mini|Blick von der Mindelburg auf die Altstadt mit St. Stephan Mindelheim ist ein Mittelzentrum und die Kreisstadt des Landkreises Unterallgäu in Schwaben. Die Besitzverhältnisse der Stadt wechselten in der Geschichte mehrfach. Unter anderem gehörte sie dem Vater der Landsknechte Georg von Frundsberg sowie den Fuggern. Seit 1606 war sie eine bayerische Exklave im schwäbischen Territorium, ehe auch ihr Umland, bestehend aus Reichsstädten, Reichsklöstern und Grafschaften, ab 1803 durch die Mediatisierung nach dem Reichsdeputationshauptschluss in das Kurfürstentum Bayern eingegliedert wurde. Sie war Sitz des ehemaligen Landkreises Mindelheim und ist seit 1972 Sitz des im Rahmen der Gebietsreform in Bayern neu geschaffenen Landkreises Unterallgäu.
Geographie Lage Mindelheim liegt in Mittelschwaben am namensgebenden Fluss Mindel am sogenannten Riedelrücken im bayerischen Alpenvorland rund 25 Kilometer östlich von Memmingen und etwa 90 Kilometer westlich von München.
Gemeindegliederung Es gibt 19 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Das Gemeindegebiet besteht aus den Gemarkungen Mindelheim, Gernstall, Heimenegg, Mindelau, Nassenbeuren, Oberauerbach, Unterauerbach und Westernach.
Abgegangen sind die Siedlungen Ellisried, Heselwang und Laimgruben.
Geschichte Bereits in vorchristlicher Zeit war die Mindelheimer Flur besiedelt, wie zahlreiche Grabfunde belegen.
Mittelalter Im 6./7. Jahrhundert ließen sich alemannische Ackerbauern an der Mindel nieder. 858 wurde die erste Kirche gegründet. Mindelheim wurde 1046 erstmals urkundlich erwähnt und um 1250 zur Stadt erhoben.
Um 1370 gelangte Herzog Friedrich von Teck auf fragwürdige Weise in den Besitz der Herrschaft Mindelheim. Dennoch konnte er sie für sich und seine Familie behaupten. Beim Ableben seines Sohnes Ulrich von Teck übernahm eine Erbengemeinschaft, bestehend aus Ludwig von Teck, Patriarch von Aquileja, seiner Schwester Irmengard von Rechberg und einer weiteren, mit einem Grafen von Wertheim verheirateten Schwester die Herrschaft. Da nach dem Ableben des Patriarchen die Erbansprüche auf die Kinder der beiden Schwestern übergehen sollten, lösten die Rechberg-Kinder bereits 1433 die Ansprüche der Wertheimer ab. Nach dem Ableben des Patriarchen im Jahr 1439 fiel die Herrschaft verabredungsgemäß an die Kinder von Irmengard – Bero I., Albrecht und Barbara von Rechberg. Der älteste Sohn Bero I. löste die Anteile seiner Geschwister ab und wurde 1447 alleiniger Inhaber der Herrschaft. Nach seinem Tod 1462 teilten sich seine beiden Söhne Bero II. und Jörg II. im Jahr 1464 das väterliche Erbe. Zwei Jahre später wiederholte sich die Geschichte: Jörg veräußerte seinen Anteil seinem Bruder, so dass Bero II. 1466 wiederum alleiniger Inhaber war. Als solcher verkaufte er nach einem Rechtsstreit mit Kaiser Friedrich III. die Herrschaft im Juli 1467 seiner Schwester Barbara, seinem Schwager Ulrich von Frundsberg und dessen Bruder Hans.
Frühe Neuzeit mini|Ansicht der Stadt Mindelheim von Michael Wening, um 1700
Barbaras und Ulrichs Nachkommen regierten bis 1586 die Herrschaft Mindelheim, darunter ihr Sohn Georg von Frundsberg, der Vater der Landsknechte. Im Jahre 1591 erwarb Hans Fugger von Kirchheim die Herrschaft, die 1598 auf seinen Sohn Christoph Fugger überging. Doch 1616 besetzte Kurfürst Maximilian von Bayern Mindelheim militärisch und erzwang die Übergabe. Die Fugger wurden abgefunden.
Seit 1616 und wieder seit 1714 gehörte die Herrschaft, unterbrochen durch die Zeit des kaiserlich-königlichen Interregnums 1778 bis 1780, zum Rentamt München des Kurfürstentums Bayern. Von 1705 bis 1714 besaß der englische Feldherr John Churchill, 1. Duke of Marlborough, das neu geschaffene Reichsfürstentum Mindelheim. Marlborough hatte es von Kaiser Joseph I. für seine Dienste im Spanischen Erbfolgekrieg erhalten.
