Ihn (moselfränkisch: Énn) ist ein Ortsteil (Gemeindebezirk) der Gemeinde Wallerfangen im Landkreis Saarlouis (Saarland). Bis Ende 1973 war Ihn eine eigenständige Gemeinde.

Ortsname Im Vergleich mit den benachbarten Orten sticht die Ortsbezeichnung „Ihn“ deutlich hervor. Etymologisch geht sie vermutlich auf den Bach „Inne“, heute Ihner Bach und von den Einheimischen „Großbach“ genannt, zurück. „Inne“ ist ein weit verbreiteter vordeutscher Name für einen Fluss oder Bach, vermutlich keltischen Ursprungs von Enos = Wasser.

Von der ersten Erwähnung im 10. Jahrhundert bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts sind in den über Ihn überlieferten Urkunden die Bezeichnungen Inn, Inne oder latinisiert Inna gängig. Besonders in französischsprachigen Urkunden tauchen dann die Bezeichnungen L'oignon bzw. Lognon auf.

Nach dem Wiener Kongress 1815 fiel der Ort zu Preußen. Durch einen Irrtum der Verwaltungsbehörden wurde die Gemeinde fortan und bis zum heutigen Tag mit „Ihn“ bezeichnet. Im Volksmund wird teilweise bis heute die Bezeichnung Inn oder Énn verwendet.

Geographie Ihn ist auf dem südlichen Saargau gelegen und liegt im Tal des Ihner Bachs, einem Zustrom der Nied. Zwischen Ihn und Niedaltdorf passiert er den Ihner Weiher, welcher der Mittelpunkt eines beliebten Naherholungsgebietes ist. Die mittelalterliche Bezeichnung des Ortes als „Inna ad Nidam“ weist auf die Nähe zur Nied hin. Den benachbarten Dörfern des Niedtals ist Ihn durch den Weinbau eng verbunden.

Der Ihner Talkessel ist von einigen Erhebungen umringt. Westlich des Ortes, in Richtung des benachbarten französischen Ortes Guerstling, liegt der Lautersberg. In nordwestlicher Richtung befindet sich der Hirnberg mit einer Höhe von 356 m, südwestlich der Gallenberg. Die nächstgelegenen Orte sind Guerstling und Heining im Westen auf französischer Seite, südlich befindet sich Leidingen, östlich Rammelfangen und im Norden Niedaltdorf.

Sehenswert ist die römische Kultstätte Sudelfels in der Nähe des Ihner Weihers sowie die barock ausgestattete Kirche von 1726–1732, deren Turm romanische und gotische Elemente aufweist.

Geschichte Im Herzogtum Lothringen (940–1815) Erste urkundliche Erwähnung (ca. 940–950) Der Ort Inne wurde erstmals in einer kirchlichen Verordnung des Erzbischofs Ruotbert von Trier (931–956) urkundlich erwähnt. Es handelt sich um eine Liste von Pfarreien, die zur Wallfahrt an Palmsonntag anlässlich der Klosterweihe der Benediktinerabtei Mettlach verpflichtet waren. Daraus lässt sich schließen, dass der Ort bereits früher existierte.Katholische Pfarrkirche St. Hubertus in Wallerfangen-Ihn. Von Martin Klewitz. 1. Aufl., 1988. ISBN 3-88094-599-3. Rheinische Kunststätten-Heft Nr. 332

Herrschaft Berus (940–1766) Bis in die Frühe Neuzeit gehörten Inne zur lothringischen Herrschaft Berus und waren den dort eingesetzten Grundherren zu Lehen verpflichtet. Auch der Ort Binningen, der vermutlich unter französischer Herrschaft im Ort Ihn aufging, gehörte zur Herrschaft Berus.Hans-Gerd Dauster: Die Einwohner von Ihn und Rammelfangen vor 1900. In: Gernot Karge (Hrsg.): Quellen zur Genealogie im Landkreis Saarlouis und angrenzenden Gebieten. Band 27. Vereinigung für Heimatkunde im Landkreis Saarlouis, Saarlouis 2002, S. 84f. Im Dreißigjährige Krieg (1618–1648) und im Krieg Lothringens mit Frankreich (1631–1661) wurden Ort und Bevölkerung stark in Mitleidenschaft gezogen. Ihn war fast entvölkert. Zum Wiederaufbau des Dorfes gewährt der Herzog die Nutzung des so genannten „Großwaldes“ (Grossenwald), der von diesem Zeitpunkt an zum Ihner Bann zählt.Johann Klein, Dörfer auf dem Muschelkalk. Dorf- und Pfarrgeschichte von Ittersdorf, Düren, Bedersdorf, Kerlingen, Gisingen, Leidingen, Sermlingen, Rammelfangen, Felsberg, St. Barbara, Wiebelskirchen-Saar 1970, S. 126, 190, 193. Eine Einwohnerliste von 1708 zeugt von einer allmählichen Wiederbevölkerung. In diese Zeit fällt auch die Bitte der Gemeinde Lognon an den Herzog von Lothringen, ihnen den Herrenberg (heute: Hirnberg, moselfränkisch: Hírenberg) zur Aufteilung in Wingerte zu überlassen.Hans-Gerd Dauster: Die Einwohner von Ihn und Rammelfangen vor 1900. In: Gernot Karge (Hrsg.): Quellen zur Genealogie im Landkreis Saarlouis und angrenzenden Gebieten. Band 27. Vereinigung für Heimatkunde im Landkreis Saarlouis, Saarlouis 2002, S. 62–65.

