mini|The United Nations Fight for Freedom – US-amerikanisches Poster von 1942 Als Anti-Hitler-Koalition ( bzw. Great Alliance, ) wird das Militärbündnis aus den drei alliierten Hauptmächten Großbritannien, Sowjetunion und USA mit weiteren Staaten bezeichnet, das sich im Zweiten Weltkrieg den Achsenmächten entgegenstellte: dem Deutschen Reich unter Führung Adolf Hitlers, dem faschistischen Königreich Italien und dem Kaiserreich Großjapan. Aus der Anti-Hitler-Koalition gingen 1945 die Vereinten Nationen hervor. Nach dem Waffenstillstand mit Italien sowie den Kapitulationen der Sozialrepublik, Deutschlands (→ bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht) und Japans hatte die Koalition ihre militärischen Ziele erreicht und brach auseinander.
Bezeichnung Das gegen die Achse gerichtete Bündnis der drei Hauptmächte USA, Sowjetunion und Großbritannien mit einer wachsenden Zahl kleinerer Partner wurde in der westdeutschen Forschung lange einfach als die Alliierten bezeichnet. Die Bezeichnung Anti-Hitler-Koalition war dagegen in der Geschichtsschreibung der Ostblock-Staaten verbreitet. Erst seit den 1970er Jahren wurde sie auch in der westdeutschen Geschichtsschreibung verwendet.Arnold Sywottek: Die sowjetische Kriegszielpolitik im Zweiten Weltkrieg 1941–1945. Zum Stand der historisch-politischen Analyse und Diskussion. In: Gerd R. Ueberschär, Wolfram Wette (Hrsg.): „Unternehmen Barbarossa“. Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion 1941. Berichte, Analysen, Dokumente. Schöningh, Paderborn 1984, S. 237–253, hier S. 244, Anm. 41. Die Eigenbezeichnung des Bündnisses war mit der Gründung United Nations. Winston Churchill bezeichnete die Koalition als Grand Alliance (so der Titel des dritten Bandes seines sechsbändigen Werkes The Second World War).
Vorgeschichte
Kollektive Sicherheit Am 2. Mai 1935 schlossen Frankreich und die Sowjetunion einen Beistandspakt,Zum Vertrag und seiner Einordnung siehe Viktor Iščenko: Vertrag über den gegenseitigen Beistand zwischen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und der Republik Frankreich, 2. Mai 1935 – Einführung, in: 1000dokumente.de 100(0) Schlüsseldokumente zur russischen und sowjetischen Geschichte, Dokumentensammlung der Bayerischen Staatsbibliothek. der sich gegen den deutschen Expansionismus richtete. Im Rahmen der Anti-Hitler-Koalition fanden die Bemühungen der Sowjetdiplomatie um kollektive Sicherheit und vor allem auch um Stärkung des Völkerbundes ihre Fortsetzung.Ingeborg Plettenberg: Die Sowjetunion im Völkerbund 1934 bis 1939. Bündnispolitik zwischen Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung in der internationalen Organisation für Friedenssicherung: Ziele, Voraussetzungen, Möglichkeiten, Wirkungen. Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1987, S. 519. Im Dezember 1939 wurde die Sowjetunion jedoch wegen ihres Angriffs auf Finnland – als einziger Staat in der Geschichte dieser Organisation – aus dem Völkerbund ausgeschlossen.Alison Duxbury: The Participation of States in International Organisations – The Role of Human Rights and Democracy. Cambridge University Press, 2011, ISBN 978-0-521-19200-2, S. 107–109. Die Aggressoren Deutschland, Italien und Japan waren zwischen 1933 und 1937 selbst aus dem Völkerbund ausgetreten.
Hitler-Stalin-Pakt
1939/40 hatten der Abschluss des Hitler-Stalin-Pakts und die sowjetische Besetzung Ostpolens, zudem die sowjetische Aggression gegen Finnland und die Annexion der baltischen Staaten in Westeuropa Verwirrung ausgelöst bzw. im Vereinigten Königreich eine stark antisowjetische Stimmung zur Folge.Vgl. Michael Salewski: Die Deutschen und die See. Studien zur deutschen Marinegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Teil II. Steiner, Stuttgart 2002 (= Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft (HMRG), Beiheft 45), S. 178.
