Vaterstetten ist die bevölkerungsreichste Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Ebersberg. Der gleichnamige Hauptort ist Sitz der Gemeindeverwaltung und befindet sich etwa 17 km östlich der Landeshauptstadt München und 18 km westlich der Kreisstadt Ebersberg. Bis 1978 trug die Gemeinde den Namen Parsdorf.
Vaterstetten ist seit 2011 die nach Unterhaching zweitbevölkerungsreichste Gemeinde Bayerns, die weder die Bezeichnung Stadt noch Markt führt. Als eine leistungsfähige kreisangehörige Gemeinden mit großer Delegation übernimmt die Gemeindeverwaltung zusätzlich alle Zuständigkeiten der unteren staatlichen Bauaufsichtsbehörde.
Geographie Lage Die Gemeinde liegt in der Region München am Übergang der Münchner Schotterebene zum Ebersberger Forst und grenzt an den Landkreis München.
Gemeindegliederung Es gibt sieben Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Baldham (Pfarrdorf) Hergolding (Dorf) Neufarn (Pfarrdorf) Parsdorf (Kirchdorf) Purfing (Kirchdorf) Vaterstetten (Pfarrdorf) Weißenfeld (Kirchdorf)
Es gibt die Gemarkungen Parsdorf, Pöring (nur Gemarkungsteil 0) und Zorneding (nur Gemarkungsteil 0).
Nachbargemeinden Im Norden beginnend, grenzt Vaterstetten im Uhrzeigersinn an die Gemeinden Poing, Anzing, die gemeindefreien Gebiete Anzinger Forst und Eglhartinger Forst, Zorneding, Grasbrunn, Haar und Feldkirchen.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Da das heutige Gemeindegebiet auf der Grenze der Münchner Schotterebene liegt, ist eine frühe Besiedelung im südlichen Teil eher unwahrscheinlich, da der Ackerbau hier unvorteilhaft war gegenüber dem nördlichen Teil. Demnach ist Purfing der älteste Ort der Gemeinde, dort ist man auf eine Siedlung aus der Zeit zwischen 750 und 600 v. Chr. gestoßen.
Vaterstetten wurde vom altbajuwarischen Geschlecht der Fater gegründet.
Bis 1056 war der Ortsteil Weißenfeld (Wizzinvelt) im Besitz des römisch-deutschen Kaisers Heinrich III. als Reichsgut. Wie bedeutungsvoll diese Länderei für den Kaiser gewesen sein muss, zeigt, dass er noch auf seinem Sterbebett im Jahr 1056 seine Gattin mit Verhandlungen über dessen Besitzrecht beauftragte.
Im Sommer des Jahres 1800 wurde der Parsdorfer Waffenstillstand von Generalmajor Franz Joseph von Dietrichstein und General Jean Victor Moreau unterzeichnet, der mit der Schlacht bei Hohenlinden beendet wurde. Kurz danach, im Jahr 1818, wurde durch die königlich-bayerische Gebietsreform die Gemeinde Parsdorf gegründet, die die bis dahin bestehenden Steuerdistricten ersetzte. Den Verwaltungssitz der Gemeinde erhielt Parsdorf wohl aufgrund seiner damals bedeutenden Poststation.
19. bis 21. Jahrhundert Die aufstrebende Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde begann mit dem Anschluss an den Bau der Bahnstrecke München–Rosenheim im Jahr 1871. mini|Thorak-Atelier
Die Kolonie Baldham, damals noch zur Gemeinde Zorneding gehörig, wurde vor Beginn des Zweiten Weltkriegs als Standort für das „Thorak-Atelier“ von Hitlers Bildhauer Josef Thorak gewählt. Das von Albert Speer zwischen 1938 und 1941 errichtete Gebäude (heute Waldstraße 17) besteht aus einem zentralen Baukörper mit einer Höhe von 18 Meter und einer Grundfläche von 700 m². Das Areal steht unter Denkmalschutz, 15. April 2020, Seite 2, D-1-75-132-11; abgerufen am 15. September 2020 und wird heute von der Archäologischen Staatssammlung als Depot genutzt.Thorak-Atelier: „Für Lagerräume viel zu schade“ im Münchner Merkur vom 10. September 2010.
Am 19. Juli 1944 stürzte ein US-amerikanischer Bomber des Typs Consolidated B-24J-105-Co mit der Seriennummer 44-40444 nach Flakbeschuss in den Wald zwischen Vaterstetten und dem Nachbarort Ottendichl. Fünf der zehn Besatzungsmitglieder unter der Führung von Captain John C. Sandall (* 1920) starben.Münchner Merkur: US-Bomber stürzt in Vaterstetten ab. Abgerufen am 6. März 2011 Am Unfallort wurde 2009 eine Gedenktafel, gestaltet von Heike Rose und Bernd W. Schmidt-Pfeil, enthüllt.mini|Kirche zum Kostbaren Blut Christi
Die Gemeindegrenzen der heutigen Gemeinde Vaterstetten entstanden erst mit der Gebietsreform in Bayern 1978. Zuvor bildete Vaterstetten zusammen mit den Gemeindeteilen Parsdorf, Baldham (heutiges „Baldham Dorf“), Hergolding, Neubaldham, Neufarn, Purfing und Weißenfeld die Gemeinde Parsdorf. Am 1. Mai 1978 wurden aus der damaligen Gemeinde Pöring der Gemeindeteil Pöring Waldkolonie und aus der Gemeinde Zorneding der Gemeindeteil Kolonie Baldham nach Parsdorf eingegliedert. Am 2. Mai 1978 erfolgte die Umbenennung in Gemeinde Vaterstetten, da innerhalb der Gemeinde eine deutliche Verlagerung der Siedlungsschwerpunkte in die Orte Vaterstetten und Neubaldham stattgefunden hatte.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 18.268 auf 23.422 um 5.154 Einwohner bzw. um 28,2 %.
