mini|Peter Joseph Lenné um 1850 rahmenlos|zentriert|100px|klasse=skin-invert-image. Peter Joseph Lenné, auch Peter Joseph Lenné der Jüngere (* 29. September 1789 in Bonn; † 23. Januar 1866 in Potsdam), war ein preußischer Gartenkünstler und General-Gartendirektor der königlich-preußischen Gärten.

Peter Joseph Lenné prägte fast ein halbes Jahrhundert die Gartenkunst in Preußen. Er gestaltete weiträumige Parkanlagen nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten und konzentrierte sich auf eine sozialverträgliche Stadtplanung Berlins, indem er Grünanlagen für die Naherholung der Bevölkerung schuf.Heinz Ohff: Peter Joseph Lenné, 2003, S. 129. Der Schwerpunkt seiner Arbeiten lag im Berlin-Potsdamer Kulturraum, doch finden sich auch in vielen weiteren Teilen Deutschlands Zeugnisse seiner Arbeiten.

Charakteristische Merkmale seiner Landschaftsgestaltungen sind die vielfältigen Sichtachsen, mit denen er vor allem in Potsdam die einzelnen Parkanlagen optisch miteinander verband und so die Bauwerke der Parkanlagen wirkungsvoll in Szene setzte. Die Sichtschneisen nahm er als Ausgangspunkt für die Anlage verschlungener Wege und Gartenflächen, in denen er mit ausdrucksvollen Gehölzen Akzente setzte. Sein landschaftskünstlerisches Werk bildet einen wesentlichen Teil der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft, die von der Pfaueninsel bis nach Werder reicht. Es steht, seit die gesamte Landschaft der Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin 1990 zum Weltkulturerbe ernannt wurde, unter dem Schutz der UNESCO.

Leben und Wirken Herkunft mini|Lennés Geburtshaus in Bonn. mini|Inschrift am Geburtshaus.

Peter Joseph Lenné wurde 1789 im Gärtnerhaus, heute Konviktstraße 4, am Kurfürstlichen Schloss in Bonn geboren. Sein Vater, Peter Joseph Lenné d. Ä. (1756–1821), bekleidete dort das Amt des Bonner Hofgärtners sowie des Vorstehers des Botanischen Gartens, der zur kurfürstlichen Universität (1786–1798) gehörte.Wimmer: Der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné. Eine Karriere am preußischen Hof. 2016, S. 21–25. Seine Mutter hieß Anna Catharina, geborene Pottgieter, eine Tochter des Bürgermeisters in Rheinberg.Harri Günther: Peter Joseph Lenné. Gärten Parke Landschaften. Berlin 1985, S. 13. Seine Schwester Elisabeth (* 2. März 1799 in Bonn; † 29. Januar 1882 in Koblenz) heiratete den späteren Paulskirchenabgeordneten Franz Adams.Vera Torunsky: Die Abgeordneten der Rheinischen Provinziallandtage und Landschaftsversammlungen, Band 1: Die Abgeordneten der Provinziallandtage und ihre Stellvertreter 1825–1888, ISBN 3-7927-1749-2, S. 25–26.

Lenné war Nachkomme der aus der Gegend von Lüttich stammenden Gärtnerfamilie Le Neu oder auch Le NainDaraus wurde Lenné, Leneu oder Le Nen, beziehungsweise im Deutschen Lehnen, Leunen oder Lenen. Siehe Dissertation Helga Stoverock: Der Poppelsdorfer Garten. Vierhundert Jahre Gartengeschichte. Bonn 2001, hier: Die Familie Lenné, S. 180. (franz.: nain = Zwerg, zwergenhaft), die 1665 ins Rheinland auswanderte und seitdem in Poppelsdorf bei Bonn in kurfürstlichen Diensten stand. Wahrscheinlich erfolgte durch den Urgroßvater Maximilian Heinrich (1675–1735) 1699 eine Namensänderung in Lenné,Eintrag im Kirchenbuch von Sankt Martin, Bonn. Heirat des Max Lenné mit der aus Poppelsdorf stammenden Anna Gertrude Esch. Vgl. Dissertation Helga Stoverock, S. 181. andere Quellen verweisen auf Peter Joseph Lenné d. Ä.

Jugend und Ausbildung Der Familientradition folgend entschied sich Peter Joseph Lenné für den Gärtnerberuf. Auf Betreiben des Vaters, der für seinen Sohn eine akademische Ausbildung wünschte, erhielt er schon im Schüleralter Unterricht durch einen Universitätslehrer in Botanik.Wimmer: Der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné. Eine Karriere am preußischen Hof. 2016, S. 33–37. 1805 begann er eine Gärtnerlehre bei seinem Onkel väterlicherseits, dem Hofgärtner Joseph Clemens Weyhe d. Ä. (1749–1813) in Brühl, der mit Johanna Gertrud Lenné (1754–1837) verheiratet war. Am 15. September 1808 beendete Lenné seine Lehre. So zumindest besagt es ein Zeugnis.Wimmer: Lenné, 2016, S. 38–44.

