miniatur|Bauweise des Hauran, die in entlegenen Dörfern vorherrschend ist, in Städten aber zurückgedrängt wird. Izra' Hauran, , ist eine durch vulkanische Tätigkeit geprägte Landschaft im Südwesten von Syrien, die sich nach Süden bis über die jordanische Grenze erstreckt. Charakteristisch sind Hügel mit Geröllfeldern aus schwarzen Basaltbrocken, vereinzelte Vulkankuppen und in der zentralen Ebene ausgedehnte Weizenfelder, die auf fruchtbaren, rötlichen Verwitterungsböden gedeihen. In der griechischen und römischen Antike war Auranitis ein Teil des heutigen Gebietes. Vor allem in der Spätantike blühte der Hauran und war eine dicht besiedelte, ökonomisch bedeutende Region.

Lage mini|hochkant|Satellitenaufnahme Der Hauran ist Teil eines zusammenhängenden Basaltplateaus, das sich von Saudi-Arabien über Jordanien bis fast zur Ghuta-Oase nahe Damaskus erstreckt. Im weiteren Sinn umfasst der Hauran auch die jordanische Bergregion um Irbid und in Syrien die drei Landschaften Golan (Jawlan, Jaulan) im Westen, die eigentliche Hauran-Ebene im Zentrum und im Osten die Bergregion des Dschabal ad-Duruz. Golan und Hauran werden durch den Nahr al-Alak getrennt, einen Nebenfluss des Ehrer, der in den Jarmuk fließt. Die nordwestliche Grenze bildet das Hermongebirge. Nach Norden gehen die rotbraunen Anbauflächen mit vereinzelten Basaltbrocken etwa 50 Kilometer vor Damaskus in das Kalksteingebiet der mittelsyrischen Ebene mit hellbraunen Böden über. Innerhalb Syriens gehören 18.000 Quadratkilometer zur Basaltlandschaft, darin enthalten ist weiter östlich eine Fläche von 8.000 Quadratkilometer trockener, unbesiedelter und abflussloser Basaltwüste, die bereits zur großen innersyrischen Wüstensteppe gezählt wird.

Der eigentliche Hauran gehört zu den syrischen Gouvernements Quneitra, as-Suwaida und Darʿa. Die größeren Städte der Region sind Darʿa, Bosra, as-Suwaida, Schahba und Izra’. Ein kleinerer Teil liegt im heutigen Jordanien.

Geologie Nach dem Alter des Vulkanismus lassen sich zwei Bodenformen unterscheiden. Die im Landschaftsbild erkennbaren vulkanischen Ergüsse in Form einer wulstigen und spröden Fladenlava stammen überwiegend aus dem Pleistozän. Sie sind bis heute nur unvollkommen verwittert und haben auf flachen Hügeln und auf den Bergen karstige und unfruchtbare Steinflächen mit einer nur dünnen Bodenschicht dazwischen hinterlassen. Die jüngsten, gasreichen Ergüsse aus dem Holozän bildeten sterile Steinfelder. Dagegen haben sich die im älteren Miozän entstandenen Deckenergüsse von leichtflüssiger Lava im zentralen Hauran zu einer Ebene ausgebreitet. Das vulkanische Material hat sich an der Oberfläche zersetzt und tiefgründige rotbraune Lehmböden gebildet, die für den Anbau von Getreide ideal sind. Auch in Mulden und Flachtälern hat sich feiner, für den Ackerbau geeigneter Boden angereichert.

Das karge, steinige Basaltland der Golanhöhen liegt 700 bis 1000 Meter hoch, die sich anschließende Ebene des Hauran, in der die Autobahn zwischen Damaskus und Amman verläuft, liegt auf 400 bis 800 Meter. Der Dschabal ad-Duruz bildet ein geschlossenes Berggebiet, das in einer elliptischen Ausdehnung von 80 Kilometern Länge in Nord-Süd-Richtung und 40 Kilometern Breite über 1000 Meter hoch liegt. Einige Vulkane erreichen 1500 Meter, der höchste Gipfel ist der Tell Qeni mit 1803 Metern. Die zahlreichen Vulkankegel sind meist in Reihen angeordnet, die von Südsüdost nach Nordnordwest verlaufen und auf die Lage der Erdspalten hinweisen, die sich bei ihrer Entstehung gebildet haben.

