Das Rothaargebirge, ein bis hohes Mittelgebirge in Nordrhein-Westfalen und Hessen, ist der Höhenschwerpunkt des naturräumlichen Sauerlandes und das im Durchschnitt höchstgelegene und schneereichste Teilgebirge des Rheinischen Schiefergebirges.

Sein Kerngebirge wird vom Hochsauerland und der sich südwestlich anschließenden Rothaar an der Rhein-Weser-Wasserscheide gebildet. Der höchste Berg ist der Langenberg, der zugleich der höchste Nordrhein-Westfalens ist.

An historischen Landschaften umfasst das Rothaargebirge neben dem Südosten des Sauerlandes, dem Großteil des Wittgensteiner Landes und den höhergelegenen Teilen des historischen Uplandes auch den Süden und Osten des Siegerlandes und den äußersten Nordwesten des Hessischen Hinterlandes.

Namensgebung Der Name des Gebirges leitet sich von „Rod-Hardt-Gebirge“ ab, was in etwa „Gerodetes Wald-Gebirge“ bedeutet – mit der Farbe „Rot“ und mit „Haaren“ hat es nichts zu tun. Der Namensbestandteil haar > hard/hardt deutet u. a. auf eine ehemalige „Waldweidewirtschaft“ hin.

Der Begriff Rothaargebirge, wie er heute auf allen gängigen Karten eingezeichnet ist, ist erst in den 1950er Jahren etabliert worden. Er ist abgeleitet vom älteren Begriff (die) Rothaar, der den sich südwestlich an das sauer- und upländische Hochsauerland anschließenden Kamm an der Grenze zwischen Sauerland und Wittgenstein bezeichnet hatte.

Geographie mini|260px|Übersichtskarte

Grenzziehung Im Jahr 1954 brachte die Bundesanstalt für Landeskunde und Raumordnung unter der Leitung von Emil Meynen und Josef Schmithüsen eine erste Karte Naturräumliche Gliederung Deutschlands heraus, in welcher unter der Haupteinheit 333: Hochsauerland neben dem eigentlichen Hochsauerland auch das bisher mit Rothaar bezeichnete Gebiet sowie angrenzende Landschaften einbezogen waren. 1957 folgte in der 4. Lieferung des Handbuches der naturräumlichen Gliederung Deutschlands eine ausführliche Beschreibung des Gebietes, in der die „Zusammenlegung“ der Gebirgszüge nicht zuletzt dadurch stichhaltig begründet wird, dass es längs des Kammes nie eine scharfe, landschaftlich erkennbare Trennlinie gegeben habe.

Die Grenzziehung der Haupteinheit Hochsauerland von 1954 hatte bereits eng an den Grenzen des heutigen Rothaargebirges gelegen, jedoch folgten bis 1960, wo die Haupteinheit mit Hochsauerland (Rothaargebirge) betitelt wurde, noch Korrekturen: Die Höhenzüge Saalhauser Berge und Fahlenscheid sowie der zwischen beiden und dem heutigen Rothaargebirge eingeschlossene Hundemgrund waren noch dem Rothaargebirge zugeschlagen worden, während sie nunmehr als (Großteil der) Südsauerländer Rothaarvorhöhen (3362.5) dem Südsauerländer Bergland (Haupteinheit 3362) zugerechnet werden. Der Höhenzug rund um die Kalteiche war noch dem Siegerland zugeschlagen worden, wird aber seither als Teil des Rothaargebirges angesehen. Unter dem Namen Wittgensteiner Land war als Haupteinheit 332 der mittlere und östlich bis einschließlich zur Wittgensteiner Kammer reichende Teil des historischen Wittgensteiner Landes nebst dem Norden des Hessischen Hinterlandes vom Rothaargebirge getrennt geführt worden.Die neue und bis heute bestehende Haupteinheit 332 Ostsauerländer Gebirgsrand umfasst nur noch den äußersten Osten der früheren, reicht indes nach Norden bis knapp über den Diemelsee hinaus, während das Wittgensteiner Kernland (bis auf das Edertal und Nebentäler unterhalb Dotzlars) der Haupteinheit 333 zugeschlagen wurde.

In den Jahren 1960 bis 1972 erschienen in der Reihe Geographische Landesaufnahme – Die naturräumliche Gliederung Deutschlands 1:200.000 der Bundesanstalt für Landeskunde und Raumordnung die Blätter 125 (Marburg, '60), 111 (Arolsen, '63), 110 (Arnsberg, '69) und 124 (Siegen, '72), in denen die nunmehr (ab Blatt Arolsen) in „Rothaargebirge (mit Hochsauerland)“ umbenannte Haupteinheit 333 komplett in feinere Naturräume aufgeteilt wird.

