mini|Karl May - Durch Wüste und Harem (1892) Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah ist eine literarische Figur, die in verschiedenen Abenteuerromanen von Karl May auftritt. Sie ist nach Winnetou und Old Shatterhand eine der bekanntesten Figuren aus Karl Mays Werken und tritt überwiegend in den im Osmanischen Reich spielenden Orient-Romanen auf. Insbesondere spielt Hadschi Halef Omar eine Rolle in den ersten sechs Bänden von Mays Gesammelten Reiseerzählungen, dem so genannten „Orientzyklus“.
Person
Halef, wie er üblicherweise genannt wird, ist der ständige Begleiter des Ich-Erzählers Kara Ben Nemsi (auch Old Shatterhand) auf dessen gefahrvollen Reisen quer durch das Osmanische Reich. Zunächst nur tapferer Diener Kara Ben Nemsis, wird Halef im Verlauf der verschiedenen Romane immer mehr zum treuen Weggefährten und Freund. Parallel dazu verläuft auch sein sozialer Aufstieg von einem einfachen Beduinen zunächst zu einem angesehenen Mitglied des Stammes bis zum Scheik der Haddedihn vom großen Stamme der Schammar.
Nachdem Halef anfangs versucht, Kara Ben Nemsi vom Christentum abzubringen, gelingt es diesem durch seine Taten, Halef nach und nach von der Berechtigung seiner christlichen Denk- und Handelsweise zu überzeugen. Am Ende der Reise ist Halef „nur noch äußerlich ein Moslem“ und bekennt sich später gelegentlich zum Christentum, ohne dadurch aber seinen Status im Stamm der Haddedhin zu verlieren.
Anders als in den Amerikaromanen, in denen der Ich-Erzähler Old Shatterhand und sein Blutsbruder Winnetou beide „Superhelden“ sind, ist Halef eine Figur mit etlichen Schwächen, die den Helden Kara Ben Nemsi in umso hellerem Licht erstrahlen lassen. Klein und schmächtig von Gestalt, dafür von umso größerer Tapferkeit, oft voreilig handelnd und doch voller Einfallsreichtum und List, ist Halef ein liebenswürdiger Kerl, dessen größte Schwäche sein Hang zum Aufschneiden und zur Prahlerei ist. Auch Altruismus und Antimaterialismus sind bei Halef Omar weniger ausgeprägt als bei seinem Herrn Kara Ben Nemsi. Teilweise vollbringt er seine guten Taten vor allem wegen der Aussicht auf ein Bakschisch.
Eine Ausnahme von diesem Status als zwar tapferer, aber körperlich und in Sachen Geschicklichkeit fehlbarer Krieger erfährt Halef im Band „Am Jenseits“. Wie in anderen Bänden führt Kara Ben Nemsi auch dort Halef mehrmals dessen Fehlleistungen vor Augen. Jedoch hat Kara Ben Nemsi im Vertrauen auf Halefs inzwischen perfektionierte Fähigkeiten auch im Kampf keinerlei Einwände, als Halef sich zum Zweikampf gegen einen Beduinen meldet. In früheren Bänden hat Kara Ben Nemsi Zweifel an den kriegerischen Fähigkeiten Halefs, auch wenn dieser bereits im ersten Band Durch die Wüste den gefürchteten Räuber Abu Seif im Zweikampf besiegen konnte. In Mays Spätwerk (Im Reiche des silbernen Löwen III, IV und Ardistan und Dschinnistan) wird Halef zunehmend zu einer Symbolfigur für die triebhafte Persönlichkeitskomponente „Anima“, die noch der Veredlung bedarf.
Weiterhin ist Halefs Liebe zu seiner Frau Hanneh kennzeichnend für ihn. Er beschreibt und lobt sie immer in einer sehr blumigen Weise. Sie bringt auch den gemeinsamen Sohn Kara Ben Halef zur Welt, der in späteren Romanen eine bedeutende Rolle spielt.
