Abuja [] ist seit dem 12. Dezember 1991 die Hauptstadt von Nigeria in Westafrika. Sie hatte zum Berechnungsstand 2022 ca. 1,7 Millionen Einwohner im Gemeindegebiet und knapp 3,8 Millionen Einwohner in der Agglomeration (2023). Abuja ist auch die Hauptstadt des Federal Capital Territory. Das Territory (Sonderform eines Bundeslandes) wird direkt von der Bundesregierung durch einen Bundesminister verwaltet (Ministry of FCT) und entsendet einen eigenen Senator in die nigerianische Nationalversammlung. In Abuja befindet sich der Sitz des Sekretariats der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS), die Buhari-Regierung gab 2022 den Startschuss für den Bau des 31,6 Millionen Dollar teuren Gebäudes für die Organisation.

Geographie

Lage Abuja liegt in Zentral-Nigeria zwischen dem muslimisch dominierten Norden und dem christlich dominierten Süden. Die Lage wurde beim Umzug der Hauptstadt von Lagos bewusst gewählt, um einen gleichwertigen Zugang zu politischer Macht für beide Landesteile zu symbolisieren.John N. Paden: Muslim Civic Cultures and Conflict Resolution. The Challenge of Democratic Federalism in Nigeria, Washington 2005, S. 50.

Stadtgliederung Die erste Phase der Stadtentwicklung umfasst die Stadtteile Asokoro, Central, Garki, Maitama und Wuse. Diese Stadtteile sind von einem Ring umgeben, wobei Asokoro geringfügig über dessen Grenzen hinausragt. Der Central District wurde als Verwaltungs- und Geschäftsviertel konzipiert und teilweise entsprechend diesem Plan entwickelt. Er beherbergt mehrere nationale Institutionen, darunter Gerichte, Ministerien und die Präsidentenresidenz. Die diplomatischen Vertretungen befinden sich hauptsächlich in den Stadtteilen Asokoro und Maitama.

In der Phase 2 schließen sich die Bezirke Dakibiyu, Durumi, Dutse, Gudu, Jabi, Jahi, Katampe, Kaura, Kukwaba, Mabushi, Utako, Wuye und Yado an, wovon bisher erst einige realisiert sind. Umschlossen werden sie von einem zweiten Autobahnring, der bereits fertiggestellt ist und die Autobahnen nach Kubwe und zum Flughafen miteinander verbindet.

Klima Abuja weist eine warme und feuchte Regenzeit auf, die von etwa April bis Oktober dauert und auf deren Höhepunkt im Juli und August täglich ergiebige Niederschläge fallen. Die Tageshöchsttemperaturen liegen dann knapp unter 30 Grad, die Temperaturen in der Nacht unterschreiten die 20 Grad nicht. Außerhalb der Regenzeit, in der Trockenzeit fällt beinahe überhaupt kein Niederschlag und die Temperaturen steigen täglich über 35 Grad, seltener auch über 40 Grad. Die Temperaturen in den Nächten betragen nicht unter 20 Grad. Zum Ende der Trockenzeit, etwa von Januar bis März, kann der Harmattan, ein Landwind aus Nordosten, große Mengen Staub aus der Sahara transportieren. Dieser Staubschleier verschlechtert die Sicht, belastet auch die Atemwege und führt häufig zu schlechteren Mobiltelefon- und Satellitenverbindungen. Die Länge der Tage unterscheidet sich im Jahresverlauf kaum, die Sonne geht zwischen 6 und 7 Uhr morgens auf und zwischen 18 und 19 Uhr unter.Abuja, Nigeria – Sunrise, sunset, dawn and dusk times for the whole year. gaisma.com

Flora und Fauna Abuja liegt in der Savanne. Es dominieren Bäume, die mit einer monatelangen Trockenzeit keine Probleme haben, wie die Schirmakazie, wilde Orangen- und Bananen-Bäume (die aber meist an den Wasserläufen kleiner Flüsse oder Bäche wachsen), der Kapokbaum sowie Mangobäume. Aufgrund der dichten Besiedlung ist die Tierwelt in der Region stark dezimiert. Vereinzelt können Schlangen, Krokodile und Affen gesehen werden. Hinzu kommen die Fulani mit ihren Rinderherden, die in den Abendstunden ihr Vieh auch durch Abuja treiben.

