Grimma ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Leipzig. Die Mittelstadt im Tal der Mulde ist die nach Fläche viertgrößte Stadt Sachsens. Sie wurde im Jahr 1200 erstmals urkundlich erwähnt, die Fläche wuchs erst durch zahlreiche Eingemeindungen im 20. und 21. Jahrhundert. Die historische Altstadt umfasst auch die meisten Sehenswürdigkeiten der Gemeinde, darüber hinaus gibt es in den insgesamt 64 Ortsteilen viele alte Sakralbauten.

mini|300px|Stadtansicht Grimmas vom gegenüberliegenden Muldeufer

Geographie Name Das altsorbische Wort „grim“ bedeutet „tiefgelegenes, von Wasser und nassen Wiesen umgebenes Gelände“. Dieser Begriff wurde auch für die Siedlung verwendet (vgl. Grimmen in Vorpommern). Schon 1160 als „Grimme, Grymme“ und 1243 „Grymm“ bezeichnet, wurde das „a“ seit dem 16. Jahrhundert im Zuge der Entwicklung der Kanzleisprache als Wortende verwendet.Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 68f.

Lage Die Stadt liegt im Nordsächsischen Platten- und Hügelland 25 km südöstlich von Leipzig und ca. 16 km südlich von Wurzen im Tal des Flusses Mulde. Mit einer Gesamtfläche von circa 217 km² – bedingt durch zahlreiche Eingemeindungen in den Jahren 2011 und 2012 – und etwa 30.000 Einwohnern ist Grimma die flächengrößte und einwohnerreichste Stadt bzw. Gemeinde des Landkreises Leipzig und flächenmäßig viertgrößte Stadt in Sachsen., abgerufen am 8. Januar 2011.

Grimma war vom Hochwasser 2002 und im Mai/Juni 2013 stark betroffen.Heike Baldauf: Versäumter Hochwasserschutz: „Diese Flut kommt vier Jahre zu früh“. In: Spiegel online. 4. Juni 2013. (spiegel.de)

Ortschaften Zur Stadt Grimma gehören 13 Ortschaften mit insgesamt 64 Ortsteilen:„Die historische Stadt im Muldental vereinigt seit 2012 64 traditionsreiche Orte.“@grimma.de Beiersdorf Böhlen mit Seidewitz Döben mit Dorna, Grechwitz und Neunitz Dürrweitzschen mit Motterwitz und Muschau Großbardau mit Waldbardau, Kleinbardau und Bernbruch Großbothen mit Kleinbothen und Schaddel Höfgen mit Kaditzsch, Schkortitz und Naundorf Kössern mit Förstgen Leipnitz mit Frauendorf, Keiselwitz, Kuckeland, Papsdorf und Zeunitz Mutzschen mit Gastewitz, Göttwitz, Jeesewitz, Köllmichen, Prösitz, Roda, Wagelwitz und Wetteritz Nerchau mit Bahren, Cannewitz, Deditz, Denkwitz, Fremdiswalde, Gaudichsroda, Golzern, Gornewitz, Grottewitz, Löbschütz, Schmorditz, Serka, Thümmlitz und Würschwitz Ragewitz mit Bröhsen, Haubitz, Pöhsig und Zaschwitz Zschoppach mit Draschwitz, Nauberg, Ostrau und Poischwitz Zudem existieren neben der Innenstadt die Stadtteile Hohnstädt, Grimma-West, Grimma-Süd und Nimbschen.

Geschichte mini|Karte von Grimma um 1750 mini|Grimma um 1840

Bis 1994 bestand Grimma aus der Stadt selbst und den Ortsteilen Hohnstädt und Nimbschen. Mit den seitdem hinzugekommenen 64 Ortsteilen hat sich die Gemeindefläche etwa verzwanzigfacht; in diesem Areal finden sich einige noch ältere namentliche Ersterwähnungen von jetzigen Ortsteilen (Nerchau 981, Döben 1046, Mutzschen 1081, Kleinbothen 1181, Grimma 1200).

Als älteste Zeugen menschlicher Besiedlung in diesem Areal gelten südlich von Kössern gefundene Feuersteingeräte, die der Altsteinzeit (etwa 12 000 – 8 000 Jahre vor Chr.) zugerechnet werden.

Bereits der durch Ackerbau und Viehzucht geprägten Jungsteinzeit (etwa 4600 – 1700 J. v. Chr.) zugeordnet werden flachgewölbte steinerne Hacken und Schuhleistenkeile aus dem Thümmlitzwald und Fremdiswalde. Bandförmig verzierte Gefäßbruchstücke, wie sie in Siedlungsgruben am Pulverturm Grimma-Süd gefunden wurden, sind eindeutige Hinweise auf die Bandkeramische Kultur. Eine geschliffene Steinaxt aus Cannewitz und eine in Grimma Leipziger Str. 75 gefundene Amphore mit Eindrücken gedrehter Schnüre stammen aus der darauffolgenden Kultur der „Schnurkeramik“Rundblick Information 11 "Nerchau/Trebsen", 1987, Herausgeber: Räte der Städte Nerchau und Trebsen und Kulturbund der DDR, Kreisleitung Wurzen Rundblick Information 6 "Grimma", 1980, Herausgeber: Rat der Stadt Grimma und Kulturbund der DDR, Kreisleitung Wurzen

