mini|Creed Model 7 Teleprinter, ab 1931 in England mini|Siemens Fernschreiber 100 (T100); eingeführt im Jahre 1958; weitere Informationen in der Bildbeschreibung mini|Fernschreiber (Siemens T100) mini|Typendruck-Schnelltelegraf vonSiemens & Halske: Schreib- und Lochapparat, 1905 mini|Typendruck-Schnelltelegraf vonSiemens & Halske: Lochstreifen, 1905 mini|Typendruck-Schnelltelegraf vonSiemens & Halske: Lochstreifenleser und Sendeapparat, 1905 mini|Bundeskanzler Erhard liest ein Fernschreiben

Ein Fernschreiber, auch Fernschreibmaschine, Fernschreibapparat, Fernschreibgerät oder umgangssprachlich Telex (nach dem Telex-Netz) genannt, ist ein Telegrafie-Gerät zur Übermittlung von Nachrichten in Schriftform mittels elektrischer Signale. Im Englischen heißt das Gerät Teletypewriter. (Dagegen ist Teletype ein Warenzeichen der Teletype Corporation.) Davon abgeleitet sind die Bezeichnungen RTTY (Radioteletypewriting) für Funkfernschreiben und TTY für serielle Schnittstellentreiber in Computer-Betriebssystemen.

Als Vorgänger können Morsegeräte und der von Siemens & Halske entwickelte Zeigertelegraf gelten. Den Zweck des Fernschreibers erfüllt auch der Hellschreiber und das Faxgerät.

Ein- und Ausgabe mini|Tastatur eines Blattschreibers mini|5-Kanal-Lochstreifen als Eingabe-, Ausgabe- und Speichermedium Ein Fernschreiber ähnelt äußerlich einer Schreibmaschine, wobei die Tastatur, die die Sendeeinheit beinhaltet, und das Druckwerk, das den Empfänger beherbergt, unabhängig voneinander arbeiten, jedoch in der Regel in Reihe geschaltet betrieben werden, um das auf der eigenen Seite Geschriebene lesen zu können. Modernere mechanische und elektronische Fernschreiber verfügen darüber hinaus über Einrichtungen, die dem Empfänger signalisieren, wenn das empfangene Zeichen lokal gesendet wurde. Der Empfänger hebt dann eine der Richtungen farblich hervor (z. B. rot für den gesendeten Text).

Zur Ausstattung des Fernschreibers gehören oft ein Lochstreifenleser und Lochstreifenstanzer, um vorbereitete Texte mittels eines Lochstreifens mit maximaler Geschwindigkeit übertragen und so die Verbindungsdauer kurz zu halten oder Textbausteine speichern zu können. Seit den 1980er Jahren werden auch elektronische Speichermedien benutzt.

Man unterscheidet Blattschreiber und Streifenschreiber. Blattschreiber geben den Text wie eine Schreibmaschine auf einer Endlosrolle in der Breite eines üblichen Briefes (z. B. DIN A4) aus. Streifenschreiber hingegen geben den Text auf einem in der Regel 9,5 mm breiten Papierstreifen aus. Diese Streifenschreiber wurden anfangs Springschreiber genannt. So hat der Telegrammdienst der Deutschen Bundespost z. B. Streifenschreiber und Blattschreiber eingesetzt.

Übertragungsverfahren Fernschreiber verwenden eine sequenzielle digitale asynchrone Datenübertragung mit Start- und Stoppbits und nutzen meist einen 5-Bit-Code, das Internationale Telegrafenalphabet Nr. 2 (kurz CCITT-2, ITA2 oder Baudot-Murray-Code). Dieser Code beschränkt den zur Verfügung stehenden Zeichensatz auf 32 Zeichen (25=32). Zur Übertragung von Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen ist der Code auf zwei Ebenen aufgeteilt, zwischen denen mittels Spezialzeichen zur Buchstaben-Ziffernumschaltung gewechselt wird. Da die beiden Umschaltzeichen sowie Wagenrücklauf und Zeilenvorschub auf beiden Ebenen Gültigkeit besitzen, beträgt die Höchstzahl übertragbarer Zeichen 56, von denen einige allerdings im ITA2 nicht belegt sind.

Die Funktion wurde üblicherweise mit folgendem englischsprachigem Testsatz überprüft, in dem jedes verwendbare Zeichen mindestens einmal vertreten ist: the quick brown fox jumps over the lazy dog 1234567890. Etwa von 1920 bis 1990 wurde im deutschsprachigen Raum auch die sogenannte Kaufenschleife verwendet. Hierzu diente der Satz: kaufen sie jede woche vier gute bequeme pelze xy 1234567890. Da es keine Großbuchstaben gibt, wurden römische Zahlen mit Zusätzen versehen, z. B. „roem iv“ für „IV“.

