Schönberg (Holstein) ist ein Ostseebad und eine Gemeinde in der historischen Region Probstei im Kreis Plön in Schleswig-Holstein. Die bis dahin amtsfreie Gemeinde trat zum 1. Januar 2008 dem Amt Probstei bei, das seinen Sitz bereits in Schönberg hatte.

Im Kreis Plön ist Schönberg bevölkerungsmäßig die sechstgrößte Gemeinde.

Geographie Geographische Lage Das Gemeindegebiet von Schönberg erstreckt sich südöstlich der Kieler Bucht im Bereich des Naturraums Ostholsteinisches Hügel- und Seenland (Haupteinheit Nr. 702), eines Teilgebietes des Schleswig-Holsteinischen Hügellandes, am Küstenstreifen der offenen Ostsee. Der weiße, feinkörnige Sandstrand am Ostseebad Schönberg zieht sich rund 5 km an den einzelnen Strandabschnitten entlang.

Gemeindegliederung Innerhalb des Gemeindegebietes von Schönberg bestehen siedlungsgeographisch mehrere Ortschaften (amtlich auch als Wohnplätze bezeichnet). Neben dem für die Gemeinde namensgebenden Hauptort, dessen Ortsrand etwa 2,4 Kilometer von der Brandungszone der Ostsee entfernt liegt, zählen die Ortsteile Neuschönberg, Schönberger Strand, Kalifornien und Holm zur Gemeinde. Das häufig ebenfalls als Ortsteil Brasilien bezeichnete Flurstück östlich von Kalifornien ist hingegen amtlich keine Ortschaft.

Die Namen der beiden Seebäder Kalifornien und Brasilien gehen auf ein Seemannsgarn zurück, das besagt, dass einst ein Strandfischer an seinem Strandabschnitt eine Schiffsplanke mit dem Namen California fand. Die Planke brachte er an seiner Strandkate über seiner Haustür an. Ein anderer Fischer, der weiter östlich am Strand wohnte, wollte dem nicht nachstehen und nagelte daraufhin ein Holz mit der Aufschrift Brasilien an seine Haustür. Diese Namen blieben erhalten. Immer wieder werden die Namen dieser beiden Strandabschnitte im Fernsehen bei passenden Anlässen herangezogen, so beispielsweise im ARD-Morgenmagazin zu den Fußballweltmeisterschaften im Jahr 2014 in Brasilien oder im Jahr 2026 in Kalifornien in den USA beziehungsweise in einem Sketch im Satiremagazin extra 3 des NDR im Jahr 2023.

Nachbargemeinden Im Norden und im Nordosten des Hauptortes grenzt die Gemeinde an die Ostsee. Die direkt umliegenden Gemeindegebiete von Schönberg sind:

Klima In Schönberg herrscht Seeklima mit milden Wintern und angenehmen Sommertagen. Windstärken von 1 bis 5 auf der Beaufortskala in der westlichen Ostsee sind gemäß den Windsternen im Juli überwiegend anzutreffen, hingegen aufgrund dieser zahlreichen ablandigen Windlagen aus Nordwest bis Südwest an den Strandabschnitten weniger spürbar als an der Westküste von Schleswig Holstein.

Geschichte Jahre von 1226 bis 1872 mini|Schönberg um 1895, Zeichnung von Georg Burmester (1864–1936) Im Jahre 1226 schenkte der Holsteiner Landesherr Graf Adolf IV. den nördlichen Teil des heutigen Kreises Plön dem Benediktinerinnenkloster in Preetz. Dieses Gebiet wurde seither Probstei genannt, da es unter der Administration des Klosterpropstes stand. Zwischen 1245 und 1250 gründete der Klostervorsteher des Klosters Preetz, Probst Friedrich, den Ort Sconeberg, was „schöner Berg“ bedeutet. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1259. Zuvor gab es dort wahrscheinlich eine slawische Siedlung. Der Großteil der Dorfbewohner war in der Landwirtschaft tätig. Charakteristisch für die Probsteier Bauern war allerdings, dass diese persönlich frei und nicht leibeigen waren; sie mussten lediglich Abgaben an das Kloster leisten.

Zum Schutze des Ortes wurde dieser mit einem Reisigzaun nach außen hin gesichert; es gab zwei Eingänge: Im Süden das „Höhndorfer Tor“ in Richtung Preetz und im Osten das „Stakendorfer Tor“ in Richtung Feldmark.

Der erste sakrale Bau des Ortes war eine Sankt-Georgs-Kapelle (erbaut 1220), westlich von Fernwisch gelegen. Die Kapelle wurde jedoch bei einem Sturmhochwasser zerstört. Der Taufstein der Kapelle befindet sich heute im Turmraum der Kirche Schönberg.

