mini|Luftaufnahme der Grevener Innenstadt, 2014 mini|Stadtkern am Völkerballkreisel, 2014 Greven (plattdeutsch Graiwen) ist eine Stadt im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im nördlichen Münsterland als Teil des Euregio-Raums zwischen Münster und Osnabrück und wird im Landesentwicklungsplan NRW als Mittelzentrum eingestuft.LEP NRW, Entwurf 2013, Staatskanzlei des Landes NRW, S. 161 (PDF 1,85 MB), abgerufen am 11. November 2016
Geographie Lage
Greven ist eine Stadt im Kreis Steinfurt im Norden des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und liegt im Münsterland. Die Stadt befindet sich etwa 15 Kilometer nördlich von Münster und rund 35 Kilometer südlich von Osnabrück.
Die Ems fließt durch das Stadtgebiet und prägt die Landschaft. Der Fluss teilt die Stadt in die beiden Stadtteile Greven links der Ems und Greven rechts der Ems, die vor der Stadtwerdung eigenständige Dörfer waren.
Greven liegt in der flachen, landwirtschaftlich geprägten Parklandschaft des Münsterlandes. Durch Greven verlaufen die Bundesautobahn A1 sowie die Bundesstraße B481, was die Stadt verkehrsgünstig an Münster, Osnabrück und das Ruhrgebiet anbindet.
Der Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) befindet sich teilweise auf dem Gebiet der Stadt Greven.
Nachbargemeinden Greven grenzt (im Uhrzeigersinn, beginnend im Südwesten) an Altenberge, Nordwalde, Emsdetten, Saerbeck, Ladbergen (alle im Kreis Steinfurt), Ostbevern und Telgte (beide im Kreis Warendorf), sowie an Münster (kreisfrei).
Stadtgliederung Greven ist in die Kernstadt an der Ems (etwa 26.000 Einwohner), die Ortsteile Reckenfeld (ca. 8.600 Einwohner), Gimbte (ca. 1.000 Einwohner) und Schmedehausen (ca. 600 Einwohner) sowie die Bauerschaften Aldrup, Bockholt, Fuestrup, Guntrup, Hanseller Floth, Hembergen, Herbern, Hüttrup, Maestrup, Pentrup, Schmedehausen, Westerode und Wentrup (zusammen ca. 3.700 Einwohner) unterteilt. In der Kernstadt leben somit ca. 66 Prozent der Gesamtbevölkerung Grevens. Die Kernstadt lässt sich nochmal in Rechts und Links der Ems unterteilen. Dabei lebt der Großteil der Menschen Rechts der Ems. Mit über 20.000 Einwohnern wohnen dort mehr als die Hälfte aller Grevener (51 %). Dieser Teil Grevens wächst vor allem aufgrund des Neubaugebietes „Wöste“, in dem über 650 Grundstücke entstehen beziehungsweise entstanden. Links der Ems wohnen derzeit knapp 6.000 Einwohner (15 %). Insgesamt zählt die Stadt nach eigenen Angaben rund 39.340 Einwohner (Stand 31. Dezember 2025). Nach Rheine und Ibbenbüren ist Greven damit vor Emsdetten die drittgrößte Gemeinde des Kreises Steinfurt. Zudem hat die Stadt Greven einen Demographiebericht verfasst, der u. a. Aufschluss über die vorhandene Altersstruktur gibt., abgerufen am 7. August 2020
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete
Das Gebiet der Stadt Greven gehört hydrologisch zum Flusssystem der Ems. Die wichtigsten Oberflächengewässer sind die Ems, die Glane und die Münstersche Aa.
Die Ems durchquert das Stadtgebiet überwiegend von Südost nach Nordwest und prägt die naturräumliche Gliederung der Stadt. Die Glane mündet in Hembergen in die Ems, ebenso die Münstersche Aa südlich des Stadtzentrums.
Neben den Fließgewässern gibt es im Stadtgebiet mehrere Baggerseen und Stillgewässer, darunter der Sonnenhügel-See, der Franz-Felix-See, der Grainsee, der Gertrudensee, der Luhnsteich und der Schlichtenfelder See.
Der Dortmund-Ems-Kanal durchfließt das östliche Stadtgebiet.
Im Stadtgebiet befinden sich Moore und andere Feuchtgebiete, insbesondere in den emsnahen Niederungen sowie in den Bereichen der Emsaue und des Wentruper Berges. Teile dieser Gebiete stehen als Landschafts- oder Naturschutzgebiete unter Schutz und dienen als Lebensraum für feuchtgebietstypische Tier- und Pflanzenarten. Daneben bestehen kleinere Bruchwälder, Feuchtwiesen und Altarme der Ems.
