mini|Der Ehrenring bis Oktober 2013, dessen Siegelplatte das stilisierte Bundeswappen sowie die Worte „sub auspiciis Praesidentis“ enthält
Promotio sub auspiciis Praesidentis rei publicae (Latein für Verleihung des Doktorates unter den Auspizien des Bundespräsidenten), oft als Sub-Auspiciis-Promotion abgekürzt, bezeichnet eine besondere Form der Promotion, die die höchstmögliche Auszeichnung von Studienleistungen in Österreich ist.
Promotio sub auspiciis Imperatoris (Monarchie)
Vergleichbare Auszeichnungen zur Sub-Auspiciis-Promotion lassen sich schon bis zur Gründung der Universitäten im Ausgang des Mittelalters zurückverfolgen und finden sich in nachweisbaren Promotiones sub auspiciis Imperatoris seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird die Promotio sub auspiciis Imperatoris an der Universität Graz, wo unter Kaiser Ferdinand II. im Jahr 1625 ebenjene Würdigung an einen Grafen erfolgte. 1661 erstmals in Wien übergeben, setzte sich dieser Brauch bis zum Ende der Monarchie fort. Der Jesuitenorden, dem durch die Sanctio pragmatica (1623–1773) die Universität Wien unterstellt war, scheint maßgeblich zu dieser Entwicklung unter Einbindung des Hofes beigetragen zu haben.
Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Ehrung fast ausschließlich Söhnen des hohen Adels zuteil, aber bereits unter Maria Theresia erfolgte eine Lockerung der Bestimmungen. Von den unter ihr gehaltenen Promotionen waren 31 (von insgesamt 53) bereits Bürgerliche. Allerdings erst im Jahre 1953 wurde die erste Frau unter des Bundespräsidenten Auspizien an der Universität Wien promoviert.
Für die früheste Zeit dieser Art von Exzellenz-Promotion findet sich weder ein kaiserlicher Erlass noch eine Universitätsverfügung, welche die erforderlichen Bedingungen, unter des Kaisers Auspizien promoviert zu werden, ersichtlich macht. Aus den Quellen wird jedoch erkennbar, dass es schon seit dem Aufkommen der Auszeichnung die gleichen Voraussetzungen zu erfüllen galt, die später – als wichtiger Meilenstein – ein Ministerialerlass vom 28. August 1888 vorschrieb, welcher nicht nur exzellente Leistungen an Schule und Hochschule, sondern auch würdiges Verhalten der Erwählten vorsah.
Das feierliche Zeremoniell blieb im Wesentlichen seit dem 17. Jahrhundert erhalten. Nach dem Empfang des kaiserlichen Vertreters wurden, begleitet durch die Klänge der Einzugsfanfaren, unter Einhaltung einer bestimmten Sitzordnung die Plätze eingenommen. Es folgten die Begrüßung der Gäste und ein kurzer Überblick über die Geschichte der Auszeichnung. Anschließend präsentierte der Dekan den Kandidaten vor versammeltem Publikum, welcher sich dreimal vor dem Bildnis des Kaisers verbeugte und seine gedruckten Thesen austeilte. Dann erst begann die eigentliche Disputation. Nach Beendigung dieser verneigte sich der Kandidat erneut und wurde zum Vertreter des Kaisers geleitet, der ihm, nach einer Ansprache, das kaiserliche Geschenk überreichte.
Promotio sub auspiciis Praesidentis rei publicae (Zweite Republik)
Das mehr als 33 Jahre nach dem Zusammenbruch der Monarchie durch die Zweite Republik beschlossene Bundesgesetz vom 5. März 1952 über die Verleihung des Doktorates unter den Auspizien des Bundespräsidenten ist äußerst prägnant verfasst. Nach Abs. 1 in der Fassung 17. November 1960 wird
Voraussetzung nach heutigem Schul- und Studienrecht
Das Bundesgesetz über die Verleihung des Doktorates unter den Auspizien des Bundespräsidenten wurde das letzte Mal 1968 angepasst (), daher bedarf es nach Meinung des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung unter der Leitung von Karlheinz Töchterle im Jahr 2012 einer Interpretation in das heute gültige Schul- und Studienrecht. Die Voraussetzungen für die Zulassung zu einer Promotion sub auspiciis praesidentis sind nach heutiger Auffassung (hier in der Fassung der Universität Wien):Promotion sub auspiciis praesidentis. Website der Universität Wien, ohne Datum, abgerufen am 5. März 2022.