Geschichte mini|Abuja Bereits im Jahr 1976 fasste die nigerianische Regierung den Beschluss, die Hauptstadt von Lagos an der Küste in das Zentrum des Landes zu verlagern, und begann die Planstadt auf dem Reißbrett zu erschaffen. Der japanische Stadtplaner Kenzō Tange konzipierte die Planhauptstadt. Erbaut wurde die Stadt durch Baufirmen aus Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Italien und anderen Ländern. Finanzielle Probleme sowie der schleppende Fortschritt der Bauarbeiten verzögerten den raschen Umzug der Regierung. Die Kosten wurden größtenteils durch die Erlöse aus dem Erdölexport gedeckt. Vom einst entworfenen Masterplan für die Gestaltung der Stadt ist bisher erst etwa ein Fünftel realisiert. Das geplante Geschäftszentrum der Stadt zum Beispiel mit dem Hauptbahnhof und Fußgängerzonen ist bis heute weitestgehend Ödland. Politiker betonen aber immer wieder, dass der Masterplan aus den 1970er-Jahren noch zu realisieren sei, und so gehen die Bauarbeiten tatsächlich weiter. Unweit des Sheraton-Hotels am Sani Abacha Way entstand Anfang 2009 ein Einkaufszentrum mit Kinosälen. Zahlreiche Straßen werden aus- oder neugebaut.

Innerhalb des Autobahnringes (sogenannte Phase 1 der Stadt) wird moderat am Ausbau der Stadt gearbeitet. Entstehende Elendsviertel werden hier schnell beseitigt. Es entstehen heute vor allem Villen sowie neue Geschäfts- und Verwaltungsgebäude. In den westlich davon gelegenen Stadtteilen (Phase 2) existieren preiswertere Wohnviertel. Außenherum aber entstehen Vorstädte in großer Geschwindigkeit, auf die die Definition für Slums zutrifft. Diese Armutsviertel wachsen so rasant, dass sich die Einwohnerzahl Abujas in nur zehn Jahren auf 15 bis 20 Millionen Menschen erhöhen könnte. Daily Trust, 20. Januar 2009. Einige Vorstädte weisen ein Wachstum von 20 bis 30 % pro Jahr auf.

Eine echte Innenstadt mit der Konzentration auf viele Geschäfte und Verwaltungseinrichtungen fehlt bis heute. Geplant ist eine solche City im Central District. Auf einer Länge von 6,5 km bei einer Breite von etwa 700 Metern soll dort ein zentraler Boulevard mit großstädtischer Bebauung eine Innenstadt formen. Im Osten wird dieser Bereich durch den Eagle Square begrenzt, im Westen durch das National Hospital. Die Constitution Avenue (Road B6) bildet den nördlichen Rand der künftigen City, Independence Avenue (Road B12) den südlichen. Derzeit konzentriert sich das geschäftliche Leben auf einige Teile des Wuse-Bezirks.

Am 16. Juni 2011 fand ein Selbstmordanschlag auf dem Parkplatz des Hauptquartiers der Polizei statt. Dabei wurden mindestens 30 Menschen getötet. Am 26. August desselben Jahres starben 25 MenschenAnschlag auf UN-Gebäude: Zahl der Toten steigt auf 25 Hamburger Abendblatt, 27. August 2011 bei der Explosion einer Autobombe, die die unteren Stockwerke des United Nations House Abuja, des Hauptquartiers der Vereinten Nationen in Nigeria, zerstörte.

+ Bevölkerungsentwicklung der Agglomeration Jahr Einwohnerzahl 1950 19.000 1960 23.000 1970 48.000 1980 125.000 1990 330.000 2000 833.000 2010 1.814.000 2017 2.750.000 2023 3.839.646

Leben in der Stadt mini|Abuja Als eine schnell erbaute Planstadt entspricht Abuja städtebaulich westlichem Standard. Der Zuzug in die Stadt wird durch teuer gehaltenen Wohnraum erschwert, noch immer ist die ehemalige Hauptstadt Lagos das Hauptziel für Einwanderer aus den ländlichen Räumen. Abuja entspricht nicht den sonstigen Gegebenheiten Nigerias oder Afrikas. Die Stadt ist im Vergleich zu anderen Städten des Landes sauber und sicher. Viele Firmen, darunter auch ausländische, haben sich inzwischen im Central District angesiedelt. Durch die Rolle Abujas als Hauptstadt Nigerias befinden sich dort unter anderem die Zentralen der Federal Radio Corporation of Nigeria (FRCN) und der Nigerian Television Authority (NTA). In der Stadt entstanden auch einige Parks und Grünanlagen. Im wohlhabenden Asokoro District befinden sich die Häuser vieler reicher Nigerianer, auch der Präsidentenpalast ist dort zu finden.

Die Freizeitmöglichkeiten in Abuja entwickeln sich allerdings nur langsam. Zu überhöhten Preisen gibt es aber fast alles zu kaufen: Die wenigen Supermärkte nach westlichem Vorbild verkaufen die meisten Waren zu höheren Preisen als in Europa. Vor allem Käse, Wurst, Fleisch, Süßigkeiten, Kartoffelchips und Kaffee sind sehr teuer. Günstiger lässt es sich auf den großen Wochenmärkten einkaufen. Dort werden überwiegend Produkte aus der Region verkauft, wobei die Preise nicht selten fünfmal so hoch wie im Umland, aber immer noch erschwinglich sind.