Im Stadtgebiet von Greven gibt es folgende Naturschutzgebiete: Bockholter Berge (ST 032), das Boltenmoor (ST 040), die Emsaue (ST 102), das Hanseller Floth (ST 009), die Hüttruper Heide (ST 011), sowie die Wentruper Berge (ST 027).
Die Schutzgebiete umfassen unter anderem Auenlandschaften, Moor- und Heideflächen, Feuchtwiesen sowie Binnendünen und dienen dem Erhalt seltener Tier- und Pflanzenarten.
Geschichte Namensgebung Greven leitet sich aus dem Siedlungsnamen „Grevaon“ (Urbar des Klosters Werden, Ende 9. Jahrhundert) ab, was so viel bedeutet wie „bei den Gräben“ und sich auf die vor- und frühgeschichtlichen Emsarme (Laken, tote Flussbette) bezieht.Vgl. Joseph Prinz: Greven an der Ems. 2. Aufl., Bd. 1, Greven 1976, S. 24.
Frühgeschichte Auf Grevener Gebiet sind Spuren (Pfeilspitzen) von Jägern der Mittleren Steinzeit gefunden worden. Es gibt Spuren von Siedlungen aus der Jungsteinzeit, ein Grab aus der Bronzezeit und vorrömische Funde.
Mittelalter mini|Sachsenhof Pentrup Zur Zeit der Sachsen liegt Greven an der nördlichen Spitze des Dreingaus. Zu diesem Zeitpunkt scheint es rund um den Ort verschiedene bäuerliche Anwesen gegeben zu haben. Das Freilichtmuseum Sachsenhof in Greven-Pentrup ist die Rekonstruktion eines Anwesens, das im münsterschen Stadtteil Gelmer ausgegraben wurde. Seit Beginn der Sachsenkriege (772–804) sind fränkische Siedler nachweisbar.
Grevens Lage an einem Emsübergang und am Ende der schiffbaren Ems bestimmten lange Zeit die Entwicklung des Dorfes. Zur Sicherung des Emsübergangs wurden acht Höfe, die durch einen Vogt verwaltet wurden, entlang der heutigen Markt- und Münsterstraße angelegt. Ca. 793 Gründung der Kirche St. Martinus durch den heiligen Liudger. Greven zählt zu einer der Urpfarreien, die um 800 von Bischof Liudger gegründet wurden. Um 900 wird der Name „Grevaon“ erstmals urkundlich erwähnt. Zwischen 900 und 1200 gab es eine mittelalterliche Siedlung im heutigen Gewerbegebiet Wentrup-Ost, die jüngst archäologisch untersucht wurde. Seit 1200 hatte Greven das Marktrecht, das wohl mit der exponierten Lage des damaligen Dorfes zusammenhängt. Der Markt im August besaß überregionale Bedeutung.
1257 wird erstmals die Burg Schöneflieth am Emsübergang erwähnt, die dem Ritter Dietrich von Schoenenbeke gehört. Sie wird 1275/76 von Bischof Eberhard von Diest zerstört, unter anderem wohl, weil Dietrich sich als Raubritter betätigte. 1335 bis 1370 errichtet das Münstersche Domkapitel fast an der gleichen Stelle eine neue Burg, die als Zollburg und zum Schutz des Emshafens dient. Diese Burg verfiel ab 1803, heute sind nur noch wenige Spuren davon zu sehen.
Neuzeit Ende des 16. Jahrhunderts erlebte Greven wegen seiner guten geographischen Lage einen gewissen Aufschwung durch den Fernhandel. Die Emsschifffahrt lebte durch die Pünten (flache Fluss-Schiffe) wieder auf. Der Grevener Markt erlitt allerdings 1589 einen herben Rückschlag durch einen Überfall und Raubzug niederländischer Reiter;Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 193. er verlor infolgedessen an überörtlicher Anziehungskraft.
Plünderungen, Seuchen und Brände trugen während des Dreißigjährigen Krieges und danach zum Niedergang des Dorfes bei. Erst ab 1700 nahm Greven vor allem durch den Textilhandel wieder einen gewissen Aufschwung. 1803 wurde das bis dahin fürstbischöfliche Dorf preußisch und gehörte ab 1808 zum Großherzogtum Berg und 1811 zum französischen Kaiserreich, ehe Greven infolge des Wiener Kongresses wieder zu Preußen kam. Verwaltungsmäßig gehörte es von da an zum Landkreis Münster im Regierungsbezirk Münster der Provinz Westfalen.
Mit der Gründung der Grevener Baumwollspinnerei 1855 begann in Greven die Industrialisierung, die vor allem durch das Kapital der im Fernhandel wohlhabend gewordenen Kaufmannsfamilien vorangetrieben wurde. 1856 wurde die Eisenbahnlinie Münster-Emden eingerichtet, 1892 bis 1898 der Dortmund-Ems-Kanal gebaut.
