Deutscher Fernsehfunk (DFF; zwischen 1972 und 1990 Fernsehen der DDR) war das staatliche Fernsehen der Deutschen Demokratischen Republik.

Geschichte 1950–1956: vom Fernsehzentrum zum DFF mini|Deutscher Fernsehfunk.Ehemaliger Richtfunkturm, rechts angrenzend das ehemalige Redaktionsgebäude der AK, genannt „Schafstall“

Unter der Rundfunk-Generalintendanz von Hans Mahle, dem Wegbereiter des Fernsehens der DDR, erfolgte am 11. Juni 1950 der erste Spatenstich für das Fernsehzentrum Berlin (FZ) in Berlin-Adlershof.

Am 20. Dezember 1951 starteten die ersten Sende- und Empfangsversuche nur für Techniker und Fachleute. Die ersten Fernsehgeräte waren öffentlich erst ab dem 29. Juli 1952 verfügbar.

Ein erster kleiner Bildsender (800 W) wurde im Februar 1952 in Berlin-Mitte auf dem alten Stadthaus installiert und am 3. Juni per Richtfunk mit Adlershof verbunden.

Im August 1952 wurde der Rheinländer Hermann Zilles Intendant des Fernsehzentrums. Die ersten Fernseh-Rundfunkempfänger der DDR wurden ab 16. November 1952 verkauft. Das im Sachsenwerk Radeberg hergestellte Gerät Leningrad kostete anfangs 3500 DM, bei einem damaligen durchschnittlichen Monatseinkommen von rund 300 DM. Bis zur Produktionseinstellung 1954 sind nur ca. 3000 Geräte Leningrad in der DDR verkauft worden, die Hauptproduktion von ca. 130.600 Geräten musste als Reparationsleistung an die Sowjetunion geliefert werden. Die Flächenabdeckung mit Fernsehgeräten in Berlin und der DDR war daher anfangs äußerst gering.

Als am 21. Dezember 1952 die kommunistische Welt „Stalins 73. Geburtstag“ feierte, startete in Ost-Berlin das „öffentliche Versuchsprogramm“ mit zwei Stunden Sendezeit täglich ab 20 Uhr und dem Brandenburger Tor als Logo. Empfangsbereit waren in der DDR etwa 60 Geräte, allesamt in Berlin. Nach der Begrüßung durch Ansagerin Margit Schaumäker folgten Grußworte der Fernsehintendanz und schließlich die Aktuelle Kamera (AK) mit Sprecher Herbert Köfer. Die AK als älteste deutsche Fernseh-Nachrichtensendung existierte bis zum 14. Dezember 1990. Anfangs war das Fernsehen noch kein Massenmedium und aus diesem Grund nicht sehr aktuell. Bald wurden die Tagesschau und auch die AK wegen ihrer Aktualität beliebter und wirksamer als die Wochenschauen in den Kinos. Zwar sorgte die DEFA-Wochenschau Der Augenzeuge noch für objektive Information. Dies trifft auch für die Ereignisse am 17. Juni 1953, dem Tag des Arbeiteraufstands in der DDR, und die nachfolgenden Tage zu. Darauf wurde Intendant Zilles entlassen. Ihm folgte im Sommer 1954 Heinz Adameck, der bis zur Wende, 1989, diese Position besetzte.

Um mehr Zuschauer zu erreichen, wurde das Sendernetz rasch ausgebaut. 1953 Berlin-Grünau (in den Müggelbergen), Dresden, 1955 Berlin-Mitte, Brocken, Inselsberg, Helpterberg, Marlow, Katzenstein bei Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) und 1956 Berlin-Köpenick, wobei Brocken und Inselsberg auch weit nach Westdeutschland strahlten. Technik und Fernsehstudios wurden ebenfalls zügig erweitert. Im Sommer 1953 wurde das Studio I auf dem Gelände von Berlin-Adlershof eröffnet. 1955 gab es zwei Übertragungswagen von der englischen Firma PYEFernsehen der DDR aus Adlershof, es war einmal.... radiomuseum.org und ein drittes Sendestudio.

1956–1972: vom DFF zum DDR-Fernsehen mini|Senderlogo 1968: DDR Deutscher Fernsehfunk mini|Sendestunden pro Jahr

Am 2. Januar 1956 endete das offizielle Versuchsprogramm des Fernsehzentrums Berlin und am 3. Januar begann der Deutsche Fernsehfunk (DFF) sein Programm. Der Sender hieß politisch gewollt zunächst nicht Fernsehen der DDR. Der DFF wollte Fernsehen für ganz Deutschland sein. Trotz grenznaher Sender war es dem DFF aber physikalisch nicht möglich, die ganze Bundesrepublik zu versorgen, während die ARD später mit Ausnahme des Elbtalkessels, des sogenannten „Tals der Ahnungslosen“, und des Nordostens (u. a. Stralsund, Greifswald) die ganze DDR erreichte. Der DFF vergab den Fernsehpreis Lorbeer.

