Willisau (in der Regionalmundart Wilisou Sprachatlas der deutschen Schweiz, Band V 1a; siehe auch ortsnamen.ch, Eingabe Willisau.) ist eine Kleinstadt und Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Luzern. Sie ist Sitz eines der vier Luzerner Bezirksgerichte.

Die heutige Gemeinde entstand am 1. Januar 2006 aus einer Fusion der bisherigen Gemeinden Willisau Stadt und Willisau Land, nachdem deren stimmberechtigte Einwohner am 25. Januar 2004 den Zusammenschluss zur Stadt Willisau beschlossen hatten. Seit dem 1. Januar 2021 ist Gettnau auch Teil der Gemeinde Willisau.

Geographie mini|Die Änziwigger durchfliesst Willisau bei der Heiligblut-Kapelle Die Stadt Willisau liegt im Luzerner Hinterland am Rande der nördlichen Ausläufer des Napfs, am Zusammenfluss von Buech- und Änziwigger. Um die historische Altstadt entstanden in den vergangenen 40 Jahren neue Quartiere.

Willisau ist mit seinen 4722 Hektaren und seinen rund 9000 Einwohnern flächen- und einwohnermässig die grösste Gemeinde im Wahlkreis Willisau. Das Gemeindegebiet ist Teil des so genannten Inneren Willisauer Berglands, das gegen Norden durch das Quertal Huttwil–Gettnau–Alberswil begrenzt wird. Die Gemeinde erstreckt sich zum grössten Teil über die nördlichen Ausläufer des Napfs und stösst gleichzeitig an das sich öffnende obere Wiggertal.

Die Landschaft ist zur Hauptsache durch die unverwechselbaren besonderen Eigenschaften der Napfabdachung geprägt. Sie besteht aus Eggen und Krächen (Tobeln) bzw. ausgedehnten Hügelzügen mit steilen oder sanften Abhängen und wasserreichen, schmäleren oder breiteren Talböden. Recht gross sind die Höhenunterschiede innerhalb der Gemeinde. Der höchste Punkt der Gemeinde befindet sich nahe der Chaltenegg auf , der tiefste nahe dem Weiler Wydenmühle auf

Am 16. Juni 1988 kam es in Willisau zu einer Unwetterkatastrophe als das «Jahrhundertwasser» kam.Bruno Biere, Stefan Calivers: Die Unwetterkatastrophe vom 16. Juni 1988 in Willisau. In: Heimatkunde Wiggertal, Bd. 46, 1988, S. 145–177 (Digitalisat), abgerufen am 19. Oktober 2025.

Neben dem historischen Städtchen und seiner Agglomeration gibt es noch weitere Siedlungen in der Gemeinde. So die Weiler Daiwil an der Hauptstrasse Willisau–Menznau, Schülen () auf halbem Weg zum Menzberg, Rohrmatt, Ostergau und Käppelimatt. Zudem sind Bauernhöfe über das ganze Gemeindegebiet verteilt.

Die Stadt grenzt an Alberswil, Ettiswil, Grosswangen, Hergiswil bei Willisau, Luthern, Menznau, Schötz, Ufhusen und Zell.

Bevölkerung Die Bevölkerungszahl des Städtchen Willisau blieb trotz des mittelalterlichen Stadtrechts über lange Zeit eher gering (1798 nur 970 Einwohner). Der grosse Teil der Bevölkerung wohnte allerdings nicht innerhalb der Stadt, sondern ausserhalb in kleinen Siedlungen und zahlreichen Einzelgehöften. Infolge Abwanderung und Landflucht nahm die Bevölkerung von 1880 bis 1900 ab. Nach dem Bevölkerungstiefstand von 1900 gab es mehrere Wachstumsphasen, so dass die Einwohnerzahl markant angewachsen ist (1900–2020: + 88,2 %). Trotz des starken Wachstums im Städtchen Willisau auf über 3000 Einwohner lebt auch heute noch die Mehrheit der Einwohnerschaft in einem ländlichen Umfeld.

Quellen: Volkszählungen in der Schweiz vor 1850Martin Schuler, Volkszählungen in der Schweiz vor 1850; Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden 1850–2000Bundesamt für Statistik,Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden 1850–2000; 2010 ESPOP, 2020 STATPOP; heutiges Gemeindegebiet

Sprachen Die Alltagssprache ist das schweizerdeutsche Luzerndeutsch, eine hochalemannische Mundart.

Religionen – Konfessionen In früheren Zeiten war die gesamte Bevölkerung Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Heute (Stand 2000) gibt es 81 % römisch-katholische und 8,9 % evangelisch-reformierte Christen. Die Katholiken gehören kirchenrechtlich dem Bistum Basel beziehungsweise staatsrechtlich der Katholischen Kirche im Kanton Luzern an, die Reformierten der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Luzern.

