Nischni Tagil (, wissenschaftliche Transliteration Nižnij Tagil); bis 1919 Nischnetagilski Sawod / (Nižnij = russisch für „Nieder-“, „Unter-“; Tagil = mansisch für „viel Wasser“ nach dem Flussnamen) ist eine Stadt in Russland mit 328.000 Einwohnern (Stand: 2025). Sie liegt in der Oblast Swerdlowsk am Fluss Tagil im mittleren Ural nördlich von Jekaterinburg.
miniatur|Der Bahnhof von Nischni Tagil miniatur|Straßenbahn in Nischni Tagil miniatur|Alexander-Newski-Kathedrale miniatur|Industrie in Nischni Tagil
Geschichte Die Geschichte von Nischni Tagil begann 1696, als mit dem Abbau der reichen Eisenerzvorkommen in der Umgebung begonnen wurde. In der Folge wurde der Ort zu einem der frühen Zentren der russischen Industrialisierung und zu einer wichtigen Produktionsstätte von Gusseisen und Stahl. 1833 konstruierten hier die Ingenieure Jefim und Miron Tscherepanow die erste russische Dampflokomotive; sie wurden im Jahre 1956 mit einer acht Meter hohen Bronzestatue geehrt.
In der Sowjetzeit existierte in Nischni Tagil ein großes Zwangsarbeitslager innerhalb des Gulag-Systems. Das Tagil-ITL (Besserungsarbeitslager) bestand von Januar 1942 bis April 1953, seine Verwaltung befand sich in der Stadt. Die Zahl der Inhaftierten lag zeitweise bei über 43.000 Personen, die im Metallurgiekombinat von Nischni Tagil und in anderen Industriebetrieben sowie im Straßen- und Wasserbau, zur Förderung von Bodenschätzen und in der Holzgewinnung eingesetzt wurden.
Weiterhin befanden sich die beiden Kriegsgefangenenlager 153 und 245 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs in der Stadt. Schwer Erkrankte wurden im Kriegsgefangenenhospital 2929 versorgt.Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1897 30.000 1926 39.000 1939 159.867 1959 338.501 1970 378.410 1979 398.146 1989 439.521 1990 424.000 2000 390.900 2010 361.811 2020 349.008 Anmerkung: Volkszählungsdaten (bis 1926 gerundet)
Verkehr Die Stadt hat Anbindung an die wichtigsten Straßen- und Eisenbahnanbindungen der Umgebung. Nationale und internationale Flüge finden über den in der Nähe gelegenen Flughafen Jekaterinburg statt.
Kultur Nischni Tagil verfügt über ein städtisches Theater, das D. N. von Mamin-Sibirjak, ein Jugend- und Puppentheater, einen Zirkus, ein Kino- und Videozentrum, zwei Kulturpaläste sowie mehrere Museen und Bibliotheken. In der Stadt und der Umgebung gibt es viele noch erhaltene oder liebevoll restaurierte kulturhistorische Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Eindrücke der damaligen Baukunst vermitteln. Daneben gibt es noch einen Nationalpark, der über die Geschichte der Eisengewinnung und -verarbeitung informiert. Die Schule Nr. 32 und das Berufsschulzentrum Ellwangen betreiben eine Schulpartnerschaft. auf ostalbkreis.de
Wirtschaft Die Stadt ist bekannt durch Eisengewinnung und -verarbeitung. Die weiteren wichtigen wirtschaftlichen Zweige sind Maschinenbau, Metallverarbeitung und Chemie. Das Metallurgie-Kombinat wurde unter der Leitung der Firma Thyssen reorganisiert. Weitere am Aufbau der Stadt beteiligte deutsche Unternehmen sind die Firmen KHD Humboldt Wedag International und Erich Friedrich. 1996 begann das deutsch-russische Unternehmen Tagil-Technoterm mit der Produktion von wärmedämmenden Materialien. In der Stadt befindet sich auch das Stahlwerk NTMK mit Firmensitz.
Wichtigstes Unternehmen in Nischni Tagil ist die Maschinenbaufabrik, der weltgrößte Panzerfahrzeughersteller Uralwagonsawod. Heute ist das Unternehmen weltweit für die Produktion russischer Kampfpanzer wie dem T-72, dem meistproduzierten Panzer weltweit, dem T-90 sowie dem derzeit aktuellsten Modell T-14 bekannt.
Eine verbreitete Theorie besagt, dass das für die Freiheitsstatue verwendete Kupfer aus Nischni Tagil stammt (ähnliches behauptet aber auch der Kupfer-Bergbauort Sulitjelma in Norwegen von seinem Kupfer). Statue of Liberty Made of Russian Copper?