Aus der Bronzezeit (ca. 1700 v. Chr. bis 1400 v. Chr.) stammen die ältesten hier gefundenen Befestigungsanlagen, gefunden 1972 vom Archäologen Willfried Baumann auf dem Mutzschener Schlossberg. Die Fundstätte war umgeben von einem 2 m tiefen und 7 m breiten Kehlgraben und konnte der Aunjetitzer Kultur zugerechnet werden. Damit gehört der Schloßberg Mutzschen zu den ältesten wissenschaftlich nachgewiesenen Befestigungsanlagen Mitteldeutschlands.https://www.academia.edu/14282425/Die_Sondagegrabung_2007_auf_dem_Schlossberg_von_Mutzschen_Lkr_Leipzig_AFD_51_52_2009_2010_265_286↑ Wilfried Baumann: Rettungsgraben auf dem Schloßberg in Mutzschen. Kreis Grimma. in Ausgrabungen und Funde.Nachrichtenblatt für Ur- und Frühgeschichte. Bd. 16, Akademie Verlag, Berlin, S. 65–70. Auch der Zettenwall in Döben, der größte prähistorische Rechteckwall Sachsens, stammt aus der Zeit von zwischen 2200 v. Chr. und 800 vor Chr. Westlich von Nimbschen befinden sich Reste von 3 Hügelgräbern mit Urnen aus der Zeit um 1200 v. Chr.

Von den bis ins 5. Jahrhundert nach Chr. in Mitteldeutschland ansässigen Germanen zeugen nur wenige römische Aufzeichnungen und noch seltenere archäologische Befunde, denn zur Zeit der Völkerwanderung war eine weniger zivilisierte und nomadische Lebensweise üblich. Die auf dem Leidenberg Hohnstädt gefundenen schwarzglänzenden Tonscherben mit Rollrädchenverzierung konnten direkt mit dem Stamm der Hermunduren verbunden werden, diese Artefakte sind weithin die einzigen Zeugen dieser Ära im Muldental.

Erst im darauffolgenden 6. Jahrhundert nehmen archäologische Befunde wieder zu, die dann aber sämtlich den eingewanderten slawischen Wenden zuzuordnen sind. Etwa im 8./9. Jahrhundert entstand zwischen Nimbschen und Schaddel der Große Schaddelwall, eine slawische Ringburg, bestehend aus einer Vor- und einer Hauptburg. Vermutlich wurde nach der Aufgabe des Großen Schaddelwalls ein Stück weiter südöstlich im 9./10. Jahrhundert der Kleine Schaddelwall angelegt. Bei diesem handelte es sich um eine Spornburg über der Mulde. Auch die slawische Wiederbesiedlung von Schloßberg Mutzschen und Zettenwall Döben zu dieser Zeit ist archäologisch nachgewiesen. Die Wallanlagen dieser frühen slawischen Besiedlung sind heute die ältesten noch gut sichtbaren Spuren menschlicher Besiedlung in Grimma. Auch die slawischen Namensbestandteile sehr vieler Ortsteile, Familiennamen (-itsch, itzsch, itz) und Lehnwörter im sächsischen Dialekt (Hitsche, Hornzsche, nu, …) sind noch heute unübersehbare Zeugnisse der Zeit der Wenden und Sorben im Muldental.

Um 1200 begann die Einwanderung deutscher Siedler vor allem aus Niedersachsen, Westfalen und Flandern mit der Anlage neuer Städte und Dörfer. An die älteren slawischen Dörfer Neschwitz und Pappritz=Pappertshain erinnern heute nur noch Straßennamen mitten in Grimma, sie sind längst in der Stadt aufgegangen.

Die strategisch gute Lage an der Mulde veranlasste 1170 den Markgrafen Otto den Reichen, eine Siedlung in der Flussaue anzulegen. Mirko Oehlert, Matthias Conrad: Nonnen, Hügel und Wälle. In: Archæo – Archäologie in Sachsen. Heft 8, 2011, S. 58–63. (Heftinhaltsverzeichnis PDF; 264 kB) Im Jahr 1220 erhielt Grimma das Stadtrecht.

Im Schloss residierten häufig meißnische Markgrafen und die sächsischen Kurfürsten. Albrecht der Beherzte, der Stammvater des sächsischen Königshauses, wurde hier geboren. Er nannte sich deshalb auf seiner Wallfahrt nach Palästina Junker von Grym. Im Jahr 1344 erfolgte die Ersterwähnung der Bürgerwehr Die Geharnischten im Städtebund Torgau, Oschatz und Grimma, die in der Wurzener Fehde 1542 historische Berühmtheit erlangte. Die Bewohner bauten die erste feste Muldenbrücke und entwickelten ein selbstbewusstes und geschäftstüchtiges Bürgertum. Im 14. Jahrhundert stand Grimma in der wirtschaftlichen Blüte. Selbst als sich das wirtschaftliche Zentrum der Region immer mehr nach Leipzig verlagerte, blieb Grimma bis heute ein florierender Standort.

