mini|Robinson Crusoe von Walter Paget (1894)
Robinson Crusoe [] ist ein Roman von Daniel Defoe, in dem die Geschichte eines Seemannes erzählt wird, der als Schiffbrüchiger rund 28 Jahre auf einer Insel verbringt. Das Buch erschien 1719. Das literarische Motiv des Eingeschlossenseins auf einer Insel wird nach ihm auch als Robinsonade bezeichnet.
Der Titel des englischen Originals lautet: („Das Leben und die seltsamen überraschenden Abenteuer des Robinson Crusoe aus York, Seemann, der achtundzwanzig Jahre allein auf einer unbewohnten Insel an der Küste von Amerika lebte, in der Nähe der Mündung des großen Flusses Orinoco; durch einen Schiffbruch an Land gespült, bei dem alle außer ihm ums Leben kamen. Mit einer Aufzeichnung, wie er endlich seltsam durch Piraten befreit wurde. Geschrieben von ihm selbst.“)
Der große Erfolg des Buches – nach der Erstveröffentlichung am 25. April 1719 erschienen im selben Jahr drei weitere Auflagen – führte zur Fortsetzung The Farther Adventures of Robinson Crusoe vom 20. August 1719 und einem eigentümlichen Nachklapp unter dem nunmehr eingeführten „Markennamen“ (6. August 1720).„Anhang: Entstehungsgeschichte und Quellen der Romane“ in: Norbert Miller (Hrsg.): Daniel Defoe. Romane. Erster Band. 2. veränderte Auflage, Carl Hanser, München 1974, S. 732 ff.
Einer der Illustratoren des Buches (um 1894) war der Brite Walter Paget (1863–1935).
Inhalt mini|hochkant|Robinson Crusoe und Freitag auf einem Gemälde von Carl Offterdinger (1829–1889) Der Ich-Erzähler und Protagonist Robinson Crusoe wird 1632 in York als Sohn eines nach England ausgewanderten Bremer Kaufmanns mit dem ursprünglichen Namen Kreutzner (Kreutznaer) geboren. Sein Vater schärft dem jungen Robinson ein, er gehöre in den Mittelstand, und warnt ihn eindringlich davor, zur See zu gehen, dort werde er untergehen. Robinson missachtet diese Ermahnungen und wird auf einer seiner ersten Fahrten vor der Küste Nordafrikas von Piraten überfallen und versklavt. Nach zweijähriger Gefangenschaft in der marokkanischen Hafenstadt Salé gelingt es ihm, zusammen mit dem ebenfalls versklavten Jungen Xury zu fliehen; beide segeln entlang der afrikanischen Atlantikküste nach Süden. Schließlich werden sie auf hoher See von einem portugiesischen Kapitän aufgenommen. Er bringt sie über den Atlantischen Ozean nach Brasilien; Robinson verkauft Xury an den Kapitän, lässt sich von ihm aber schriftlich zusichern, dass Xury nach zehn Jahren Dienst, falls er sich zum Christentum bekehrt habe, freigelassen werden soll.
In Brasilien kommt Robinson durch Handel schnell zu Geld. Er erwirbt eine Zuckerplantage und bewirtschaftet sie. Um für seine und andere Plantagen schwarze Sklaven aus Guinea zu holen, geht er wieder zur See. Bei einem Sturm in der Karibik überlebt er als einziger einen Schiffbruch. Er strandet an einer Insel im Mündungsgebiet des Orinoco. Robinson kann an den folgenden Tagen mit einem selbstgebauten Floß noch verschiedene Ausrüstungsgegenstände aus dem Schiffswrack retten, bevor es nach einem weiteren Sturm untergeht. Für Robinson wird die Rettung auf der Insel zur neuen „Ortsbestimmung und Wiedergeburt des kreativen Vermögens. [...] Die existentielle Notsituation lässt sich nur durch Arbeit [...] kompensieren“, indem Robinson wie ein neugeborenes Individuum selbst „alle notwendigen handwerklichen Arbeiten“ erforscht, probiert und ausführt.Wilhelm Vosskamp: Homo Oeconomicus und Homo Poeticus. Über Arbeit und Kunst in den Robinsonaden von Daniel Defoe und Johann Gottfried Schnabel. In: Kunst und Arbeit. (Hrsg. Anja Lemke und Alexander Weinstock); Verlag Wilhelm Fink, Paderborn 2014, ISBN 978-3-7705-5715-8, S. 181.