Entsprechend wird heute die um große Teile der früheren Haupteinheit 332 gewachsene Haupteinheit 333 nur noch selten mit Hochsauerland, sondern fast ausschließlich mit dem kulturell-historisch neutraleren und überdies eindeutigeren Namen Rothaargebirge bezeichnet. In Karten wird üblicherweise neben dem Rothaargebirge dessen Nordosten mit Hochsauerland, der eigentlichen Bedeutung jenes Begriffes folgend, zusätzlich ausgewiesen. mini|260px|Rothaargebirge: Blick vom Kahlen Asten

Lage und Grenzen Das in großen Teilen bewaldete und niederschlagsreiche Rothaargebirge liegt überwiegend in Westfalen, nur die südöstlichen bis nordöstlichen Ausläufer befinden sich auf hessischem Gebiet. Die nordwestlich abfließenden Bäche gehören zu den Einzugsgebieten von Sieg, Lenne und Ruhr, die südöstliche Abdachung entwässert zu Diemel, Eder, Lahn und Dill.

Zentrale Orte sind im Upland im Nordosten Willingen (Landkreis Waldeck-Frankenberg), im zentralen Hochsauerland Winterberg (Hochsauerlandkreis) und im Wittgensteiner Land im Südwesten Bad Berleburg und Erndtebrück (beide Kreis Siegen-Wittgenstein).

An der Westabdachung stößt das Gebirge (von Süd nach Nord) an Burbach, Wilnsdorf, den Osten Netphens, Hilchenbach und Kreuztal (je Kreis Siegen-Wittgenstein), Kirchhundem und den äußersten Osten der Gemarkung von Lennestadt (Kreis Olpe) sowie Schmallenberg und den äußersten Osten der Gemarkung Eslohes (beide Hochsauerlandkreis).

Die Nordgrenze geht vom Osten Eslohes über den Süden der Gemarkungen Meschedes und Bestwigs über Olsberg bis Brilon – alle Hochsauerlandkreis.

Die Ostgrenze wiederum zieht sich vom Diemelsee nach Süden über den Westen der gleichnamigen Gemeinde, den äußersten Osten Willingens und den äußersten Westen der Korbacher Gemarkung (Landkreis Waldeck-Frankenberg) über den Westen Medebachs und Hallenbergs (beide Hochsauerlandkreis), den Westen Bromskirchens und den äußersten Nordwesten der Gemarkung Battenbergs (wieder Waldeck-Frankenberg), den Südosten Bad Berleburgs (Kreis Siegen-Wittgenstein) und Hatzfeld (Waldeck-Frankenberg) über Biedenkopf (Landkreis Marburg-Biedenkopf), Bad Laasphe (Siegen-Wittgenstein) und den äußersten Westen der Gemarkung Breidenbachs (wieder Marburg-Biedenkopf), den äußersten Norden der Gemarkung Eschenburgs und den Nordwesten von Dietzhölztal und Haiger (alle Lahn-Dill-Kreis) bis erneut nach Burbach (Siegen-Wittgenstein).

Äußere Begrenzungen Im Uhrzeigersinn wird das Gebirge von außen in etwa durch folgende Orte und Flusstäler begrenzt, beginnend im äußersten Südosten:

Flussgebiet der Sieg die Heller flussabwärts über Burbach bis Neunkirchen den Wildebach flussaufwärts bis Wilden Wilnsdorf und Wilgersdorf das Gebiet unmittelbar westlich der östlichen Wasserscheide der Sieg über Hainchen, Werthenbach, Walpersdorf und die Ginsburg bis Oberndorf die Ferndorf flussabwärts von Oberndorf über Hilchenbach und Dahlbruch und Kreuztal-Ferndorf bis Kreuztal die Littfe flussaufwärts von Kreuztal über Krombach und Littfeld bis zur Nähe der Ruhr-Sieg-Wasserscheide nördlich Littfelds Flussgebiet der Lenne die Olpe flussabwärts von Welschen Ennest über Benolpe und Hofolpe bis Kirchhundem die Hundem flussaufwärts von Kirchhundem bis Oberhundem Saalhausen die Lenne flussaufwärts von Saalhausen über Schmallenberg bis Gleidorf Flussgebiet der Oberen Ruhr Bad Fredeburg die Leiße flussabwärts von Fredeburg über Dorlar bis Frielinghausen die Wenne flussabwärts von Frielinghausen bis Bremke die Reismecke flussaufwärts von Bremke nach Reiste eine nach Nordosten verlaufende, das Tal der Reismecke verlängernde und die Ruhr-Nebenflüsse (je kursiv in Klammern) kreuzende Talsenke über Herhagen (Henne), Remblinghausen (unmittelbar südöstlich davon die Kleine Henne), Ramsbeck (Valme) und Andreasberg (östlich davon die Elpe) bis Olsberg (Ruhr) den Gierskoppbach flussaufwärts von Olsberg nach Gierskopp den Süden Brilons Flussgebiet der Diemel Hoppecke (Hoppecke) den Diemelsee die Diemel flussaufwärts von Heringhausen über Giebringhausen bis Deisfeld Schweinsbühl (östlich davon die Rhene) die Quelle der Twiste Flussgebiet der Eder senkrecht zu den Flussläufen (Flüsse je kursiv in Klammern) über Rhena (Rhena), Bömighausen (Neerdar), Welleringhausen, Titmaringhausen (Wilde Aa), Deifeld (Dittelsbach), Medebach (Medebach) Medelon (Orke), Hesborn (Olfe), Hallenberg (Nuhne), Bromskirchen und Neuludwigsdorf (dazwischen der Linspherbach) sowie Elsoff (Elsoff) bis Schwarzenau (Eder) die Eder flussabwärts von Schwarzenau über Beddelhausen bis östlich vorbei an Hatzfeld den Eifaer Bach flussaufwärts über Eifa nach Süden bis zur Quelle Flussgebiet der Oberen Lahn Dexbach (Treisbach) Biedenkopf die Lahn flussaufwärts von Biedenkopf über Wallau bis nach Bad Laasphe Banfe-Perf-Wasserscheide westlich von Wiesenbach und Achenbach Flussgebiet der Dill Mandeln (Mandelbach) Ewersbach (Dietzhölze) der Roßbach von der Quelle bis Oberroßbach Fellerdilln (Dill) Steinbach Haigerseelbach (Treisbach)

