mini|299x299px|Lage Wilhermsdorf ist ein Markt im Landkreis Fürth (Regierungsbezirk Mittelfranken, Bayern) und gehörte bis zur Gemeindegebietsreform 1972 zum Landkreis Neustadt an der Aisch.
Geografie Geografische Lage Wilhermsdorf liegt zwischen der Stadt Fürth und Bad Windsheim am Rande des Naturparks Frankenhöhe.Durch Wilhermsdorf fließt die Zenn, die bei Atzenhof in die Regnitz mündet.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind: Emskirchen Langenzenn Großhabersdorf Dietenhofen Neuhof an der Zenn Markt Erlbach (Aufzählung: im Norden beginnend im Uhrzeigersinn)
Gemeindegliederung Es gibt 14 Gemeindeteile (in Klammern sind der Siedlungstyp und die Einwohnerzahlen, Stand: Januar 2013, angegeben):
Die Einöden Denzel- und Walkmühle zählen zum Gemeindeteil Wilhermsdorf.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Dippoldsberg, Katterbach, Kirchfarrnbach und Wilhermsdorf. Die Gemarkung Wilhermsdorf hat eine Fläche von 8,381 km². Sie ist in 3123 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2683,77 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Fallmeisterei, Lenzenhaus, Unterulsenbach und Wolfsmühle.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert mini|100px|links|Wappen der Wilhelmsdorf mini|Ehemalige Schlosskulisse mini|Kanzleigebäude Vermutlich geht die Gründung von Wilhermsdorf auf die Karolinger im 9. Jahrhundert zurück. Erstmals erwähnt wird Regil de Willehalmesdorff in einer Urkunde aus dem Jahr 1096. Im Laufe der Zeit wurde aus Wilhalmsdorf Wilhelmßdorff bzw. Wilhelmsdorf und später Wilhermsdorf. Der Ortsname hat als Bestimmungswort den Personennamen Willihalm, der als Gründer des Ortes angesehen werden kann.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 244.
Im Jahr 1566 verkaufte Wolff von Wilhelmsdorf die Rittergüter Wilhelmsdorf und Neidhardswinden an die Brüder Schutzbar genannt Milchling. Der 1536 geborene Heinrich Hermann von Burgmilchling war der bedeutendste und spätere Alleineigentümer von Wilhelmsdorf. Im Jahr 1569 wurde Heinrich Hermann vom Kaiser in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Mit dem Tod Wolffs von Wilhelmsdorf starb 1569 sein Geschlecht aus.
Die in der Region ab 1528 umgesetzte Reformation wurde in Wilhermsdorf erst 1572 nach Aussterben der bisherigen Herrschaft der Kirchenpatronate im Jahr 1569 (mit Wolf von Wilhermsdorf) und dem Aufzug der Freiherrn von Milchling durchgeführt.Max Döllner, S. 190 und 195.
Die abgebrannte Veste Wilhelmsdorf baute Heinrich Hermann als stattliche Wasserburg mit dem Namen Veste Burgmilchling neu auf. Im Jahr 1592 starb Heinrich Hermann von Burgmilchling der Ältere. 1593 übernahm sein Sohn Heinrich Herrmann von Burgmilching der Jüngere die Herrschaft. Nach der Überlieferung sei er ein gütiger Burgherr und ein Freund der Wissenschaften gewesen. 1597 verlieh ihm Kaiser Rudolf II. das Privileg, eigene Taler zu prägen. 1612 wurde Wilhermsdorf zur Herrschaft mit eigener Blutgerichtsbarkeit erhoben und erhielt damit den Status eines reichsunmittelbaren Staates. Die reichsritterschaftliche Herrschaft war im fränkischen Ritterkreis dem Kanton Altmühl zugeordnet. Das ehemalige herrschaftliche Kanzleigebäude befindet sich westlich der Hauptkirche und wird heute von einer Brauerei und als Landgasthof genutzt.