Die Bezeichnung Hadschi bezeichnet einen Muslim, der die Pilgerfahrt (Hadsch) nach Mekka nach der im Koran vorgeschriebenen Weise unternommen hat. Die lange Namenskette weist außerdem darauf hin, dass sowohl Halef Omar selbst als auch sein Vater Abul Abbas sowie sein Großvater Dawuhd al Gossarah in Mekka waren. Als Kara Ben Nemsi im Band Durch die Wüste Halef kennenlernt, muss Halef jedoch zugeben, dass weder er noch seine Vorfahren je in Mekka waren und er sich insofern auch nur Halef Omar nennen dürfte. Im Laufe der Reise besucht er aber zusammen mit Kara Ben Nemsi Mekka, so dass er sich ab diesem Zeitpunkt zu Recht Hadschi nennen darf. Bei der Gelegenheit lernt Halef auch seine Frau Hanneh kennen, die er erst nur zum Schein heiratet, damit diese auch Mekka besuchen kann, was nur verheirateten Frauen gestattet ist. Die beiden verlieben sich aber dann ineinander, und da Halef sich durch den Sieg über Abu Seif Verdienste für den Stamm erworben hat, dem Hanneh angehört, braucht er sie nicht mehr wieder herzugeben.
Erzählungen und Romane In der folgenden Tabelle sind neben den Originaltiteln die aktuellen Nummern des Bandes und der Erzählung aus Karl May’s Gesammelten Werken (Titel können hier abweichen), der Titel des entsprechenden Reprints der Karl-May-Gesellschaft sowie Abteilung und Bandnummer der historisch-kritischen Ausgabe Karl Mays Werke (sofern bereits erschienen) angegeben.
TitelJahrAnmerkungenKarl May’sGesammelte WerkeReprints derKarl-May-GesellschaftHistorisch-kritischeAusgabeDurch Wüste und Harem1892seit 1895 unter dem TitelDurch die Wüste1Giölgeda padiśhanün –Reise-Abenteuer in KurdistanIV.1Durchs wilde Kurdistan18922Giölgeda padiśhanün –Reise-Abenteuer in KurdistanIV.2Von Bagdad nach Stambul18923Die Todeskaravane – In Damaskus und Baalbeck – Stambul – Der letzte RittIV.3In den Schluchten des Balkan18924Die Todeskaravane – In Damaskus und Baalbeck – Stambul – Der letzte Ritt und Durch das Land der SkipetarenIV.4Durch das Land der Skipetaren18925Durch das Land der SkipetarenIV.5Der Schut18926Durch das Land der SkipetarenOrangen und Datteln1893 • Eine Ghasuah 10,05Christus oder MuhammedIV.24 • Nûr es Semâ – Himmelslicht 48,11Christus oder MuhammedIV.24 • Christi Blut und Gerechtigkeit 48,08Christus oder MuhammedIV.24 • Mater dolorosa 48,07Christus oder MuhammedIV.24Im Lande des Mahdi III189618 Auf fremden Pfaden1897 • Blutrache 23,03Christus oder MuhammedIV.26 • Der Kys-Kaptschiji 23,05Christus oder MuhammedIV.26 • Maria oder Fatima 23,06Christus oder MuhammedIV.26Im Reiche des silbernen Löwen I1898 26Im Reiche des silbernen LöwenIV.22Die „Umm ed Dschamahl“1898später stark umgearbeitet inIm Reiche des silbernen Löwen IIintegriert 48,13Christus oder MuhammedIm Reiche des silbernen Löwen II1898 27Im Reiche des silbernen LöwenAm Jenseits1899 25Im Reiche des silbernen Löwen III1902 28Am TodeIm Reiche des silbernen Löwen IV1903 29Bei den Aussätzigen190781,04Christus oder MuhammedAbdahn Effendi190881,01Der KrumirMerhameh1909Titelillustration lautetfälschlicherweise Marhameh81,02Christus oder MuhammedArdistan und Dschinnistan I190931, Kapitel 1–14Der Mir von DschinnistanV.5Ardistan und Dschinnistan II190931, Kapitel 15–16und 32Der Mir von DschinnistanV.6
Im Rahmen der Gesammelten Werke tritt Hadschi Halef Omar in zwei weiteren Bänden auf: In Mekka (1923), Fortsetzung zu Am Jenseits von Franz Kandolf Allah il Allah! (1931), eine Bearbeitung des Kolportageromans Deutsche Herzen – Deutsche Helden (1885–87).
In der Jugenderzählung Die Sklavenkarawane (1893) kommt er, im Gegensatz zum gleichnamigen Film, nicht vor.
