mini|Der Kraichbach in Hockenheim. Historisches Bild von 2005; mittlerweile ist dieser Gewässerabschnitt im Rahmen des Hochwasserschutz- und Ökologieprojekts Hockenheim („HÖP“) landschaftlich verändert worden. Hockenheim (kurpfälzisch: Hoggene []) ist eine Stadt im nordwestlichen Baden-Württemberg etwa 20 km südlich von Mannheim. Sie ist eine der sechs größten Städte des Rhein-Neckar-Kreises und gehört zum Mittelbereich Schwetzingen im Bereich des Oberzentrums Mannheim. Sie gehört zur europäischen Metropolregion Rhein-Neckar.

Seit dem 1. Januar 2001 ist Hockenheim eine Große Kreisstadt. Die Stadt Hockenheim ist mit den Nachbargemeinden Altlußheim, Neulußheim und Reilingen eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Die Stadt ist durch die Motorsport-Rennstrecke Hockenheimring überregional bekannt.

Geographie Lage und Naturraum Hockenheim liegt in der Oberrheinischen Tiefebene an einer alten Handelsstraße von Frankfurt am Main nach Basel. Durch das Stadtgebiet fließt der Kraichbach, der das Stadtgebiet in einen größeren östlichen und einen kleineren westlichen Bereich teilt und unweit nördlich von Hockenheim bei Ketsch in den Rhein mündet.

Die Gemarkung gliedert sich in zwei große Naturräume. Die Rheinaue im Westen und die zum Teil mehrere Meter höher gelegene Niederterrasse im Osten. Der sogenannte Hockenheimer Rheinbogen übergreift die Gemarkungen von Ketsch, Hockenheim und Altlußheim. 30 Teilgebiete mit insgesamt 656 Hektar stehen unter Naturschutz. Sie werden durch eine etwa dreimal so große Fläche ergänzt, die als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist. Der Rheinbogen bietet biologisch vielfältige, sekundäre Feuchtbiotope, die als Rückzugsgebiet für vom Aussterben bedrohten Pflanzen- und Tierarten dienen. Außerdem ist er ein international bedeutsamer Rast- und Nahrungsraum für überwinternde Vogelarten.Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg

Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 3484 Hektar. Davon sind 28,2 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 47,5 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt, 2,3 Prozent sind Wasserflächen und 21,1 Prozent sind bewaldet.

Nachbargemeinden Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Hockenheim. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt: Ketsch, Schwetzingen, Oftersheim, Leimen (nur die Exklave westlich von Sandhausen), Reilingen, Neulußheim und Altlußheim. Im Westen bildet der Rhein die natürliche Grenze zu Rheinland-Pfalz mit der dortigen kreisfreien Stadt Speyer und der Ortsgemeinde Otterstadt.

Stadtgliederung Zur Stadt Hockenheim gehören die Orte Bahnstation Talhaus und Wasserwerk, das Gehöft Insultheimerhof und die Häuser „Herrenteich, Ziegelei“ und „Ketschau, Ziegelei“. Im Stadtgebiet liegt die Wüstung Westeheim.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 369–370.

Das Stadtgebiet bildet eine Einheit und ist lediglich für statistische Zwecke in fünf Stadtteile eingeteilt.

Geschichte mini|Hockenheim und Umgebung 1907. Frühe Geschichte Ein 1984 in Hockenheim ergrabener Ziegelofen, in dem sich gestempelte Ziegel der 71 n. Chr. bis 92. n. Chr. in Mainz stationierten römischen legio XIV Gemina Martia Victrix befanden, weist auf eine Besiedlung in dieser Zeit hin.Ulrich Brandl und Emmi Federhofer: Ton + Technik. Römische Ziegel. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2403-0 (Schriften des Limesmuseums Aalen. Nr. 61)

Hockenheim wurde im Jahr 769 im Lorscher Codex im Rahmen einer Schenkungsurkunde als Ochinheim erwähnt. Dort wurde der Ort dann in späteren Aufzeichnungen auch als Hochinheim, Hochkinheim und Hochenheim bezeichnet. Hockenheims Name wechselte in amtlichen Dokumenten, Urkunden und Landkarten der nachfolgenden Jahrhunderte noch oft seine Gestalt: Hocgenheim, Hokkinheim, Hokenheim, Hockenaw Heidelberger amps, Hochekein, Hogckna, Hockenau, Hockenaw, Hoggena und sogar Ockena. 1238 wurde der Name Hockenheim erstmals erwähnt.