Während des Dreißigjährigen Krieges marschierte der Söldner- und Heerführer Mansfeld im Oktober 1621 von Wilhermsdorf aus in das Amt Hoheneck.Max Döllner, S. 231. Gustav Adolf von Schweden übernachtete 1632 auf der Veste Burgmilchling. 1656 verstarb Heinrich Hermann von Burgmilchling der Jüngere ohne Nachkommen, nach seinem Tod wechselte Wilhermsdorf mehrmals seine Besitzer. So gehörte der Ort zwischen 1659 und 1667 dem aus Österreich stammenden Exulanten Georg Hannibal von Egk.Werner Wilhelm Schnabel: Georg Hannibal von Egk. Besitzer Wilhermsdorfs von 1659 bis 1667. In: Wilmersdorfer Heimatblättla 19 (1994), S. 1–7. Um diese Zeit wurde der Ort auch zur neuen Heimat zahlreicher Glaubensvertriebener vornehmlich aus Niederösterreich.
1667 erwarb Graf Wolfgang Julius von Hohenlohe-Neuenstein die Herrschaft von Wilhermsdorf und Neidhardswinden. Unter seiner Herrschaft wurden die Spuren des Dreißigjährigen Kriegs beseitigt, und Wilhermsdorf erhielt 1671 von Kaiser Leopold I. das Marktrecht verliehen. Zwischen 1672 und 1693 ließ er die Veste Burgmilchling abbrechen und anschließend ein Residenzschloss mit Nebengebäuden und Schlossanlage errichten. Den in Wilhermsdorf ansässigen Juden erteilte er die Erlaubnis, Druckereien zu betreiben. In Wilhermsdorf gedruckte jüdischen Schriften wurden in alle Welt verschickt, beispielsweise eine 1673/77 erschienene Ausgabe des Ma'assebuch. 1689 heiratete Wolfgang Julius nach dem Tod seiner Frau, der Herzogin von Holstein, die junge, aus einem österreichischen Exulantengeschlecht stammende Gräfin Franziska Barbara von Welz. 1698 verstarb Wolfgang Julius nach neun Jahren Ehe im Alter von 76 Jahren. Die Ehe blieb kinderlos. 1701 heiratete die 35-jährige Franziska Barbara den Grafen Philipp Ernst zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. Franziska Barbara blieb in Wilhermsdorf, und unter ihrer Herrschaft erlebte Wilhermsdorf eine Blütezeit, in der sie die von Julius Wolfgang geplanten Bauvorhaben verwirklichte. Den architektonischen Höhepunkt bildet dabei die durch den Würzburger Hofbaumeister Joseph Greissing in repräsentativen Barockformen entworfene und 1705 bis 1709 ausgeführte evangelische Hauptkirche.
mini|hochkant|Wilhermsdorfer Hauptkirche
Nach ihrem Tod 1718 wurde Franziska Barbara in einem Prunksarg in der Gruft der von ihr errichteten evangelischen Hauptkirche feierlich beigesetzt. Nach dem Tode von Philipp Ernst fiel das Lehen Wilhermsdorf und Neidhardswinden an die beiden minderjährigen Kinder. 1733 übernahm der Sohn von Philipp Ernst die Reichsherrschaft Wilhermsdorf, auch er blieb ohne Nachkommen. Sein Neffe Graf Philipp Ferdinand zu Limburg, Bronchorst-Styrum übernahm die Herrschaft. Aufgrund seiner hohen Schulden war er 1769 gezwungen, diesen Besitz zu veräußern und ihn an den Fuldaischen Geheimrat Freiherr Erasmus Wurster von Kreuzberg zu verkaufen (für die hohe Summe von 360.000 Gulden), der mit der Nürnberger Patriziertochter Dorothea Marie Kreß von Kressenstein verheiratet war. Ihr Sohn, Freiherr Johannes Friedrich Wurster von Kreuzberg, bezog aus dem Lehen noch eine jährliche Rente und starb 1839 als der letzte seines Geschlechts in Nürnberg. Die Verwaltung von Wilhermsdorf hatte da bereits der bayerische Staat (zugleich Landesherr in Ansbach) übernommen.Max Döllner, S. 137.
mini|links|Ritterhaus Der Ritterkanton Altmühl hatte 1703 seine Kanzlei von RüglandKanzlei in Rügland nach Wilhermsdorf verlegt und errichtete um 1720 seine neue Kanzlei östlich der Kirche am Marktplatz. Dieses Verwaltungsgebäude wird heute noch Ritterhaus genannt.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Wilhermsdorf 130 Anwesen. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte die Herrschaft Wilhermsdorf aus. Grundherren waren die Herrschaft Wilhermsdorf (Schloss, Amtshaus, Spital, Pfarrhaus, Schulhaus, Armenhaus, 3 Wirtshäuser, Schenkstatt, Hirtenhaus, 112 Häuser) und der Ritterkanton Altmühl (3 Häuser).H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 141.
