Die Stadt Beckum (plattdeutsch Biäkem) ist eine mittlere kreisangehörige Stadt im Kreis Warendorf in Nordrhein-Westfalen und hat etwa 37.000 Einwohner.
Beckum ist Namensgeber für einen kleinen Höhenzug im Münsterland, die Beckumer Berge.
Geografie Ausdehnung des Stadtgebiets Das Gebiet der Stadt Beckum besitzt eine Nord-Süd-Ausdehnung von 12,8 km und eine Ost-West-Ausdehnung von 12,3 km. Die Höhe ü. NN liegt im Bereich von 84,5 bis 164 m.
alt=Stadtteile von Beckum|mini|Ortsteilkarte von Beckum
Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn im Norden beginnend grenzt Beckum an Ennigerloh, Oelde, Wadersloh, Lippetal und Ahlen. Die südliche Grenze des Stadtgebietes ist zugleich die Grenze zum Kreis Soest und zum Regierungsbezirk Arnsberg.
Stadtgliederung Beckum besteht aus den vier Stadtteilen (Stand 2018Standort Beckum ().):
Beckum (24.642) Neubeckum (10.687) Vellern (1.083) Roland (1.065)
Mittelpunkt Westfalens Je nach verwendeter Berechnungsgrundlage liegt der Mittelpunkt Westfalens südlich der Stadt Beckum in der Bauerschaft Unterberg an der Grenze zu Lippborg, Gemeinde Lippetal, oder bereits in Lippborg.Rudolf Grothues: Zum Mittelpunkt Westfalens (LWL – Westfalen Regional).
Geschichte mini|Beckum vor 1647. Kupferstich der Stadtansicht Beckums von Matthäus Merian. mini|Ehemaliges Rathaus und heutiges Stadtmuseum mini|Marktplatz mini|hochkant|St. Stephanus, Blick von Südwesten mini|hochkant|Großes Siegel der Stadt Beckum1339 Juli 6 (Kl. Marienfeld Urk. 634)
Die frühesten Zeugnisse menschlicher Besiedlung im Raum Beckum stammen aus der Jungsteinzeit, aus der das Galeriegrab von Beckum-Dalmer südlich der Stadt erhalten geblieben ist. Im frühen Mittelalter war die Gegend um Beckum von Germanenstämmen besiedelt. Davon zeugen mehrere Grabfunde aus der Zeit von 600–800 n. Chr., sowie eine Wallanlage südlich von Beckum. 1959 wurde bei Bauarbeiten ein Fürstengrab freigelegt. In ihm fand man reiche Grabbeilagen, wie Pferdeskelette und kostbare Waffen.
Beckum wurde im Jahre 1134 erstmals als parrochia Bikeheim urkundlich erwähntFriedrich Philippi (Hrsg.): Osnabrücker Urkundenbuch. Band 1: Die Urkunden der Jahre 772–1200. Osnabrück 1892, S. 255. und im Jahr 1224 erstmals als Stadt bezeichnet.Westfälisches Urkundenbuch III 207. Der Name leitet sich vom Namen Beckhem (Bachheim oder Heim an Bächen) ab, was auf den Zusammenfluss von drei Bächen im Stadtgebiet zurückzuführen ist. Die drei Bäche Kollenbach, Siechenbach und Lippbach, wiedergegeben im Wappen der Stadt, ergeben die Werse, die damit in Beckum ihren Ursprung hat. Die Stadt wurde zum Schutz gegen feindliche Truppen und Überfälle anderer Städte im Mittelalter mit einer Mauer umgeben. Auch die Feldmark, der landwirtschaftlich genutzte Bereich im Umfeld der Stadt, wurde von einer doppelten bis dreifachen Wallanlage geschützt. Ergänzt wurden die Befestigungsanlagen durch vier Stadttore und 22 Wachtürme, von denen ein Wehrturm der Stadtmauer und die so genannte Soestwarte erhalten geblieben ist. Letztere steht Besuchern heute als Aussichtsturm zur Verfügung und erlaubt durch ihre Lage auf dem Höxberg einen weiten Blick ins Umland.
Der Legende nach soll Beckum identisch mit der Stadt Schilda sein, der Heimat der Schildbürger (Beckumer Anschläge).
Durch eine strategisch günstige Lage an der Kreuzung zweier Handelswege kam Beckum bereits im Mittelalter zu einigem Reichtum. Zahlreiche Kaufleute und Handwerker ließen sich in der durch eine Mauer befestigten Stadt nieder. Im späteren Mittelalter wurde Beckum Mitglied der Hanse. Die erste Erwähnung dieser Handelsbeziehungen stammt aus dem Jahr 1433.
Im Zusammenhang mit dem sogenannten Spanischen Winter 1598/99 wurde Beckum von spanischen Truppen unter dem Oberbefehl von Admiral Mendoza eingenommen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt ebenfalls mehrfach besetzt und geplündert.