Robinson baut sich eine kleine Festung und rüstet sie mit vom Schiff geretteten Musketen aus. Er beginnt, Gerste anzubauen, zu jagen und Kleidung aus den Fellen verwilderter Ziegen herzustellen. Etwa am zwölften Tag nach seiner Landung errichtet er ein großes Kreuz, in das er den 30. September 1659 als Datum seiner Ankunft auf der Insel einritzt, und beschließt, fortan jeden Tag eine Kerbe in das Kreuz zu ritzen. Auch führt er, bis ihm die Tinte ausgeht, ein Tagebuch. All dies tut er mit äußerster Vorsicht, weil er sich auf der Insel nicht sicher fühlt.
Robinson erkrankt ernsthaft. Im Fieber erscheint ihm ein Mann, der von einer schwarzen Wolke auf einer großen Flamme herabsteigt und ihm sagt, dass sein Leben ihn noch nicht zur Reue gebracht habe. Robinson wird wieder gesund. Zuvor nicht religiös, erstarkt nun sein Glauben an Gott, dem er sein Leben und alles zu verdanken glaubt, was er auf der Insel besitzt. So liest er jeden Morgen in einer Bibel, die er vom Schiff bergen konnte.
Abseits seiner Festung errichtet Robinson eine Laube. Bei einer Expedition zum Westende der Insel macht er in einiger Entfernung Land im Ozean aus. Auf der Insel gefangene Ziegen verwendet er zur Zucht und gelangt so zu einer eigenen Ziegenherde.
mini|links|Crusoe findet Reste einer Kannibalenmahlzeit (von W. Paget) Eines Tages entdeckt er im Sand einen Fußabdruck, der größer ist als sein eigener. Zwei Jahre später findet er am Strand die Überreste eines Kannibalengelages. Die Insel wird offenbar bisweilen von Kannibalen besucht, die dort ihr Mahl abhalten.
Eines Nachts träumt Robinson, dass Kannibalen die Insel, auf der er lebt, mit einem Opfer aufsuchen, das jedoch entkommt und zu Robinson läuft. Tatsächlich erscheinen anderthalb Jahre später wieder „Wilde“ auf der Insel, und eines ihrer vorgesehenen Schlachtopfer läuft, von zwei Kannibalen verfolgt, auf Robinsons Versteck zu. Robinson und dem Verfolgten gelingt es, die beiden Kannibalen zu töten. Den zu ihm geflohenen Mann, der später sein Freund und Diener wird, nennt Robinson Freitag zur Erinnerung an den Tag, an dem er ihm das Leben gerettet hat. Er bringt Freitag die englische Sprache bei, macht ihn mit der europäischen Lebensweise vertraut und führt ihn an die christliche Lehre heran.
Bevor Robinson nach 28 Jahren gerettet wird, gelingt es ihm und Freitag, einen schiffbrüchigen Spanier und einen anderen Einheimischen aus den Händen der Kannibalen zu befreien, die wieder ein Festmahl auf der Insel abhalten wollen. Der gerettete Indigene ist Freitags Vater, und der Spanier berichtet, dass weitere mit ihm gestrandete Spanier auf Freitags Heimatinsel ein klägliches Dasein fristen. So wird beschlossen, dass Freitags Vater mit dem Spanier losfahren soll, um die anderen Europäer zu Robinsons Insel zu bringen.
Während die beiden noch unterwegs sind, ankert eines Tages ein englisches Schiff vor der Insel, dessen Mannschaft gemeutert und beschlossen hat, den Kapitän und noch zwei andere auf der scheinbar unbewohnten Insel auszusetzen. Robinson, dem Kapitän und seinen Gefolgsleuten gelingt es, das Schiff mit List und Gewalt zurückzuerobern. Nun werden die überlebenden Rädelsführer der Meuterei auf der Insel ausgesetzt, und Robinson fährt am 19. Dezember 1686 nach England zurück, wo er am 11. Juni 1687 nach 35 Jahren Abwesenheit eintrifft.
Von dort schifft er sich mit Freitag nach Lissabon ein, wo er den alten portugiesischen Kapitän wiedertrifft, der ihm Rechenschaft über seine Pflanzungen in Brasilien gibt. Robinson erfährt, dass er zu einem wohlhabenden Mann geworden ist, da seine Plantage ein kleines Vermögen eingebracht hat. Für die Rückkehr nach England benutzen Robinson und Freitag zunächst den Landweg, auf dem sie Abenteuer mit Wölfen und einem Bären bestehen. Zurück in England verkauft Robinson seine Pflanzungen in Brasilien, legt das Geld an und heiratet.
Nach dem Tod seiner Frau besucht er die Insel erneut. Die Spanier haben sich nach zunächst heftigen Kämpfen mit den Meuterern geeinigt, da die Insel von Kannibalen angegriffen wurde. Die Bewohner bilden inzwischen eine friedliche Kolonie, zu der Robinson bei späteren Besuchen sogar Neuansiedler bringen kann.