1791 ging die benachbarte Markgrafschaft Ansbach an das Königreich Preußen über. Der dirigierende Minister Karl August Freiherr von Hardenberg versuchte durch Aufkäufe von Herrschaften das Gebiet zu arrondieren, was aber nur teilweise gelang. Er erhöhte den Druck auf die reichsritterschaftlichen Gebiete durch herrschaftliche Eingriffe und militärische Aktionen, die größtenteils den Reichsrecht zuwider standen. Außer Protesten und Klagen in Wien und den dortigen Bescheiden, bis hin zu Exekutionsbeschlüssen, war jedoch nichts zu erlangen, geschweige denn diese Exekutionsbeschlüsse durchzusetzen. So wurden fast alle Akten des Archivs und der Registratur des Kantons Altmühl am 22. November 1796 überfallmäßig durch eine Regierungskommission aus Ansbach beschlagnahmt und nach Ansbach geschafft, um den reichsritterlichen Herren wichtige Dokumente für die Prozessführung zu entziehen. Hier wurden ebenfalls Soldaten eingesetzt. Dem waren zuvor schon preußische Patentanschläge in den an Ansbach-Bayreuth angrenzenden ritterlichen Herrschaften und Reichsstädten im Februar und März 1792 vorausgegangen.Michael Puchta Mediatisierung »mit Haut und Haar, Leib und Leben«: Die Unterwerfung der Reichsritter durch Ansbach-Bayreuth (1792–1798) Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 2012; 813 Seiten ISBN 978-3-525-36078-1
1796 gelangte der Ort dann unter preußische Landeshoheit, am 15. Dezember 1805 ging er für kurze Zeit mit dem Fürstentum Ansbach im Tausch gegen das Kurfürstentum Hannover an Frankreich und wurde 1806 dem Königreich Bayern einverleibt. Gleichzeitig wurden die unmittelbaren Rechte der Reichsritterschaften eingezogen.
Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Wilhermsdorf gebildet, zu dem Denzelmühle, Fallmeisterei, Lenzenhaus, Walkmühle gehörten. 1813 entstand die Munizipalgemeinde Wilhermsdorf, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 226. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Cadolzburg zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Cadolzburg. Die freiwillige Gerichtsbarkeit und Ortspolizei hatte jedoch bis 1839 das Patrimonialgericht Wilhermsdorf inne. Am 1. Oktober 1842 wurde Wilhermsdorf dem Landgericht Markt Erlbach und dem Rentamt Neustadt an der Aisch zugewiesen (1919 in Finanzamt Neustadt an der Aisch umbenannt).H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 207. Ab 1862 gehörte Wilhermsdorf zum Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1939 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Markt Erlbach (1879 in Amtsgericht Markt Erlbach umbenannt), seit 1959 ist das Amtsgericht Fürth zuständig. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Gebietsfläche von 5,944 km², die sich dann 1958 durch die Eingemeindung von Unterulsenbach auf 8,069 km² vergrößerte.
Der Herrschaftsrichter Gottlieb Christian Eberhard Wunder übernahm 1817 im Auftrag von König Ludwig die Gerichtsbarkeit von Wilhermsdorf und Buchklingen.
Der älteste Verein in Wilhermsdorf ist der Schützenverein von 1846; er entstand in einer Welle der Vereinsgründungen im 19. Jahrhundert. In den Jahren 1878/1879 wurde das Residenzschloss abgerissen, nachdem der Staat das unbewohnte und vernachlässigte Bauwerk an eine Privatperson versteigert hatte. 1895 erreichte die Zenngrundbahn Wilhermsdorf.
20. Jahrhundert Im Jahr 1907 erhielt der Ort Anschluss an das Stromnetz.
Der Johanneszweigverein wurde 1907 als Träger der Kinderschule gegründet.
1930 wurde die Postkutschenverbindung Wilhermsdorf–Unteraltenbernheim eingestellt.