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Vaterstetten von 1867 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle
Stichtag EinwohnerErhebungsartEinzelnachweis1. Dezember 1840887Volkszählung3. Dezember 1867 997Volkszählung1. Dezember 1871988Volkszählung1. Dezember 19001171Volkszählung 1. Dezember 1910 1.407Volkszählung 16. Juni 1925 1.565Volkszählung 17. Mai 1939 2.059Volkszählung 1945 1.300?13. September 19504.406Volkszählung31. Dezember 19565.606Fortschreibung31. Dezember 19606.815Fortschreibung 6. Juni 1961 6.738Volkszählung31. Dezember 19658.854Fortschreibung 27. Mai 1970 11.522Volkszählung31. Dezember 197515.910Fortschreibung31. Dezember 198017.979Fortschreibung31. Dezember 198518.584Fortschreibung 25. Mai 1987 17.843Volkszählung 31. Dezember 1990 18.751Fortschreibung 31. Dezember 1995 19.649Fortschreibung31. Dezember 200020.978Fortschreibung 31. Dezember 2005 21.158Fortschreibung 31. Dezember 2010 22.070Fortschreibung9. Mai 201121.069Volkszählung 31. Dezember 2015 22.768Fortschreibung 31. Dezember 2020 24.789Fortschreibung31. Dezember 202225.530Fortschreibung Zum Jahr 1961: Von den 6.738 Einwohnern gehörten 5.420 zur damaligen Gemeinde Parsdorf, 1.146 zu Neubaldham und zur Kolonie Baldham sowie 172 zur Waldkolonie Pöring. Zum Jahr 1970: Von den 11.522 Einwohnern gehörten 9.058 zur damaligen Gemeinde Parsdorf, 2.464 zu Neubaldham und zur Kolonie Baldham sowie 233 zur Waldkolonie Pöring.
Politik
mini|Rathaus Vaterstetten
Gemeinderat Der Gemeinderat umfasst 30 Sitze. Der Bürgermeister wird getrennt durch die Bürgermeisterwahl gewählt und hat die 31. Stimme.
Seit den Kommunalwahlen in Bayern 2026 setzt sich der Gemeinderat folgendermaßen zusammen: Die CSU bleibt mit zwölf Sitzen (unverändert) stärkste Kraft. Die SPD erreichte einen zusätzlichen Sitz, wobei durch einen Fraktionsübertritt in der vorherigen Wahlperiode die Fraktionsgröße bei sechs Sitzen bleibt. Die Grünen verloren ein Mandat und kommen nun ebenfalls auf sechs Sitze. Die Freien Wähler gewannen einen Sitz hinzu und sind nun, ebenfalls aufgrund des Fraktionsübertritts, mit vier statt zwei Fraktionsmitgliedern vertreten. Die FDP bleibt bei zwei Sitzen. Die AfD trat im Gegensatz zur vorigen Wahl nicht an.
Bei der vorletzten Wahl für den Gemeinderat vom 15. März 2020 gewannen die Grünen drei Sitze (nun sieben). Die CSU blieb mit zwölf Sitzen weiter stärkste Kraft, verlor jedoch einen Sitz. Die SPD konnte ihre fünf Sitze verteidigen, die AfD, die 2014 noch zusammen mit der FBU antrat, verlor einen Sitz, die FDP gewann einen Sitz hinzu. Die Freien Wähler verloren zwei Sitze und waren mit drei Sitzen vertreten. Unmittelbar nach der Wahl entschied sich ein gewählter Gemeinderat der Freien Wähler, künftig der SPD-Fraktion anzugehören. Die gewählte AfD-Kandidatin entschied sich nach der Wahl für einen Parteiaustritt und gehörte dem Gremium anschließend als partei- und fraktionsloses Mitglied an. +Sitzverteilungen im Gemeinderat Partei 8. März 2026 15. März 2020 16. März 2014Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU)121213Bündnis 90/Die Grünen (GRÜNE)674Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)656 (durch Wechsel von FW)5Freie Wähler (FW)432 (durch Wechsel zur SPD)5Freie Demokratische Partei (FDP)221Alternative für Deutschland (AfD)n. a.1Gemeinsame Liste mit der FBUFreie Bürger Union (FBU)n. a.n. a.2(als FBU/AfD)Gesamt303030
Bürgermeister Erste Bürgermeisterin ist Maria Wirnitzer (SPD). Sie setzte sich bei den Kommunalwahlen 2026 in der Stichwahl mit 55,0 % gegen ihren Vorgänger Leonhard Spitzauer (CSU) durch. Max Mack (CSU) ist zweiter Bürgermeister, dritter Bürgermeister ist der Altbürgermeister Georg Reitsberger (FW).