19. und 20. Jahrhundert mini|Mindelheim-Süd von Westen im August 1979 1802/1803 verlor Mindelheim im Zuge von Verwaltungsreformen die mit dem Stadtrecht verbundenen weitgehenden Eigenrechte. 1804 wurde in Mindelheim ein bayerisches Landgericht älterer Ordnung eingerichtet. Im Zuge weiterer Verwaltungsreformen in Bayern wurde mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Stadtgemeinde gebildet. Das Rathaus wurde 1897 zusammen mit dem Bronzestandbild von Georg von Frundsberg historistisch erneuert.
1933 ließ Reichsbauernführer Walther Darré in der Mindelburg die Süddeutsche Bauernführerschule einrichten,Wirtschaft-Notizen. In: Junge Front. Wochenzeitung ins deutsche Jungvolk, Jg. 2 (1933), Nr. 48 vom 26. November. die er beim 1. Schwäbischen Bauerntag am 11. November 1933 mit einem großen Fest der Stadt eröffnete.Berndt Michael Linker: Mindelheim im 20. Jahrhundert. Von bewegten und bewegenden Zeiten einer bayerisch-schwäbischen Kreisstadt. Kunstverlag Fink, Lindenberg 2014, S. 271. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen langsam neue Straßenzüge und Stadtteile über die alten Stadtmauern hinaus. Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1972 aus den Landkreisen Mindelheim und Memmingen (mit Ausnahme von zwei Gemeinden, die in die kreisfreie Stadt Memmingen eingegliedert wurden) sowie dem Raum Babenhausen des Landkreises Illertissen der neue Landkreis Unterallgäu mit Sitz in Mindelheim gebildet. Das Amtsgericht Mindelheim wurde dagegen aufgelöst.
Eingemeindungen Folgende Gemeinden wurden eingegliedert: Heimenegg (1. Januar 1965) Gernstall (1. Oktober 1971) Unterauerbach und Westernach (1. Januar 1976) Mindelau (1. Juli 1976) Oberauerbach (1. Januar 1978) Nassenbeuren (1. Mai 1978)
Einwohnerentwicklung Mindelheim wuchs von 1988 bis 2008 um 2.135 Einwohner, dies entspricht etwa 18 %. Zwischen 1988 und 2018 stieg die Einwohnerzahl um 3.002 bzw. um 25 %.
Die Einwohnerzahlen ab 1840 beziehen sich auf die heutige Gemeindefläche (Stand: 1978).
Jahr Einwohner 1840 4.323 1900 5.931 1939 7.466 1950 10.554 1961 10.533 1970 11.672 1987 11.849 1988 12.000 Jahr Einwohner 1991 12.693 1995 13.891 2000 14.100 2005 14.162 2010 14.111 2015 14.569 2017 14.893 2019 15.108 Jahr Einwohner 2020 15.247 2022 15.654
Religion Römisch-katholisch 9874 67,0 % Evangelisch 1764 12,0 % Sonstige 3104 21,0 %
Politik
Stadtrat Der Stadtrat mit 24 Sitzen ist nach dem Ergebnis der Kommunalwahl am 15. März 2020 wie folgt besetzt (mit Vergleich zur Wahl 2014): Partei / Liste Sitze % Sitze 2014 CSU 7 Sitze 30,0 % 9 Freie Wähler 5 Sitze 21,8 % 5 SPD 4 Sitze 15,7 % 4 Mindelheimer Bürgergemeinschaft 3 Sitze 13,1 % 3 Grüne 2 Sitze 9,8 % 2 ÖDP 2 Sitze 7,0 % 1 AfD 1 Sitz 2,4 % –
Die Gemeindeteile Gernstall mit Unggenried, Heimenegg, Mindelau, Oberauerbach, Unterauerbach und Westernach hatten jeweils einen Ortssprecher.
Bürgermeister Bei der Bürgermeisterwahl am 8. März 2026 wurde Michael Schindler (parteilos) mit 52,4 % der gültigen Stimmen im ersten Wahlgang zum Ersten Bürgermeister gewählt.