Daneben findet man 2,8 % Muslime sowie 7,3 % Angehörige anderer nichtchristlicher Religionen oder Konfessionslose. Die Muslime sind meist albanischer, kurdischer und türkischer Herkunft; die Minderheit der Angehörigen anderer Religionen fast ausschliesslich Hindus tamilischer Abstammung aus Sri Lanka.

Im Jahr 2022 gehörten (laut Berechnungen des Bundesamts für Statistik) 69,7 % der Bevölkerung zur Katholischen Kirche und 7,5 % zur Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Luzern. Die Zahl der Konfessionslosen und Muslime ist seit der letzten Volkszählung 2000 stark gewachsen. Zusammen mit Christen ausserhalb der Landeskirchen und weiteren nichtchristlichen Glaubensgemeinschaften stellen sie 22,8 % der Einwohnerschaft.

Herkunft – Nationalität Ende 2022 zählte die Gemeinde 9108 Einwohner. Davon waren 7838 Schweizer Staatsangehörige und 1270 (= 13,9 %) Menschen anderer Staatsangehörigkeit. Die grössten Zuwanderergruppen kommen aus dem Kosovo (223 Menschen), Deutschland (197 Menschen), Portugal (119), Italien (85), Eritrea (84), Nordmazedonien (60) und Serbien (50). 258 Personen stammen aus anderen europäischen Ländern, 194 aus weiteren aussereuropäischen Ländern.

Geschichte mini|Luftbild (1949) Ortsname Der Name geht wahrscheinlich auf ein althochdeutsches Willinis ouwa zurück, was «Au des Willin» bedeutet.Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 970.

Der Volksmund kennt eine volksetymologische Erklärung: Der Sage nach bauten zwei Brüder eine Stadt, und als sie fertig war, fragte der eine den andern, wie sie heissen solle, worauf dieser zur Antwort gab: Mir isch glych, wi d s duu witt, will i s ou «Mir ist es gleich, wie du es willst, will ich es auch».Josef Zihlmann: Namenlandschaft im Quellgebiet der Wigger. Die Hof- und Flurnamen der Gemeinden Willisau-Stadt, Willisau-Land und Hergiswil. Comenius, Hitzkirch 1984, S. 420.

Ereignisgeschichte Für das Jahr 893 ist eine alemannische Hofsiedlung Cozeriswilare (heute: Gesserswil) im Willisauer Bergland aktenkundig. Die erstmalige Erwähnung des Ortes Willineshouwo datiert auf 1101. In den Jahren 1302 und 1303 errichteten die Freiherren von Hasenburg an Stelle des bisherigen Pfarrdorfes ein befestigtes Zentrum. Im Jahr 1330 erhielt Willisau das Recht zur Abhaltung von Jahr- und Wochenmärkten. 1367 wurden die Grafen von Aarberg durch Heirat Willisauer Stadtherren. Im Guglerkrieg 1375 liess Herzog Leopold die noch schlecht bewehrte Kleinstadt abbrennen. 1386 befahl Herzog Leopold III. beim Auszug aus Willisau die erneute Vernichtung der Stadt (vor der Schlacht bei Sempach).

232x232px|mini|Willisau im 17. Jahrhundert, Kupferstich Merian. Am linken Rand der Burghügel mit der St.-Niklausen-Kapelle, hinter dem Städtchen die noch unbebaute Flur der GeissburgIm Jahr 1407 verkauften die Nachfahren der Hasenburger die Stadt und Grafschaft Willisau an die Stadt Luzern. Die lukrative Landvogtei Willisau war vier Jahrhunderte Teil des Stadtstaates Luzern. 1471 wurde Willisau durch einen Stadtbrand zerstört.

Im Jahr 1512 erhielt die Stadt von Papst Julius II. eigens einen wertvollen «Juliusbanner» für die 1508–1510 im «Grossen Pavier Feldzug» geleisteten Dienste zur Vertreibung der Franzosen.Winfried Hecht: Das Juliusbanner des zugewandten Ortes Rottweil. In: Der Geschichtsfreund: Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz. 126/7 (1973/4). doi:10.5169/seals-118647

Im Jahr 1704 brannte ein Grossteil der Stadt zum vierten Mal ab. Im Gefolge der Staatsumwälzung verlieren die Stadtbürger 1798 ihre Vorrechte. Die Steuerbezirke Stadt und Kirchgang ausserhalb der Stadt wurden zu Munizipalitäten. Im Jahr 1803 erklärte die Mediationsregierung die Munizipalitäten Stadt und Landschaft zu eigenständigen Gemeinden.

