mini|Meckenheim, Luftaufnahme (2016) mini|Apfelernte in den Obstplantagen um Meckenheim mini|BKA-Standort Meckenheim in Merl mini|Meckenheim, Neue Mitte & Schulcampus, Luftaufnahme 2013 mini|Neue Mitte mit Rathaus, Jungholzhalle, Schulen & Sportstätten, Luftaufnahme 2022 mini|Panorama Neuer Markt Meckenheim

Meckenheim ist eine Stadt im Rhein-Sieg-Kreis im Süden Nordrhein-Westfalens mit knapp 25.000 Einwohnern. Sie liegt linksrheinisch in der Voreifel am Südrand der Kölner Bucht, rund 15 Kilometer südwestlich der Bundesstadt Bonn und unmittelbar an der Grenze zu Rheinland-Pfalz.

Das im Jahr 853 erstmals urkundlich erwähnte Meckenheim, das 1636 zur Stadt erhoben wurde, ist wegen seiner Baumschulen, Rosenfelder und Obstplantagen auch als „Apfelstadt“ bekannt. Durch die Nähe zur ehemaligen Bundeshauptstadt entwickelte sich Meckenheim seit den 1960er-Jahren zu einem wichtigen Wohnstandort im Bonner Umland; im Stadtgebiet befindet sich zudem bis heute ein Dienstsitz des Bundeskriminalamts.

Geographie Geographische Lage Meckenheim liegt in der Voreifel vor dem Ahrgebirge am Südrand der Kölner Bucht, im linksrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises, etwa 15 Kilometer südwestlich des Stadtzentrums von Bonn und unmittelbar an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz im Süden Nordrhein-Westfalens.

Im Nordosten der Stadt beginnt der Kottenforst, der sich bis nach Bonn erstreckt. Die Altstadt wird von der Swist durchquert. Oberhalb von Ersdorf befindet sich mit der höchste Punkt der Gemeinde, das Stadtgebiet erstreckt sich hier entlang von Altendorfer und Ersdorfer Bach bis kurz vor Todenfeld und Hilberath. Der niedrigste Punkt mit befindet sich am Ufer der Swist an der Gemeindegrenze in den Berger Wiesen.

Ortsbeschreibung Meckenheim benennt sich auch als „Apfelstadt“, „Baumschulstadt“, „Rosenstadt“ und wird im Volksmund auch „Meck’m“, „das grüne Tor zu Ahr und Eifel“ oder „Mecktown“ genannt, denn die Umgebung der Stadt in der Nähe von Ahr und Eifel ist von Baumschulen, Rosenfeldern und weitläufigen Obstplantagen geprägt. Die Baumschulen (etwa die der Wilhelm Ley GmbHVgl. Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 761 (zum Geschäftsführer Karl Ley).), der Apfelanbau und andere Obstplantagen sind wichtige Wirtschaftsfaktoren. Eine Straße in Alt-Meckenheim wird wegen der Häufung von Obstverkaufsläden als „Obstmeile“ beworben. Im Ort wird Zuckerrübensirup, der „Grafschafter Goldsaft“ produziert. Die Zuckerrüben dafür werden in der Umgebung der Stadt geerntet. Nach der Entscheidung für Bonn als dauerhaften Regierungssitz entstand zwischen Alt-Meckenheim und Merl die Neue Mitte. Meckenheim wurde zur „Bonner Schlafstadt“, da zunehmend viele Bonner Bundesbedienstete ab den 1970er-Jahren hier ihren Wohnsitz nehmen konnten.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Alfter, Rheinbach und Wachtberg im Rhein-Sieg-Kreis, die kreisfreie Stadt Bonn sowie die Gemeinde Grafschaft im rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler.

Stadtgliederung Die Stadt ist gegliedert in die Kernstadt mit 17.348 Einwohnern (Stand: 30. September 2022), bestehend aus der Altstadt an der Swist und der ostwärts angrenzenden „Neuen Mitte“, sowie den Ortsteilen Altendorf (1310 Einwohner), Ersdorf (927 Einwohner), Lüftelberg (1355 Einwohner) und Merl (6007 Einwohner). Im Nordwesten der Stadt, zu Meckenheim und Lüftelberg gehörig, befindet sich ein großes Gewerbe- und Industriegebiet, der Industriepark Kottenforst.

Geschichte Im Gebiet um Meckenheim wurden Besiedlungsspuren aus der Zeit um 4000 v. Chr. gefunden.

