Troisdorf (mit Dehnungs-i) ist die bevölkerungsreichste Stadt im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen und liegt rechtsrheinisch zwischen Köln und der Bundesstadt Bonn. Die Stadt liegt im Südosten der Kölner Bucht zwischen den südlichen Ausläufern des Bergischen Landes im Norden und den Siegauen im Süden.
Geographie
mini|Mündung der Agger (vorn) in die Sieg (hinten) mini|Aggerwehr Troisdorf liegt an der Sieg, einem Nebenfluss des Rheins, und an der Agger, die ihrerseits ein Nebenfluss der Sieg ist und die Stadtgrenze zur Nachbarstadt Siegburg bildet. In Troisdorf mündet die Agger in die Sieg. Parallel zum Verlauf der Sieg fließt der Mühlengraben, der bis zum Ende des 20. Jahrhunderts unter anderem zum Antrieb von zwei Getreidemühlen auf Troisdorfer Stadtgebiet diente. Das Wasser wird am Aggerwehr aus der Agger abgeleitet und bei Bergheim wieder der Sieg zugeführt. Die höchste Erhebung des Stadtgebietes ist mit Angabe laut Digitalem Geländemodell (abrufbar im Kartendienst TIM-online). der Telegraphenberg in der Wahner Heide, seinen niedrigsten Punkt erreicht es mit im Bereich der Siegmündung.
Stadtgliederung Troisdorf besteht aus zwölf Stadtteilen, die gleichzeitig Ortschaften mit einem Ortsvorsteher sind:
Stadtteil Einwohner Altenrath 2.276 Bergheim 5.708 Eschmar 3.142 Friedrich-Wilhelms-Hütte 7.112 Kriegsdorf 3.179 Troisdorf-Mitte 17.018 Müllekoven 1.835 Oberlar 6.106 Rotter See 3.863 Sieglar 8.739 Spich 13.031 Troisdorf-West 5.616 Weitere 7 Einwohner ohne Ortsangabe; Stand der angegebenen Einwohnerzahlen (einschließlich Zweitwohnsitz): 31. Dezember 2018
Nachbargemeinden Im Norden grenzt Troisdorf an Köln und Rösrath, im Osten an Lohmar und Siegburg, im Südosten an Sankt Augustin, im Süden an Bonn und im Westen an Niederkassel.
Geschichte mini|Troisdorf Anfang des 19. Jahrhunderts mini|Sieglar – Marktplatz mit Schule, ca. 1915 mini|Herrenhaus der Burg Wissem mini|Die Friedrich-Wilhelm-Hütte 1853 Troisdorf wird ursprünglich in einer Urkunde der Siegburger Benediktiner-Abtei Michaelsberg aus dem Jahre 1064 als Truhtesdorf bezeichnet.
Die ältesten urkundlich erwähnten Siedlungen im heutigen Stadtgebiet sind aber Eschmar und Sieglar, die bereits 832 genannt werden. Für eine frühe Besiedlung spricht auch der ehemalige Rittersitz Burg Wissem, der heute nahe dem Stadtzentrum am Waldrand liegt.
Das Verwaltungsgebiet Troisdorf war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts Teil des Amtes Blankenberg im Herzogtum Berg, das 1806 im Zusammenhang mit der Bildung des Rheinbundes im Großherzogtum Berg aufging. Im Jahre 1808 wurde durch die französische Verwaltung unter Napoleon Bonaparte Troisdorf der Mairie Siegburg im Kanton Siegburg, Arrondissement Mülheim, Département Rhein im Großherzogtum Berg zugeordnet. Ab 1816 bis 1899 gehörte die Gemeinde Troisdorf mit der dazugehörigen Burg Wissem (Stand 1888: 1790 Einwohner) deshalb zur Bürgermeisterei Siegburg im Kreis Siegburg (1825 in Siegkreis umbenannt) im Regierungsbezirk Cöln. Nachdem Siegburg 1857 die Stadtrechte erhalten hatte, gehörte Troisdorf zusammen mit der Gemeinde Wolsdorf zur Bürgermeisterei Siegburg-Land.
Als 1899 die Gemeinde Wolsdorf nach Siegburg eingemeindet wurde, wurde die Bürgermeisterei Siegburg-Land aufgelöst und die Bürgermeisterei Troisdorf neu gebildet.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Bürgermeisterei von alliierten Soldaten besetzt (→ Alliierte Rheinlandbesetzung). Diese blieben bis zum 29. Januar 1926. So wie alle Landbürgermeistereien in der Rheinprovinz wurde die Bürgermeisterei Troisdorf 1927 in „Amt Troisdorf“ umbenannt.
Am 23. März 1952 erhielt Troisdorf im Rahmen eines feierlichen Festakts Stadtrechte.