Von seinem Vater finanzierte Studienreisen führten ihn 1809 nach Süddeutschland und 1811/12 nach Frankreich. In Paris bei André Thouin, dem Leiter des Jardin des Plantes und Mitglied der Académie des sciences, erwarb Lenné Kenntnisse in der Botanik seltener Sträucher und exotischer Pflanzen, die er später durch akzentuierte Anpflanzungen in die Praxis umsetzte. Diese Art der Gartengestaltung unterschied seine Arbeiten von den Werken Friedrich Ludwig von Sckells und seines Konkurrenten Hermann Fürst Pückler-Muskau, die einheimische Gewächse bevorzugten. Die von einigen Autoren angenommene Ausbildung bei André Thouins jüngerem Bruder Gabriel Thouin, der als Gartenarchitekt wirkte, ist nicht belegt.Wimmer, Lenné 2016, S. 47–55. Ein weiterer Lehrmeister soll nach Lennés eigenen Angaben Jean-Nicolas-Louis Durand gewesen sein, der an der École polytechnique architektonisches Entwerfen unterrichtete und mit der Entwicklung eines Rastersystems die Planung und Gestaltung im Städtebau vereinfachte.

Nach seinem Pariser Aufenthalt kehrte Peter Joseph Lenné im Sommer 1812 zunächst zu seinen Eltern nach Koblenz zurück, wohin die Familie während der napoleonischen Besatzung 1811 umgesiedelt war und wo der Präfekt Jules Doazan den Vater zum Leiter der Departementsbaumschule ernannt hatte.Wimmer, Lenné, 2016, S. 56–60. Noch im selben Jahr trat Lenné seine dritte Studienreise an, die ihn nach Süddeutschland und in die Schweiz führte.Nekrolog in der Wochenschrift des Vereines zur Beförderung des Gartenbaues in den Königlich Preussischen Staaten für Gärtnerei und Pflanzenkunde, IX. Jg., Nr. 8, 1866, S. 58. Clemens Alexander Wimmer: Aus dem Leben Peter Joseph Lennés. In: Mitteilungen für die Geschichte Berlins, 85. Jg., Heft 4, 1989, S. 212. Detlef Karg, Hans-Joachim Dreger: Peter Joseph Lenné. Parks und Gärten im Land Brandenburg. 2005, S. 17 und weitere Publikationen. Lennés eigene Aussage, er sei in dieser Zeit in der Schweiz gewesen, hält der Nachprüfung jedoch nicht stand. Während seines Aufenthalts in München lernte er möglicherweise den Gartengestalter von Sckell kennen, den Schöpfer der landschaftlichen Umgestaltungen im ursprünglich barocken Schlosspark Nymphenburg und des Englischen Gartens in München. Das Zusammentreffen ist allerdings nicht dokumentiert.Heinz Ohff: Peter Joseph Lenné, S. 48. Lediglich die von Lenné übernommenen Sckell’schen Geländemodellierungen auf Zeichnungen und in der praktischen Anwendung lassen ein Zusammentreffen vermuten, können aber auch allein aus der praktischen Anschauung der Werke Sckells herrühren. Bereits im Herbst 1812 führte seine Reise weiter nach Wien. Dort erhielt er eine Gehilfenstelle in den Parkanlagen des Schlosses Schönbrunn unter dem Hofgärtner Franz Boos, einem Jugendfreund seines Vaters. Ein weiterer Wechsel nach Laxenburg, dem Sommersitz der Habsburger, erfolgte 1814. Dort bekam er den Auftrag, einen Umgestaltungsentwurf für die weiträumige Parkanlage des Barockschlosses Blauer Hof anzufertigen. Sein Plan wurde nicht ausgeführt.Géza Hajós, in: Die Gartenkunst. 2001, Nr. 1, S. 1–14. Die von ihm behauptete Verleihung des Titels Kaiserlicher Garten-Ingenieur ist nicht nachweisbar.Wimmer: Lenné, 2016, S. 68–72. 1815, ein Jahr nach dem Tod seiner Mutter am 12. Januar 1814, kehrte Peter Joseph Lenné nach Koblenz zurück. Er arbeitete bei seinem Vater mit, der die Gestaltung von Privatgärten übernahm, und entwarf Pläne für eine Erweiterung der Stadt Koblenz nach Abtrag der Festungsanlagen.Wimmer: Lenné, 2016, S. 73–75.

Anstellung am preußischen Hof mini|Plan vom friderizianischen Teil des Parks Sanssouci. Peter Joseph Lenné, 1816. mini|Pleasureground am Schloss Glienicke.

