St. Lorenz ist ein Stadtteil Lübecks westlich des Holstentors und nordwestlich der Innenstadt, der politisch und rechtlich die Stadtbezirke Sankt Lorenz Nord (nördlich der Eisenbahn) und Sankt Lorenz Süd (südlich der Eisenbahn am linken Ufer von Trave und Stadtgraben außerhalb der Wälle) umfasst. Namensgebend ist wie entsprechend bei den anderen beiden historischen Stadtteilen St. Jürgen und St. Gertrud die Vorstadtkirche St. Lorenz am Steinrader Weg, die auf die Kapelle eines Pestfriedhofs aus dem 16. Jahrhundert zurückgeht. Der Stadtteil umfasst die Stadtbezirke St. Lorenz Nord Groß-Steinrade/Schönböcken (23), Dornbreite (24), Holstentor Nord (04) und Falkenfeld/Vorwerk (05). St. Lorenz Süd (03) ist nicht in Stadtbezirke unterteilt.
Karten 140px|Lage der kreisfreien Stadt Lübeck in Deutschland 140px|Lage der Stadtteile St. Lorenz Nord und Süd in Lübeck mit Nummern der Stadtbezirke Basisdaten St. Lorenz Nord Fläche: 27,9 km² Einwohner: 43.256 (2020)Hansestadt Lübeck: Statistische Nachrichten Nr. 42, Bevölkerung 2020. Abgerufen am 9. Juli 2021. Bevölkerungsdichte: 1548 Einwohner je km² Basisdaten St. Lorenz Süd Fläche: 2,9 km² Einwohner: 15.800 (2020) Bevölkerungsdichte: 5411 Einwohner je km²
Lage Wegen der Lage im Westen Lübecks vor dem Holstentor, nach Holstein hin, wurde die Gegend vor der intensiven Bebauung im Zuge der Industrialisierung Lübecks zum Ende des 19. Jahrhunderts auch Holstenfeld genannt.
Die Teerhofinsel gehörte ursprünglich zu St. Gertrud und kam erst 1884 nach dem Travedurchstich zu St. Lorenz.
Geschichte mini|Detail der Polizeiwache Der Erwerb der westlich vor der Altstadt gelegenen Außengebiete erfolgte zeitlich später als der der östlich gelegenen. Zunächst war das westliche Traveufer die Grenze zu Holstein. Erst mit dem Lübecker Reichsfreiheitsbrief von 1226 kam der schmale Streifen bis zu den Bächen von Paddelügge und Krempelsdorf zum Stadtgebiet hinzu. Vorwerk wurde um 1250 erworben. Mit diesem Grunderwerb westlich der Stadt wurde eine Tendenz deutlich, die sich durch die nächsten Jahrhunderte zog. 1255 wehrten sich die Lübecker mit militärischen Mitteln gegen die Raubritter von Buchwaldt aus Holstein, aber eigentlich bevorzugten sie das „Auskaufen“ dieser Familien, nicht nur zur Sicherheit der jungen Stadt, sondern in Zeiten dieses schnellen Aufstiegs zur Handelsmacht des Ostseeraumes auch zur Geldanlage. Im Kampf gegen diese Raubritter wurden mehrfach auch Landfriedensbündnisse mit den Grafen von Holstein geschlossen.
Das Gebiet vor dem Holstentor, das Holstenfeld, wurde jahrhundertelang im Wesentlichen als Gemeinweide, auch „Stadtfreiheit“ genannt, für das in der Altstadt gehaltene Vieh genutzt, das hier tagsüber auf die Weide getrieben wurde. Außerdem führten vom Holstentor zwei Straßen in das Holsteinische, die Lübsche Trade nach Segeberg und weiter an die Nordsee, die andere nach Plön. Das ebene, lehmige Land beinhaltete einige feuchte Kuhlen, die zu Fischteichen ausgehoben worden waren. Die Straßennamen in St. Lorenz Süd wie „Am Retteich“ oder „Karpfenstraße“ zeugen heute noch davon.
Mit der Verlegung des Hauptbahnhofs vom Holstentor an die heutige Stelle wurde das Holstenfeld durch die neue, direkte Hamburger Bahnlinie in die heutigen Stadtteile St. Lorenz Nord und Süd zerschnitten. Ein zweiter Schnitt erfolgte in den 1930er Jahren durch den Bau der A1 Hamburg – Lübeck. Diese beiden modernen Verkehrsachsen und ihre Anbindungen an die Stadt und den Hafen beeinflussten und prägten Erscheinungsbild und Entwicklung der Stadtteile seit ihrer Entstehung maßgeblich.
Im Zweiten Weltkrieg wurde auch der Stadtteil St. Lorenz Nord durch den Luftangriff auf Lübeck in der Palmsonntagnacht 1942 getroffen. Der Bunker Warendorpstraße ist einer von drei erhaltenen Hochbunkern, die als typische Luftkriegsarchitektur im Stadtteil erhalten sind.
Geschichte einzelner Stadtbezirke Dornbreite Planmäßige Besiedlung ab 1921; offizieller Name ab 1939 (Siedlung Dornbreite) Teil des ehemaligen Krempelsdorfer Gutsbezirkes.