Geografie miniatur|Steinfeld in der ansonsten flachen zentralen Hauran-Ebene. Darin eingestreut kleine Flecken mit braunem Boden. Dort gedeiht Winterweizen, der in Handarbeit angebaut und im Frühsommer geerntet wird miniatur|Am Gipfel des Tell Qeni. Die reichlichen Niederschläge fallen im Januar häufig als Schnee. Im mehrjährigen Durchschnitt gibt es auf dem Dschabal ad-Duruz 10 bis 20 Tage mit Schneefall, auf dem Golan sind es über 20. Auf dem Golan sind die flachgründigen und steinigen Böden trotz hoher Niederschläge wenig fruchtbar und wurden (bis zur Vertreibung 1967 im Sechstagekrieg) traditionell als Viehzuchtgebiet genutzt. Hinzu kamen seither Weinbau, Obstplantagen, Getreide, Kichererbsen, Sonnenblumen und Gewächshäuser für Ganzjahreskulturen.Enviroliteracy Team, “Is There Agriculture on the Golan Heights?” (1. Februar 2024), auf: Website of the Environmental Literacy Council; abgerufen am 3. Juni 2025. Die für den übrigen Hauran aus der Geologie folgende Zweiteilung in tiefgründige, fruchtbare Böden in der zentralen Ebene und karge Steinfelder mit geringer Bodenkrume auf den Hügeln wird regional in vermischten Landschaftsformen aufgelöst. Auch innerhalb der großflächigen Ackerbaugebiete gibt es Steinanhäufungen, zwischen den mit Basaltblöcken übersäten Flächen liegen kleinere fruchtbare Felder. Sogar innerhalb der Ledja, dem größten Steinwüstengebiet nordwestlich des Dschabal ad-Duruz, liegen grüne Felder. Die fruchtbarsten Gebiete liegen im Osten unterhalb des Dschabal ad-Duruz, von dessen Westhängen flache Wadis, die nur im Winter mit Wasser gefüllt sind, in die Ebene hinunterziehen.

Niederschläge fallen, wie in ganz Syrien, überwiegend in den Wintermonaten, mit einem Maximum im Januar. Es regnet mehr als um Damaskus, da die mittelmeerischen Regenwinde die niedrigen Golanhöhen leichter überwinden als die Bergketten weiter nördlich. Die Station Dera’a verzeichnet im Jahresdurchschnitt 280 Millimeter, in den Berggebieten fallen 300 bis 400 Millimeter Niederschlag. Grundsätzlich ist daher Trockenfeldbau möglich. Flüsse oder ergiebige Quellen gibt es dagegen nicht, abgesehen vom Jarmuk, der an der Landesgrenze im Südwesten des Gebietes entspringt, und seinen Nebenflüssen. Die wenigen Quellen haben nur eine geringe Schüttung, daher ist Bewässerungsfeldbau im Hauran kaum möglich. Die Römer legten Zisternen und kleine Stauseen an, um den Hauran zu einer dicht besiedelten Provinz zu machen. Heute werden Brunnen bis zu den 100 bis 300 Meter tief gelegenen Grundwasser in den Basaltuntergrund getrieben.

Auf großen Feldern wir seit dem 19. Jahrhundert Weizen angebaut. Auf den schwarzen Lavasteinen des Dschabal ad-Duruz ranken sich Weinreben, zwischen Lesesteinmauern liegen Bauminseln mit Oliven und Feigen, in den Ebenen Obstbaumplantagen. Seit der römischen Zeit wurden Häuser einheitlich aus Basaltblöcken gebaut, mit Dachkonstruktionen, die ohne Holzbalken auskommen. Zumindest an einigen Stellen waren die heute kahlen Berggebiete noch Mitte des 19. Jahrhunderts dicht bewaldet.

Geografische Studien aus dieser Zeit berichten, dass die Golanhöhen bei Quneitra bis weit hinauf mit Steineichen und Ahorn bewachsen waren. Alte Eichen vom Dschabal ad-Duruz sollen zu Holzkohle für den Markt von Damaskus verarbeitet worden sein.

Geschichte In Khirbet ed-Dabab wurde eine Siedlung der Frühbronzezeit I mit Steinhäusern und monumentalen Gräbern ausgegrabenLisa Cooper, The Northern Levant (Syria) during the Early Bronze Age. In: Ann E. Killebrew, Margreet Steiner (Hrsg.), The Oxford Handbook of the Archaeology of the Levant: c. 8000-332 BCE. Oxford, Oxford University Press 2014, 280. https://doi.org/10.1093/oxfordhb/9780199212972.013.020 .

Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. kam der Hauran unter die Kontrolle der arabischen Nabatäer, deren Wirtschaft vor allem auf dem Handel gründete. Zu ihrer Zeit entwickelten sich unter anderem Bostra (heute Bosra) und Suada (römisch Dionysias, heute as-Suweida) zu blühenden Städten. Im 1. Jahrhundert n. Chr. schwächte sich der Einfluss der Nabatäer, bis die Region 106 n. Chr. von den Römern annektiert und zur Provinz Arabia Petraea gemacht wurde. Bosra war der wichtigste nabatäische Handelsposten und wurde unter den Römern die Hauptstadt der Provinz. Das Teilgebiet des Hauran hieß Auranitis. Nördlich angrenzend lag die römische Provinz Syria.

Auf engem Raum sind bis heute eine große Zahl Ruinen von Siedlungen aus römischer Zeit erhalten, deren Wohlstand an der Qualität der öffentlichen Gebäude und Tempel deutlich wird. Erst durch die von den Römern entwickelte Technik zum Bau von Zisternen, die das Regenwasser für die Trockenzeit zurückhielten, war die Anlage dieser Dörfer möglich. Sie konnten sich relativ autonom verwalten. Der in griechischen Inschriften erwähnte Strategos (Dorfoberhaupt) entsprach wahrscheinlich eher einem lokalen Scheich als einem abhängigen imperialen Verwalter.Warwick Ball: Rome in the East. The Transformation of an Empire. Routledge, London/New York 2000, S. 238 Ein dichtes, rechtwinkliges Wegenetz verband die einzelnen Dörfer, die teils mehrere Tausend Einwohner zählten. Die im späten 3. Jahrhundert angelegte Militär- und Karawanenstraße strata Diocletiana führte von der östlichen Grenze des römischen Reiches über Resafa, Palmyra, Damaskus und Bosra weiter nach Amman.

Vom 1./2. Jahrhundert n. Chr. bis ins 7. Jahrhundert folgten die Wohngebäude dabei dem gleichen Grundprinzip: Die Häuser waren zweigeschossig mit einem mittleren Hauptraum, der sich über beide Stockwerke ausdehnte. Eine hohe Umfassungsmauer umgab einen privaten Innenhof, über den die nicht durch Türen miteinander verbundenen Nebenräume erreichbar waren. Die zweischaligen Mauern aus Basaltquadern waren ohne Mörtel errichtet; Tür- und Fensterstürze sowie Deckenplatten waren ebenfalls aus Basalt, nicht selten auch die Türen selbst. Der Aufgang zum begehbaren Flachdach erfolgte über eine Außentreppe.Ina Eichner: Ländliche Häuser der spätantik-frühbyzantinischen Zeit in Syrien und Kilikien. In: Ina Eichner, Vasiliki Tsamakda (Hrsg.): Syrien und seine Nachbarn von der Spätantike bis in die islamische Zeit. Reichert Verlag, Wiesbaden 2009, S. 85 f Aus der römischen Zeit haben sich drei Brücken erhalten: die Brücke von Djemerrin, die Brücke von Kharaba und die Brücke bei Nimreh.

In der Spätantike wurden die Anbaugebiete nochmals erweitert, und das dicht besiedelte Gebiet erlebte eine wirtschaftliche Blüte, die mindestens bis in die Mitte des 6. Jahrhunderts anhielt, als die Justinianische Pest zu hohen Bevölkerungsverlusten führte. Bald nach der Islamischen Expansion im 7. Jahrhundert wurden die Dörfer dann zum großen Teil aufgegeben, und nomadische Beduinen nutzten das Land als Sommerweiden. 1516 unterwarfen die Osmanen den Hauran und bildeten das Eyâlet asch-Scham mit einem Sandschak Hauran, der weiterhin überwiegend Nomadengebiet war. In den folgenden Jahrhunderten bewirkten häufige Überfälle durch Nomaden und eine fehlende staatliche Kontrolle der Sicherheit, dass viele Bauern ihre Dörfer verließen. Besonders in der südöstlichen Region wurde ein 25 bis 30 Kilometer breiter Streifen Kulturland verlassen, der Anfang des 19. Jahrhunderts außerhalb der Grenzlinie zwischen dem landwirtschaftlich genutzten Gebiet im Westen in der unbesiedelten Wüste im Osten lag.