Übertragen wird üblicherweise mit 50 Baud; es existieren jedoch auch Geräte mit 75 (siehe Bild) und 100 Baud Übertragungsgeschwindigkeit. Das verwendete Zeichenformat besteht bei Verwendung eines 5-Bit-Code aus 1 Startbit, 5 Codebits und 1½ Stoppbits. Dadurch konnte im Telex-Netz, aufgrund der gebräuchlichen 50 Baud, eine Übertragungsrate von 6,67 Zeichen pro Sekunde erreicht werden. Dies entspricht 400 Anschläge pro Minute. Für geübte Schreiber mit dem Zehnfingersystem kann das Schreiben auf einem mechanischen Fernschreiber gewöhnungsbedürftig sein, da die Tastatur beim Senden eines Zeichens mechanisch gesperrt ist und sich die nächste Taste erst nach dem Senden des letzten Zeichens drücken lässt. Einige mechanische Fernschreibmaschinen (z. B. Siemens T100s, Lorenz Lo133 Automatik) verfügen über einen mechanischen FIFO-Puffer zwischen Tastatur und Sender, welcher das flüssige Tippen erleichtert sowie die Umschaltzeichen für Buchstaben und Ziffern automatisch erzeugt.

Die Geschwindigkeit eines mechanischen Fernschreibers wird üblicherweise durch Fliehkraftregler am Motor geregelt, welcher üblicherweise mit einer Stimmgabel nach dem Stroboskopprinzip eingestellt wird.

Die Anbindung mechanischer Fernschreiber geschieht mittels einer 40-mA-Stromschleife. Die logische 1 („Ruhelage“) wird von der geschlossenen Schleife repräsentiert, die logische 0 („Zeichenlage“) durch den unterbrochenen Stromkreis.

Später gebaute elektronische Fernschreibmaschinen (z. B. HAL DS-3100 ASR) verfügen teilweise über andere Schnittstellen wie RS232, 20-mA-Stromschleife oder ein direkt eingebautes Modem.

Von dem rhythmisch tickenden Geräusch beim Arbeiten eines Fernschreibers leitet sich die Redewendung „eine Nachricht läuft über den Ticker“ her.

Fernschreibnetze 1938 wurde ein behördliches Fernschreibnetz in Hamburg von der Firma Siemens & Halske installiert. Bis 2007 bestand in Deutschland das Telex-Netz der Deutschen Telekom. Bis zur Einstellung des Telegrammdienstes bestand darüber hinaus das Gentex-Netz, das technisch wie das Telex-Netz funktionierte, aber von diesem bis auf einen Netzübergang (Gateway) zum Telex-Netz getrennt war. Danach waren Telex-Anschlüsse in Deutschland einige Zeit durch die Firma Swisstelex beziehbar. Die Geschäftstätigkeiten der SwissTelex AG wurden per Ende 2020 beendet. Seit 2012 gibt es das nicht-kommerzielle i-Telex-Netz, welches mittlerweile das weltweit größte Fernschreibnetz darstellt.

Bundeswehr Die Bundeswehr benutzte bis zum Jahr 1986 das sogenannte Bundeswehrgrundnetz (GSVBw = Grundschalt- und Vermittlungsstellen der Bundeswehr) zur militärischen Nachrichtenübermittlung. Dabei handelte es sich um ein vermaschtes Sternnetz, welches über Leit-, Knoten- und Endvermittlungen arbeitete und bei Ausfall einer dieser Komponenten ersatzweise andere Vermittlungswege im Netz benutzte (Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit wurden so gewährleistet, ein gedanklicher Vorgänger des Internet).

In den 1970er Jahren setzte die Bundeswehr vor allem den Fernschreiber T100 ein, der bis in die 1990er Jahre verwendet wurde und zumeist (zur Materialschonung) auf eine Geschwindigkeit von 50 Baud gedrosselt war. Eine Normseite mit 1800 Zeichen benötigte somit fast 5 Minuten Übertragungszeit. Um Zeit zu sparen, wurden Abkürzungen verwendet, wie z. B. Q- und Z-Codes, die in der Vorschrift ACP 131 festgelegt sind. Die Versendung von Bundeswehr-Fernschreiben wurde bis in die 1980er Jahre noch in Handvermittlung durchgeführt: "int zaf rgfsac k" („Können Sie mich mit der Fernschreibstelle mit dem Routing rgfsac verbinden, bitte kommen“), "zaf rgfsac" („Ich verbinde mit der Fernschreibstelle rgfsac“), "de rgfsac qrv k" („Hier ist die Fernschreibstelle rgfsac, wir sind empfangsbereit, bitte kommen“).