Königreich Frankreich (1766–1815) Mit dem Tod Herzog Stanislaus’ fällt Lothringen an Frankreich. Für knapp 50 Jahre wird Lognon damit französisch. Am Vorabend der französischen Revolution verfasst die Gemeinde einen Beschwerdebrief anlässlich der Generalstände. Mit der Einrichtung der Departements als Verwaltungsbezirke im Jahr 1791 fällt Ihn dem Departement Moselle mit Sitz in Metz zu. Der damalige Pfarrer Jean-Michel Tock verweigert den Priestereid und flieht vor den Revolutionären (1792–1798). Durch die napoleonische Gebietsreform (1802/1803) wird der Ort Sarrelibre (Saarlouis) zugeordnet. Nach dem Ersten Pariser Frieden (1814) wurde Ihn zunächst erneut Frankreich zugeschlagen.Hans-Gerd Dauster: Die Einwohner von Ihn und Rammelfangen vor 1900. In: Gernot Karge (Hrsg.): Quellen zur Genealogie im Landkreis Saarlouis und angrenzenden Gebieten. Band 27. Vereinigung für Heimatkunde im Landkreis Saarlouis, Saarlouis 2002, S. 128–150.

In der Preußischen Rheinprovinz (1815–1918) Nachdem Napoleon bei Waterloo (Juni 1815) endgültig geschlagen war, stellten die Alliierten und darunter Preußen neue Forderungen. Neben Saarlouis und Saarbrücken sollte u. a. auch Ihn an Preußen fallen. Im Zweiten Pariser Frieden vom 20. November 1815 wurde dies schließlich bestätigt. Ihn wurde Gemeinde im 1816 neu geschaffenen Landkreis Saarlouis. Die neu gebildete Bürgermeisterei Ihn umfasste weiterhin die Orte Gisingen, Kerlingen und Rammelfangen. Die Gemeinde zählte 1822 insgesamt 838 Einwohner. Das Dorf erfährt in den 1820er Jahren eine Erneuerung. Die Mahlmühle am nördlichen Ende des Ortes, deren Ruinen am heutigen Wanderweg in Richtung Weiher gelegen sind, wird 1821 neu verpachtet. Zwei Jahre später wird das alte Schulhaus verkauft und der Bau eines neuen Schulhauses in Auftrag gegeben. Das Gebäude wurde bis zur Errichtung einer neuen Schule 1954 für unterrichtliche Zwecke genutzt. Durch Grenzregulierungen 1827 vergrößert sich der Ihner Bann wieder um einige Hektar in Richtung Großwald. 1828 wird am Sudelfels eine Ölmühle errichtet. Die 1830er und 1840er Jahre zeugen von einem allgemeinen Aufschwung des Dorfes. In diese Zeit fällt der Ausbau der Kirche (1836). 1840 zählt das Dorf 475 Einwohner. Die hier ansässigen Bauern zählen zu den wohlhabendsten des Landkreises. Bedeutend waren neben dem Ackerbau die Vieh-, insbesondere die Pferdezucht, aber auch der Weinbau. Auf vielen Hektar Land am Hirnberg, Lautersberg, Gallenberg und Hasenberg, wurde Wein von beachtlicher Qualität angebaut.Hans-Gerd Dauster: Die Einwohner von Ihn und Rammelfangen vor 1900. In: Gernot Karge (Hrsg.): Quellen zur Genealogie im Landkreis Saarlouis und angrenzenden Gebieten. Band 27. Vereinigung für Heimatkunde im Landkreis Saarlouis, Saarlouis 2002, S. 150–158.

Die 1848er Revolution ging auch an Ihn nicht vorbei. So wurde im Mai 1848 Johannes Guittienne zum Bürgermeister von Ihn ernannt (1848–1851). Unter seiner Führung verfasste die Pfarrei Ihn wenige Wochen später eine Bittschrift an die Frankfurter Nationalversammlung, in der sie auf Freiheitsrechte, insbesondere auf Gewissens- und Religionsfreiheit pochte. Guittienne wohnte zu dieser Zeit bei der in den 1820er Jahren erbauten Mühle. Dort sind auch seine Kinder geboren.Hans-Gerd Dauster: Die Einwohner von Ihn und Rammelfangen vor 1900. In: Gernot Karge (Hrsg.): Quellen zur Genealogie im Landkreis Saarlouis und angrenzenden Gebieten. Band 27. Vereinigung für Heimatkunde im Landkreis Saarlouis, Saarlouis 2002, S. 158.