Das Sowjetregime hingegen schob die Verantwortung für den Beginn und die Ausweitung des Krieges dem Vereinigten Königreich zu und hatte es für eine „verbrecherische Dummheit“ erklärt, Deutschland den Krieg zu erklären. Die Vereinigten Staaten von Amerika wurden beschuldigt, mittels „heuchlerischer Neutralität“ die Kriegsflamme in Europa zu schüren und zu einem Waffenlieferanten für Großbritannien und Frankreich geworden zu sein.Iwan Maiski: Memoiren eines sowjetischen Botschafters. Dietz Verlag, Berlin (Ost) 1967, S. 532 ff., 622.
Entwicklung zu Kriegsbeginn Nach dem Überfall auf Polen erklärten Frankreich und Großbritannien dem Deutschen Reich am 3. September 1939 den Krieg. Kurz darauf folgten Australien, Neuseeland, Britisch-Indien, Südafrika und Kanada.Bernd Jürgen Wendt: Das nationalsozialistische Deutschland. Springer, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-8100-2513-5, S. 130.
Frankreich wurde kurz darauf von Deutschland besiegt und geriet mit dem Waffenstillstand von Compiègne (1940) unter deutsche Besatzung. Trotz der französischen Kapitulation baute General Charles de Gaulle im Ausland die Forces Françaises Libres auf, die auf Seiten der Hauptalliierten bis zur Befreiung Frankreichs und der Besetzung Deutschlands und Österreichs weiterkämpfte.
Dänemark und Norwegen wurden im Unternehmen Weserübung im April 1940 von Deutschland überfallen und besetzt. König Haakon VII. und die norwegische Regierung gingen ins Exil und unterstützten den Kampf gegen Deutschland mit der Handelsflotte, der Norwegischen Exilarmee und Milorg.Ralph Tuchtenhagen: Kleine Geschichte Norwegens. C.H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58453-4, S. 149 ff.
Im Juni 1941 fand die erste interalliierte Konferenz in St James’s Palace in London statt.St. James Agreement; June 12, 1941. Avalon Project, abgerufen am 5. September 2021.United Nations History – Birth of the United Nations. UN Geneva, abgerufen am 5. September 2021.
Alle Ressentiments gegen die Sowjetunion traten mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion in den Hintergrund. In einer spontanen Rede am 22. Juni 1941 erklärte Winston Churchill, dass seine bisherigen antikommunistischen Äußerungen verblasst seien vor den Vorgängen in Osteuropa, und dass Großbritannien jetzt an der Seite der UdSSR stehe und ihr jegliche Hilfe zukommen lassen werde. Franklin D. Roosevelts Vertrauter und spätere Leiter des Leih- und Pachtprogramms, Harry Hopkins, war zur Vorbereitung der Atlantik-Konferenz in London und wurde auf seine Anregung hin als Sonderbeauftragter nach Moskau gesandt. Bei den Gesprächen mit dem sowjetischen Diktator Josef Stalin erhielt er einen Eindruck über die Entschlossenheit der sowjetischen Kriegführung und deren Materialbedarf. Seine Berichte führten zu einem positiveren Bild Stalins und der Sowjetunion und in Meinungsumfragen sprachen sich die Amerikaner nun mehrheitlich für eine Unterstützung der Sowjetunion aus, so dass Churchill und Roosevelt umfangreiche Hilfsaktionen planen konnten. Hopkins regte die erste Moskauer Konferenz an und die Abgesandten Harriman und Beaverbrook konnten am 1. Oktober erste Lieferabkommen mit der Sowjetunion unterzeichnen.Ian Kershaw: Wendepunkte – Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/41. S. 385–388.
Im Verlaufe des Krieges sollte sie gewaltige Materiallieferungen erhalten, wobei in erster Linie nicht so sehr die Waffenlieferungen, sondern die Lieferung von – für die neuzeitliche Kriegsführung unerlässlichen – Transportmitteln wie 427.284 Lastkraftwagen, 1.966 Lokomotiven und 11.000 Waggons ausschlaggebend waren. Von größter Bedeutung aber dürften die Lebensmittellieferungen gewesen sein, welche unter anderem 4,5 Mio. Tonnen Fleischkonserven umfassten. Nach Ansicht des Historikers Gregor Schöllgen war die Anti-Hitler-Koalition von Anfang an „eine unnatürliche Allianz“: Allein der Wille, das NS-Regime zu besiegen, verband die totalitär regierte Sowjetunion mit den USA, die für eine freie Wirtschaft und Gesellschaft kämpften. Das Misstrauen der Partner blieb während der ganzen Zeit ihres Bestehens groß, und als das gemeinsame Ziel erreicht war, zerfiel sie rasch.Gregor Schöllgen: Krieg. Hundert Jahre Weltgeschichte. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2017, S. 107. Um Transportmöglichkeiten (Persischer Korridor) und den Zugang zu Öl zu sichern, wurde im August 1941 der deutschlandfreundliche Iran unter Verletzung seiner Neutralität von der Sowjetunion und Großbritannien besetzt.David T. Zabecki (Hrsg.): World War II in Europe – An Encyclopedia. Routledge, London 1999, ISBN 0-8240-7029-1, S. 95.