Als nach dem Wiener Kongress die Rheinprovinz dem Königreich Preußen zugesprochen wurde, bewarb sich Lenné um eine Stelle am preußischen Hof. Durch die Napoleonischen Kriege waren die Berliner und Potsdamer Parkanlagen in einem verwahrlosten Zustand, deren Verwaltung dem Hofmarschallamt unterstand, das Hofmarschall und „Intendant der Königlichen Schlösser und Gärten“ Burchard Friedrich Freiherr von Maltzahn leitete. Im Februar 1816 erhielt Lenné in Potsdam eine GehilfenstelleLenné selbst nannte sich Gartenkünstler. Vgl. Nachlass Karoline Schulze: Geschichte der Gartenverwaltung der Königlichen Gärten, 1873/74. Manuskript im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, I. HA, Rep. 94, Nr. 814, S. 37. mit (29. September)Karg, Dreger: Peter Joseph Lenné. Parks und Gärten im Land Brandenburg, S. 18. und war anfangs vermutlich an verschiedenen Orten tätig, um Zeichnungen von den königlichen Gartenanlagen anzufertigen.Georg Sello: Potsdam und Sans-Souci. Breslau 1888, S. 436 f. In diesem Jahr entstand auch der „Plan von Sanssouci und dessen Umgebungen“. Im Mai bekam er bei Hofgärtner Johann Friedrich Morsch im Neuen Garten eine Gehilfenstelle zugewiesen, wurde aber von Oberhofbaurat und Gartendirektor Johann Gottlob Schulze oft zum Zeichnen in die Gartendirektion bestellt. Dieser Clemens Alexander Wimmer: Zur Geschichte der Verwaltung der königlichen Gärten in Preußen. In: SPSG: Preußisch Grün. Hofgärtner in Brandenburg-Preußen, Potsdam 2004, S. 71. Im Neuen Garten wohnte Lenné im sogenannten „Grünen Haus“, an der Nordspitze des Heiligen Sees.Karg, Dreger: Peter Joseph Lenné. Parks und Gärten im Land Brandenburg, S. 148.

In diese Zeit fällt ebenfalls der Auftrag des preußischen Staatskanzlers Karl August Fürst von Hardenberg, die Besitzungen Neuhardenberg und Glienicke gartenkünstlerisch umzugestalten. Nach dem Kauf der Gutsanlage Glienicke durch Carl von Preußen 1824 konnte Lenné seine landschaftsgärtnerischen Arbeiten unter dem neuen Eigentümer übergangslos weiterführen. Hier legte er den Grundstein für ein weiträumiges Gesamtkunstwerk, das unter seiner Leitung in den darauffolgenden fünf Jahrzehnten die „Insel Potsdam“ zu einem großen, zusammenhängenden Landschaftsgarten werden ließ. Dieses Großprojekt wurde vor allem in der Regierungszeit des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. gefördert.

Beruflicher Werdegang Im Jahr 1817 wurden Peter Joseph Lenné in Potsdam drei frei gewordene Hofgärtnerstellen angeboten, die er alle ablehnte, weil ihm die Tätigkeiten in den Gartenrevieren nicht zusagten.Wimmer: Aus dem Leben Peter Joseph Lennes. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, S. 216. Eine Anstellung in der Königlichen Gartendirektion nahm er im Februar 1818 an. Maltzahn, der Lenné förderte und maßgeblich an dessen Aufstieg beteiligt war,Wimmer, in: SPSG: Preußisch Grün, S. 73. gab ihm den Titel Garteningenieur und Mitglied der Gartendirektion.

Nun hatte er nicht nur die Position eines Hofgärtners übersprungen, sondern war sogar deren Vorgesetzter und dem Oberhofbaurat und Gartendirektor Johann Gottlob Schulze fast gleichgestellt, der das Amt seit 1790 innehatte. In einer Instruktion des Hofmarschalls von Maltzahn an die Hofgärtner vom 10. Februar 1818 heißt es, Nachlass Karoline Schulze: Geschichte der Gartenverwaltung der Königlichen Gärten, S. 32 f. Die Gärtner mussten nun die Anweisungen dreier Vorgesetzter befolgen.

In der Zusammenarbeit zwischen Schulze und Lenné kam es fortwährend zu Spannungen. Schulze beklagte sich über die unklaren Kompetenzen in der Gartenverwaltung und bemängelte immer wieder Lennés Eigenmächtigkeiten, durch die er seine Autorität als Gartendirektor schwinden sah. Zudem bekam Lenné die Aufsicht über die Baumschulen übertragen, . Auch heiratete Lenné nicht dessen Tochter Karoline,Karoline Schulze (1794–1881), Tochter des Gartendirektors Johann Gottlob Schulze, Heimatforscherin und Mitglied des Vereins für die Geschichte Potsdams. sondern am 3. Januar 1820 in der katholischen Kirche St. Peter und Paul Friederica Louisa Voß (1798–1855), die älteste Tochter des lutherischen Hofgärtners im Potsdamer Küchengarten Joachim Heinrich Voß. Die 35-jährige Ehe blieb kinderlos.