1858 werden die Bürgermeistereien Ihn und Ittersdorf zusammengelegt. Als Kompromiss wird nun Kerlingen neuer Verwaltungssitz. Söhne des Ortes kämpfen und fallen in den Einigungskriegen. Als 1893 die Bahnstrecke zwischen Dillingen und Metz gebaut wird, lässt die Gemeinde entlang des Ihner Baches eine Straße zum Bahnhof in Niedaltdorf errichten. 1903 wurde der römische Tempelbezirk auf dem Sudelfels entdeckt. Allmählich erhalten Telefon (1912) und Elektrizität (1913) Einzug in das Dorf.Hans-Gerd Dauster: Die Einwohner von Ihn und Rammelfangen vor 1900. In: Gernot Karge (Hrsg.): Quellen zur Genealogie im Landkreis Saarlouis und angrenzenden Gebieten. Band 27. Vereinigung für Heimatkunde im Landkreis Saarlouis, Saarlouis 2002, S. 158–159. Der Erste Weltkrieg stellt schließlich eine gewaltige Zäsur dar. Insgesamt fielen zehn Ihner Soldaten dem Krieg zum Opfer, manche starben in seiner Folge etwa an Tuberkulose.

Saargebiet/Völkerbund und Saarland/Deutsches Reich (1919–1945) Saargebiet, Völkerbundsmandat (1919–1935) Im Versailler Vertrag wurde das Saargebiet von der preußischen Rheinprovinz abgetrennt und für 15 Jahre (1920–1935) dem Völkerbund unterstellt. Danach sollte die saarländische Bevölkerung entscheiden, ob es zu Frankreich oder zu Deutschland gehören wolle, oder ob es unter Verwaltung des Völkerbundes verbleiben möchte. Ihn blieb Teil der Bürgermeisterei Kerlingen im Saargebiet. In diese Zeit fällt das Ende des Weinbaus. Auf den ehemaligen Weinbergen wurden stattdessen Obstbäume und Robinien (dort im Volksmund fälschlich Akazien genannt) angepflanzt. Anlässlich der Saarabstimmung am 13. Januar 1935 wurde zum Abstimmungslokal in Ittersdorf eine Landstraße gebaut. Knapp 90 % der Bevölkerung im Wahlbezirk stimmten für die Rückgliederung an das Deutsche Reich.

Saarland, Deutsches Reich (1935–1945) mini|420x420px|Inschrift mit heute verbotenem Hakenzkreuz im Steinbruch Kerlingen zum Minenunfall Nach der Angliederung an das Deutsche Reich wurden die Gemeindebezirke neu eingeteilt und Ihn kam zum Amtsbezirk Wallerfangen. Das Dorfbild mit zahlreichen lothringer Bauernhäusern wurde ergänzt um zwei Zollhäuser in der Nähe der Kirche. Durch die ehemaligen Weinberge am Hirnberg in Richtung Rammelfangen wurde eine neue Straße gebaut. Durch die Errichtung des Westwalls seit 1936 lag Ihn in der so genannten Roten Zone westlich des Walls. Die Bewohner dieses etwa 10 km breiten Streifens sollten im Kriegsfall zu militärischen Zwecken evakuiert werden. Als am 1. September 1939 der Ernstfall eintrat, wurde die Bevölkerung nach Mitteldeutschland evakuiert und vor allem in Hessen und Sachsen-Anhalt untergebracht. Einige schwangere Frauen wurden auch nach Mainfranken evakuiert. Bereits in den ersten Wochen nach Kriegsbeginn wurde die Hälfte des Dorfes durch französische Grenzsoldaten niedergebrannt. Durch deutsche Soldaten versteckte Minen in Häusern und Straßen taten ihr Übriges. Die alte Bogenbrücke über die Ihner Bach in der heutigen Weinbachstraße wurde bereits zur Evakuierung gesprengt. Während des Sitzkrieges war am 4. Oktober 1939 ein Spähtrupp des Stabs des III. Bataillons des Grenzregiments 125 auf einem Kraftrad auf dem Weg nach Ihn. Leutnant Werner Kolb und sein Fahrer Schütze Julius Weber fuhren auf eine Mine und kamen dabei zu Tode. Das Ereignis wurde im Steinbruch bei Kerlingen mit folgender Inschrift festgehalten. VOM STAB D. III. BTL GRZ.J.R. 125 FIELEN FÜR'S VATERLAND 4.10.39 LT. WERNER KOLB SCHTZ. JUL. WEBER

J.B. Die Inschrift befindet sich unterhalb eines heute verbotenem Hakenkreuzes und wird beidseitig von Fackelschalen verziert. Erst in der zweiten Jahreshälfte 1940 kehrten die ersten Bewohner in den Ort zurück. Eine zweite Evakuierung sollte Ende 1944 stattfinden, als die US-Armee auf dem Vormarsch in Richtung Saarland war. Die Bevölkerung entschied sich jedoch entgegen der Aufforderung der Wehrmacht im Ort zu verbleiben. Zu Weihnachten gaben die Dorfbewohner neben den amerikanischen Soldaten etwa 300 Siersburgern Obdach, die sich im siersburger Pilzberg vor den anrückenden Amerikanern versteckt hielten. Am 21. März 1945 war der Krieg in Ihn vorbei.