Curaçao [] (; ) ist eine rund 444 Quadratkilometer große Insel in der Karibik und bildet zusammen mit der unbewohnten Nebeninsel Klein Curaçao ein autonomes Land des Königreichs der Niederlande. Curaçao ist eine der drei ABC-Inseln und als solche Teil der karibischen Inseln unter dem Winde (südliche Kleine Antillen), die geologisch zur südamerikanischen Kontinentalplatte gehören. Obwohl Curaçao Teil des Königreichs der Niederlande ist, gehört es weder zur Europäischen Union noch zum Schengen-Raum. Curaçao ist aber mit der Europäischen Union assoziiert. Curaçao hat rund 160.000 Einwohner, größtenteils Papiamentu sprechende Katholiken. Weitere rund 145.000 Menschen aus Curaçao leben derzeit in den Niederlanden.
Curaçao ist seit ungefähr 4000 v. Chr. besiedelt. Ein kleiner Teil der heutigen Einwohner stammt von den indigenen Arawak ab. Seit 1499 ist die Insel von Europäern kolonialisiert. Die meisten der heutigen Einwohner stammen von ehemals von den Europäern versklavten Afrikanern ab.
Die Wirtschaft Curaçaos basiert auf Erdöl, dem Hafen, Tourismus, Offshore-Banking und einer beschränkten lokalen Produktion.
Geographie Die Insel ist circa 60 km vom Festland (nördlich von Venezuela und nordöstlich von Kolumbien) entfernt. Westlich von Curaçao befindet sich die Insel Aruba, die bis 1986 ebenfalls zu den Niederländischen Antillen gehörte, östlich davon die Insel Bonaire. Zusammen mit diesen gehört Curaçao geographisch zu den Inseln unter dem Winde. Südöstlich liegt Klein Curaçao, eine besonders bei Tauchern beliebte unbewohnte Insel, auf der nur ein Leuchtturm steht.
Höchste Erhebung ist der Sint-Christoffelberg mit einer Höhe von 375 m.
Bevölkerung Zum Jahresbeginn 2026 lebten 158.006 Menschen auf Curaçao. Der größte Teil der Bevölkerung konzentriert sich auf die Hauptstadt Willemstad und den urbanen Raum rund um das Schottegat im zentral-östlichen Teil der Insel.
Die Einwohnerschaft Curaçaos besteht aus einer Vielzahl von Ethnien. Die meisten Bewohner sind Nachkommen ehemals versklavter Afrikaner. Rund sechs Prozent der Bevölkerung sind niederländischer Abstammung. Wenige Insulaner stammen von den indigenen Arawak ab, den Ureinwohnern bei der europäischen Entdeckung der Insel. Daneben gibt es Nachfahren von sephardischen Juden, die im 17. Jahrhundert aus Spanien und Portugal vor der Inquisition flohen, sowie von der Ölindustrie angeworbene Gastarbeiter aus Asien, Südamerika und der Karibik. Die Bürger Curaçaos haben die niederländische Staatsbürgerschaft und sind somit EU-Bürger.
Ende der 1990er Jahre und Anfang der 2000er Jahre wanderten wegen der schlechten Wirtschaftslage viele Bewohner von Curaçao aus, vor allem in die Niederlande. Dort leben 145.000 Menschen aus Curaçao (Stand: 2023), also fast genau so viele wie auf Curaçao selbst. Unter den Herkunftsländern aller Immigranten der Niederlande liegt Curaçao auf Platz sieben (Stand: 2022), hinter Deutschland und Polen und vor Syrien und Belgien.
Eine Familie hat im Durchschnitt zwei Kinder; Männer werden etwa 76 Jahre, Frauen etwa 81 Jahre alt (zum Vergleich Niederlande insgesamt: Männer etwa 79, Frauen etwa 84 JahreOECD Factbook 2008 mit Daten für 2005.). Der Alphabetisierungsgrad ist hoch, etwa 96 % der Bevölkerung über 15 Jahren können lesen und schreiben.
Bevölkerungsentwicklung JahrEinwohnerzahl1960125.1811972147.0591981147.6581992144.0972001130.6272011150.5632021153.6712026158.006 Quelle: CBS
Sprachen Amtssprachen sind Niederländisch und Papiamentu, eine Kreolsprache mit spanischen, portugiesischen, niederländischen und englischen Elementen. Letztere ist die dominierende gesprochene Sprache. Papiamentu ist hoch entwickelt, es gibt zum Beispiel zahlreiche literarische Werke. Englisch- und Spanischkenntnisse sind verbreitet. Nach einer Schätzung von 2011 sind die Anteile beim Sprachgebrauch zu Hause: Papiamento 80 %, Niederländisch 8,8 %, Spanisch 5,6 %, Englisch 3,1 %, andere 2,3 %, nicht spezifiziert 0,3 %.