Falkenfeld Flurbezeichnung schon 1669; offizieller Name ab 1940 (Siedlung Falkenfeld)
In Falkenfeld steht das Siedlungshaus (Butterstieg 12), die protestantische St.-Markus-Kirche (Am Dreworp 43) und die Grundschule Falkenfeld (Helgolandstraße 5).
Groß Steinrade
Der Ortsteil wurde erst 1970 im Zuge einer Gebietsreform nach Lübeck eingemeindet; vorher gehörte er zu Stockelsdorf.
Groß Steinrade ist ein ehemaliges lübsches Gut. Als erster Besitzer wird 1306 Marquard von Sandberg genannt, der Groß Steinrade und Eckhorst an den Lübecker Bürger Dietrich von Ahlen verkauft. Später häufiger Besitzerwechsel (v. Wickede, v. Calven, v. Brömbsen usw.), bis das Gut 1732 an die Familie von Rumohr, vertreten durch Henning von Rumohr gelangt. Diese Familie bleibt bis zum Tode des letzten Rumohrs, General Detlev von Rumohr († 1961), respektive noch kurz seines Sohnes Wolf-Günther (Peter) von Rumohr, im Besitz des Gutes. Haus und Hof sind inzwischen abgetragen; der etwa 150 ha große Forstbesitz ging an den Bund und wird ab 1965 als Truppenübungsplatz Wüstenei genutzt.Hubertus Neuschäffer: Gutshäuser und Herrenhäuser in und um Lübeck, Wachholtz-Verlag, 1988, ISBN 3-529-02691-3
Krempelsdorf mini|Herrenhaus des ehemaligen Gutes Krempelsdorf Zum 1. April 1913 nach Lübeck eingemeindet.
Ehemaliges lübsches Gut.Carl Friedrich Wehrmann: Die Lübeckischen Landgüter. In: ZVLGA 7, Heft 2 (1895), S. 151–236, hier S. 189–194 Im Lübecker Kämmereibuch (1316–1338) als crempelstorpe mit 18 Häusern aufgeführt. Als erster Besitzer wird 1399 die Familie Perseval genannt; bei einer Erbteilung der damaligen Besitzer, der Familie Lüneburg 1616 erhielt der mit Magdalene Lüneburg verheiratete Bürgermeister Heinrich Brockes I. den größten Teil von Krempelsdorf. Dieser Teil blieb über sechs Generationen im Besitz der Familie Brokes. Ab 1792 häufiger Besitzerwechsel (v. Witzendorff, v. Rumohr, ab 1823 Souchay). Der andere, kleinere Teil blieb bis 1744 im Besitz der Familie Lünburg und ihrer Nachkommen, dann v. Hatten, v. Albedyll, Blohm, Roosen. 1830 gelang es der Witwe Cornelie Souchay, geb. Hugues (1768–1838), auch diesen Teil von Carl Friedrich von Rumohr zu erwerben und ganz Krempelsdorf wieder zu einem Besitz zu machen.
Ab Ende der 1920er Jahre im Besitz Lübecks. Das 1786 von Christian von Brokes erbaute Herrenhaus ist seit 1932 an die Paul-Gerhardt-Gemeinde verpachtet und dient ihr als Gemeindehaus.
Schönböcken Zum 24. September 1921 nach Lübeck eingemeindet.
Hauptartikel: Lübeck-Schönböcken
Ehemaliges lübsches Gut. Als erster Besitzer wird 1271 der Lübecker Ratsherr Gerhard von Bremen genannt; später häufiger Besitzerwechsel (v.Warendorp, v.Ahlen, v.Stiten, v.Mokerke usw.). Im Lübecker Kämmereibuch (1316–1338) als sconeboke mit 9 Häusern aufgeführt. Gut aufgelöst und ab 1926 im Besitz der Stadt Lübeck. Das Herrenhaus wurde bis 2007 als Seniorenheim genutzt. (Im Winkel)
Vorwerk mini|Vorwerker Friedhof, Entwurf Erwin Barth, Oktober 1906 Im Lübecker Kämmereibuch (1316–1338) als droghevorwerk mit 20 Häusern aufgeführt. Zum 1. April 1913 nach Lübeck eingemeindet. 1914 wurde hier der Neubau für das Heim Vorwerk eingeweiht, die Keimzelle des heutigen Campus Triftstraße der Diakonie Nord Nord Ost. Eine planmäßige Besiedlung erfolgte ab 1921.
Der Vorwerker Friedhof ist mit 53 ha der größte in Lübeck und wurde 1907 eröffnet. Er wurde von Erwin Barth als Park konzipiert mit Alleen, Hecken, Waldbestand und Sitzecken. Als Besonderheit hat er Gedenkstätten und Kriegsgräberanlagen.Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (Hrsg.): Gartenrouten zwischen den Meeren. Route 5: Lübeck. 2., überarbeitete Auflage, Kiel, Mai 2010
Stadtteilumbau Während sich das Gebiet zwischen dem Hauptbahnhof und dem Holstentor, wenn auch mit Dekaden der Verzögerung, nunmehr selbstständig als Erweiterungsraum und Zugang zur Altstadtinsel entwickelt und in seinen stadtnahen Lagen der Seitenstraßen auch als Wohnlage attraktiv ist, bestehen im nordwestlichen Teil von St. Lorenz-Süd entlang der Eisenbahntrasse durchaus Probleme und Spannungsfelder. St. Lorenz-Süd ist daher im Förderprogramm Die Soziale Stadt eingebunden und verfügt über ein aktives Quartiersmanagement.