Römerzeit Zur Zeit des Römischen Reiches entstand die Eifelwasserleitung, die Trinkwasser aus der Gegend um Nettersheim in die Colonia Claudia Ara Agrippinensium (das heutige Köln) führte und in der Meckenheimer Feldflur auf einer gemauerten Gewölbe- oder Aquäduktbrücke das Tal der Swist überquerte. Die Aquäduktbrücke über die Swist war einst ca. 1.400 m lang und bis zu 10 m hoch. Durch Steinraub im Mittelalter ist von der Brücke heute nichts mehr zu sehen, da sie ab dem 12. Jahrhundert als Steinbruch für Kirchen, Klöster und Burgen genutzt wurde; insbesondere war der Aquäduktenmarmor sehr begehrt. Nahe der Verbindungsstraße Meckenheim-Lüftelberg (K53) steht heute die Rekonstruktion eines Aquäduktpfeilers.

Nach den Feldzügen Gaius Iulius Caesars gegen die Eburonen sind nachweislich etwa 20 Einzelsiedlungen, wie etwa Bauernhöfe, militärische Anlagen, Grabanlagen und die Überreste eines Matronenheiligtums verbürgt.

Mittelalter Um etwa 450 n. Chr. besiedelten die Franken den Raum um das heutige Meckenheim. Von ihnen leitet sich auch der heutige Ortsname her, wie aus der typisch fränkischen Namensendung -heim hervorgeht. Archäologisch fassbar sind sie in erster Linie durch die insgesamt über 300 freigelegten Gräber. Ab dem 7. oder 8. Jahrhundert ist auch eine Töpferei nachweisbar.

Die erste urkundliche Erwähnung Meckenheims erfolgte 853. Dabei schenkte der Priester Herigar seinen Besitz in Meckenheim dem Stift St. Cassius in Bonn. Bei den Besitzungen handelte es sich um den Fronhof, der in der Nähe der Kirche St. Johannes der Täufer lag. Damit wurde das Cassiusstift zu Bonn eine der wichtigsten Gemeinwesen des Erzbistums Köln. Zweite wichtige Stütze der Stadt Meckenheim war das Kölner Mariengradstift, das in dieser Zeit Grund- und Gerichtsherr war und seit 1059 mit Niederhof und Burghof sowie 21 Lehensträgern über 1000 Morgen Land verfügte.

Um 1300 umgab die Stadt eine Befestigungsanlage mit Stadtmauer, Doppelgraben, Wall und Hecke, in der sich zwei Tore befanden. Die Stadtmauer wurde 1832 abgerissen. Ab 1300 gab es im Ort eine Burg im Besitz des Kölner Mariengraden-Stifts. Sie war als Lehen an die Junker von Meckenheim gegeben. Aus dem Geschlecht stammte der Kupferstecher Israhel van Meckenem. Im Jahr 1608 fiel die Burg an das Stift zurück, das sie 1726 wegen finanzieller Schwierigkeiten verkaufte. Zuletzt war sie im Besitz der Stadt Meckenheim. Der Stadtrat beschloss 1935, sie der NSDAP und ihren Gliederungen zur Verfügung zu stellen. Im Krieg schwer beschädigt, wurden Herrenhaus und zugehörige Gebäude 1947 abgerissen.Fahrradtour durch die Geschichte der Stadt Meckenheim, ADFC Meckenheim 2014. S. 18f

Neuzeit Zwischen 1590 und 1669 war Meckenheim mehrfach von der Pest betroffen, besonders schwerwiegend waren die Auswirkungen 1628. Im gleichen Zeitraum sind auch Prozesse gegen vermeintliche Hexen bekannt, wo insbesondere von 1636 bis 1638 nochmal eine größere Prozesswelle unter dem „Hexenkommisar“ Franz Buirmann stattfand.

Dreißigjähriger Krieg Von den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) blieb Meckenheim zunächst verschont. Die Tatsache, dass man zwar keine Stadtrechte besaß, aber Steuern zahlte und Personal zum Bau beispielsweise der Festung Bonn abstellen musste wie eine Stadt, führte zu Beginn des Jahres 1636 dazu, dass sich die Meckenheimer an ihre Grundherren wandten und darum baten, entweder die Stadtrechte zu erhalten oder nur die Lasten eines Fleckens, also eine Landgemeinde, benehmen zu müssen. Der Kölner Erzbischof Ferdinand von Bayern reagierte darauf mit der Verleihung der Stadtrechte am 28. Juli 1636. Meckenheim blieb aber ein Zentrum der Agrarwirtschaft. Im Juni 1645 eroberte der hessische Obrist Carl von Rabenhaupt die Stadt und besetzte sie für eine Nacht, bevor sie vor den aus Flerzheim vorrückenden kaiserlichen Truppen abzogen.

Brandkatastrophe 1787 Die Stadt Meckenheim bestand 1787 aus zahlreichen kleinen Wohnhäusern und Höfen, die dicht an dicht entlang enger und verwinkelter Gassen standen. Viele Gebäude waren zudem in Holzbauweise errichtet und mit Stroh gedeckt. Es waren zudem Maßnahmen zum Brandschutz getroffen worden – so war etwa 1640 festgelegt worden, dass neu errichtete Häuser mit Ziegeln oder Schiefer gedeckt sein mussten. Zudem war das Rauchen an zahlreichen Stellen der Stadt verboten, und Nachtwächter patrouillierten regelmäßig.