Gründung mini|Gründungsdokument
Die eigentliche Gründung der Anti-Hitler-Koalition mit dem Eigennamen Vereinte Nationen fand nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor und der Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an die Vereinigten Staaten im Dezember 1941 statt. 26 Staaten sandten Delegierte zur Arcadia-Konferenz, die vom Dezember 1941 bis Januar 1942 in Washington, D.C. stattfand.Jürgen Reifenberger: Vergangenheit. Bewältigung. Vergangenheitsbewältigung. Transcript, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-8394-4818-2, S. 79. Neben den USA, Großbritannien und der Sowjetunion beteiligten sich Australien, Belgien, China, Costa Rica, die Dominikanische Republik, El Salvador, Griechenland, Guatemala, Haiti, Honduras, Indien, Jugoslawien, Kanada, Kuba, Luxemburg, Neuseeland, Nicaragua, die Niederlande, Norwegen, Panama, Polen, Südafrika und die Tschechoslowakei. Die von Deutschland besetzten Staaten nahmen durch Vertreter ihrer Exilregierungen teil. Sie alle nahmen am 1. Januar 1942 eine gegen den Dreimächtepakt gerichtete Erklärung an, die Deklaration der Vereinten Nationen. Außerdem verpflichteten sich die unterzeichnenden Staaten darin auf die Ziele und Grundsätze der Atlantik-Charta, die von Großbritannien und den USA im August 1941 verkündet worden war, Separatfrieden wurden ausgeschlossen. Auf sowjetischen Wunsch wurde im Dokument vom „Kampf gegen den Hitlerismus“ gesprochen, weil die Sowjetunion einen Krieg mit Japan vermeiden wollte. Das Deutsche Reich wurde als vorrangiger Feind der Koalition definiert, dessen „Niederlage der Schlüssel zum Sieg“ sei. Briten und Amerikaner schufen einen gemeinsamen Operations- und Planungsstab, die Combined Chiefs of Staff mit dem unterstellten Combined Munitions Assignments Board für die gemeinsame Rüstungsanstrengung, deren enge Kooperation maßgeblichen Anteil an den militärischen Erfolgen der Koalition hatten. Die Achsenmächte verfügten nicht einmal ansatzweise über eine vergleichbare Koordinierung ihrer Kriegführung.Klaus-Dietmar Henke: Die amerikanische Besetzung Deutschlands. 2. Auflage, Oldenbourg, München 1996, ISBN 3-486-56175-8, S. 54.Ronald E. Powaski: Toward an Entangling Alliance – American Isolationism, Internationalism, and Europe, 1901–1950. Greenwood Press, 1991, ISBN 0-313-27274-3, S. 112–114.
Auf der Arcadia-Konferenz wurde für den Krieg im Südwestpazifik (East Indies Barrier) ein gemeinsames internationales Kommando (ABDACOM) der amerikanischen, britischen, niederländischen (Dutch) und australischen Streitkräfte unter General Wavell ohne vorherige Diskussion mit Australien und der niederländischen (Exil-)Regierung beschlossen.Honae Cuffe: The Genesis of a Policy – Defining and Defending Australia's National Interest in the Asia-Pacific, 1921–57. Australian National University Press, 2021, ISBN 978-1-76046-469-1, S. 110.
Nach fünfmonatiger Verhandlungsdauer wurde das „Bündnis im Krieg gegen Hitlerdeutschland und seine Verbündeten“ für die nächsten 20 Jahre am 26. Mai 1942 zwischen dem Vereinigten Königreich und der Sowjetunion unterzeichnet.Jochen Laufer: Pax Sovietica. Stalin, die Westmächte und die deutsche Frage 1941–1945. Böhlau, Köln 2009, S. 172.
Im Zuge der Koalitionsbildung sah sich die Sowjetregierung gezwungen, Schritte rückgängig zu machen, die sie im Interesse der Partnerschaft mit Deutschland unternommen hatte. So wurden wieder diplomatische Beziehungen zu den Exilregierungen der Tschechoslowakei, Norwegens, Belgiens, Frankreichs, Griechenlands und Jugoslawiens aufgenommen, die mit Ausnahme Griechenlands alle in Großbritannien amtierten. Auch wurde die Komintern 1943 aufgelöst.