Im Zuge der kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn wurden am 1. August 1969 die Ortschaften der Gemeinde Sieglar (Bergheim, Eschmar, Kriegsdorf, Müllekoven, Oberlar, Sieglar und Spich) sowie die Ortschaften Friedrich-Wilhelms-Hütte (vorher Amt Menden) und Altenrath (vorher Amt Lohmar) neue Ortschaften der Stadt Troisdorf. Bis dahin standen sowohl die Zünderfabrik RWS als auch der Bahnhof Troisdorf flächenmäßig zu 7 bzw. 6 Zehntel (Stand 1924) in der Gemeinde Sieglar (in Oberlar). Die Stadt Troisdorf hatte ab 1906 mehrfach Bestrebungen unternommen, Oberlar (samt Steuereinnahmen) einzugemeinden, war damit aber bis 1969 erfolglos geblieben.Karlheinz Ossendorf: Von der Sprengkapsel zum modernen Sprengzünder. 100 Jahre Troisdorfer Zünder 1886–1986. Troisdorf 1986, S. 34 f. (Digitalisat der Seiten 27–52 auf kunststoff-museum.de).
1999 entstanden durch Teilungen noch die Stadtteile Troisdorf-West und Rotter See.
Industrialisierung Der eigentliche Aufschwung der Stadt begann mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. 1825 gründete der ehemalige Leiter des Bergamtes in Bonn, Windgassen, eine Eisenschmelze am Mühlengraben in der Nähe der Agger-Sieg-Mündung. Emil Langen übernahm 1843 diesen Betrieb und nannte die Ansiedlung Friedrich-Wilhelms-Hütte. Die Friedrich-Wilhelms-Hütte wurde wiederum 1913 von den Mannstaedt-Werken übernommen.
Die Lage an der rechtsrheinischen Eisenbahnstrecke, an der Siegstrecke und an der Güterzugstrecke nach Speldorf machte Troisdorf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für Industrieunternehmen interessant. 1887 nahm die Rheinisch-Westfälische Sprengstoff-AG (RWS) unter ihrem Generaldirektor Emil Müller die Zünderfabrik Troisdorf zur Herstellung von Zündhütchen und Sprengkapseln in Betrieb, die später ein Standort der Dynamit Nobel AG wurde.
Von 1951 bis 2002 existierte in den Stadtteilen Spich und Altenrath je eine belgische Kaserne.
Einwohnerentwicklung Bis in das 19. Jahrhundert hatte Troisdorf nur wenige hundert Einwohner. Erst mit der Industrialisierung im 20. Jahrhundert beschleunigte sich das Bevölkerungswachstum. Lebten 1895 erst 2.825 Menschen in dem Ort, so waren es 1968 bereits 18.000. Durch zahlreiche Eingemeindungen am 1. August 1969 stieg die Bevölkerungszahl auf 48.837. Am 30. Juni 2005 betrug die Amtliche Einwohnerzahl für Troisdorf nach Fortschreibung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen 74.613 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Dabei handelt es sich um Volkszählungsergebnisse oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt. Datum Einwohner 3. Dezember 1861 1.282 2. Dezember 1895 2.825 1. Dezember 1905 4.700 1. Dezember 1910 5.939 16. Juni 1925 9.400 16. Juni 1933 9.800 17. Mai 1939 11.180 29. Oktober 1946 11.679 13. September 1950 13.229 25. September 1956 15.300 Datum Einwohner 6. Juni 1961 16.400 31. Dezember 1965 17.532 27. Mai 1970 51.271 31. Dezember 1975 56.402 31. Dezember 1980 58.618 31. Dezember 1985 60.981 25. Mai 1987 60.079 31. Dezember 1990 64.430 31. Dezember 1995 68.778 31. Dezember 2000 72.678 Datum Einwohner 31. Dezember 2005 76.596 31. Dezember 2006 76.714 30. Juni 2007 76.707 31. Dezember 2010 76.987 31. Dezember 2011 77.286 30. Juni 2012 77.016 31. Dezember 2016 74.616 31. Dezember 2017 74.87031. Dezember 2018 77.765 mini|links|400px|Einwohnerentwicklung von Troisdorf von 1861 bis 2017
Zur jetzigen Einwohnerzahl gehören Personen, die ihren zweiten Wohnsitz in Troisdorf haben. Troisdorf hat mit 8.652 ausländischen Einwohnern einen Migrantenanteil von 11 % an der Gesamtbevölkerung. In Troisdorf besteht weiterhin ein Frauenüberschuss mit 39.123 Frauen gegenüber 37.864 Männern.Siehe den Bericht aus dem Rathaus Zahl der Troisdorfer ist weiter gestiegen. Rundblick Troisdorf, 11. Januar 2011, S. 17.
Politik
Stadtrat Die Stadtratswahl im Jahr 2025 führte zu den Ergebnissen, die in den Diagrammen dargestellt sind.