Im Ersten Weltkrieg wurde in der Bauerschaft Hembergen ein Munitionsdepot gebaut, aus dem sich nach dem Krieg der Ortsteil Reckenfeld entwickelte. 1933 wählten gut zwölf Prozent der Grevener die NSDAP, in der katholischen Stadt war nach wie vor das Zentrum sehr stark. Im Februar 1945 wurde Greven bombardiert, zehn Menschen kamen dabei ums Leben. Ostern 1945 eroberten britische und kanadische Einheiten die Stadt.
Informationen zur Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus Greven betreffend, findet man unter NS-Zwangsarbeit im Münsterland.
Nachkriegszeit Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gehörte Greven zur Britischen Besatzungszone. Bis 1950 wurden tausende von Displaced Persons in DP-Lagern im Grevener Norden und in Reckenfeld untergebracht. Die meisten von ihnen stammten aus Polen und dem Baltikum. Die Lager wurde von einem Team der UNRRA betreut.
Mit der Veröffentlichung im Amtsblatt der Regierung des Landes Nordrhein-Westfalen in Münster erhielt die Gemeinde Greven-Dorf am 28. Januar 1950 das Stadtrecht.Stefan Schröder: Die Stadtwerdung Grevens. Eine aktenkundliche Neubewertung zum korrekten Datum und zur gültigen Urkunde bei der Stadtrechtsverleihung. In: Stadtarchiv der Stadt Greven (Hrsg.): Grevener Geschichtsblätter Nr. 8. 2014/15, S. 24–32. Am 10. August 1952 wurden die Gemeinden Greven rechts der Ems und Greven links der Ems, die am 1. Oktober 1894 durch Ausgliederung aus Greven selbständig geworden waren, wieder eingegliedert. Die Gemeinde Gimbte wurde am 1. Januar 1975 eingemeindet.
In den 1960er Jahren geriet die Textilindustrie in eine schwere Krise. Hohe Arbeitslosigkeit war die Folge. Um den Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) (gegründet 1966) haben sich vor allem Logistikfirmen angesiedelt.
Religion
Konfessionsstatistik Gemäß der Volkszählung 2011 waren 55,8 % römisch-katholisch, 18,9 % der Einwohner evangelisch und 25,3 % waren konfessionslos oder gehörten einen anderen Glaubensgemeinschaft an. -in %, Zensus 2011 Im Jahr 2018 gehörten 49,0 % der Einwohner Grevens der römisch-katholischen Konfession an, 17,6 % (6817) waren evangelischen Glaubens und 33,4 % gehörten anderen Glaubensgemeinschaften oder keiner Konfession an., abgerufen am 9. Juli 2019Greven Daten zur Bevölkerung 2019, abgerufen am 21. Februar 2020 Derzeit (Anfang 2022) sind 17,2 % (6490) der Einwohner evangelisch. Evangelische Kirchengemeinde schrumpft, abgerufen am 12. März 2022
Katholische Pfarrgemeinden und Kirchen St. Martinus und St. Johannes Baptist mini|St.-Martinus-Kirche (Luftbild, 2014) Die Katholische Kirche ist seit der Auflösung der bis dahin eigenständigen St.-Lukas-Gemeinde (Greven-West) im November 2012 in nur noch zwei Pfarrgemeinden aufgeteilt. Die Pfarrgemeinde St. Martinus umfasste seither mit den sechs Kirchorten St. Martinus (Greven-Mitte rechts der Ems), St. Mariä Himmelfahrt (Greven-Süd), Heilige Schutzengel (Ortsteil Schmedehausen), St. Wendelin (Ortsteil Bockholt), St. Josef (Greven-West links der Ems) und St. Franziskus (Ortsteil Reckenfeld) den größten Teil des Stadtgebietes. Seit der Profanierung und ersatzlosen Aufgabe der Marienkirche im Grevener Süden im März 2022 verfügt die Gemeinde nur noch über fünf Kirchorte. Die Martinuskirche in der Grevener Innenstadt bildet dabei die zentrale Pfarrkirche der Kirchengemeinde, der 2013 circa 19.500 Katholiken angehörten.St. Martinus, auf martinus-greven.de
Weiterhin eigenständig ist die kleine Pfarrei St. Johannes Baptist im Grevener Ortsteil Gimbte, deren Pfarrer in der Regel nebenamtlich arbeiten und zugleich bei der Bistumsleitung oder Priesterausbildung im nahe gelegenen Münster tätig sind. Die Pfarrei St. Johannes Baptist zählt circa 700 Gläubige.
Kirchenabrisse, -neubauten und -umwandlungen mini|Die in den 1950er Jahren erbaute St.-Josef-Kirche wurde 2019 profaniert und abgerissen