Hinzu kommt, dass die Stadt Lübeck den Standort des Drägerwerks im Stadtteil halten konnte. Dazu musste eine öffentliche Straße an das Drägerwerk verkauft werden, die das Werksgelände durchschnitt. Dies führte zu einer Neuordnung der Verkehrsflüsse und Verkehrsachsen in St. Lorenz-Süd, die erst nach dem Ausbau und der Elektrifizierung der Bahnlinie Hamburg-Lübeck 2008 abgeschlossen wurde und der einen Abriss und Neubau von Straßenbrücken über die Bahnlinie erforderlich machte.
Im April 2025 schuf die Stadtgrabenbrücke, eine Fußgängerbrücke über den Stadtgraben, eine neue Zugangsachse vom Hauptbahnhof durch die Lindenarkaden zur Musik- und Kongresshalle und der Beckergrube der Lübecker Altstadt.
Bauwerke Hafen Der Lübecker Hafen ist ein Oberbegriff für alle Hafenanlagen, die sich von der Lübecker Altstadt bis nach Travemünde am Unterlauf der Trave befinden. Während sich die wirtschaftliche Bedeutung der an der Altstadt gelegenen Häfen kontinuierlich reduziert hat, ist der Vorwerker Hafen mit dem Nordlandkai im Stadtteil St. Lorenz-Nord eines der pulsierenden des Herzstücke des Lübecker Hafens, dessen Anbindung 2007 mit Fertigstellung des Brückenschlags über die Trave im Zuge des Ausbaus der Nordtangente noch verbessern wird. Der Vorwerker Hafen wird von der Lübecker Hafengesellschaft betrieben. Er soll nach den Plänen der Hafengesellschaft um auf der Teerhofinsel gelegenes Gelände erweitert werden. Dazu ist es erforderlich, den dazwischen liegenden Altarm der Trave zuzuschütten.
Feuer- und Polizeiwache mini|Ehemalige Wachen Die Errichtung einer eigenen Feuer- und Polizeiwache machte das stetige Anwachsen der Vorstadt vonnöten. Deren Gebäudeensemble wurde 1902 in Betrieb genommen. Die Verlegung des Lübecker Haupt-, dessen Rangier- und Güterbahnhof in die Vorstadt, das Drägerwerk, die Kaserne der Füsiliere des 2. Hanseatischen bzw. ab 1897 des II. Bataillons des Lübeckischen 3. Hanseatischen Infanterie-Regiments Nr. 162 sowie die Errichtung von einem Unterwerk des Städtischen Elektrizitätswerks für deren Versorgung erhöhte die Bedeutung des Stadtteils. Während die Feuerwache heute außer Funktion ist, in der ehemaligen Fahrzeughalle befindet sich heute das Restaurant „Feuerwerk“, wird die Polizeiwache noch heute betrieben. Im Verhältnis zu 1902 nimmt sie jedoch erheblich mehr Raum ein. Infolgedessen wird der ehemalige „Haupt“eingang nicht mehr als solcher verwendet.
Hauptbahnhof mini|Hauptbahnhof Lübeck Der Hauptbahnhof Lübeck (Architekt Fritz Klingholz) ist gemeinsam mit dem ZOB der zentrale Verkehrsknotenpunkt des vom Stadtverkehr Lübeck betriebenen ÖPNV in der Hansestadt. Die aufwendige Sanierung wurde 2007 abgeschlossen. Städtebaulich löste die Verlagerung des Hauptbahnhofs vom Holstentor an den heutigen Standort zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein Problem aus, weil dadurch die Lücke in der Verbindung zwischen dem Bahnhof und der Altstadt als Zentrum anders als in anderen Städten für 100 Jahre nicht geschlossen werden konnte, was zum Teil auch an den dazwischen liegenden Wasserläufen von Stadtgraben (Puppenbrücke), den Lübecker Wällen der Stadtbefestigung, die im Bereich des Holstentores besonders ausgedehnt sind, und dem weiteren Flusslauf der Trave vor der Altstadt liegt.
Stadion Lohmühle Das Stadion an der Lohmühle ist das Heimstadion des VfB Lübeck, bei dessen Heimspielen der Stadtteil zwischen Hauptbahnhof dem Stadion direkt an der Autobahnausfahrt Lübeck-Mitte der A1 die Farben grün-weiß deutlich dominieren. Es fasst 17.869 Personen und hat 5.048 Sitz- sowie 11.250 Stehplätze. 4.268 Sitzplätze sind überdacht. Zusätzlich hat das Stadion 22 Logen mit insgesamt 220 Sitzplätzen.
St.-Lorenz-Kirche