Im Jahre 1600 lag die Einwohnerzahl bei 350 bis 400.

Am 10. Februar 1625 traf ein schweres Sturmhochwasser der Ostsee die Probstei. Dies war verheerend für die Bevölkerung, da es noch keine Deiche am Strand gab.

In der Nacht vom 2. zum 3. August 1779 brannte ein Großteil des Dorfes nieder, ebenso die lutherische Kirche (wahrscheinlich eine Holzkirche). Der Wiederaufbau konnte dank großzügiger Spenden der Barsbeker Bauern relativ rasch vonstattengehen, sodass die noch heute stehende barocke Kirche am 22. September 1782 eingeweiht werden konnte. Leitender Architekt war der Landbaumeister im Kielschen Lande, Johann Adam Richter, ein Schüler Ernst Georg Sonnins. Die Kirche Schönberg gilt als sein Gesellen-, die Kirche in Kappeln als sein Meisterstück. Auffallend ist die Ähnlichkeit der beiden Kirchen, unter anderem an deren Fassaden zu erkennen.

Jahre zwischen 1872 und 1945 Das katastrophale Ostseesturmhochwasser 1872 richtete auch in Schönberg erhebliche Schäden an, sodass von 1880 bis 1882 schließlich ein fester niedriger Deich errichtet wurde.

Als 1897 die Bahnlinie nach Kiel, das sich zu dieser Zeit rasant zur Großstadt entwickelte, eröffnet wurde, begann sich Schönberg und der Schönberger Strand zu einem Seebad zu entwickeln. Zuvor gab es keine durchgehende Straße von Kiel nach Schönberg. Bereits 1910 kamen an Sommertagen etwa 7.000 Touristen in den nun gut 1.500 Einwohner zählenden Ort. Auch eine Seebrücke wurde 1912 errichtet, aber nach 1914 wieder vom Militär abgerissen, da man im Ersten Weltkrieg die Landung feindlicher Soldaten fürchtete.

Schönberg (Holst) war Bahnstation der Kiel-Schönberger Eisenbahn. 1914 wurde die Bahnlinie bis zum Bahnhof Schönberger Strand verlängert.

Die mächtig aufstrebende Werft- und Rüstungsindustrie am Ostufer in Kiel benötigte zeitlich jeweils weit vor, als ebenfalls in beiden Weltkriegen eine sehr große Anzahl von Beschäftigten, die mit der erwähnten Eisenbahn zu ihren Arbeitsplätzen fuhren. Die Einwohnerzahl in Schönberg stieg entsprechend stark an. 1939 lag die Bevölkerungszahl schon bei rund 1.800. Verstärkt wurde dieser Trend zusätzlich, als eine neue Siedlung im Zweiten Weltkrieg am westlichen Rand von Schönberg, im Volksmund Tobruk genannt, für die Familien der Werftarbeiter aus standardisierten Finnenhäusern angelegt wurde. Diese ein- und zweigeschossigen, vorgefertigten Häuser wurden ab 1942 durch Finnland geliefert. Außerdem kamen auch in Schönberg zahlreiche Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten hier anfangs unter.

Jahre zwischen 1945 und 2001 1946 lag die Bevölkerungszahl in Schönberg bei circa 5.200. Durch die einsetzende Abwanderung der früheren Rüstungsarbeiter und vieler Flüchtlinge sank die Einwohnerzahl bis Anfang der 1960er-Jahre dann auf etwa 3.800, um im Anschluss auf die heutige Zahl stetig wieder anzuwachsen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Schönberg mit seinen weißen Sandstränden wieder kontinuierlich zum aufstrebenden Ostseebad, da in den Sommermonaten viele Großstädter der Tristesse der städtischen Trümmerwüsten entfliehen wollten. In den Sommermonaten kamen mit jedem Zug oft Hunderte von Badehungrigen – zum Teil auf den Zugdächern fahrend – zum Schönberger Strand, bis diese Entwicklung durch die Anreise mit dem eigenen Auto abgelöst und der Zugverkehr 1975 eingestellt wurde.

mini|SchönbergSalzwiesenum 1920 Erst der neue, hohe Deichbau in den 1970er-Jahren sicherte die weitere touristische Entwicklung des Ostseebades Schönberg ab. Zuvor war es immer wieder bei sehr starken Orkanen aus östlichen Richtungen zu Überschwemmungen über den niedrigen alten Deich bis hinter die Strände der Gemeinde gekommen. Die Salzwiesen in der ganzen Gemeinde bis vor den Hauptort zeugen davon. Als Ausgleich für den Deichbau an den Schönberger Strandabschnitten wurde auf einer Länge von etwa 800 Meter eine niedrig gelegene Fläche bei Schmoel nicht hoch eingedeicht. Die dortigen Salzwiesen sind jetzt nur noch von Wind und Wetter abhängig – sowie dem Einfluss der Ostsee ausgesetzt – und damit völlig der Natur überlassen. Diese Strandseelandschaft ist ein Naturschutzgebiet mit vielen seltenen Pflanzen und Vögeln und darf nicht betreten werden. Das Gebiet ist per Fahrrad oder zu Fuß gut zu erreichen, wenn man sich auf dem Deich Richtung Stakendorf und Hohwachter Bucht bewegt. Das Gebiet muss umrundet werden. Auf Tafeln am Rande des Rundweges werden die Vogelarten und Pflanzen beschrieben.