Bildung Neben den Gymnasien gibt es mehrere Berufsschulen, eine medizinische Fachhochschule, College der Künste (mit Musik- und Schauspielabteilungen) sowie die weltweit anerkannte Akademie für angewandte Kunst. Verschiedene weiterführende Bildungsmöglichkeiten sind Zweigstelle der Staatlichen Technischen Universität des Uralgebiets Zweigstelle des Hauptstädtischen geisteswissenschaftlichen Instituts Zweigstelle des Instituts für Ökonomie, Verwaltung und Recht des Uralgebiets Milizschule des Innenministeriums Staatliches Pädagogisches Institut Nischni Tagil
Sport Der Eishockeyverein Sputnik spielte bis 2018 in der zweithöchsten russischen Spielklasse.
In Nischni Tagil steht der Skisprungschanzenkomplex Aist, der eine Großschanze (HS134), eine Normalschanze (HS97) und zwei Kleinschanzen (K40, K10) beinhaltet.www.skisprungschanzen.com Seit 2013 werden dort auch internationale Wettkämpfe veranstaltet.
Städtepartnerschaften Nischni Tagil listet folgende neun Partnerstädte auf: StadtLandseitBrest 15px1998Chattanooga 15px1996Cheb 15px1966 – 2022Františkovy Lázně 15px2007 – 2022Jewpatorija 15px2019Krywyj Rih 15px1994Luhansk 15px2022Marienbad 15px2009 – 2022Nowokusnezk 15px2005
Söhne und Töchter der Stadt
Victor Starffin (1916–1957), Baseballspieler Klawdija Barchatowa (1917–1990), Astronomin und Hochschullehrerin Gennadi Kolbin (1927–1998), Politiker Rosa Salichowa (1944–2026), Volleyballspielerin Michael Aizenman (* 1945), israelisch-US-amerikanischer Physiker und Mathematiker Valeri Brainin (* 1948), Dichter, Musikpädagoge und Musiktheoretiker Wladimir Leopoldowitsch Schulz (* 1948), russischer KGB- bzw. FSB-Offizier Arkadi Tschernezki (* 1950), Politiker Sergei Schepelew (* 1955), Eishockeyspieler Jelisaweta Tschernyschowa (* 1958), Hürdenläuferin Konstantin Novoselov (* 1974), russisch-britischer Physiker und Nobelpreisträger Sergei Gussew (* 1975), Eishockeyspieler Stanislaw Pochilko (* 1975), Skispringer Dmitri Forschew (* 1976), Sprinter Danil Chalimow (1978–2020), russisch-kasachischer Ringer Olesja Forschewa (* 1979), Sprinterin Jewgeni Muratow (* 1981), Eishockeyspieler Witali Sitnikow (* 1981), Eishockeyspieler Igor Radulow (* 1982), Eishockeyspieler Michail Kusnezow (* 1985), Kanute Dmitri Larionow (* 1985), Kanute Bar Paly (* 1985), israelisches Model und Schauspielerin Wera Slugina (* 1985), Boxerin Alexander Radulow (* 1986), Eishockeyspieler Jewgenija Schapowalowa (* 1986), Skilangläuferin Kirill Putilow (* 1988), Eishockeyspieler Marija Guschtschina (* 1989), Skilangläuferin Boris Kolyasnikov (* 1989), belgischer Eishockeyspieler Alexander Ossipow (* 1989), Eishockeyspieler Oleg Schatow (* 1990), Fußballspieler Maxim Kanunnikow (* 1991), Fußballspieler Kirill Djakow (* 1993), Eishockeyspieler Alexander Iwanow (* 1993), Geher Nikita Soschnikow (* 1993), Eishockeyspieler Wadim Schischkin (* 1995), Skispringer Nikolai Erpilev (* 1997), deutscher TrompeterArtikel Nikolai Erpilev auf Marjorie-Wiki Arsen Adamow (* 1999), Fußballspieler Kristina Prokopjewa (* 2000), Skispringerin Alina Borodina (* 2002), Skispringerin Michail Purtow (* 2002), Skispringer Vladislav Lomko (* 2004), Autorennfahrer Wolodar Mursin (* 2006), Schachspieler Genrikh Gartung (* 2007), russisch-deutscher Eiskunstläufer
Weblinks
Offizielle Website der Stadt (russisch) Nischni Tagil auf mojgorod.ru (russisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Oblast Swerdlowsk Kategorie:Ort im asiatischen Russland
Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1919