In Grimma wurden seit 1440 mehrere Landtage gehalten. Auf dem Landtag von 1458 stiftete Kurfürst Friedrich der Sanftmütige die Leipziger Neujahrsmesse. Hier verhandelten 1511–1546 Abgeordnete der beiden sächsischen Linien; durch den „Grimmaischen Machtspruch“ wurden vierzigjährige Streitigkeiten über Münz- und Bergsachen beigelegt (siehe Sächsische Münztrennung). mini|Katholische Kirche Grimma 1523 verließ Katharina von Bora, die spätere Frau Martin Luthers mit weiteren Nonnen das Kloster Nimbschen nahe Grimma.

Die ehemalige Stadtbrauerei hatte Wurzeln bis um das Jahr 1300. Im Jahr 1670 wurde das Städtische Brauhaus zu Grimma gegründet (seit 1858 Brauerei Hildebrandt, seit 1872/1880 Brauerei Frohberg, bis ca. 1918 Stadtbrauerei).Stadtbrauerei Grimma. In: Klaus Ehm: , abgerufen am 16. September 2021.Amateurbrouwen: Von untergärigem Bier zum "Pilsener", Memento vom 26. November 2014 im Internet Archive, abgerufen am 16. September 2021 (deutsch), Amateurbrouwen: From underyeast-beer to "Pilsner", Memento vom 15. April 2014 im Internet Archive, abgerufen am 16. September 2021 (englisch)Adressbuch der Städte Grimma,… Bd. 2, 1905: Grimmaer Stadtbrauerei GmbH Langestraße 24. (digital.slub-dresden.de, abgerufen am 11. November 2015) Von dieser Brauerei stammt die Bezeichnung „Frohberg“ für den einen der beiden weit verbreiteten Typen untergäriger Bierhefe (Saccharomyces pastorianus bzw. S. carlsbergensis), der andere Typ ist nach Saaz benannt (durch Paul Lindner 1909).Brian R. Gibson, Erna Storgårds u. a.: Comparative physiology and fermentation performance of Saaz and Frohberg lager yeast strains and the parental species Saccharomyces eubayanus. In: Yeast. 30.7, 2013, S. 255–266. doi:10.1002/yea.2960 (engl.)About Saccharomyces eubayanus. In: Shanty Brewery. (engl.)Over samenleven van gistrassen door Dr. A.-J.-J. Vandevelde en L. Bosmans, S. 172, Fußnote 3 - Verslagen en mededelingen van de Koninklijke Vlaamse Academie voor Taal- en Letterkunde 1912. Koninklijke Vlaamsche Academie voor Taal- en Letterkunde, Gent 1912 (niederländisch, Grimna statt Grimma) The Universal Digital Library (englisch), aufgerufen am 16. September 2021.

1857 wurde die katholische Kirche St. Trinitatis eingeweiht.

1926 fand das 475-jährige Jubiläum der Schützengesellschaft zu Grimma statt.

Während des Zweiten Weltkrieges bleib die Stadt weitgehend verschont, so kam es nur im November 1940 und im April 1945 zu Bombenangriffen mit geringen Schäden durch zwei Tiefflieger. Nachdem die Amerikaner die Stadt erreicht hatten, wurden am 15. April die Muldenbrücken gesprengt.

1946 fand in der Berufsschule die erste Kunstausstellung nach dem Ende des NS-Staats statt, an der 36 Künstler teilnahmen. 1952 wurde in der Historischen Wache am Rathaus das kleine Kunsthaus „Bild der Zeit“ und ein kleiner Klubraum eingerichtet. Dazu schrieb die Zeitschrift Bildende Kunst: Grimma „darf für sich den Ruhm beanspruchen, als erste Stadt nach Berlin für ihre Künstler ein eigenes Heim geschaffen zu haben.“ Anlässlich der Übergabe an den Verband Bildender Künstler Deutschlands wurde dort die erste Kunstausstellung in Grimma seit dem Ende des NS-Staats eröffnet, der weitere folgten.Walter Forberg: Vorbildliche Kulturarbeit in Grimma. In: Bildende Kunst, Berlin, Nov./Dez. 1953, S. 63 Die Galerie trägt heute den Namen Rathausgalerie.

Grimma war ab 1952 Kreisstadt des Kreises Grimma und von 1994 bis 2008 des Muldentalkreises und besitzt nun den Status einer Großen Kreisstadt.

Hochwasser mini|links|Die durch Hochwasser zerstörte Pöppelmannbrücke im Jahr 2009 mini|Hochwasserschutztor an der Ruine der Großmühle mini|hochkant|Denkmal zur Erinnerung an das Hochwasser 2002