Ausdehnung nach Wasserscheiden Das Rothaargebirge in seinen heutigen Grenzen umfasst die komplette, einen nach Osten offenen Bogen im Gegenuhrzeigersinn bildende Rhein-Weser-Wasserscheide zwischen Brilon-Petersborn im Norden und der Sackpfeife (673,3 m) im Süden, dessen nördlicher Teil über Langenberg (843,2 m) bis zum Kahlen Asten (841,9 m) traditionell dem Hochsauerland zugerechnet wird, während der sich vom Asten nach Südwesten bis zum Riemen (678,5 m) ziehende Mittelteil die Rothaar bzw. das Kern-Rothaargebirge darstellt, wie es bis in die 1950er Jahre eingegrenzt wurde.

Ferner enthält das Rothaargebirge die östliche Wasserscheide der Sieg zwischen dem Massiv des Hohen Waldes (656,2 m) im nördlichen Siegerland und dem der Kalteiche (579,9 m) an der südwestlichen Nahtstelle zum Westerwald.

Naturpark Rothaargebirge Die Fläche des Rothaargebirges ist nicht deckungsgleich mit dem früheren Naturpark Rothaargebirge, heute Teil des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge, dem größten Naturpark Deutschlands. So hat das Rothaargebirge über den alten wie den neuen Naturpark hinaus im Nordosten auch Anteil am Naturpark Diemelsee und im Südosten am Naturpark Lahn-Dill-Bergland. Auch werden die im Norden jenseits der Naturparkgrenze liegenden Teile des Hochsauerländer Schluchtgebirges zwischen dem mittleren Tal der Wenne und dem Oberlauf der Hoppecke zum Rothaargebirge gezählt, wohingegen Teile der Saalhauser Berge und der Medebacher Bucht zwar zum Naturpark Rothaargebirge gehörten, nicht aber zum Naturraum Rothaargebirge zählen.

Im September 2023 veröffentlichten Umwelt-, Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium in NRW eine Liste mit sechs potenziellen Gebieten, darunter dem Rothaarkamm, für einen zweiten Nationalpark in NRW. In einem Bewerbungsverfahren sollen sich bis Ende des ersten Quartals 2024 formale Bewerbungen für den neuen Nationalpark eingereicht werden.Pläne für neuen Nationalpark sorgen für SkepsisWDR am 13. September 2023, abgerufen am 19. November 2023.

Durch die Einverleibung naturgeschützter Flächen bei Brilon und dem märkischen Kreis ist das Sauerland-Rothaargebirge seit 2025 mit 4.215 Quadratkilometer Fläche vor dem Schwarzwald der größte Naturpark Deutschlands.

Landschaftscharakteristik mini|260px|Langenberg im Winter

Das Rothaargebirge gilt geologisch als der nordöstliche Teil des rechtsrheinischen Schiefergebirges, unterscheidet sich jedoch von dessen Hauptteil durch die größere mittlere Höhe und den nur örtlich gegebenen Plateaucharakter. Es weist zwei ausgeprägte Gipfelfluren auf, eine um 840 m und eine um 650 m.

Absolute Höhenschwerpunkte des Gebirges sind der Naturraum Langenberg um den Langenberg (843,2 m), wo sich die überwiegende Mehrheit der 800er Gipfel findet, und das Massiv des Kahlen Astens (841,9 m, Naturraum Astenberg), von dem jene von Hunau (818,5 m, Naturraum Hunau) und Ziegenhelle (815,9 m, Naturraum Ziegenhelle) abzweigen. Zum Außenrand hin flachen die Gipfelhöhen je auf gut 600 m ab.