Städtepartnerschaften Seit 9. Juli 1961 besteht die Partnerschaft mit dem französischen Bourg-de-Péage und ist somit Mindelheims älteste Städtepartnerschaft. Bourg-de-Péage liegt im Département Drôme im Südosten Frankreichs zwischen Grenoble und Marseille. East Grinstead ist eine südwestenglische Kleinstadt mit ca. 25.000 Einwohnern und liegt in West Sussex. Seit 1994 gibt es diese Partnerschaft zwischen den beiden ca. 1000 km voneinander entfernten Städten. Über 1200 km entfernt ist die spanische Stadt Sant Feliu de Guíxols, die seit 1994 mit einem offiziellen Städtepartnerschaftsvertrag mit Mindelheim verbunden ist. Die freundschaftlichen Beziehungen entstanden über die gemeinsame französische Partnerstadt Bourg-de-Péage. Das österreichische Schwaz mit ca. 14.000 Einwohnern liegt östlich von Innsbruck und ist Partnerstadt seit 1990. Die Beziehung rührt daher, dass die Vorfahren des auf der Mindelburg geborenen Georg von Frundsberg auf der Freundsburg oberhalb von Schwaz ihren Stammsitz hatten. Tramin in Südtirol (Italien) ist seit 1994 Partnerdorf von Mindelheim. Die Geburtsstadt des Gewürztraminers hat durch die Bezeichnung seines bekanntesten Produkts weltweit einen Namen. Eine weitere italienische Ortschaft ist mit Mindelheim freundschaftlich verbunden: Verbania am Lago Maggiore ist mit seinen ca. 31.000 Einwohnern seit 1994 Partnerstadt.
Wappen
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Mindelheim von 1840 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle
Flagge Die Flagge ist schwarz-gelb gestreift mit aufgelegtem Stadtwappen.
Behörden Neben dem Landratsamt des Landkreises Unterallgäu befinden sich in der Stadt weitere staatliche und kommunale Ämter und Behörden.
Die Gerichtsbarkeit wird vom Amts- und Landgericht Memmingen abgedeckt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Im ehemaligen Jesuitenkolleg ist seit 1986 ein Schwerpunktmuseum des Bezirks Schwaben beheimatet, das auch Sonderausstellungen zeigt. Die ständige Ausstellung enthält vier Museen völlig unterschiedlicher Ausrichtung: Die Carl-Millner-Galerie erinnert an den Münchner Landschaftsmaler Carl Millner (geb. als Heinrich Karl Preckle, 1825–1895), dessen Mutter aus Mindelheim stammte. Im Umfeld der Münchner Spätromantik bzw. der Chiemseemaler spezialisierte er sich auf Alpenlandschaften (vor allem Bayerische Alpen). Das Schwäbische Krippenmuseum, eröffnet 1989, stellt die Entwicklung der Bildmotive zur Geburt und Passion Christi im süddeutschen Raum dar. Seit 1997 werden außerdem alle zwei Jahre zur Weihnachtszeit in einer Sonderausstellung die Preisträger des vom Landkreis Unterallgäu und der St.-Lukas-Sammlung verliehenen St.-Lukas-Preises ausgestellt, der für künstlerische Krippendarstellungen auf vier Ebenen (Schüler, Behinderte, Laien, Künstler) vergeben wird. Das Textilmuseum der Sandtner-Stiftung wurde 1986 auf Initiative von Hilda Sandtner gegründet, die ihre beträchtliche Privatsammlung von Textilien und Kunstgegenständen aller Art der Stadt Mindelheim übereignete. Zusammen mit dem Schwäbischen Krippenmuseum und dem Südschwäbischen Archäologiemuseum steht es unter der gemeinsamen Trägerschaft der Stadt Mindelheim, des Landkreises Unterallgäu und des Bezirks Schwabens. Seit der Übernahme der alleinigen Betreuung der Sammlung durch die Mindelheimer Museen im Jahr 2003 wurde das Textilmuseum umfassend neugestaltet. Drei neue Abteilungen sollen Ausschnitte aus den Sammlungsbeständen präsentieren. Die erste neue Abteilung mit einem Überblick über die Entwicklung der Damenmode wurde 2004 eröffnet. Im Jahr 2006 folgte die Abteilung zur Geschichte der geistlichen Gewänder (Paramente) mit kostbaren Exponaten vom Mittelalter bis in die Gegenwart. 2008 wurde die Umgestaltung abgeschlossen mit der dritten Abteilung zur Wohnkultur in der zweiten Hälfte des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts. Das Südschwäbische Archäologiemuseum ist eine Außenstelle der Archäologischen Staatssammlung und hat die Besiedlungs- und Kulturgeschichte Schwabens von der Eiszeit bis in das frühe Mittelalter zur Zeit der Alamannen zum Thema. Neben originalen Funden sind Rekonstruktionen, etwa eines römischen Reisewagens oder eines römischen Bades, Funde der vorgeschichtlichen Metallzeiten, römische Lebensart und Zeugnisse frühmittelalterlichen Lebens zu sehen. Einen Schwerpunkt bilden die wichtigen Fernverkehrsverbindungen im Gebiet des heutigen Südschwabens.
mini|Der Kirchplatz von St. Stephan mit Gruftkapelle, Kloster Hl. Kreuz und Turm der ehemaligen Silvesterkirche (heute Teil des Turmuhrenmuseums) weitere Museen in Mindelheim