Geschichte Die Insel ist seit ungefähr 4000 v. Chr. besiedelt. Eine weitere indigene Kultur bildete sich nach einer zweiten Besiedelungswelle um ca. 1500 v. Chr.
Im Jahr 1499 landeten Spanier unter der Führung von Alonso de Ojeda auf der Insel, die sie zunächst nannten, da die Körpergröße der dort lebenden Arawak sie beeindruckte.Armando Lampe: Mission or submission? Moravian and catholic missionaries in the Dutch Caribbean during the 19th century. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-55963-1, S. 108. Wenige Jahre später deportierten die spanischen Kolonisatoren die indigenen Ureinwohner zur Zwangsarbeit auf das Festland. 1527 begannen die Spanier mit der Kolonisierung. Die nächsten Jahrzehnte blieb die Insel unter spanischer Kolonialmacht.
Auf spanischen Karten aus dem 16. Jahrhundert (ab 1525) heißt die Insel Curaçote, Curasaote und Curasaore. Das Wort „Curaçao“ stammt vermutlich aus der Sprache der indigenen Arawak oder Caiquetio.
1634 eroberte eine Expedition von Johan van Walbeeck Curaçao für die Niederländische Westindien-Kompanie (WIC). Unter Generaldirektor Jacob Pieters Tolck wurde die Insel Zentrum des karibischen SklavenhandelsRik van Welie, Slave Trading and Slavery in the Dutch Colonial Empire: A Global Comparison. New West Indian Guide / Nieuwe West-Indische Gids. 82, 2008, 61. und blieb dies bis ins 18. Jahrhundert. 1675 wurde Curaçao zum Freihafen erklärt.Arthur Weststeijn, State-Sanctioned Slavery: The States General from 1581 to 1796. In: Rose Mary Allen, Esther Captain, Matthias van Rossum, Urwin Vyent (Hrsg.), Slavery and the Dutch State, Dutch Colonial Slavery and its Afterlives. Leiden University Press, Leiden 2023, 335. Fast 100.000 Sklaven wurden zwischen 1658 und 1729 von der WIC nach Spanisch-Amerika verkauft,Rik van Welie, Slave Trading and Slavery in the Dutch Colonial Empire: A Global Comparison. New West Indian Guide / Nieuwe West-Indische Gids. 82, 2008, 62. überwiegend über Willemstad. Viele stammten von der Sklavenküste.Rik van Welie, Slave Trading and Slavery in the Dutch Colonial Empire: A Global Comparison. New West Indian Guide / Nieuwe West-Indische Gids. 82, 2008, 62. Nach 1713, als der Asiento an Großbritannien fiel, nahm der Sklavenhandel von Curaçao rapide ab. Verstärkt wurden Sklaven freigelassen und bildeten eine neue soziale Schicht.Rik van Welie, Slave Trading and Slavery in the Dutch Colonial Empire: A Global Comparison. New West Indian Guide / Nieuwe West-Indische Gids- 82, 2008, 64.
Sephardische Familien machten im 18. Jahrhundert einen Gutteil der Elite der Insel aus; ab Mitte des 18. Jahrhunderts dominierten jüdische Kaufleute den Handel.Frances Karner: The Sephardics of Curaçao. A study of socio-cultural patterns in flux. Van Gorcum, Assen 1969, S. 28. Ihre Sklaven ließen sie nicht beschneiden, sondern katholisch taufen.Jossy M. L. Maduro: De Portugeesche Joden in Curaçao. In: Ambrosius Petrus Euwens (Hrsg.): Gedenkboek Nederland–Curaçao 1634–1934. Uitgegeven ter gelegenheid der herdenking van de drie-honderdjarige vereeniging van Curaçao met Nederland. De Bussy, Amsterdam 1934, S. 69–78, hier S. 77. Um das Ende des 18. Jahrhunderts waren nur 18 % aller Schwarzen und Mulatten auf der Insel freie Personen, alle anderen waren Sklaven.
Die Insel blieb unter niederländischer Kolonialherrschaft, bis sie die Briten während der napoleonischen Kriege – ähnlich wie Südafrika und Suriname – besetzten. 1816 fiel sie wieder an die Niederlande. Um 1840 waren bis zu 40 % der Einwohner Sklaven. Es existierte aber keine ausgeprägte Plantagenwirtschaft, wie etwa in Surinam;Lauren Lauret, Dutch Politics and Slavery in the Nineteenth Century. In: Rose Mary Allen, Esther Captain, Matthias van Rossum, Urwin Vyent (Hrsg.), Slavery & the Dutch State, Dutch Colonial Slavery and its Afterlives. Leiden University Press, Leiden 2023, 142. dafür war die Insel zu trocken und unfruchtbar. Nach den Briten (1834) und den Franzosen (1848) schafften am 1. Juli 1863 auch die Niederlande die Sklaverei ab.