Karl-May-Filme und -Serien Die Figur des Hadschi Halef Omar taucht in vielen Kino- oder Fernsehproduktionen auf, die zum Teil nur lose auf Erzählungen von Karl May basieren.
Auf den Trümmern des Paradieses (1920, Stummfilm): Meinhart Maur als Halef (= H) und Carl de Vogt als Kara Ben Nemsi (= KBN) Die Todeskarawane (1920, Stummfilm): Meinhart Maur (H) und Carl de Vogt (KBN) Die Teufelsanbeter (1921, Stummfilm): Meinhart Maur (H) und Carl de Vogt (KBN) Durch die Wüste (1936, erster Karl-May-Tonfilm): Heinz Evelt (H) und Fred Raupach (KBN) Die Sklavenkarawane (1958): Georg Thomalla (H) und Viktor Staal (KBN) Der Löwe von Babylon (1959): Georg Thomalla (H) und Helmuth Schneider (KBN) Mit Karl May im Orient (1963, 7-teilige Fernsehserie): Osman Ragheb (H) und Harry Walther (KBN) Der Schut (1964): Ralf Wolter (H) und Lex Barker (KBN) Durchs wilde Kurdistan (1965): Ralf Wolter (H) und Lex Barker (KBN) Im Reiche des silbernen Löwen (1965): Ralf Wolter (H) und Lex Barker (KBN) Kara Ben Nemsi Effendi (1973/75, 26-teilige Fernsehserie): Heinz Schubert (H) und Karl-Michael Vogler (KBN)
Auch in Hörspielen kommt Halef zu Wort, u. a. in der Produktion Der Schut aus dem Jahr 1964, in der er von dem Schauspieler Joseph Offenbach gesprochen wurde.
Bühnenadaptionen Das Freilichtspiel Hadschi Halef Omar nach Vorlagen von Karl May wurde von Roland Schmid und Wulf Leisner als Theaterstück für Freilichtbühnen geschrieben:
Ein Freilichtspiel nach Karl Mays Reiseerzählungen „Durch die Wüste“ und „Allah il Allah“ von Wulf Leisner und Roland Schmid für 3 Damen, 18 Herren. Stat.
Das Freilichtspiel basiert auf den May-Texten: Durch die Wüste, Allah il Allah! (eine Bearbeitung eines Teils von Deutsche Herzen – Deutsche Helden) und Merhameh. Uraufgeführt wurde das Freilichtspiel 1955 im Rahmen der Karl-May-Festspiele im Kalkbergstadion in Bad Segeberg und war damit die erste Orient-Inszenierung nach Karl May überhaupt.https://www.karl-may-wiki.de/index.php/Hadschi_Halef_Omar_(Bad_Segeberg_1955) Weitere Aufführungen: Hadschi Halef Omar (Bad Segeberg 1959)https://www.karl-may-wiki.de/index.php/Hadschi_Halef_Omar_(Bad_Segeberg_1959) Hadschi Halef Omar (Elspe 1964)https://www.karl-may-wiki.de/index.php/Hadschi_Halef_Omar_(Elspe_1964)
2012 hat die Freilichtbühne Jonsdorf diese Stoffauswahl als Die große Orientreise dramatisiert.https://www.karl-may-wiki.de/index.php/Die_gro%c3%9fe_Orientreise_(Jonsdorf_2012)
Trivia
Hadschi ist die Hauptfigur von Günter Botts Kinderbuchserie "Die Lustigen Abenteuer des Jungen Hadschi".
In der Kinderbuchverfilmung Die Wilden Kerle 3: Die Attacke der Biestigen Biester kommt eine Nebenfigur vor. Diese trägt den Namen Hadschi Ben Hadschi und baut den Wilden Kerlen verrückte Geräte.
Musik Die Gruppe Dschinghis Khan hatte 1979 einen Musiktitel namens Hadschi Halef Omar, der in der Schweizer Hitparade bis auf Platz 3 vorrückte und in der deutschen bis auf Platz 7 kam. Die Gruppe Die Doofen hatte in dem 1995 veröffentlichten Album Lieder, die die Welt nicht braucht ein Lied namens Hatschi Halef Omar.
Weblinks
Eintrag im Figurenlexikon Eintrag im Karl-May-Wiki
Einzelnachweise
Omar, Hadschi Halef Hadschi Halef Omar