Durch diese Kriege, Seuchen (Pest 1635) und verheerende Brände (1655, 1657 und 1734), bei denen ein großer Teil der Stadt zerstört wurde, verarmte die Stadt. Ab dem 17. Jahrhundert bis ins Jahr 1942 ist eine dauerhafte jüdische Gemeinde in Beckum nachweisbar.
Erst ab dem 19. Jahrhundert erholt sich die Wirtschaft allmählich. Im Jahr 1872 wurde in Beckum ein erstes Zementwerk erbaut, worauf noch zahlreiche weitere folgten. Die günstigen Rohstoffvorkommen (Mergel), die Nähe zum Ruhrgebiet und der Anschluss an die neue Stammstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft im Jahr 1847 ließen Beckum zu einem der bedeutendsten Zementreviere der Welt werden. Heute gibt es noch zwei große Zementwerke in Beckum: LafargeHolcim WestZement GmbH und Phoenix Zementwerke Krogbeumker GmbH & Co. KG.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam außerdem noch der Abbau von Strontianit als Wirtschaftszweig hinzu. Zu dieser Zeit galt das Münsterland als einzige Lagerstätte für Strontianit weltweit. Das Mineral wurde in der Zuckerindustrie als Katalysator zur Melasse-Entzuckerung benötigt. Allerdings hielt die Nachfrage nach Strontianit nur ein paar Jahre an. Nachdem der billigere Coelestin als Ersatzstoff zum Einsatz kam, stellten die meist kleinen Gruben ihren Betrieb ein.
Die durch die aufblühende Zementindustrie und die entstehenden Sekundärgewerbe immer stärker wachsende Stadt erhielt im Jahr 1900 ein städtisches ElektrizitätswerkEnergieversorgung Beckum: Geschichte. 1908 beschloss der Kreistag Beckum die Errichtung einer zentralen Wasserversorgung, worauf bis 1910 das Wasserwerk Vohren an der Ems und ein Wasserturm in Beckum erbaut wurden. Ab 1909 folgte innerhalb von fünf Jahren die Errichtung einer Kanalisation samt Kläranlage.
Während der Novemberpogrome 1938 zerstörten SA- und SS-Angehörige in Zivil jüdische Wohn- und Geschäftshäuser; ein jüdischer Bewohner starb an den Folgen der Misshandlungen. Die Inneneinrichtung der Synagoge und die jüdische Schule wurden zerstört. Auf dem jüdischen Friedhof wurden Grabsteine umgeworfen und zertrümmert. Die letzten beiden jüdischen Bürger Beckums wurden im Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Mindestens 60 jüdische Bürger wurden während des Holocaust ermordet.
Die Stadt Beckum blieb im Zweiten Weltkrieg weitestgehend von der Zerstörung durch Bombenangriffe verschont. Am 1. April 1945 wurde die Stadt durch den Kommandanten Rudolf Dunker kampflos an die vorrückenden amerikanischen Streitkräfte übergeben.s. Literatur: Peter Littke: Major Dunker und das Kriegsende 1945 in Beckum. In der Stadt gibt es auch einige Bunkeranlagen, die gelegentlich zur Besichtigung geöffnet sind.
In der Zeit von 1816 bis 1974 war Beckum Kreisstadt (siehe Kreis Beckum); es verlor diesen Status mit dem Münster/Hamm-Gesetz (§ 53) jedoch an Warendorf. Das ehemalige Kfz-Kennzeichen BE ist seit April 2014 wieder erhältlich.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1969 wurden die Gemeinden Kirchspiel Beckum und Vellern durch § 10 Soest/Beckum-Gesetz eingemeindet. Am 1. Januar 1975 kam mit § 15 Münster/Hamm-Gesetz Neubeckum hinzu.
Archiv Das Archiv der Stadt Beckum liegt im Kreisarchiv Warendorf. Der Heimat- und Geschichtsverein betreut im ehemaligen Dormitorium ein Heimat- und Familienarchiv.
Einwohnerstatistik Jahr Einwohner 1965 36.263 1970 37.991 1975 38.375 1980 37.903 1985 36.725 1990 36.772 1995 38.166 2000 37.916 2005 37.472 2008 36.965 Jahr Einwohner 2009 36.764 2010 36.736 2011 36.106 2012 36.062 2013 35.909 2014 36.135 2015 36.560 2016 36.729 2017 36.689 2018 36.646 Jahr Einwohner 2019 36.815 2020 36.637 2021 36.737 2022 36.942 2023 37.068 2024 37.133
Quelle: Landesdatenbank NRWLandesdatenbank NRW
Konfessionsstatistik Von den Einwohnern (Stand Dezember 2018) waren 50,6 % (19.988) römisch-katholisch, 18,4 % (6.897) evangelisch und 31 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe., abgerufen am 10. April 2021
Politik mini|Rathaus mini|European Energy Award, Turbinenhalle Düsseldorf (2013) mini|Kreisständehaus
Bürgermeister Amtierender Bürgermeister ist seit 2020 Michael Gerdhenrich (parteilos). Bei der Kommunalwahl 2025 wurde er mit 53,9 % der Stimmen bei drei Gegenkandidaten im Amt bestätigt. Derzeitige Stellvertreter sind Andreas Kühnel (CDU), Rudolf Grothues (SPD) und Karl-Heinz Przybylak (FDP).