Die Voraussetzungen werden vom Senat der jeweiligen Universität per Bescheid festgestellt und dem Wissenschaftsministerium (seit 2018 als Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung) sowie der Präsidentschaftskanzlei zur Genehmigung vorgelegt. Während herkömmliche Promotionen nur formalen Charakter haben, dürfen Sub-Auspiciis-Kandidaten bis zu ihrer Promotion den akademischen Grad Doktor nicht führen.
Einer Studentin, die zwei Kinder geboren hatte und Vollzeit arbeitete, wurde die Auszeichnung wegen zu langer Studienzeit verwehrt, nachdem drei Brüder von ihr sub auspiciis abgeschlossen hatten. Vor dem Hintergrund dieses FallsAlle Parteien für Änderung bei Sub-auspiciis-Promotion orf.at, 19. Mai 2023, abgerufen am 19. Mai 2023. wurde auf Antrag von Vertretern aller im Nationalrat vertretenen Parteien das entsprechende Gesetz mit Wirkung zum 1. Jänner 2024 geändert, um etwa Zeitaufwand wegen Schwangerschaft, Kinderbetreuung, Betreuung enger Angehöriger oder einer Behinderung stärker zu berücksichtigen.Bundesrat billigt Ausweitung der Befugnisse für Pflegepersonal als weiteren Schritt der Pflegereform. Freiwilliges Engagement wird künftig stärker gefördert, neue Ausnahmebestimmungen für Promotion "sub auspiciis". Parlamentskorrespondenz Nr. 829 vom 12. Juli 2023.
Festakt mini|alt=|Feierlicher Festakt zur Verleihung der Promotion sub auspiciis am 28. März 2014 durch Bundespräsident Dr. Heinz Fischer im neu renovierten Kuppelsaal der Technischen Universität Wien Die Promotionsfeier selbst ist ein besonderer Festakt für die Promovierten und findet in Anwesenheit des Bundespräsidenten statt (er kann allerdings einen Vertreter entsenden, was in der Praxis grundsätzlich nur bei Krankheit geschieht). Es steht dem Promovierten frei, eine .
An der Universität Wien findet die Promotion sub auspiciis Praesidentis traditionell am Dies academicus (Gründungstag) der Universität, dem 12. März, statt.
Nach der eigentlichen Promotion mit der Eidesformel und dem Gelöbnis verleiht der Bundespräsident dem nunmehrigen Doktor den Ehrenring mit der Aufschrift „sub auspiciis Praesidentis“.
Ehrenring Seit 1820 wird ein Ehrenring mit dem Namenszug des regierenden Monarchen als Ehrengeschenk an alle Sub-Auspiciis-Promovierten verliehen. Seit März 1952 regelt der Paragraph 4 des Bundesgesetzes zur Verleihung des Doktorates unter den Auspizien des Bundespräsidenten, dass der Bundespräsident allen unter seinen Auspizien promovierten Doktoren einen Ehrenring, dessen Siegelplatte das Bundeswappen sowie die Worte „sub auspiciis Praesidentis“ enthält, verleiht. Anlässlich des 60-Jahre-Jubiläums des Bundesgesetzes 2012 wurde in einer gemeinsamen Initiative vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und der Präsidentschaftskanzlei ein Wettbewerb für eine Neugestaltung des Ehrenrings ausgelobt.60 Jahre „Sub auspiciis“-Promotion – Karlheinz Töchterle: Lobens- und bemerkenswerte Leistungen. APA-OTS-Aussendung des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, 6. März 2012, abgerufen am 5. März 2023.Festakt: 60 Jahre Sub-auspiciis-Promotion. In: Die Presse/APA, 6. März 2012-03-06, abgerufen am 5. März 2023. Die Neufassung des Ehrenringes wird seit Oktober 2013 vergeben.
Statistiken In Österreich promovieren derzeit durchschnittlich etwa 20 Studenten pro Jahr „sub auspiciis“ (von insgesamt rund 2500 Promovenden jährlich). In den ersten 60 Jahren seit der Verabschiedung des Bundesgesetzes über die Verleihung des Doktorats unter den Auspizien des Bundespräsidenten am 5. März 1952 fanden 1042 (296 Frauen und 746 Männer) entsprechende Promotionen statt. In jeweils zwei Fächern „sub auspiciis“ zu promovieren, ist seit 1952 bis 2018 neun Personen gelungen. Unter ihnen waren das der Arzt Bruno Schneeweiß,Michaela Schlögl: Der Herr der Ringe. In: Die Presse, 2. März 2012, abgerufen am 5. März 2023. Mathias Moosbrugger in den Studien Geschichte und TheologieStudent promovierte zum zweiten Mal in Innsbruck „sub-auspiciis“. In: TT.com, 20. Oktober 2014, abgerufen am 5. März 2023. sowie als neunte Ausgezeichnete die Fachärztin Susanne Scheipl.Medizinerin schloss zweites Studium „sub auspiciis“ ab. In: TT.com/APA, 20. Oktober 2014, abgerufen am 5. März 2023.Andrea Vyslozil: Zweifache Sub-auspiciis-Ärztin: „Auch ich hatte Misserfolge“. Medizinerin Susanne Scheipl hat gleich zwei Doktortitel mit der raren Auszeichnung. Jungen Frauen will sie Vorbild sein. Interview. In: Kurier, 4. Juli 2018, abgerufen am 5. März 2023.