Ab den 1860er Jahren verlor Curaçao wirtschaftlich an Bedeutung, die sich erst mit den Entdeckungen von Erdöl-Lagerstätten in den 1930er Jahren wieder erhöhte. Heute basiert die Wirtschaft auf den fünf Säulen Erdöl, Hafen, Tourismus, Offshore-Banking und einer beschränkten lokalen Produktion.
Die militärische Bedeutung der strategischen Lage der Insel, die den größten natürlichen Innenhafen der westlichen Hemisphäre besitzt, wurde im Juni 2006 nochmals unter Beweis gestellt, als ein großes Militärlandemanöver auf der Insel stattfand. An der Übung „Joint Caribbean Lion 2006“ nahmen Soldaten aus Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Großbritannien und den Vereinigten Staaten teil.
Im Jahr 2005 stimmte die Bevölkerung Curaçaos bei einem Referendum über den zukünftigen Status der Insel ab, wobei sich die Mehrheit für den Status als autonomes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande entschied: Curaçao bleibt Teil der Niederländischen Antillen (3,74 %) Curaçao wird ein autonomes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande (67,83 %) Curaçao wird Teil der Niederlande (vgl. Status von Bonaire, Saba und Sint Eustatius) (23,61 %) Unabhängigkeit vom Königreich der Niederlande (4,82 %)
Am 15. Mai 2009 fand ein erneutes nicht bindendes Referendum statt, bei dem die Bevölkerung Curaçaos aufgerufen war, über das ausgehandelte Ergebnis abzustimmen. Eine knappe Mehrheit von 52 % stimmte für den Vorschlag, dass Curaçao ein eigenständiges Land innerhalb des Königreichs der Niederlande werden soll. Am 10. Oktober 2010 wurde der Landesverband der Niederländischen Antillen aufgelöst. Damit wurde Curaçao ein eigenständiges Land innerhalb des Königreichs der Niederlande, neben Aruba, Sint Maarten und den Niederlanden.
Politik Die Regierung unter Gerrit Schotte war ab dem 3. August 2012 nur noch geschäftsführend im Amt. Die Parlamentswahl wurde auf den 19. Oktober 2012 vorgezogen. Eine Mehrheit der Abgeordneten forderte jedoch eine Ablösung Schottes durch eine Interimsregierung. Die stellvertretende Gouverneurin Adèle Van der Pluijm-Vrede berief daraufhin am 29. September 2012 Stanley Betrian zum neuen Regierungschef. Schotte wollte seine Entlassung zunächst nicht akzeptieren und sprach von einem „Staatsstreich“, der von den Niederlanden gesteuert sei. Während sich die Bevölkerung von Curaçao angesichts der Regierungskrise gespalten zeigte, signalisierte das niederländische Parlament, einem Wunsch nach Unabhängigkeit nachkommen zu wollen.Zorgen over Curaçao, De Telegraaf, 30. September 2012, Archivlink abgerufen am 10. Juni 2026.Demissionair kabinet Curaçao weigert vertrek, De Telegraaf, 30. September 2012, Archivlink abgerufen am 10. Juni 2026. Gleichzeitig ließ die zuständige Haager Ministerin Liesbeth Spies erklären, dass die Regierungsneubildung im Einklang mit der Verfassung erfolgt sei.Spies achter interim-regering Curaçao, De Telegraaf, 30. September 2012, Archivlink abgerufen am 10. Juni 2026. Am 31. Dezember 2012 wurde Daniel Hodge der dritte Premierminister des Landes. Am 28. April 2017 fanden Neuwahlen statt. Am 29. Mai 2017 wurde Eugene Rhuggenaath zum Premierminister ernannt. Er übernahm das Amt von Gilmar Pisas, der es zwei Monate lang als Interim innegehabt hatte. Am 19. März 2021 fanden erneut Parlamentswahlen statt. Die Wahlen fanden zwei Tage nach den Niederländischen Wahlen statt. Eugene Rhuggenaath verlor seine Parlamentsmehrheit. Gilmar Pisas Movement for the Future of Curaçao gewann neun Sitze im Parlament, die Real Alternative Party von Eugene Rhuggenaath nur vier Sitze. Das Parlament von Curaçao verfügt über 21 Abgeordnete und wird „Estates of Curaçao“ genannt. Amtierender Premierminister ist seit dem 14. Juni 2021 Gilmar Pisas.
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