Stadtrat 202520232 2020wahlen.citeq.de 20151 2014beckum.de 2009beckum.de 2004beckum.de 1999beckum.de 1994beckum.de ParteiSitze%Sitze% Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % CDU1841,91437,4 14 37,4 14 37,5 14 37,5 15 38,0 18 42,3 19 44,8 14 33,3 SPD1226,41132,5 12 32,5 14 36,0 14 36,0 12 31,2 12 28,3 13 31,6 15 35,1 GRÜNE410,0817,3 7 17,3 4 10,4 4 10,4 4 11,3 4 9,4 3 6,6 3 7,4 FWG48,337,5 3 7,5 3 8,6 3 8,6 4 11,7 5 13,2 5 12,2 9 21,5 FDP36,725,4 2 5,4 3 4,8 2 4,8 3 7,8 3 6,1 2 4,9 0 2,7 Piraten———— — — 0 2,6 1 2,6 — — — — — — — —Die Linke36,2————————————————Die Partei—0,5———————————————— Wahlbeteiligung (in %)52,8— 49,7 — 45,6 49,3 56,4 54,4 81,8 1 Nach dem Wechsel eines Piraten in die FDP.
2 Nach dem Wechsel einer SPD-Abgeordneten zu den Grünen.
Wappen In Rot drei schräge weiße Wellenbalken.
Die drei Wellenbalken sind redendes Symbol des Ortsnamens Beckum = Bekehem = Bachheim und stehen für die drei Bäche Kollenbach, Siechenbach und Lippbach, die nach ihrem Zusammenfluss in Beckum die Werse bilden (neu bestätigt am 26. März 1976).
Städtepartnerschaften 20px|links Heringsdorf, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland 20px|links La Celle Saint-Cloud, Frankreich 20px|links Grodków (Grottkau), Oberschlesien, Polen
Aufgrund der langjährigen Städtepartnerschaften und den damit verbundenen Bestrebungen zur Vertiefung des europäischen Gedankens wurde der Stadt Beckum durch den Europarat im Jahr 2003 das sogenannte Europadiplom, zwei Jahre später die Ehrenfahne und 2010 die Ehrenplakette überreicht.
Außerdem besteht eine Patenschaft zwischen der Stadt Beckum und der Bundesvereinigung der Grottkauer e. V., heute Grodków. Nachdem Beckum bereits im Mittelalter entsprechende Handelsverbindungen besaß, ist die Stadt heute Mitglied in der Neuen Hanse und im Westfälischen Hansebund.
Umweltpolitik und Nachhaltigkeit Mit dem Ziel, seine Treibhausgas-Emissionen und den Energieverbrauch nachhaltig zu senken, hat sich die Stadt Beckum im Jahre 2016 dem Verbund der Masterplan-Kommunen angeschlossen. Im selben Jahr trat man auch der Kampagne Fairtrade-Towns bei.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|hochkant|Aussichtsturm Soestwarte auf dem Höxberg mini|hochkant|Spannbetonbrücke an ihrem neuen Standort auf dem Parkplatz der Raststätte Vellern mini|Fernmeldeturm (links) und Soestwarte (rechts) mini|Windmühle am Höxberg (Luftbild, 2014) mini|Teich im Westenfeuermarkt mit Kriegerdenkmal mini|Aktivpark Phönix mit Blick auf See und Zementwerk am Kollenbach mini|Stadttheater Beckum
Bauwerke
Beckum hat einige architektonische und kunsthistorische Sehenswürdigkeiten. Im Stadtzentrum, direkt am Marktplatz, steht das 1441 urkundlich erstmals erwähnte Alte Rathaus, dem wohl ein kleineres Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert vorausging. Es dürfte im Kern noch aus dem 15. Jahrhundert stammen. Der ursprünglich traufständige Bau mit seitlichen Treppengiebeln und spitzbogigen Arkaden wurde 1879 um ein Geschoss erhöht. Seinerzeit entstand auch der neugotische Stufengiebel, der 1937 wesentlich vereinfacht wurde. An der Marktfassade finden sich die Kopien zweier Steinplastiken der Stadtpatrone St. Stephanus und St. Sebastian. Die vermutlich aus dem Umkreis des Heinrich Brabender stammenden Originale (um 1500 geschaffen) sind heute im Inneren untergebracht. Seit 1986 befindet sich hier das Stadtmuseum. Westlich schließt sich an das Rathaus unmittelbar das einstige Stadtkellergebäude an, das ebenfalls mit einem Bogengang versehen ist. Es beherbergt heute die Apotheke am Markt.