Fernschreiben konnten entweder „offen“ sein oder aber „VS – nur für den Dienstgebrauch“, „vertraulich“, „geheim“ oder „streng geheim“. Für letztere mussten Verschlüsselungsgeräte wie die Lorenz-Schlüsselmaschine („Lorenz-Mischer“), das Elcrotel oder das NATO-Gerät KW7 eingesetzt werden.

1986 wurde dieses Netz durch das AFDNBw (Automatisiertes Fernschreib- und Datenübertragungsnetz der Bundeswehr) ersetzt, in dem immer noch die alten Fernschreib- und Schlüsselgeräte benutzt werden konnten.

Im Rahmen des Kooperationsvertrages Herkules wurde – als einer von vielen Vertragspunkten – auch die gesamte nicht-militärische IT der Bundeswehr erneuert. Dies führte u. a. dazu, dass am 30. November 2006 das gesamte AFDNBw abgeschaltet und durch das neue System MMHSBw (Military Message Handling System der Bundeswehr) ersetzt wurde.

Dieses System stellt unter anderem insofern eine Vereinfachung des Nachrichtenverkehrs dar, als der Mitarbeiter in einer Fernschreibstelle keine aufwendige und fachspezifische Ausbildung mehr durchlaufen muss. Das neue System basiert auf einem modifizierten Microsoft Outlook-Client. Dieser entspricht zum großen Teil dem E-Mail-Programm Microsoft Outlook, ist allerdings um einige militärische Spezifikationen erweitert. So können u. a. militärische Vorrangstufen (wichtig in Bezug auf die maximale Laufzeit einer Meldung vom Absender zum Empfänger) und militärische Geheimhaltungsgrade eingegeben werden. Darüber hinaus können durch entsprechende Plug-ins militärische Nachrichten verschlüsselt und mittels PKI-Karten (Public Key Infrastructure) auch signiert werden.

Sonstige Netze Neben drahtgebundenen Fernschreibnetzen (Telex) existieren weltweit noch zahlreiche Funkfernschreibnetze, die Nachrichten per Funk z. B. über Kurzwelle austauschen. Die Bezeichnung dieser Dienste hierfür lautet Radio Teletype, kurz RTTY.

Das öffentliche Telexnetz der Deutschen Bundespost und heutigen Deutschen Telekom war bis in die 1990er Jahre als ein eigenständiges Netz mit eigenen Vermittlungsstellen im Betrieb. Die Verbindungen zum Nachrichtenaustausch mit den Telexpartnern konnten mittels eines Wählzusatzgerätes anhand ihrer öffentlichen Telexnummer wie bei einem Telefon direkt über eine automatische Wähleinrichtung hergestellt werden. Dieses Netz war in das internationale Fernschreibnetz eingebunden.

Heute gibt es kaum noch reine Fernschreib- oder Telexnetze und Vermittlungsstellen. Die meisten Fernschreibnetze sind über Gateways in weitere Nachrichten- oder Datennetze eingebunden und können teilweise in diesen Systemen als Zusatzdienst betrieben werden.

Fernschreiber können auch im Direktbetrieb fest als Gegenstellen miteinander verbunden sein.

Von Sammlern wurde das i-Telexnetz ins Leben gerufen. Somit ist es möglich, zwei Telexendgeräte nach dem TW39-Standard, ED1000 oder V.21 mittels TCP/IP, z. B. über das Internet zu verbinden. Es handelt sich um ein offenes Netz.

Fernschreibnetze in der DDR mini|Briefmarke der DDR 1953, Frau am Fernschreiber, aus Fünfjahrplan (Briefmarkenserie)In der DDR existierten mehrere automatische Fernschreibnetze im Selbstwählbetrieb nebeneinander: öffentliches Fernschreibnetz der Deutschen Post für Betriebe BAFESA-Netz der Deutschen Reichsbahn (BAhn-FErnschreib-SelbstanschlussAnlage) S1-Netz für Behörden und staatliche Dienststellen und weitere nicht öffentliche Netze der Nationalen Volksarmee, des Ministeriums des Innern, des Ministeriums für Staatssicherheit sowie des Warschauer Pakts.

Entsprechend der Wichtigkeit eines Fernschreibanschlusses war auch die Nutzung eines anderen Fernschreibnetzes durch netzfremde Teilnehmer direkt und indirekt möglich.

Weiterentwicklungen Durch den Einsatz von Elektronik und Software sind die aufwendigen Wartungen und Einstellungen an den mechanischen Bauteilen eines Fernschreibers und an dem Fernschreibnetz weitgehend entfallen.

Der klassische mechanische Fernschreiber ist heute vielfach durch ein Fernschreib-E-Mail-Gateway oder durch einen PC mit Drucker und Spezialhardware zum Anschluss an den vorhandenen Fernschreibanschluss oder für eine Funkstation ersetzt worden.