In den Straßen Abujas ist Rauchen bei Strafe verboten. Es wurden selbst Raucher zur Kasse gebeten, die im eigenen Auto geraucht hatten. Auch das Fotografieren von strategisch wichtigen Plätzen ist verboten, wobei die Definition für einen strategisch wichtigen Platz unklar ist; selbst auf Wochenmärkten kann ein Foto bestraft werden.

Kultur Das kulturelle Leben in Abuja ist im Vergleich zu westlichen Städten eher provinziell, da es sich fast nur auf zwei Kinos beschränkt; es gibt weder ein Theater noch eine Oper. Unterhalb des Aso Rock (ein 400 Meter hoher Monolith) liegt ein kleiner Zoo (National children’s park and zoo) mit mehreren Spielplätzen für Kinder und Kiosken. Raubtiere sind nicht zu bewundern, da das Budget des Zoos den Kauf von Fleisch nicht erlaubt. Stattdessen kann man Strauße, Gnus, Zebras, Affen, Esel, Giraffen, Vögel, Schildkröten und Ziegen beobachten.

Sicherheit und Versorgung mini|Nationalversammlung Die Hauptstadt Abuja galt lange Zeit als relativ sicher. Zwar werden auch aus der Hauptstadt gelegentlich bewaffnete Überfälle mit Todesfällen gemeldet. Im Vergleich zur Sicherheitslage im Süden Nigerias kann man sich jedoch in Abuja frei bewegen. Besonders in den Nachtstunden gibt es Straßenkontrollen der Polizei. Verkehrsunfälle sind häufig, Nigerias Autofahrer sind berüchtigt für ihre riskante Fahrweise. Erschwerend kommt der oft mangelhafte technische Zustand der Autos und LKWs hinzu, der Verkehrsunfälle fördert.

Seit Oktober 2010 ereigneten sich jedoch auch in Abuja zwei folgenschwere Bombenanschläge. Zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit Nigerias am 1. Oktober detonierten unweit der offiziellen Feierlichkeiten im Herzen der Stadt zwei Bomben, die mindestens zwölf Menschen töteten. Am 31. Dezember des gleichen Jahres explodierte auf dem bei Nigerianern wie Ausländern beliebten Mammy Market, einer Art Freiluftrestaurant auf einem Gelände der nigerianischen Armee, erneut ein Sprengsatz. Die Opferzahlen schwanken je nach Quelle zwischen 4 und 30 Toten.Neue Anschläge in Nigeria. NZZ.ch; abgerufen am 8. April 2011. Auch danach kam es immer wieder zu tödlichen Angriffen, so zum Beispiel am 26. August 2011 mit 24 oder am 14. April 2014 mit 71 getöteten Personen.

Ein Problem in Abuja ist, wie im gesamten Land, die mangelhafte Versorgung mit elektrischer Energie. Auch in den vornehmsten Stadtteilen gibt es täglich Stromausfälle, in nahezu jedem Garten stehen Dieselgeneratoren zur Überbrückung der Stromausfälle. Trotz besonderer Förderung der Hauptstadt gelingt es nicht, Ampeln oder Straßenbeleuchtung kontinuierlich zu betreiben. An der östlichen Ringstraße zwischen Präsidentenpalast und Aso Rock wurden in einem großangelegten Versuch zahlreiche Solar-Straßenlaternen errichtet. Trotz aufwändiger Hinweisschilder, dass der Diebstahl oder die Beschädigung dieser Laternen mit drastischen Strafen belegt wird, fehlen inzwischen viele Lampen.

Deutsches Leben in Abuja Weil der Baukonzern Julius Berger Nigeria (JBN) als ehemalige Minderheitsbeteiligung des deutschen Konzerns Bilfinger Berger sein Hauptquartier in Abuja hat, gibt es auch Deutsche in der Stadt. Die Zahl der Minderheit wird auf 200 Personen geschätzt. Das JBN Life Camp umfasst eine deutsche Schule, eine Klinik, einen Kindergarten und außer dem Clubhaus zahlreiche weitere Gebäude und Freizeiteinrichtungen. Mit Büros vertreten sind die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Heinrich-Böll-Stiftung. Die Deutsche Botschaft residiert im Stadtteil Maitama; ein Botschaftsneubau im Central District ist wegen Baumängeln seit Jahren ungenutzt. Vor Ort sitzt auch eine Beratergruppe der Bundeswehr sowie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Sehenswürdigkeiten

mini|Die Nationalmoschee in Abuja