Januar: Francisco Serrano Domínguez löst Juan Bautista Topete als Ministerpräsident Spaniens ab. 24. Juli: Manuel Ruiz Zorrilla wird neuer Ministerpräsident Spaniens. 5. Oktober: José Malcampo Monge wird Ministerpräsident, nachdem Práxedes Mateo Sagasta seine Wahl nicht angenommen hat. 21. Dezember: Práxedes Mateo Sagasta nimmt seine Wahl zum Ministerpräsidenten diesmal an.
Weitere Ereignisse in Europa
1. Januar: Karl Schenk wird zum zweiten Mal Bundespräsident der Schweiz. 26. Januar: Rom wird offiziell zur Hauptstadt des Königreichs Italien bestimmt. 13. März: Die Pontuskonferenz in London hebt die Neutralität und Entmilitarisierung des Schwarzen Meeres auf. 23. Juli: Österreich-Ungarn regelt per Gesetz die Einführung des metrischen Systems, das ab 1. Januar 1876 verbindlich wird. 13. September: António Maria de Fontes Pereira de Melo wird Ministerpräsent Portugals und führt bis 1877 die stabilste Regierung des Königreichs Portugal.
Asien
10. Juni: Die Shinmiyangyo-Expedition, ein Angriff des US-Asiengeschwaders auf die koreanische Festungsinsel Ganghwado, beginnt. 29. August: Meiji-Restauration/Japanisches Kaiserreich: Auflösung der Han in Japan, das Land wird von den Daimyō an den Tennō übertragen. Damit ist das Ende der Edo-Zeit besiegelt.