mini|Schönberger StrandEiswinter 1978/1979Eisstöße am Strand Die Schneekatastrophe in weiten Teilen des west- und südlichen Ostseeraums zum Jahreswechsel 1978/1979 wütete ebenfalls in allen Ortschaften der Gemeinde Schönberg. Durch den orkanartigen Sturm aus östlichen Richtungen mit sehr tiefen Temperaturen schoben sich die Eisschollen an allen Schönberger Strandabschnitten übereinander und türmten sich vor dem neuen Deich hoch zu Eisstößen auf, Strom- und Telefonverbindungen wurden unterbrochen und die extrem hohen Schneeverwehungen auf den Straßen schnitten viele Bauernhöfe und Ortschaften in der Gemeinde Schönberg für Tage vom Straßenverkehr ab. Kranke, Verletzte und Schwangere waren in diesem Zeitraum sehr stark gefährdet, ebenso die Fütterung und das Melken der Tiere auf den Bauernhöfen. Eine Versorgung durch Hubschrauber musste zeitweise auch in der Gemeinde Schönberg erfolgen.

Im Jahr 2001 wurde eine neue Seebrücke mit zwei Schiffsanlegern wieder am Seebad Schönberger Strand eingeweiht. Jährlich findet hier das Seebrückenfest mit Musikveranstaltungen und Feuerwerk statt.

Jahre nach 2001 Auch in Schönberg beging man in den vorherigen Jahrzehnten bei der Ortsentwicklung den sogenannten Donut-Effekt: Hierbei erfolgt eine Verlagerung ausgedehnter Einfamilienhausgebiete einschließlich folgenden Handels- und Einkaufszentren weg vom alten Ortskern und „damit einhergehend [eine] Verödung der Zentren – [dies] ruiniert Gemeinden“. Es war nach 2001 also nicht verwunderlich, dass in der Gemeinde Schönberg die Zahl an Nächtigungen in diesem Ostseebad zwischen 2005 und 2015 rückläufig waren. In diesem Zeitraum stiegen die Übernachtungen hingegen im ganzen Bundesland Schleswig-Holstein sowie in anderen Ostseebädern an der westlichen Ostsee aufgrund von Investitionen in die Infrastruktur und von privaten Investoren zum Teil stark an, von den Ostseebädern in Mecklenburg und Vorpommern ganz zu schweigen. Daraufhin beauftragte die Gemeinde ein Planungsbüro mit der Erstellung eines Ortsentwicklungs- und Tourismuskonzeptes. Es wurden darin erhebliche Mängel und Defizite in Schönberg und an den Strandabschnitten hinsichtlich Ortsbild, Ortsidentität, in allen Bereichen der Infrastruktur, im Bereich der Natur und Umwelt, beim Verkehrskonzept, beim Energie- und Wärmekonzept, in der Demografie, bei den Tourismusangeboten sowie im Wohnumfeld identifiziert, aber ebenfalls vielfältige Chancen herausgearbeitet. In diesem Zusammenhang steht die Zusage vom Bund und dem Land Schleswig-Holstein, dass Schönberg für die nächsten 15 Jahre in das Städtebauförderprogramm aufgenommen wird und Gelder aus dem Fördertopf „Aktive Stadt und Ortsteilzentren“ erhält.

2009 feierte der Ort Schönberg seinen 750. Geburtstag.

Seit 2011 steht in der Nähe des Tourist-Service in Kalifornien ein kleiner Holzpavillon, in dem die möglichen zukünftigen Folgen des Klimawandels an der Ostseeküste durch das Klimabündnis Kieler Bucht thematisiert werden. Das aktuelle Küstenmodell wurde dazu unter anderem in aufwändiger Handarbeit zusammen mit den Modellbauern der Firma Miniatur Wunderland Hamburg GmbH erschaffen. Direkt hinter dem Deich an der Promenade am Schönberger Strand stellte die Gemeinde vor Jahren ebenfalls kleine Holzpavillons auf, in denen anhand von Schautafeln Informationen zur Entstehung und zum Aufbau des neuen Deichs und der Ausgleichsflächen erläutert werden.