Ende 1958 waren über 300.000 Fernsehgeräte in der DDR angemeldet. Ab dem 7. Oktober 1958 wurde das Vormittagsprogramm eingeführt, als Programmwiederholung für Spätarbeiter. Einen Tag später folgte erstmals ein Abendgruß. Der Abendgruß vom Fernsehfunk wurde, ab 22. November 1959 im Rahmen der Sendung Unser Sandmännchen, zum Exportschlager und hat auch die Abwicklung des Senders 1991 überstanden. Heute ist der Name Fernsehfunk im Sandmann-Lied nicht mehr zu hören, da die betreffende zweite Strophe weggefallen ist.

Am 3. Oktober 1969 ging das 2. Programm des Deutschen Fernsehfunks DFF 2 aus Anlass des bevorstehenden 20. Jahrestages der Gründung der DDR als Farbprogramm erstmals auf Sendung. Damit begann beim Deutschen Fernsehfunk das Farbfernsehzeitalter. Walter Ulbricht eröffnete das Programm mit den Worten „Das zweite Fernsehprogramm ist eröffnet“.

Durch das hinzugekommene zweite Programm nahm auch die Anzahl der produzierten Sendestunden zu. Gesendet wurde im Farbübertragungssystem SECAM III b, abweichend vom westdeutschen PAL-System (SECAM wurde und wird in einigen Ländern Osteuropas und Frankreich angewendet). Man verwendete den Bild-/Tonträgerabstand nach CCIR (5,5 MHz), sodass Zuschauer aus dem jeweils anderen Teil Deutschlands den Ton empfangen konnten, jedoch nur ein Schwarzweißbild (Fernseher mit beiden Farbsystemen wurden erst in den 1970er Jahren produziert). Der in Osteuropa übliche Tonträgerabstand war 6,5 MHz nach OIRT – somit war das System der DDR weder mit dem Westen noch mit dem Osten kompatibel. Es gab Möglichkeiten, die DDR-Geräte (erstes DDR-Farbfernsehgerät und erster volltransistorisierter Farbfernseher Europas war der Color 20 später folgten Rubin und Raduga aus der UdSSR) durch Einbau von PAL-Decodern bzw. PAL/SECAM-Kombidecodern aufzurüsten. Die Module stammten aus Bastlerhänden oder später auch aus DDR-Produktion, denn hier wurden inzwischen Farbfernseher für den bundesdeutschen Markt produziert. Erst viel später (Chromat 1060, ca. 1978) wurden in der DDR auch Geräte verkauft, die sowohl SECAM als auch PAL empfangen konnten. Übertragen wurden die Farbsendungen zunächst nur auf DFF 2. Einige Jahre später wurde auch das Hauptprogramm für Farbsendungen nachgerüstet.

Jahr 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1988 1989 Sendestunden/Jahr 786 3007 3774 6.028 6.851 7.704 8.265 9.194 8.900 Durchschn. Sendestunden/Woche 15 58 73 116 132 148 159 177 171

1972–1990: Fernsehen der DDR mini|Wimpel des Fernsehens der DDR zu den Olympischen Spielen in Montreal (17. Juli – 1. August 1976) Nachdem die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) seit ihrem VIII. Parteitag im Juni 1971 die Abgrenzungspolitik der DDR zur Bundesrepublik verschärft hatte, ließ sie Institutionen, die den Zusatz „deutsch“ im Namen trugen, umbenennen, umstrukturieren oder auflösen. Die Änderungen betrafen im Dezember 1972 auch den Deutschen Fernsehfunk: Er wurde in „Fernsehen der DDR“ umbenannt.DDR-Rundfunk- und Fernsehkomitee. Aufgaben und Geschichte (PDF). Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung, S. 7. Der alte Name erschien lediglich in Abspannen, bei Zitaten und in der Fernsehserie Unser Sandmännchen als „Abendgruß vom Fernsehfunk“.

Als erste Farbregie war 1969 die sogenannte Hauptregie II mit Marconi-Kameras und einem SECAM-Mischer von Thomson in Betrieb gegangen. Die Regien II und III im Produktionskomplex S4 wurden von der Bildmesstechnik von SW auf Farbe umgerüstet und enthielten einen Ein-Ebenen-SECAM-Mischer, mit dem man weich oder mit Tricks auf- und überblenden sowie Schriften austasten konnte. 1975/1976 ging die neue Regie 5 der Aktuellen Kamera im neugebauten Komplex S5a mit einem Mehrebenen-SECAM-Mischer in Betrieb. Dieser war ein Vorgriff auf den späteren RFZ-Mischer und war von der Bildmesstechnik unter Verwendung verschiedener Komponenten zusammen mit dem Rundfunk- und Fernsehtechnischen Zentralamt (RFZ) entwickelt worden.