Die Kommunalwahlen seit 2009 hatten folgende Ergebnisse:
Parteien und Wählergemeinschaften%2025Sitze2025%2020Sitze2020 %2014 Sitze2014 %2009 Sitze2009 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 37,2 21 38,1 19 41,4 22 43,6 22 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 25,8 14 27,3 13 32,7 17 30,9 15 Grüne Bündnis 90/Die Grünen 11,7 6 17,8 9 8,0 4 10,8 5 FDP Freie Demokratische Partei 3,3 2 4,0 2 3,4 2 7,5 4 AfD Alternative für Deutschland 13,0 7 3,7 2 3,6 2 – – Linke Die Linke 4,0 2 3,4 2 5,0 3 3,5 2 Die PARTEI Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz und basisdemokratische Initiative. 0,8 – 2,9 1 – – – – UWG Regenbogen Unabhängige Wählergemeinschaft für Bürgerrechte Troisdorf REGENBOGEN 1,3 1 1,7 1 1,5 1 2,2 1 Volksabstimmung Ab jetzt…Demokratie durch Volksabstimmung, für Demokratie durch Volksabstimmung 0,6 – 1,1 1 0,9 0 1,6 1 TBU Troisdorfer Bürgerunion – – – – 1,0 0 – – Hasselmann Einzelbewerber – – – – 0,2 0 – – BIG Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit – – – – 0,7 0 – – Piraten Piratenpartei – – – – 1,6 1 – – BSW Bündnis Sahra Wagenknecht 2,3 1 – – – – – – Gesamt 100 54 100 52 100 50Wahlbeteiligung 53,8 % 50,0 % 50,0 % 48,1 % mini|Troisdorfer Rathaus mini|Stadthalle Troisdorf
Bürgermeister Seit 1999 ist der Bürgermeister in Troisdorf hauptamtlich tätig. Er leitet die Stadtverwaltung und vertritt die Stadt Troisdorf nach außen. Ihm zur Seite stehen derzeit vier hauptamtliche Beigeordnete (für die Leitungsaufgaben in der Verwaltung) und drei ehrenamtliche Vize-Bürgermeister (für Repräsentationsaufgaben).
Folgende Personen waren seit 1899 Bürgermeister: … der Gemeinde Troisdorf ab dem 1. April 1899: 1899–1927: Wilhelm Klev 1927–1933: Matthias Langen 1933–1935: Josef Reinartz 1935–1936: Helmut Jacobs 1936–1945: Ernst Schünemann 1945: Heinrich Kutzner 1945: Eugen Vogel 1945–1946: Heinz Gummersbach 1946: Amandus Hagen 1946–1948: Reinhard Noerrenberg 1948–1951: Wilhelm Hamacher (Zentrum) 1951–: Josef Kitz (SPD)… der Stadt Troisdorf ab dem 23. März 1952: –1952: Josef Kitz (SPD) 1952–1954: Franz Rödder 1954–1956: Wilhelm Stricker (CDU) 1956–1958: Josef Kitz (SPD) 1958–1960: Peter Bröhl 1960–1969: Bruno Heimansberg (CDU) 1969–1975: Josef Ludwig (CDU) 1975–1993: Hans Jaax (SPD) 1993–1998: Uwe Göllner (SPD) 1998–1999: Walter Bieber (SPD)… hauptamtlich: 1999–2009: Manfred Uedelhoven (CDU) 2009–2020: Klaus-Werner Jablonski (CDU) seit November 2020: Alexander Biber (CDU) Bei der Stichwahl vom 28. September 2025 wurde Alexander Biber (CDU) mit 59,7 % gegen René Wirtz (SPD) wiedergewählt.
Wappen
Logo mini|Neueres Logo der Stadt Troisdorf
Troisdorf verfügt über ein Logo, das das Wappen teilweise ersetzt. Es besteht aus mehreren Kugeln, die die Lage der Stadtteile und deren Größe symbolisieren sollen.
Städtepartner- und Patenschaften
Évry in Frankreich seit 1972 Genk in Belgien seit 1990 Heidenau in Deutschland seit 1990 Redcar and Cleveland im Vereinigten Königreich seit 1990 Kerkyra in Griechenland seit 1996 Nantong in der Volksrepublik China seit 1997 Mushtisht im Kosovo seit 2001 Özdere in der Türkei seit 2004
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Troisdorfer Stadttor Museen Bilderbuchmuseum in der Burg Wissem Fischereimuseum in Bergheim, 1986 von der Fischerei-Bruderschaft zu Bergheim an der Sieg gebautes Museum und 2021 erweitertes Museum, das die Geschichte der Zunft und des Ortes präsentiert Kunststoffmuseum Troisdorf auf dem HT-Gelände zur Geschichte der Kunststoffregion Troisdorf, in der die Kunststofffenster und die ersten PVC-Bodenbeläge entwickelt wurden Museum für Stadt- und Industriegeschichte (Musit) Troisdorf an der Burg Wissem Portal zur Wahner Heide an der Burg Wissem Explorado, ein Kinder-Mitmachmuseum
Kunst im öffentlichen Raum
Liste von Kunstwerken im öffentlichen Raum in Troisdorf
Bauwerke Burg Wissem