Ab 1990 verstärkten Willisau Stadt und Willisau Land ihre Zusammenarbeit und lösten immer mehr Aufgaben gemeinsam. Am 25. Januar 2004 wurde über die Vereinigung der Gemeinden Willisau Stadt und Willisau Land abgestimmt. Bei einer hohen Stimmbeteiligung (80 % Willisau Stadt, 81 % Willisau Land) wurde die Vorlage deutlich angenommen. Auf den 1. Januar 2006 fusionierten die beiden Gemeinden Willisau Land und Willisau Stadt zur Stadt Willisau.

Willisau in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Politik Gemeinderat Der Stadtrat Willisau besteht aus fünf Mitgliedern und ist für die Legislatur-Periode 2024–2028 wie folgt aufgestellt:

André Marti (FDP): Stadtpräsident Daniel Bammert (Mitte): Stadtammann/Delegierter Stadtrat Markus Amrein (Mitte): Stadtrat Sabine Büchli-Rudolf (FDP): Stadträtin Karin Wüest (SP): Stadträtin

mit Guido Solari: Stadtschreiber Cornelia Heller: Stadtschreiberin II Kevin Odermatt, Stadtschreiber-Substitut

Kantonsratswahlen Bei den Kantonsratswahlen 2023 des Kantons Luzern betrugen die Wähleranteile in Willisau: Mitte (mit JMitte und Mitte60+) 32,18 %, FDP 24,38 %, SVP 22,25 %, SP 10,78 %, Grüne 7,05 % und glp 3,37 %.Kantonsratswahlen: Stärke der Parteien 2023 (LUSTAT Statistik Luzern)

Nationalratswahlen Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Willisau: Mitte 34,9 %, SVP 27,5 %, FDP 17,0 %, SP 10,3 %, Grüne 4,7 %, glp 3,1 %, übrige 2,5 %.

Wappen Das Wappen der Gemeinde Willisau zeigt "auf gelbem Grund einen steigenden roten Löwen mit blauen Krallen". Die Farben des Wappenschildes sind gelb und rot.Wappenbeschreibung in der Gemeindeordnung vom 1. Januar 2021; abgerufen am 15. September 2022.

Schulen und Sportanlagen Auf dem Schlossfeld oberhalb des Städtchens befinden sich weitläufige Schul- und Sportanlagen. Neben der Volksschule (1.–9. Klasse), aufgeteilt auf die Schulanlagen Schloss und Schlossfeld, befinden sich die Kantonsschule (Gymnasium und Wirtschaftsmittelschule WMS) und die Berufs- und Gewerbeschule auf demselben Areal. Die Sportanlage bietet fünf Rasenplätze, eine 400-m-Rundbahn, drei Hartplätze, neun Turnhallen, davon zwei Dreifachhallen sowie ein Hallenbad. Daneben gibt es noch das Freizeitzentrum Willisau mit einer Tennishalle und einem Tennisplatz. Dazu gehören auch eine Minigolfanlage, ein Fitnesscenter, eine Squashhalle, eine Sauna mit Dampf- und Sprudelbad sowie ein Restaurant. Die beiden Kindergärten befinden sich im Pfarreiheim und an der Menzbergstrasse. Die Heilpädagogische Sonderschule ist derzeit (2024) zweigeteilt: Der Neubau in unmittelbarer Nähe zum Schloss bildet das Hauptgebäude, weitere Räume befinden sich in einem Gebäude am Schützenrain.

Verkehr

Willisau liegt an der Bahnstrecke Luzern–Langenthal. Verantwortlich für den Betrieb ist die BLS AG. Daneben bestehen die Buslinien Willisau–Ettiswil–Sursee (Linie 60.063), Willisau–Schötz–Nebikon–Dagmersellen (Linie 60.271), Willisau–Hergiswil–Hübeli (Linie 60.272) und seit dem 15. Dezember 2019 die Buslinie Willisau–Nebikon–Altishofen–Dagmersellen Industriepark («Wiggertal-Express» Linie 60.277).

Willisau liegt an der Hauptstrasse Dagmersellen–Wolhusen–Luzern. Seit 1999 wird das Zentrum vom Durchgangsverkehr umfahren.

Die nächstgelegenen Autobahnanschlüsse sind östlich (an der Autobahn A2) Dagmersellen in 11 km und Sursee in 13 km Entfernung. Die Autostrasse K10 (Richtung Luzern) führt 13 km südlich von Willisau durch.

Sehenswürdigkeiten

Rathaus