Hintergrund der Geschichte mini|Freitag (Illustration von W. Paget) Die Geschichte von Robinson Crusoe kann auf das Leben des Abenteurers Alexander Selkirk zurückgeführt werden. Dieser gehörte zur Mannschaft des Freibeuters William Dampier und wurde 1704 nach einem Streit mit seinem Kapitän auf der zum Juan-Fernández-Archipel gehörenden Insel Más a Tierra, die seit 1966 Robinson-Crusoe-Insel heißt, ausgesetzt. Selkirk blieb vier Jahre und vier Monate auf der Insel, bis er am 2. Februar 1709 gerettet wurde. Nach seiner Rückkehr nach England zeichnete Richard Steele Selkirks Geschichte auf und veröffentlichte sie 1713 in seiner Zeitschrift „The Englishman“. Vermutlich ließ sich Daniel Defoe durch diesen Text zu seinem Roman Robinson Crusoe anregen. Angeblich soll Defoe Selkirk auch in dem noch heute existierenden Pub Llandoger Trow in Bristol getroffen haben.
Rezeption im deutschsprachigen Raum mini|hochkant|Robinson Crusoe mit Sonnenschirm von Offterdinger & Zweigle, um 1880 mini|hochkant|Der reisesüchtige Robinson, ein warnendes Beispiel für junge Leute, welche ohne gehörige Kenntnisse und hinreichende Erfahrung ihrer Neigung, die Welt zu sehen, folgen. Frankfurt an der Oder: Verlag von Trowitzsch und Sohn (ca. 1830) Schon im Jahr nach Erscheinen der Originalausgabe des Werks waren in Deutschland vier verschiedene Übersetzungen erhältlich, ab 1722 folgte eine bedeutende Zahl von mehr oder weniger originellen deutschsprachigen Bearbeitungen des Stoffs. Zu den bedeutendsten unter diesen Robinsonaden zählen Johann Gottfried Schnabels Insel Felsenburg sowie der Schweizerische Robinson von Johann David Wyss. Eine der ersten Rezensionen mit Abbildung des Buchhelden im Holzschnitt fand sich 1720 in der Zeitschrift Remarquable Curiosa.Poliander: Remarquable Curiosa. Acta Publica, Erfurt 1720, S. 314–319 (mit Holzschnittdarstellung).
Die Robinsonaden orientierten sich teils mehr an der belehrenden, teils mehr an der abenteuerlichen Seite des Originals. Oft wurde im Titel der Name Robinson, sowie zur Unterscheidung von der Konkurrenz, der Beruf oder die Herkunftsregion des Helden genannt – letzteres insbesondere in Österreich.
Im deutschsprachigen Raum diente das Buch mehrfach als Vorlage für Jugendromane. Am erfolgreichsten wurde Robinson der Jüngere von Joachim Heinrich Campe (1779/80); das Werk gilt als erste spezifische deutsche Jugendschrift.
Im 2014 erschienenen Roman Kruso gestaltet der Autor Lutz Seiler die Freundschaft zwischen Kruso und Ed nach der Beziehung von Robinson und Freitag.
Österreichische Robinsonaden erschienen zahlreich ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und zeichneten sich in der Regel dadurch aus, dass sie Robinsons Gefährten Freitag durch eine weibliche Person ersetzten. Der ungarische Robinson Andreas Jelky von Ludwig Hevesi beruhte auf wahren Begebenheiten, ebenso wie der autobiographische kärntnerische Robinson von Leonhard Eisenschmied. Karl Temlichs österreichischer Robinson (1791) Andreas Geißler aus Wien ist dagegen ebenso fiktiv wie die meisten anderen. Bekannt ist auch der steirische Robinson (1793) und der Robinson aus Böhmen (1796), schließlich erschien 1802 Robinson der Ober-Österreicher, eine fiktive Autobiografie von Johann Georg Peyer.
In Frankreich publizierte Jules Verne mit "Die geheimnisvolle Insel" (L’Île mystérieuse) 1874 eine Robinsonade. Die in einem Ballon gestrandeten Südstaatler verbleiben jedoch nicht lange in einem primitiven Zustand, sondern erschaffen eine eigene Zivilisation mit Metrik, Zeitmessung, Ackerbau, Keramik und schließlich Nitroglyzerin.
Verfilmungen
Die Geschichte von Robinson Crusoe wurde seit der Stummfilmzeit vielfach verfilmt.
1902 wagte sich Georges Melies an eine erste Version. 1927 folgte die britische Produktion Robinson Crusoe. 1932 erschien Mr. Robinson Crusoe (Titelrolle und Produzent Douglas Fairbanks senior), eine komödiantische Version der klassischen Abenteuergeschichte von Daniel Defoe. Die Hauptfigur wettet mit Freunden, dass sie, wie Robinson Crusoe allein auf einer einsamen Südseeinsel überleben könne.