Mitte der 1970er Jahre wurden die Studios A bis F im Komplex S1 (heute Studio Berlin) in Betrieb genommen, hatten zunächst keine eigene Bildregien. Erst im Laufe der Jahre 1977 bis 1980 wurde zunehmend Videotechnik eingebaut. Zum Einsatz kamen Mehrebenen-SECAM-Mischer des RFZ Berlin sowie sowjetische Kameratechnik, zunächst die Kameras KT-116 und später die KT-132. Das Konzept sah für jeweils zwei Studios eine gemeinsame Regie vor, weil man davon ausging, dass in einem Studio produziert wird, während im Nachbarstudio die nächste Produktion vorbereitet wird. Bald zeigte sich, dass diese Vorbereitungen viel kürzere Zeit in Anspruch nahmen, als angenommen. So bestand von Anfang an in S1 ein Engpass an Regiekapazität, der nur durch die Produktion mittels Ü-Wagen ausgeglichen werden konnte. Deshalb wurden und werden die Studios bis heute teilweise mit Ü-Wagen bespielt. Weil es zu DDR-Zeiten sowohl SECAM- wie auch PAL-Ü-Wagen gab, wurde dort sowohl in PAL wie auch in SECAM produziert und aufgezeichnet.

Das Gerücht, das DDR-Fernsehen habe seinerzeit aus politischen Gründen geplant, die Olympischen Spiele in Moskau in PAL zu übertragen und hätte deshalb zuvor PAL-Testsendungen ausgestrahlt, entbehrt jeder Grundlage. Einerseits war das Adlershofer Fernsehen zu jener Zeit materiell nicht in der Lage, um PAL zu senden, denn Mischer und Infrastruktur waren durchgängig in SECAM-Technik ausgeführt. Transcoder standen ebenfalls nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung. Andererseits gab es zu dieser Zeit keine flächendeckende Ausstattung mit Mehrnormen-Farbfernsehgeräten, so dass PAL-Ausstrahlungen der Sportsendungen ein Affront für die DDR-Bevölkerung gewesen wären.

Die Regien 2 bis 4 im Neubau S4a hatten zur Inbetriebnahme Anfang der 1980er Jahre Mehrebenen-SECAM-Mischer des RFZ Berlin. Später erhielten die Regie 3 und die Regie 4 Komponentenmischer von Grass Valley (GVG-300 und GVG-110). Zu diesem Zeitpunkt wurden auch die Regie 5 und die HR II auf Komponentenmischer umgebaut (Letztere beherbergte schließlich Elf 99). Hierbei kamen modifizierte RFZ-Mischer im Zusammenspiel mit Komponentenkreuzschienen von Probel zum Einsatz. Um 1989/1990 waren die Regien 3, 4, 5 und HR II auf analoge Komponententechnik umgebaut, was den späteren Umstieg von SECAM auf PAL „über Nacht“ durch Austausch der Coder ermöglichte.

Neben Sony-Technik und Technik der Darmstädter Fernseh GmbH, die später mehrfach neu firmierte und ihren Namen wechselte (Bosch, BTS, Philips, Thomson, heute Grass Valley,) kam Fernsehtechnik vieler anderer Hersteller zum Einsatz, wie Marconi, Philips, Probel, Aston, dem RFZ und von RFT, sowie auch Kameras, Monitore und Ü-Wagen aus der UdSSR.

1989–1990: die Wendezeit Die politische Wende in der DDR im Jahre 1989 bedeutete auch für die Medien eine stärkere Lösung von der Staatsmacht. In den politischen Sendungen konnte zunehmend freier berichtet werden und zahlreiche neue Programme gingen auf Sendung.

Als die Sendeanstalt noch unter der Kontrolle der Staatsmacht stand, ging am 1. September 1989 die Jugendsendung Elf 99 (in Anlehnung an die damalige Postleitzahl des Senders in 1199 Berlin-Adlershof) auf Sendung. Die SED wollte damit mehr junge Zuschauerschaft an die DDR-Programme binden, die sich an den Westmedien orientierten.

mini|Teilnehmende Schauspieler des Fernsehens der DDR zu Beginn der Demonstration in der Karl-Liebknecht-Straße, darunter Herbert Köfer (1. R., 3.v.l.)

Wurden anfangs die Massenflucht und Proteste kaum in den politischen Sendungen erwähnt, änderte sich das Ende Oktober 1989 schlagartig. Am 18. Oktober 1989 traten Erich Honecker und andere Mitglieder des Macht ausübenden Politbüros des Zentralkomitees der SED zurück. Unmittelbar danach reformierten Rundfunk und Fernsehen ihre Programme. Am 30. Oktober 1989 wurde die Propagandasendung Der schwarze Kanal eingestellt. Von nun an sollte Klartext gesprochen werden. Die Mitarbeiter dieser neuen Magazinsendung hatten die Absetzung des Schwarzen Kanals und von Karl-Eduard von Schnitzler erzwungen.