+Verteilung von Sub-Auspiciis-Praesidentis-Promotionen nach Universitäten (Stand März 2012)Universitäterstmalige Sub-Auspiciis-PromotionGesamtFrauenMännerUniversität Wien1953373119254Universität Graz195417463111Universität Innsbruck195217247125Universität Salzburg1968802951Technische Universität Wien196412616110Technische Universität Graz195443043Montanuniversität Leoben1973505Universität für Bodenkultur Wien2008312Wirtschaftsuniversität Wien1977413Universität Linz197238533Universität Klagenfurt1987853Medizinische Universität Wien2004532Medizinische Universität Graz2004743Medizinische Universität Innsbruck2004110Universität für Musik und darstellende Kunst Wien2004101Universität Mozarteum Salzburg2007110Universität für angewandte Kunst Wien2011110GESAMT1042296746 +Verteilung von Sub-Auspiciis-Praesidentis-Promotionen nach akademischem Grad (Stand März 2012)Akademischer Grad der Sub-Auspiciis-PromotionPh.D./Doktorgrade an öffentlichen Universitäten. Die Liste gibt die aktuellen Doktorgrade an öffentlichen Universitäten wieder. In: oesterreich.gv.at in der Fassung vom 1. Juni 2021. Für den Inhalt verantwortlich: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, abgerufen am 5. März 2023.GesamtFrauenMännerDr. phil.Doktorin/Doktor der Geistes- und KulturwissenschaftenDoktorin/Doktor der Philosophie498172326Dr. techn.Doktorin/Doktor der technischen Wissenschaften19820178Dr. med. univ.Doktorin/Doktor der gesamten Heilkunde und der medizinischen Wissenschaft1616497Dr. rer. natDoktorin/Doktor der Naturwissenschaften1212893Dr. iur.Doktorin/Doktor der Rechtswissenschaften22121Dr. rer. soc. oec.Doktorin/Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften18513Dr. theol.Doktorin/Doktor der Theologie14311Dr. mont.Doktorin/Doktor der montanistischen Wissenschaften505Dr. nat. techn.Doktorin/Doktor der Bodenkultur312Dr. phil. fac. theol.Doktorin/Doktor der Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät110Dr. scient. med.Doktorin/Doktor der medizinischen Wissenschaft110GESAMT1042296746
Bekannte sub auspiciis promovierte Persönlichkeiten (Auswahl)
Alphabetisch nach Namen:
Carl von Braitenberg (Jurist, Südtiroler Politiker) Harald Buchinger (Theologe) Helmut Denk (Pharmakologe, ehem. Präsident der ÖAW) Heinz Engl (Mathematiker, Rektor der Universität Wien) Michael Freissmuth (Pharmakologe, Leiter des Zentrums für Physiologie und Pharmakologie der Medizinischen Universität Wien) Hildegard Goss-Mayr (Friedensaktivistin und Schriftstellerin, promovierte als erste Frau 1953 an einer Wiener Universität sub-auspiciis) Harald Grobner (Mathematiker) Victor Franz Hess (Nobelpreis für Physik 1936) Lothar Höbelt (Historiker) Peter Husslein (Gynäkologe) Lisa Kaltenegger (Astronomin und Astrophysikerin) Markus Müller (Pharmakologe, Rektor der Medizinischen Universität Wien) Harald Niederreiter (Mathematiker) Klaus Pekarek (Manager und Vorstandsmitglied der Uniqa Österreich AG) Franz Pischinger (Maschinenbauer) Ludwig Reich (Mathematiker) Rudolf Taschner (Mathematiker) Gregor Weihs (Quantenphysiker und Ex-Vizepräsident für Naturwissenschaften und Technik des FWF)
Erwin Schrödinger und die Sub-Auspiciis-Promotion