Bei den Kommunalwahlen 2020 setzte Spitzauer sich mit 50,66 Prozent knapp gegen seine Konkurrentin Maria Wirnitzer (SPD) mit 49,34 Prozent durch, das entspricht einem Stimmenunterschied von 186. Insgesamt bewarben sich 5 Kandidaten um den Bürgermeisterposten. Im ersten Wahlgang am 15. März erhielt Spitzauer 39,1 Prozent, vor Maria Wirnitzer mit 27,8 Prozent. Die Kandidaten David Göhler (Grüne, 14,8 %), Roland Meier (Freie Wähler, 11,7 %) und Klaus Willenberg (FDP, 6,7 %) verpassten den Einzug in die Stichwahl. Vorgänger Georg Reitsberger (Freie Wähler) durfte aus Altersgründen nicht erneut für das Bürgermeisteramt kandidieren. In der konstituierenden Gemeinderatssitzung vom 7. Mai 2020 wurde Maria Wirnitzer (SPD) mit 25 von 30 gültigen Stimmen zur zweiten Bürgermeisterin gewählt. Dritter Bürgermeister wurde Roland Meier (FW), der sich mit 18 zu 13 Stimmen durchsetzte.
Erste Bürgermeister der Gemeinde Vaterstetten seit 1978 1978–1984: Martin Berger (seit 1972 Bürgermeister der Gemeinde Parsdorf) 1984–1988: Hermann Bichlmaier (CSU) 1989–2001: Peter Dingler (SPD) 2001–2013: Robert Niedergesäß (CSU) 2013–2020: Georg Reitsberger (Freie Wähler) 2020–2026: Leonhard Spitzauer (CSU) 2026: Maria Wirnitzer (SPD)
Wappen
Gemeindepartnerschaften : Seit 1982 mit Allauch : Seit 1994 mit Alem Katema : Seit 2009 mit Trogir Die längste Partnerschaft besteht mit der südfranzösischen Gemeinde Allauch bei Marseille. Sie wurde auf Betreiben eines Lehrers des Gymnasiums Vaterstetten unter Bürgermeister Martin Berger auf deutscher Seite und Roland Povinelli auf französischer Seite geschlossen. Der Partnerschaft ist der Allauchplatz in Baldham (seit 1998) sowie der Partnerschaftshügel in Vaterstetten mit einer Nachbildung der Mühle von Allauch (seit 2007) gewidmet; in Allauch wiederum ist eine Straße Avenue de Vaterstetten benannt.
Die Partnerschaft mit Alem Katema wurde zu Zeiten des Bürgermeisters Peter Dingler angeregt durch den damaligen Gemeindebürger Karlheinz Böhm, der die Hilfsorganisation Menschen für Menschen gegründet hatte, und ist Namensgeberin für den Alem-Katema-Brunnen in Baldham (seit 2009).
Eine dritte kommunale Partnerschaft wurde im Jahr 2009 auf Betreiben des Bürgermeisters Robert Niedergesäß mit der dalmatischen Stadt Trogir bei Split unter Vedran Rozic besiegelt, nachdem der Gemeinderat bereits 2004 eine Partnerschaft mit einer Gemeinde aus den neuen EU-Beitrittsländern anvisiert hatte. Im Jahr 2015 wurde der Partnerschaftshügel in Vaterstetten zu einem gemeinsamen Denkmal für beide europäische Partnerstädte mit den Wappen von Allauch und Trogir erweitert. Seit 2017 ist ein Kreisverkehr in Baldham als Trogir-Kreisel der Partnerstadt gewidmet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Baudenkmäler mini|Baudenkmal Scheckenhoferhaus Baudenkmäler in der Gemeinde Vaterstetten sind in erster Linie die historischen (vor dem 20. Jahrhundert erbauten) Kirchen und Kapellen. Dazu kommen einige Wohn- oder Pfarrhäuser, der Gasthof Stangl in Neufarn, das Thorak-Atelier in Baldham und die Brennerei in Parsdorf.
Bodendenkmäler
Religion Im katholischen Pfarrverband Vaterstetten (bestehend aus den Pfarreien Vaterstetten und Baldham sowie der Kuratie Neufarn) befinden sich insgesamt acht Kirchen: Zum kostbaren Blut Christi (Vaterstetten) St. Korbinian (Baldham-Dorf) St. Christophorus (Neukeferloh, liegt außerhalb der politischen Gemeinde Vaterstetten) St. Pankratius (Vaterstetten) St. Bartholomäus (Weißenfeld) St. Nikolaus (Parsdorf) St. Peter und Paul (Neufarn) Maria Königin (Baldham)