Dennoch kam es am 4. März 1787 zu einer verheerenden Brandkatastrophe. Nach einer längeren Trockenperiode begünstigten starke Winde die rasche Ausbreitung eines Feuers, das zwar früh entdeckt worden war, sich jedoch schnell über weite Teile der Stadt ausbreitete. Insgesamt wurden 116 Häuser einschließlich der zugehörigen Scheunen zerstört. Besonders betroffen war der dicht bebaute nördliche Stadtteil. Bei dem Brand gingen zudem zahlreiche historische Dokumente zur Geschichte Meckenheims verloren, die im ebenfalls zerstörten Burghof und im Pfarrhaus aufbewahrt worden waren.

Da die öffentlichen Kassen nach der Katastrophe weitgehend leer waren, gestaltete sich der Wiederaufbau zunächst schwierig. Der 1824 erstellte Stadtplan, auch als „Urkarte“ bezeichnet, lässt jedoch erkennen, dass spätestens zu diesem Zeitpunkt ein Großteil der zerstörten Gebäude wiedererrichtet worden war. Beim Wiederaufbau wurden größere Abstände zwischen den Gebäuden vorgesehen und die Straßen teilweise deutlich verbreitert.

Französische Besatzungszeit Zwischen 1794 und 1815 änderte sich die territoriale Zugehörigkeit der Stadt zweimal: Zunächst wurde das Rheinland von Frankreich annektiert, wodurch Meckenheim ab Oktober 1794 zum französischen Staat gehörte, und zwar zur Mairie Adendorf im Kanton Rheinbach, der wiederum Teil des Arrondissements Bonn war. Warum Adendorf Sitz der Bürgermeisterei wurde, obwohl Meckenheim der einzige Ort mit Stadtrechten und auch der größte Ort der Mairie war, ist bis heute nicht geklärt. Mit der Herrschaft der Franzosen wurden zum ersten Mal mit dem Code Civil ein Gesetzbuch für das Zivilrecht und später mit dem Code Pénal auch ein Gesetz für das Strafrecht eingeführt, ersteres wurde erst 1900 durch das Bürgerliches Gesetzbuch abgelöst. Rechtsstreitigkeiten und Strafverfahren werden seitdem in öffentlichen Prozessen vor dem damals wie heute zuständigen Gericht in Rheinbach abgehalten. Die Stadt verlor durch das französische Gemeindewesen ihre Stadtrechte wie auch die Nachbarstadt Rheinbach, diese erhielt sie aber 1862 wieder verliehen.

Teil der Rheinprovinz Als Folge des Wiener Kongresses nach der Niederlage Napoleon Bonapartes in Waterloo fiel das Rheinland an das Königreich Preußen und wurde diesem (ab 1822 als Rheinprovinz) angegliedert. Die durch die Franzosen eingeführte Verwaltungsgliederung wurde beibehalten, sodass Meckenheim auch seine Stadtrechte nicht zurückerhielt. Es war jetzt Teil der Bürgermeisterei Adendorf im Landkreis Rheinbach, welches zum Regierungsbezirk Bonn gehörte. Erst 1929 erhielt Meckenheim das Recht, den Titel „Landgemeinde Stadt Meckenheim“ wieder zu führen.

Zwischen 1855 und 1969 bestand ein Tonwerk und ab 1892 eine Feldbrandziegelei.

Zeit des Nationalsozialismus Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus, 1933, lebten in Meckenheim 17 jüdische Familien, davon wanderte ein Teil wegen der staatlichen Repressalien unter anderem in die Vereinigten Staaten, nach Kanada, Chile, Argentinien, Palästina und Südafrika aus. Am 10. November 1938 kam es in der Pogromnacht an sämtlichen jüdischen Geschäften und Wohnhäusern sowie an der Synagoge zu Zerstörungen. Die Meckenheimer Synagoge wurde nach einer Meldung des Bürgermeisters an den Landrat nur deshalb nicht zerstört, weil sie sich „in einem auch von Ariern bewohnten Gebäude“ befand. Anfang 1942 wurden die letzten jüdischen Bewohner in einem Sammellager in Bonn-Endenich interniert und später nach Maly Trostinez bei Minsk deportiert. Das Gedenkbuch des Bundesarchivs verzeichnet 40, nach anderen Quellen 56 in Meckenheim geborene jüdische Bürger, die dem Völkermord des nationalsozialistischen Regimes zum Opfer fielen (Siehe auch: Jüdische Gemeinde Meckenheim), mindestens 64 Menschen wurden aus der Stadt deportiert.

Für 27 von ihnen wurden im Rahmen des Stolpersteine-Projektes des Künstlers Gunter Demnig Stolpersteine vor den Häusern verlegt, die sie vor ihrer Ausweisung oder Deportation bewohnt hatten.