Im Mittelalter gehörte Hockenheim zusammen mit Reilingen zum Herrschaftsbezirk der Burg Wersau. Wohl zusammen mit der Schenkung der Königswälder Lußhardt und Schwetzinger Hardt im 11. Jahrhundert gelangten die Burg und die Orte an den Bischof von Speyer, der zur Verwaltung ein Ministerialengeschlecht einsetzte. Die Schenken von Wersau verkauften das Lehen an die Pfalzgrafen bei Rhein, was 1286 durch den Speyerer Bischof Friedrich von Bolanden bestätigt wurde. Die Pfalzgrafen verpfändeten die Herrschaft in der Folgezeit an verschiedenen Adelsfamilien. Bei der pfälzischen Landesteilung 1410 fiel Hockenheim an Pfalz-Mosbach und gelangte später an Pfalz-Veldenz. 1460 löste der Speyerer Bischof das Pfand nochmals ein, musste aber bereits nach der Schlacht bei Seckenheim zwei Jahre später Hockenheim an die Kurpfalz abtreten, die den Ort in die Kirchheimer Zent integrierte.

Im 17. Jahrhundert wurde Hockenheim im Dreißigjährigen Krieg 1644 und im Holländischen Krieg 1674 durch französische Truppen schwer verwüstet. Die Franzosen brachten auch den Tabak ins Land. Zuvor war vor allem der Hopfenanbau in der Gegend vertreten.

19. und 20. Jahrhundert mini|hochkant|Gemarkungsplan von 1878, Teil West mini|hochkant|Gemarkungsplan von 1878, Teil Ost mit Biblis Im Jahr 1803 wurde die Kurpfalz aufgelöst und die Gemeinde kam zu Baden und wurde dem Amt Schwetzingen zugeordnet.

Der Tabakanbau in der Gegend führte im 19. Jahrhundert zum Aufbau der Zigarrenindustrie ab 1860. Die Gemeinde wuchs weiter, so dass sie schließlich mit Wirkung vom 22. Juli 1895 durch Großherzog Friedrich I. von Baden die Stadtrechte erhielt. Anfang des 20. Jahrhunderts verdrängte der Spargelanbau den Hopfen.

Nach Auflösung des Amtsbezirks Schwetzingen kam die junge Stadt 1924 zum Bezirksamt Mannheim, aus dem 1938 der Landkreis Mannheim hervorging. Am 29. Mai 1932 wurde der Hockenheimring mit einem Rennen eröffnet.

Politisch war seit der Reichsgründung 1871 meist das Zentrum die stärkste Partei, das sich in Hockenheim während der Weimarer Republik in ein von Arbeitern bevorzugtes Zentrum I und ein bürgerliches Zentrum II spaltete. Ab 1930 hatten die Nationalsozialisten die Mehrheit und bei der Reichstagswahl März 1933 erhielt die NSDAP 47,1 Prozent der Stimmen.

1933 gab es noch 54 Juden. 13 von ihnen fielen den nationalsozialistischen Verfolgungen zum Opfer und die seit 1833 bestehende Synagoge wurde in der Reichspogromnacht 1938 niedergebrannt.Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum: Hockenheim

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Niedergang der Zigarrenindustrie eingeläutet. Inzwischen war die Stadt aber durch den Hockenheimring bekannt geworden. Im Zuge der Kreisreform zum 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Mannheim aufgelöst und die Stadt Hockenheim dem neu gebildeten Rhein-Neckar-Kreis zugeordnet.

Im Jahre 1991 war Hockenheim Gastgeber der 11. baden-württembergischen Landesgartenschau.

21. Jahrhundert Nach Überschreiten der 20.000-Einwohnergrenze 1999 beantragte die Stadt die Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die Landesregierung von Baden-Württemberg dann mit Wirkung vom 1. Januar 2001 beschlossen hat.

Entwicklung der Gemarkung Nach der Säkularisation des Hochstifts Speyer 1803 fielen seine rechtsrheinischen Gebiete an Baden. Bald an Hockenheim angeschlossen wurden der Insultheimerhof und der Angelhof sowie Teile der Gemarkung der Stadt Speyer. Der Staat behielt den Angelwald, den Biblis, das Talfeld und das Speyerer Grün.

Bei der Rheinbegradigung nach den Plänen von Tulla in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden der Angelwald und Teile der Gemarkung Hockenheims linksrheinisch und fielen damit gemäß einem Staatsvertrag an Bayern.

1889 wurde das Talfeld nach einem Streit mit Ketsch mit Hockenheim vereinigt. 1929 erhielt die Stadt Teile des Biblis und des Speyerer Grüns und damit einen Gebietszuwachs von 124 Hektar. Weitere 688 Hektar folgten zwei Jahre später bei der Aufteilung des Waldes der Schwetzinger Hardt.

Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand (nur Hauptwohnsitze).

mini|400px|Einwohnerentwicklung von Hockenheim von 1786 bis 2015 Jahr Einwohnerzahlen 1786Das Hockenheimer Heimatbuch: Aus zwölf Jahrhunderten Geschichte Hockenheims 1.088 1809 1.389 1825 1.724 1839 2.560 1849 3.102 1858 3.217 1. Dezember 1871Amtliche Fortschreibung 3.753 1875 4.176 1. Dezember 1880Volkszählungsergebnis 4.400 1. Dezember 1890 4.966 1. Dezember 1900 5.795 1. Dezember 1910 7.094 16. Juni 1925 8.751 16. Juni 1933 9.662 17. Mai 1939 10.000 Jahr Einwohnerzahlen Dezember 1945 9.899 13. September 1950 12.183 6. Juni 1961 13.213 31. Dezember 1968 15.017 27. Mai 1970 15.542 31. Dezember 1975 16.890 31. Dezember 1980 15.997 25. Mai 1987 16.112 31. Dezember 1990 17.015 31. Dezember 1995 18.774 31. Dezember 2000 20.155 31. Dezember 2005 20.787 31. Dezember 2010 21.118 31. Dezember 2015 21.130 31. Dezember 2020 21.539

Religionen

mini|hochkant|Evangelische Kirche mini|Katholische Kirche Hockenheim gehörte anfangs zum Bistum Speyer. Wie in der gesamten Kurpfalz, so wurde auch in Hockenheim die Reformation eingeführt. Schon 1545 hatte sich Hockenheim an Kurfürst Friedrich II. gewandt mit der Bitte, einen evangelischen Pfarrer einzusetzen. Doch erst ab 1556 galt auch in Hockenheim das von Kurfürst Ottheinrich verordnete reformierte Bekenntnis. Als im Rahmen der Kirchenteilung in der Kurpfalz die Kirche St. Georg in Hockenheim 1707 den Katholiken übergeben wurde, mussten die Evangelischen aus Hockenheim in den Nachbarort Reilingen zur Kirche gehen; bis 1866 gehörte Hockenheim als Filialgemeinde zu Reilingen. Bereits 1757 erbauten sie sich eine neue Kirche, deren Turm eine exakte Kopie des „alten“ Turms von St. Georg gewesen sein soll. 1866 wurde Hockenheim selbstständiges Vikariat, 1869 wieder selbstständige Pfarrei. 1905 bis 1907 erbaute sich die Gemeinde, die erste Kirche war zu klein geworden, eine neue, repräsentative Kirche, die heutige evangelische Stadtkirche. Die alte Kirche wurde zum Gemeindehaus, dem Lutherhaus, umgebaut; im Zuge dieses Umbaus wurde der Turm abgetragen. Im 2007–2008 grundlegend renovierten Lutherhaus hat die Gemeinde bis heute ihr Gemeindezentrum, wo sich die Gruppen und Kreise regelmäßig treffen. Gehörte die Gemeinde zunächst zum Kirchenbezirk Oberheidelberg, so wurde sie bei dessen Teilung dem Kirchenbezirk Schwetzingen zugeordnet. Am 31. Dezember 1968 überschritt die Gemeindegliederzahl die 7000er-Marke, Hockenheim erhielt in der Folge ab 1970 ein Gruppenpfarramt mit zwei Pfarrstellen. Die Gemeinde gehört heute zum Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Die Katholiken, die heute etwa in gleicher Zahl wie die Protestanten in Hockenheim vertreten sind, erhielten 1707 die Kirche St. Georg, die einzige Kirche der Stadt. Die Pfarrgemeinde gehörte zunächst noch zum Bistum Speyer und wurde 1821/1827 Teil des neu gegründeten Erzbistums Freiburg, wo sie dem Dekanat Sankt Leon zugeordnet wurde. 1899 wechselte sie zum Dekanat Philippsburg. 1911 erbaute sich die Gemeinde eine neue Kirche, die bisherige Kirche diente als Gemeindehaus. 1960 wurde das Dekanat Schwetzingen neu gegründet, zu dem fortan auch die Pfarrgemeinde St. Georg Hockenheim gehörte, doch wurde das Dekanat bereits 1976 wieder aufgelöst. Seither gehört die Pfarrgemeinde zum Dekanat Wiesloch. Sie bildet mit den Nachbargemeinden in Neulußheim und Reilingen die Seelsorgeeinheit Hockenheim.

Mit Stand Juni 2006 waren 34,8 % von den Einwohnern Mitglied der katholischen Kirche und 34,5 % waren Mitglied der evangelischen. Fast 40 % waren Konfessionslos oder gehörten einen anderen Glaubensgemeinschaft an.Jahresbericht „Hockenheim ’06“